Antike (Geschichte)

1234..>|

Yuval Noah Harari: Sapiens – A Brief History of Humankind

Ein kluges Buch über weltgeschichtliche Zusammenhänge, das ein internationaler Bestseller wird, stimmt optimistisch. So wichtig detaillierte historische Studien von Einzelphänomenen für die Wissenschaft sind, so unverzichtbar sind solche gelungenen Überblicksdarstellungen für die persönliche Bildung. Harari hat sich nun ein aus der Perspektive von akademischen Historiker freches Projekt vorgenommen: Den Ablauf der Weltgeschichte dadurch verständlich zu machen, dass er die grundlegenden Mechanismen ihres Wirkens beschreibt. Das klingt geschichtsphilosophisch nicht ungefährlich und bringt auch das eine oder andere intellektuelle Problem mit sich. Insgesamt gelingt Harari sein Vorhaben aber vorzüglich.

Anders als der noch umfassendere Ansatz Big History fokussiert Harari auf die Geschichte unserer Spezies seit der kognitiven Revolution, die etwa 70.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung stattfand. Er beschreibt die Erklärungshypothesen für diesen kulturellen Entwicklungsschub ausführlich. Überhaupt ist das erste Drittel des Buches mit Abstand das Beste, weil es zur Prähistorie in den letzten Jahrzehnten spannende neue Forschungsergebnisse gab, die Harari ausführlich referiert. Etwa wenn er den Lebensstandard des durchschnittlichen Jägers und Sammlers mit denen der ersten Bauern vergleicht. Den Bauern ging es fast in jeder Dimension schlechter, angefangen bei der Gesundheit wegen ihrer eintönigen Ernährung und ihrer schweren körperlichen Arbeit bis hin zur täglichen Arbeitszeit. Während Bauern ja fast bis heute rund um die Uhr schuften müssen, kamen Jäger und Sammler vermutlich mit vier bis fünf „Arbeitsstunden“ pro Tag aus, um für ihre sehr abwechslungsreiche Ernährung zu sorgen. Warum es trotzdem zu dieser für das Individuum offenbar verschlechternden Agrarrevolution kam, beleuchtet Harari ebenfalls aus unterschiedlichen Facetten.

Während Jared Diamond in seiner hervorragenden weltgeschichtlichen Studie Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies der Geographie eine maßgebliche Rolle zuweist, konzentriert sich Harari mehr auf kulturelle Faktoren und sieht vor allem den Mythos bzw. die Gesellschaft zusammenhaltende Erzählungen als entscheidenden Faktor der menschlichen Zivilisationsgeschichte an. Damit meint er die nicht nur die ersten Religionen und Mythen, sondern geht dabei bis in die Gegenwart, wo für ihn das Geld eine der grundlegenden, unhinterfragten Erzählungen ist. Eine Fiktion, an die alle Menschen glaubten.

People easily understand that „primitives“ cement their social order by believing in ghosts and spirits, and gathering each full moon to dance together around the campfire. What we fail to appreciate is that our modern institutions function on exactly the same basis.

Anthropologisch hat sich der Mensch in den letzten 70.000 Jahren kaum verändert. Auch die soziokulturellen und sozialpsychologischen Mechanismen sind grundlegend dieselben. Diese Erkenntnis stringent zu vermitteln, ist eine der größten Stärken von Sapiens. Wie bereits Jared Diamond räumt er mit zahlreichen weit verbreitenden romantischen Mythen über unsere Vorfahren auf:

But the historical record makes Home sapiens look like an ecological serial killer.

Die Erklärungskraft des Buches nimmt in der zweiten Hälfte merklich ab. Die Welt wird immer komplexer, was seine Vereinfachungen etwas unplausibler macht als bei der Vorgeschichte. Trotzdem führt auch hier Hararis Ansatz der Modellbildung – die Wirklichkeit also zu vereinfachen, um sie besser verstehen zu können – zu lesenswerten Analysen. Speziell weil manche davon auf den heutigen Leser sicher provokant und damit Gedanken anregend wirken, wenn er etwa ausführlich die großen Vorzüge der Imperien im Verlauf der Weltgeschichte beschreibt.

Insgesamt also ein intellektuell sehr anregendes Lesevergnügen. Das liegt nicht zuletzt an Hararis gut lesbaren Stil. Gedanken werden klar herausgearbeitet und gut formuliert anstatt sie in akademischem Jargon zu ertränken.

