Raffael

Raffael und Rubens in Wien

Albertina 31.10. 17

Es ist erfreulich, dass die Albertina so viele Werke eines der größten Maler der Kunstgeschichte in Wien versammeln konnte. Raffael ist der jüngste unter den berühmten Malern der Hochrenaissance und lernte viel von seinen älteren Kollegen Leonardo da Vinci und Michelangelo als er nach seiner Lehre in Perugia am Anfang des 16. Jahrhunderts nach Florenz gekommen war. Trotzdem findet er schnell zu seinem bis heute bewunderten eigenen Stil. Später entwickelte sich dann bei Italienreisenden die Frage zum intellektuellen Sport, wer denn der größere Maler gewesen sei, Michelangelo oder Raffael? Nachzulesen nicht zuletzt bei Goethe.

Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf Raffaels Zeichnungen (130 Werke), zeigt aber immerhin auch achtzehn Gemälde. Viele Leihgaben stammen aus dem Ashmolean Museum Oxford, dem Kooperationspartner für die die Schau. Zu den berühmtesten Arbeiten Raffaels zählen die Fresken im Vatikan, von denen Vorstudien als Zeichnungen zu sehen sind. Didaktisch hilfreich sind auch die kleinen Reproduktionen der Fresken als Orientierungshilfe und Vergleichsmaßstab. Kuratorisch bietet die Schau wenig Überraschungen: Es werden die Werkkomplexe chronologisch aufgearbeitet mit dem Fokus auf deren Entstehung und Raffaels Arbeitsprozess.

Kunsthistorisches Museum 3.11. 17

Diese Vorgehensweise wählen auch die Kuratoren der Rubens-Schau im Kunsthistorischen Museum. Allerdings sind sie dabei deutlich konsequenter, indem sie Rubens Bilder mit denen anderer Maler direkt konfrontieren (etwa Tizian) und sogar auf Gipsgüsse zurückgreifen, wie auf die Laokoon-Gruppe oder dem Torso vom Belvedere. So hervorragend nachvollziehbar aufbereitet sieht man kunstgeschichtliche Prozesse selten in Ausstellungen. Der Untertitel Kraft der Verwandlung trifft deshalb den Nagel auf den Kopf. Das liegt auch am exzellenten Audioguide, der oft in zwei Schritten erläutert: Einen Beitrag für das Kunstwerk, einen weiteren mit einem ausführlichen Kuratoren-Kommentar. In Sachen Leihgaben wurden ebenfalls keine Mühen gescheut, von Petersburg über Paris und London bis hin zu Washington wurden 70 Werke von Rubens eingeflogen. Abgedeckt werden viele unterschiedliche Genres, so dass man sich einen repräsentativen Überblick verschaffen kann. Diese Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen.

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets