Sergiu Celibidache (1)

In diesem Jahr setzte ich mich ziemlich intensiv mit Celibidache auseinander. Es dürften etwa 30 CDs gewesen sein, die ich mir sukzessive anhörte (nebenbei ein willkommener Anlass sich erneut quer durchs Repertoire zu hören). Die Münchner Philharmoniker hatte ich früher sträflich unterschätzt, Celibidache hat sie mühelos in die erste Orchesterliga dirigiert.

Das Erstaunliche am Phänomen Celibidache ist, dass er gegen eine Vielzahl solider ästhetischer Konventionen verstößt und trotzdem (deswegen?) eine Interpretation spannender als die nächste ist. Im Zeitalter der schlanken historischen Aufführungspraxis, die ich durchaus schätze, müssten seine mächtigen, langsamen Bruckner Aufführung grotesk anachronistisch wirken. Der Höreindruck ist aber ein völlig anderer, schon nach den ersten Minuten spürt man das Zwingende dieses Interpretationsansatzes. Die Langsamkeit der Tempi wird mit einer unglaublichen Präzision (nicht nur, aber vor allem auch der Hölzbläser) der einzelnen Orchestergruppen kombiniert.

Es bestätigt sich wieder einmal die These, dass eine gewisse Art von ästhetischen Normen, die für durchschnittliche Talente notwendig sind, von Ausnahmebegabungen ohne Schaden ignoriert werden können, wenn sie etwas dagegenzusetzen haben.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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