Yuval Noah Harari: Sapiens: A Brief History of Humankind [Deutsche Ausgabe: Eine kurze Geschichte der Menschheit.

Johannes Sachslehner: Wien. Eine Geschichte der Stadt

Wer eine gut lesbare Geschichte über Wien sucht, ist mit Sachslehners Buch gut beraten. Nicht nur deckt er das gesamte Spektrum der Entwicklung von der geologischen Vorgeschichte bis in die Gegenwart ab, sondern beschreibt es auch in einem angenehm lesbaren Stil. Es ist ebenfalls erfrischend, dass gegen Ende immer wieder seine Empörung durchklingt, wenn es um den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus in Österreich geht.

Gegliedert ist das Buch in neunzehn chronologische Kapitel, die immer wieder mit passenden „Themenkästen“ unterbrochen werden. Sie enthalten Exkurse, Auszüge aus Quellen über Wien, und für Besucher besonders hilfreich: Hinweise auf noch vorhandene Gebäude aus der jeweiligen Epoche. Als fundierten Einstieg in die Geschichte Wiens sehr empfehlenswert.

Johannes Sachslehner: Wien. Eine Geschichte der Stadt (Pichler)

Sueton: Lives of the twelve Caesars

Suetons Geschichtswerk ist das einzige (fast) komplett überlieferte Werk des römischen Autors. Das mag mit der großen Popularität des Buches noch zu seinen Lebzeiten zusammenhängen. Was heute noch für hohe Einschaltquoten sorgt, nämlich Sex & Crime, sowie Klatsch über Prominenz, funktionierte bereits damals gut: Suetons zwölf Kaiser-Biographien sind voll davon. Je schlüpfriger, desto besser. Das liest sich stellenweise immer noch sehr unterhaltsam. Trotz dieses boulevardesken Einschlags ist Sueton eine der wichtigsten Geschichtsquellen über die Kaiserzeit. Für einige Protagonisten wie Caligula ist er sogar die Hauptquelle. Notwendig ist jedenfalls durchgehend eine sehr quellenkritische Lektüre. So fällt etwa schnell auf, dass Sueton bei Konflikten zwischen Kaisern und dem Senat sich fast immer auf die Seite des Senats stellt. Ich ließ mir die Biographien als Hörbuch vorlesen, wozu sie ganz vorzüglich geeignet sind.

Sueton: Lives of the twelve Caesars (als Hörbuch)

Norman Hammond: The Maya

Diese Einführung in die Archäologie, Geschichte und Kultur der Maya ist eines der Bücher, welche ich als Vorbereitung für meine Mexiko/Guatemala-Studienreise las. Hammond ist selbst britischer Archäologe mit einschlägiger Mesoamerikaerfahrung und dadurch bestens qualifiziert für diese Aufgabe. The Maya ist eine der populäreren Bücher zum Thema, weshalb es auch in einer schönen bibliophilen Ausgabe der Folio Society zu haben ist, welche ich las. „Populär“ heißt aber in diesem Fall nicht, dass Hammond hier Kompromisse macht. Einige der Kapitel gleiten immer wieder ins Spezialistenhafte ab, was in meinen Augen freilich kein Schaden ist.

„Solide“ ist das Wort, welches mir bei der Beurteilung der Studie am meisten in den Sinn kommt. Nicht, weil ich den Inhalt als Experte selbst beurteilen könnte, sondern was die traditionelle Konzeption angeht. So gibt es erwartungsgemäß Kapitel über geschichtliche Epochen, Subsistence and Settlement, Politics and Kingship oder Architecture and Art, um nur einige zu nennen.

Wer sich für die Maya interessiert, kann damit nichts falsch machen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass das Buch bereits 1988 (leicht ergänzt 1994) publiziert wurde. Die Mayaforschung in den letzten zwanzig Jahren brachte eine Vielzahl neuer Ergebnisse, die hier naturgemäß alle fehlen.

