Ironielose Postmoderne

Wer Woody Allens „Deconstructing Harry“ sah, wird sich daran erinnern, mit welch feinen Ironie er am Ende diese „Denk“-„Methode“ behandelt: In Wahrheit seien Harrys Romanfiguren ja alle sehr lustig (statt des Gegenteils) merkt eine Studentin altklug an, sie habe das bei der Dekonstruktion seiner Bücher festgestellt.

Ironie ist offenbar eine Kategorie, die man innerhalb der postmodernen Geisteswissenschaft auf alles anwendet, nur nicht auf die eigenen akademischen Arbeiten, sonst könnte diese Anzeige eines neuen Buches schwerlich ernst gemeint sein: „Deconstructing Woody Allen“ wählte Angelika Janssen als Titel für ihr von uns schon lange erwartetes Buch denn: „Dekonstruktion ist eine bei der Interpretation und in der Kritik von Woody Allens filmischem Werk bisher zu wenig berücksichtigte Kategorie.“

Zweifelsohne ist die Wissenschaftlichkeit eine bei der postmodernen Interpretation bisher zu wenig berücksichtigte Kategorie. Der Peter Lang Verlag druckt offenbar immer noch alles, wenn der Druckkostenzuschuss stimmt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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