Balzac: Ursule Mirouet

Je mehr Romane von Balzac ich lese, desto klarer wird mir, dass meine Vorbehalte immer größer werden. Vor allem, wenn er zu schreiben aufhört, und zu denken anfängt, ist es manchmal kaum auszuhalten.

Beim vorliegenden Buch ist eine enthusiastisch-affirmative Darstellung des zeitgenössischen esoterischen Aberglaubens (Swedenborg, Mesmer) zu beklagen. Aber damit nicht genug, dieser Hokuspokus dient unglaubwürdigerweise dazu, einen alten Enzyklopädisten gegen Ende seines Lebens in einen lammfrommen Katholiken zu verwandeln.

Sobald sich Balzac hingegen auf seine eigentlichen erzählerischen Fähigkeiten besinnt und beispielsweise die boshafte Habgier der auf das Erbe des alten Mannes spekulierenden Verwandten schildert, ist der Roman stellenweise hervorragend. Insgesamt allerdings keine Konkurrenz für seine großen Romane (Verlorene Illusionen, Glanz und Elend der Kurtisanen, Eugenie Grandet …).

Balzac: Ursule Mirouet (detebe)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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