Norman Hammond: The Maya (Folio Society)

Gay Robins: The Art of Ancient Egypt

Mein Faible für englischsprachige kunsthistorische Bücher bestätigt sich einmal mehr: Gay Robins ausführlicher Überblick über die altägyptische Kunst ist hervorragend lesbar, obwohl sie oft ins Detail geht. Nach einer ausführlichen Einführung – Understanding ancient Egyptian art – geht sie chronologisch vor. Gay fängt mit der frühen dynastischen Epoche an und endet einige Jahrtausende später bei den Ptolemäern. Die vielen Abbildungen sind jeweils ausführlich erläutert. Zu den Klischees der Kunstgeschichtsschreibung gehört, dass die altägyptische Kunst ästhetisch immer völlig stabil geblieben sei. Es stimmt auch, dass man sie selbst als Laie sofort erkennt, auch wenn die Artefakte 3000 Jahre auseinander liegen. Trotzdem gab es – im größeren ästhetischen Rahmen – jede Menge Veränderungen. Das kann man anhand Gays Vorgehensweise ausgezeichnet nachvollziehen, weil sie immer wieder dieselben Themen (Grabbauten, Skulpturen…) in den unterschiedlichen Phasen behandelt. Bisher das beste Buch über ägyptische Kunst, das ich in Händen hielt.

Gay Robins: The Art of Ancient Egypt. (The British Museum Press)

Über die Relevanz von Herodot und Thukydides

Wer Herodots „Historien“ und Thukydides‘ „Geschichte des Peloponnesischen Krieges“ versteht, weiß wohl das Wichtigste, was es über die Natur des Menschen und des Krieges zu wissen gibt.

Ein sehr gutes Beispiel dafür liefert Robert Kaplan in The Atlantic. In seinem Essay The Art of Avoiding War beschreibt er hübsch, was die amerikanische Außenpolitik von den beiden grandiosen griechischen Geschichtsschreibern lernen kann:

The Scythians were nomadic horsemen who dominated a vast realm of the Pontic steppe north of the Black Sea, in present-day Ukraine and southern Russia, from the seventh century to the third century b.c. Unlike other ancient peoples who left not a trace, the Scythians continued to haunt and terrify long after they were gone. Herodotus recorded that they “ravaged the whole of Asia. They not only took tribute from each people, but also made raids and pillaged everything these peoples had.” Napoleon, on witnessing the Russians’ willingness to burn down their own capital rather than hand it over to his army, reputedly said: “They are Scythians!”

The more chilling moral for modern audiences involves not the Scythians’ cruelty, but rather their tactics against the invading Persian army of Darius, early in the sixth century b.c. As Darius’s infantry marched east near the Sea of Azov, hoping to meet the Scythian war bands in a decisive battle, the Scythians kept withdrawing into the immense reaches of their territory. Darius was perplexed, and sent the Scythian king, Idanthyrsus, a challenge: If you think yourself stronger, stand and fight; if not, submit.

Ausgrabungen auf Kreta

September 2014

Eine langjährige Lücke sollte diese Studienreise schließen: Ich hatte die minoischen Ausgrabungen auf Kreta bisher noch nicht besichtigt. Dieses Ziel erreiche in dieser Woche auf Kreta, allerdings nur unter verschärften Bedingungen. So hatten wir zwei Tage lang in der zweiten Septemberhälfte noch 38 Grad im Schatten, was das Stehen zwischen Steinen nicht angenehm macht. Gleichzeitig bin ich in sogenannten „besseren“ Badehotels untergebracht, einem kleinkinderreichen Ambiente, auf das ich keinen gesteigerten Wert lege. Ich bevorzuge immer zentrumsnahe Hotels in Städten. Auf meiner nächsten Europa-Studienreise (Andalusien im Oktober 2015) wird das auch wieder überwiegend der Fall sein.

Endlich stehe in Knossos, einer der berühmtesten antiken Ausgrabungen. Beeindruckend nicht zuletzt deshalb, weil es die – nach aktuellem Wissensstand – erste alte Stadt war, in der vielstöckig gebaut wurde. Das gab es in dieser Form vorher weder in Mesopotamien noch in Ägyten. Was Sir Arthur Evans daraus machte, ist mit guten Gründen umstritten: Er baute viele der Gebäude wieder auf und stößt damit noch heute die Authentizitätsfreunde unter den Archäologen vor den Kopf. Zu Recht muss man sagen, denn Teile der Stätte erinnern tatsächlich an ein archäologisches Disneyland. Die Farben leuchten, die Mauern stehen wie frisch gebaut. Den Touristen kommt das natürlich entgegen, können sie doch ihre Augen statt ihr Hirn benutzen, was im Urlaub ja deutlich bequemer ist.
Evans Interpretationen der Funde sind meist auch von der schlichteren Art: Ein großes Gebäude, das zu Beginn an jener Straße liegt, die vom Meer herführt, konnte für ihn etwa nur ein Zollhaus sein. Es störte ihn nicht, dass keinerlei Funde diese Hypothese stützen.

