Reise-Skizzen Griechenland (1): Athen

Griechenland wird derzeit generalsaniert. Die bekannten Denkmäler sind durch Gerüste umstellt, wenn nicht überhaupt zur Restaurierung komplett abtransportiert – wie der Nike Tempel auf der Akropolis.

Sogar das Nationalmuseum wurde komplett geschlossen und man frägt sich, warum die Athener nicht wenigstens die herausragendsten Werke an anderer Stelle zugänglich machen. Der Grund für diese Renovierungswut ist schnell gefunden: Während der Olympischen Spielen 2004 will sich das Land in neuem Glanz präsentieren. Ein Jahr darauf wäre also ein idealer Termin für eine ausführliche Griechenland-Reise.

Athen selbst gehört zu den fußgängerfeindlichsten Städten, die mir bis jetzt begegnet sind. Achtspurige Straßen wälzen sich durch das Zentrum, sporadisch von Ampeln unterbrochen, deren Grünphasen für Fußgänger selbst Kurzstreckenläufern kaum ausreichen dürften. Es versteht sich, dass diese Autolawinen direkt um viele berühmte Monumente kreisen, denen die Smogspuren deutlich anzusehen sind.
Eine Seite am Fuß der Akropolis wurde kürzlich verkehrsberuhigt und in eine Flaniermeile mit beeindruckenden Ausblicken verwandelt. Der berühmte Hügel selbst ist erwartungsgemäß beeindruckend, man lese die Details in dem von mir empfohlenen Reiseführer Lambert Schneiders nach.

Seltsam aufschlussreich sind die neoklassizistischen Bauten der Stadt, wie man sie aus München oder Wien kennt. Der von Theophil Hansen konzipierten Athener Nationalbibliothek etwa ist die Ähnlichkeit mit dem von ihm erbauten Wiener Parlament deutlich anzusehen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass der antiseptische Stil dieser Bauten deutlich von den bunten Bauten der Antike abweicht. Man steht in Athen staunend vor der aus dem Norden reimportierten architektonischen Umsetzung der sachlich oft falschen Antikenrezeption der deutschen Klassik.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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