Rossini

Rossini: La Cenerentola

Wiener Staatsoper 29.1. 2013

Regie: Sven-Eric Bechtolf
Dirigent: Jesús López-Cobos

Don Ramiro: Dmitry Korchak
Dandini: Vito Priante
Don Magnifico: Alessandro Corbell
Angelina: Tara Erraught
Alidoro: Ildebrando D`Arcangelo
Clorinda: Valentina Nafornita
Tisbe: Margarita Gritskova

Zu Lebzeiten Rossinis waren die Wiener in dessen Opern so vernarrt, dass sich Beethoven höchst selbst darüber mokierte. Nach Jahrzehnten bringt nun die Staatsoper La Cenerentola wieder auf die Bühne. Mit dem Märchen vom Aschenputtel hat der Stoff nur noch die Grundkonstellation gemein, die berühmten Details (Ball, vergessener Schuh) fehlen. Sven-Eric Bechtolf inszeniert das Stück als ironische Sozialkomödie. Das von Korruption und Bereicherungskriminalität gezeichnete Sittenbild zeigt den Zusehern, dass ihre politische Kaste in Österreich mit Gaunerbaronen aus Fantasiekönigreichen viele Gemeinsamkeiten aufweist. Elemente der Inszenierungen erinnern an eine Farce, so trägt der Chor einen wesentlichen Beitrag zur Komik bei, indem beispielsweise Männer als Frauen herausgeputzt sind (wie man das von Monty Python her kennt). Überhaupt spielt die Choreografie eine zentrale Rolle. Ich kenne kaum eine Oper mit so vielen und so langen Ensemblegesängen.

In der ersten Hälfte war ich skeptisch, ob dieses Konzept aufgeht, am Ende war ich davon überzeugt. Musikalisch war der Abend ebenfalls gelungen. Das gesangliche Niveau war durchgehend gut und nicht nur Alessandro Corbell als Schmierenbaron überzeugte durch schauspielerische Komik. Eine Bereicherung des Wiener Repertoires.

Rossini: L’Italiana in Algeri

Wiener Staatsoper 25.11

Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Mustafà, Bey von Algerien: Ildar Abdrazakov
Lindoro, ein junger Italiener, Lieblingssklave des Mustafa: Maxim Mironov
Isabella, italienische Dame: Stella Grigorian
Elvira: Chen Reiss
Zulma: Rachel Frenkel
Haly: Hans Peter Kammerer
Taddeo: Alfred Šramek

Rossini komponierte diese opera buffa für das Publikum in Venedig, wo sie 1813 sehr erfolgreich uraufgeführt wurde. Es war seine zweite Oper für Venedig. Das Thema hat für eine komische Oper immer noch aktuelle Anklänge: L’Italiana in Algeri spielt wie Mozarts Entführung aus dem Serail im Orient. Der Bey von Algerien kommt im Libretto nicht gut weg, wird er doch als ebenso dummer wie geiler Haremsinhaber dargestellt. Man fühlt sich unwillkürlich an Gaddafi und Konsorten erinnert. Selbstverständlich wird Mustafa von der entführten Italienerin Isabella intellektuell (und nur intellektuell!) aufs Kreuz gelegt.

Wie es sich für eine opera buffa gehört, sind auch die anderen Figuren als komische Typen gezeichnet (Taddeo!), so dass sich letzten Endes fast ein Gleichgewicht zwischen Orient und Okzident herstellt. Mustafa versucht ja auch wie ein zivilisierter Osmane seine Isabella zu verführen, und wendet keine Gewalt an.

Das Libretto wirkt heute noch amüsant, wozu auch die Inszenierung beiträgt, die sehr erfolgreich auf die komischen Elemente setzt. Die schauspielerische Leistung des Ensembles war in dieser Hinsicht exzellent. Musikalisch war der Abend ebenfalls sehr gelungen. Das Staatsopernorchester spielt in einer kleinen Besetzung sehr präzise. Alle Sängerinnen und Sänger waren gut in Form.

Rossini gilt als der wichtigste Begründer des Bel Canto. Deshalb sind seine frühen Opern auch musikhistorisch sehr interessant.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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