Zwei Tage später überrascht mit Górtis. Ich war so auf Knossos und Phaistos fixiert, dass ich mich vorher nicht damit beschäftigt hatte. Ein Fehler! Es handelt sich um die Reste einer Stadt, die ab der dorischen Zeit einflussreich wurde und mit einer außergewöhnlichen Inschrift aufwartet: Mit altgriechischen Rechtstexten, welche die Bewohner als Dekoration für ihr Theater verwendeten und die heute in dieser Form einzigartig sind. Das Odeíon selbst ist aus dem 1. Jahrhundert und ebenfalls ungewöhnlich gut erhalten. Die Überreste der Basilika Agios Títos kann ich wegen einer Restaurierung leider nicht besichtigen.

Die zweite berühmte minoische Ausgrabung auf Kreta ist Phaistos, hoch über der Messara-Ebene gelegen, was damals natürlich viel Sicherheit bot. Anders als Knossos gibt es hier erfreulicherweise keinen Archäologiekitsch zu sehen. Es gilt also die unterschiedlichen Schichten auseinanderzuhalten. Der erste Palast wurde 1900 vor unserer Zeitrechnung errichtet, fiel aber schon nach zweihundert Jahren einem Erdbeben zum Opfer. Ein noch umfangreicherer Neubau wurde versucht, konnte aber vor dem Untergang der minoischen Kultur gegen 1450 nicht mehr fertig gestellt werden. Wackelige Interpretationen gibt es aber auch hier, etwa zu einem Podest im Zentralhof, das zum damals bei der Jugend beliebten Stierspringen hätte dienen können.

Die Beliebtheit dieses Stierspringens ist durch Fresken belegt. Sie kann man im Archaölogischen Nationalmuseum in Heraklion bewundern. Dieses Museum ist nicht nur deshalb sehr sehenswert, weil die dort gezeigten minoische Stücke großen Seltenheitswert haben (z.B. der Diskos von Phaistos und die Schlangengöttin-Skulptur), sondern auch, weil es didaktisch und architektonisch sehr geschmackvoll gestaltet ist. Die minoischen Fresken, denen der zweite Stock des Hauses gewidmet ist, muss man gesehen haben.

Tom Holland: Persian Fire

Die Zeiten, in denen humanistisches Wissen Allgemeingut war, sind bereits länger vorbei. Dabei gibt es kaum etwas Wichtigeres als ein solides Wissen über die Antike um die Gegenwart verstehen zu können. Viele bis heutige gültige Muster wurden damals begründet. Das reicht von den intellektuellen Grundlagen der westlichen Zivilisation bis hin zur Geopolitik. Wer Herodot, Thukydides oder Platon richtig zu lesen vermag, der wird über deren Aktualität verblüfft sein.

Höchst erfreulich ist es deshalb, wenn der Historiker Tom Holland mit Persian Fire ein Buch vorlegt, das zwei Dinge vereint: Den aktuellen Stand der Forschung mit einer spannenden Schreibweise. Höhepunkt des Werkes sind die Perserkriege, also die berühmten Schlachten zwischen Griechen und Persern. Auf dem Weg dorthin beschreibt Holland die beiden Zivilisationen so anschaulich, dass selbst Unvorbelastete danach einen lebendigen Einblick in die klassische Welt der Antike haben. Er nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund. Wurden die Spartaner früher in den humanistischen Gymnasien noch als Ausbund von Tapferkeit und Männlichkeit gepriesen, stellt Holland deren Dummheit und Brutalität in den Mittelpunkt – ohne ihre militärischen Leistungen zu schmälern. In Wahrheit waren die Spartaner ja reaktionäre Fanatiker, wie heute die Isis oder die Taliban, deren Alltagskultur auf Gehirnwäsche und Gewalt beruht.

