Encyclopaedia Britannica: Historische Artikel

In der letzten Zeit lese ich wieder verstärkt in der Britannica, die sich als Enzyklopädie vom großen Brockhaus unter anderem dadurch unterscheidet, dass man in der Macropaedia viele Artikel in Buchlänge zu buchstäblich allen Wissensgebieten findet.
Die Britannica ersetzt also eine kleine Bibliothek. Der kürzlich von mir gelesene Artikel über die „Roman Civilization“, entspricht etwa 250 Buchseiten und ist von einer Qualität, die man zwischen zwei Buchdeckeln erst nach längerem Suchen finden würde. Geschrieben von mehreren Spezialisten wirkt er stilistisch trotzdem einheitlich und erweist sich (im Gegensatz zum „normalen“ Lexikonartikel) als hervorragend lesbar.

Es ist nicht in erster Linie die Sachkompetenz der Verfasser, auf welche die außergewöhnliche Qualität dieser Artikel beruhen, sondern der regelmäßige Wechsel der Perspektiven. Kondensierte erzählte Geschichte, oft wohltuend pointiert wiedergegeben, wechselt mit abstrakter Einordnung des Geschehens in weltgeschichtliche Zusammenhänge, wobei kulturelle und ökonomische Faktoren nicht zu kurz kommen.

Als dritte Ebene kommt noch die Forschungsperspektive hinzu. Anstatt eine Theorie zu vertreten, werden divergierende Forschungsauffassungen präsentiert, womit der Leser en passent einen Einblick in die Kontroversen des Fachgebiets erhält.
Es dürfte also kaum bessere Möglichkeiten geben, sich mit den historischen Grundlagen einer Epoche oder eines Landes vertraut zu machen, als die Macropaedia. Das gilt selbstverständlich auch für viele andere Wissensgebiete, weshalb die Britannica in keiner Bibliothek fehlen sollte!

Erwähnt sei noch, dass der Artikel über „Greek Civilization“ etwa 90 Buchseiten länger ist als der über die römische, eine plausible Schwerpunktsetzung, wie ich meine.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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