Friedrich Murnau

Murnau: Faust. Eine deutsche Volkssage (1926)

Filmcasino / Akkordeon Festival 23.2. 2014

Tino Klissenbauer: Akkordeon
Florian Wagner: Gitarre

Das Akkordeon Festival ist inzwischen auch eine wichtige Bereicherung der Wiener Filmszene, werden doch Jahr für Jahr wieder Stummfilme mit Livemusikbegleitung gebracht. Den Auftakt heuer machte Murnaus Faustverfilmung. Wie Murnau diesen Klassiker mit den filmischen Mitteln der zwanziger Jahre in Szene setzt, ist visuell beeindruckend. Ebenfalls sein freier Umgang mit dem Stoff. Von Goethes Faust nimmt der Regisseur vor allem die Gretchengeschichte, die er teils unglaublich werkgetreu (Spinnrad) teils völlig frei interpretiert. Fausts Beschwörung des Mephisto wird hier nicht durch individuelle Verzweiflung und Weltekel motiviert, sondern durch die Pest, welche die Bewohner seiner Stadt dahin rafft. Faust will ihnen helfen und beschwört deshalb aktiv das Böse, während Mephisto bei Goethe Faust bekanntlich buchstäblich zuläuft. Das Intellektuelle tritt bei Murnaus Faust deutlich zurück. Das Studierzimmer des Gelehrten, in dem die sich Bücher wie Müll stapeln, setzt das drastisch ins Bild.
Musikalisch setzten die beiden Musiker viel auf Elektronik. Während die Pestszenen von einer starken Rhythmik beherrscht waren, trat diese am Ende sehr zurück. Insgesamt schaffen es die beiden aber, den Film ästhetisch sehr zu unterstützen, speziell was dessen Emotionalität betrifft. Ein sehr erfreuliches Erlebnis.

Friedrich Murnau: Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922)

Filmcasino 3.3. 2013
Akkordeon Festival

Live:
Stefan Sterzinger (Akkordeon)
Franz Schaden (Bass)

Die freie Adaptierung des Dracula Romans von Bram Stoker ist der wohl bekannteste frühe Horrorfilm der Filmgeschichte, auch wenn die Gruseleffekte beim zeitgenössischen Publikum oft in Komik umkippen. Murnau lehnt sich an diverse Vampirmythen an, bringt aber auch mir unbekannte Aspekte hinein, etwa, dass Nosferatu Heimaterde mitnehmen muss als er sein Gruselschloss in Transylvanien verlässt. Der Film wurde für damalige Verhältnisse mit viel Aufwand gedreht. Stefan Sterzinger und Franz Schaden entschieden sich für eine abstrakte Begleitung anstatt auf billige Horroreffekte zu setzen. Das tat dem Gesamteindruck sehr gut, weil damit die für heutiges Empfinden überzogene Horrorstummfilmästhetik musikalisch gedämpft wurde.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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