Das Perserreich war das erste multikulturelle und multireligiöse Imperium. Ein Lehrstück, dass ein großes Reich nur mit Toleranz funktionieren kann. Wenn ich mir ansehe, in welchem traurigen Zustand der Mittlere Osten heute ist, dann kann man nur auf einen neuen Darius hoffen. Ansonsten wird die Region über die nächste Jahrzehnte im Chaos versinken.

Persian Fire liest sich wie ein spannender historischer Roman. Empfehlenswert ebenso für Freunde der Antike wie für Einsteiger. Für mich war es auch ein wichtiger Beitrag zur Vorbereitung meiner Iranreise. Nachdem ich die englische Originalausgabe las, kann ich nichts über die Qualität der deutschen Übersetzung sagen.

Tom Holland: Persian Fire. The First World Empire and the Battle for the West (Abacus) / Deutsche Ausgabe

Neues über den Parthenon

Der kritischen Rezension Mary Beards in The New York Review of Books nach, ist Joan Breton Connellys neues Buch The Parthenon Enigma nur bedingt überzeugend. Ich finde ihre These aber trotzdem interessant, versucht Connelly doch eine komplette Neuinterpretation der berühmten Elgin Marbles:

The pivot of her argument is a reinterpretation of the sculpted frieze that once circled the entire building above the colonnade. With its array of galloping horsemen, charioteers, offering-bearers, and sacrificial animals, this has usually been identified as a representation of the procession that took place at the regular religious festival of the Panathenaia, making its way to the Acropolis in celebration of the goddess Athena. Connelly rejects this, to argue instead that the subject of the frieze is a myth of early Athens. What we see, she claims, are the preliminaries to a human sacrifice, when the daughter of one of the legendary kings of the city, Erechtheus, is sacrificed to ensure Athenian victory over an invading army. The procession depicts the celebrations that honored the girl’s noble act of self-sacrifice. It is not, in other words, a human scene at all, but a moment drawn from myth, and—to modern eyes—a shocking one at that.

Connelly’s interpretation centers on the puzzling scene (now in the British Museum) originally aligned with the main entranceway of the temple, apparently the culmination of the procession. It shows an adult male figure exchanging a large piece of cloth with a child, who may be either a boy or a girl. The clearest diagnostic feature for the sex of the child is its bare buttock protruding from a loose robe—and a large amount of art-historical time and energy has been fruitlessly expended over the past decades in comparing this buttock to those of other girls and boys in classical art, with (unsurprisingly) no definitive answer.

Next to the man, and with her back to him, stands an adult woman, facing two girls who carry stools on their heads. The traditional reading of the frieze, which goes back to the famous study of James Stuart and Nicholas Revett in the late eighteenth century, connects this with the presentation of a newly woven robe (peplos) to Athena—the high point of special, grander Panathenaiac celebrations, which took place every four years. This would mean that we are seeing the child (boy or girl) handing over the new peplos to some male religious official (perhaps the archon basileus, or “King Archon”), while behind him a priestess receives from other young cult servants the stools—on which she and her male partner will later sit.

Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien

Die kleinen Bände der Wissen-Reihe von C.H. Beck sind ideale Reisebegleiter, fallen sie doch buchstäblich im Gepäck nicht ins Gewicht. Für meine Iranreise besorgte ich mir deshalb unter anderen den Band über das frühe Persien. Josef Wiesehöfer ist ein ausgesprochener Kenner des frühen Iran und schafft es, trotz des knappen Rahmens, viele interessante Informationen zu vermitteln. Positiv fällt vor allem Zweierlei ins Gewicht: Erstens gibt er zu Beginn eine ausführliche Beschreibung der Quellenlage. Zweitens findet er auch Platz, den Paradigmenwechsel in seinem Fach zu thematisieren. Jahrhundertelang wurden die Perser ja aus der Brille der Griechen wahrgenommen. Die Griechen haben nicht nur die berühmten Perserkriege gewonnen, sie haben auch die Meinung über die Perser über Jahrtausende bestimmt. Erst in den letzten Jahrzehnten versuchte die Forschung, die altpersische Geschichte aus Perspektive der Perser zu verstehen. Beispielsweise waren die Perser als erstes multikulturelles Imperium außergewöhnlich tolerant, nicht nur was Religionsausübung angeht. Eine sehr gute Einführung auf akademischem Niveau.

Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs (C.H. Beck Wissen)

1234..>|
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets