Geschichte

|<..24252627..>|

Das neue Akropolis-Museum…

…in Athen hat erbitterte Debatten ausgelöst. BBC Korrespondent Richard Galpin berichtet ausführlich darüber.

Egon Friedell: Kulturgeschichte Ägyptens und des Alten Orients

dtv (Amazon Partnerlink)

Vor vielen Jahren las ich Friedells „Kulturgeschichte Griechenlands“, an die ich mich als gut geschriebene Einführung erinnere. Warum also nicht eine ausführlichere Beschäftigung mit dem alten Ägypten mit Friedell beginnen?

Ich traute meinen Augen kaum, welchen Unsinn das erste, einführende Kapitel enthält. Der Autor zieht noch die schrägsten „Theorien“ heran, um einige seiner weltanschaulichen Hypothesen („Geschichte ist eine Vision und ein Glaube“, S. 31) zu rechtfertigen. Wer also wissen will, was die Vorläufer Erich von Dänikens in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts so schrieben, wird hier mit konzisen esoterischen Zusammenfassungen bedient.

Dass „grober Unfug“ noch eine schmeichelhafte Bewertung ist, mögen folgende Beispiele illustrieren:

So materialistisch-biologisch lässt sich das Rätsel [der historischen Vision; CK] freilich nicht lösen. Sondern durch Gottes prästabilierte Harmonie stehen wir mit allen Kreaturen, die er je geschaffen, in dauernder Kryptogamie. (S. 33)

Aber bei den Atlantiern war die Telepathie zur Telekinese und Teleplastik gesteigert, zur Kraft der Fernbewegung, Fernstrahlung und Materialisation. Wenn uns dies märchenhaft vorkommt, so kommt es daher, daß wir zwei Fähigkeiten verloren haben, die sie noch besaßen. (S. 44)

Und als drittes größtes Übel [in Atlantis!; CK] trat hinzu der Verstand, das rationelle Denken, das magische Kräfte versiegen machte. Die Atlantier lernten urteilen und schließen, kalkulieren und kombinieren und verloren darüber die mystische Gemeinschaft mit der Natur […] Und mit dem Urteil erwachte der Dünkel, mit dem Kalkül der Eigennutz. Und Atlantis versank […] [S.46/47]

Indes sind wir der Meinung, daß in den Erdzeitaltern und ihren charakteristischen Faunen und Floren nicht lediglich geologische und paläontologische, sondern in erster Linie metaphysische Kategorien zu erblicken sind. Die Saurier verschwanden, weil ihre Zeit um war […] Es sind die Gedanken Gottes die kommen und gehen […] (S. 53)

Das ist nun alles sehr amüsant und vergnüglich zu lesen, insbesondere wenn man sich für die Irrationalismen der Vorkriegszeit interessiert. Die Frage, wie man in den dreißiger Jahren in der Stadt des Wiener Kreises noch solchen Unsinn schreiben konnte, stellt man allerdings besser nicht.

“Sparta”

So der Titel der von der SZ gelobten neuen Studie Lukas Thommens. Untertitel: „Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis“.

Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst

So lautet der Untertitel des Buches von Giuliani, „Bild und Mythos“, das bei C.H. Beck erschienen ist. (Siehe auch Perlentaucher)

Roman des antiken Weltwissens

So lautet der Untertitel des Buches „Alexandria 642“ von Jean-Pierre Luminet. Ein Bibliomanikum. (Siehe auch Perlentaucher)

Plutarch: Von großen Griechen und Römern. Doppelbiographien

dtv Bibliothek der Antike bzw. Anaconda (Amazon Partnerlinks)

Manche Bücher liest man einfach viel zu spät! Das hat aber zumindest einen Vorteil: Man kann diverse Bezugnahmen späterer Autoren gut verfolgen, diese Biographien sind ja einer der berühmtesten Steinbrüche der Weltliteratur. Shakespeare, die (Weimarer) Klassiker usw., alle haben Plutarch gelesen.

Die dtv Ausgabe ist mit zehn Biographien auf knapp 650 Seiten ziemlich vollständig. Ton und Struktur der einzelnen „Bücher“ sind oft unterschiedlich. Gerade die beiden berühmtesten (Caesar, Alexander) fallen im Vergleich zu vielen anderen ab, was etwa Plutarchs selbstreflexive Kommentare angeht. Der Philosoph ist oft erfreulich meinungsfreudig, was den Texten sehr gut tut.

Addendum Dez. 2009: Artemis & Winkler kündigt für März 2010 eine fast dreitausendseitige Ausgabe von Plutarch unter dem Titel Große Griechen und Römer an.

Verbrannte Manuskripte

Ende Mai 1944 trafen allierte Bomber die mittelalterliche Bibliothek von Chartres und richteten immensen Schaden an. Nun rückt man den verbrannten Manuskripten mit „multispectral imaging“ zu Leibe. Details auf den Seiten der BBC: Hi-tech imaging could reveal lost texts.

Gordon Brook-Shepherd: Österreich

„Eine tausendjährige Geschichte“ (Zsolnay)

Mit diesem Buch wollte ich eine kleine historische Auffrischung unternehmen. Wer könnte dafür geeigneter sein als ein britischer Historiker, der sich aus der Außenperspektive mit Österreich befasst? Der neue Zsolnay Verlag fiel bis jetzt auch nicht durch die Publikation besonders schlechter Bücher auf.

Meine Überraschung stieg von Seite zu Seite als klar wurde, dass Brook-Shepherd ein stramm konservativer Historiker ist, der aus seinen ideologischen Präferenzen keinen Hehl macht. Das wird vor allem bei seiner Schilderung der Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich. Der Titel des Buches ist ohnehin Irre führend: 900 Jahre Geschichte werden auf 150 Seiten abgehandelt, der Rest beschäftigt sich mit dem letzten Jahrhundert.

Brook-Shepherd wird von einem Problem gequält: der patriotischen Identität der Österreicher. Ist einer der historischen Akteure in den Augen des Autors ein guter österreichischer Patriot, sind ihm seine Sympathien sicher. Den Politiker des Roten Wien in den zwanziger Jahren wirft Brook-Shepherd vor, sie hätten sich besser um nationale Belange kümmern sollen, als um Sozialpolitik…

Kurz, das Buch ist ein Ärgernis. Lesen sollte man es nur, wenn man genügend Metainteresse aufbringt, um sich mit konservativer Geschichtsbeschreibung beschäftigen zu wollen. Dass dieses Buch ausgerechnet bei Zsolnay erschienen ist, ist kein verlegerisches Ruhmesblatt.

Nationalmuseum Baghdad

Erste, vorsichtig optimistische Bestandaufnahmen finden sich in der Washington Post* sowie bei National Geographic.

* Addendum: Siehe auch die Washington Post im November 2005: Looted Iraqi Relics Slow To Surface

Renaissance und Aufklärung

Eine neue Biographie über Lorenzo de Medici ist ebenso anzuzeigen [Perlentaucher] wie eine geistesgeschichtliche Studie über „Elektrizität in der deutschen Aufklärung“ [Perlentaucher].

  • Ingeborg Walter: Der Prächtige. Lorenzo de Medici und seine Zeit (C.H. Beck TB)
  • Oliver Hochadel: Öffentliche Wissenschaft. Elektrizität in der deutschen Aufklärung
  • |<..24252627..>|
    • RSS Feed for Posts
    • RSS Feed for Comments
    • Twitter
    • XING

    Aktuell in Arbeit

    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

    Kategorien

    Tweets