August 2025
Ich fange gleich mit der subjektiv besten an: Ibrahim Mahamas Zilijifa in der Wiener Kunsthalle. Der Künstler aus Ghana setzt sich auf hohem ästhetischen Niveau mit den „headpans“ auseinander, welche die Frauen seines Landes extensiv verwenden. So hat er eine Lokomotive auf Headpan-Säulen drapiert – Frauen tragen in 10 Jahren das Gewicht vieler dieser Lokomotiven auf ihrem Kopf durch die Gegend. Es gibt zwei Videoinstallationen zum Thema, ein ausführliches Videointerview mit dem Künstler und andere thematische Begleitwerke. Fand ich sehr beeindruckend. (Bis 2.11.)
Vorher war kurz vor Ende noch in Suburbia im Wiener Architekturzentrum. Eine kulturhistorische Aufarbeitung, wie die berühmt-berüchtigten Vororte in den USA entstanden sind samt den negativen Auswirkungen wie Zersiedelung und dem „verrückten“ Straßenbau dort. Auch der Rassismus wird thematisiert. Die Weißen wollten überwiegend unter sich bleiben. Es wird dann noch ein kurzer Bogen zur österreichischen Utopie des eigenen Hauses geschlagen. Ebenfalls eine gelungene Sache.
Das Dommuseum ist schon wegen der wenigen, aber sehr schönen gotischen Skulpturen immer einen Besuch wert. Hinzu kommen thematische Ausstellungen von meist akzeptabler Qualität. Aktuell In aller Freundschaft, die sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven nähert. Primär durch Fotos und Kunstwerke. Etwas mehr intellektuelle Tiefe hätte sicher nicht geschadet. (Bis 24.8.)
Ich spaziere von dort zum Heldenplatz. Im Weltmuseum schlendere ich kurz durch Wer hat die Hosen an? (bis 1.2.), ein globaler kulturhistorischer Abriss dieses Bekleidungsstücks, bin aber primär wegen Der europäische Koran da. Drei Räume beschäftigen sich mit der Rezeption dieses einflussreichen Buches. Zu Beginn standen Übersetzungen von Übersetzungen von Übersetzungen, bis im 19. Jahrhundert schließlich die textkritische Koranforschung entstand. Man erfährt auch einiges über die Druckgeschichte. Nicht spektakulär, aber durchaus einen Besuch wert. (bis 24.8.)