Bibliomanie

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E-paper moving closer

BBC-Redakteur Richard Taylor berichtet über den aktuellen Entwicklungsstand.

Privatbibliothek in einer erdbebengefährdeten Gegend?

9. If you live in earthquake country, find out what you can do to make your bookshelves more secure. Some people put strips of wood in front of their bookshelves as railings to keep books from sliding off during a tremor. Experienced home librarians in earthquake-sensitive zones never store books higher than chest-tall.

[Aus Patricia Jean Wagners „Booklover’s Guide. A Collection of Tips, Techniques, Anecdotes, Controversies & Suggestions for the Home Library.“ Chapter VII: Display and Storage]

Web-Tipp: Kindlers Neues Literatur-Lexikon

Die CD-ROM-Version wird von Michael Wögerbauer einer ausführlichen Kritik unterzogen.

Schillers Bücherwünsche als er sich in Bauerbach versteckt hielt

Brief an Wilhelm Friedrich Hermann Reinwald vom 9. Dezember 1782:

Sie waren so gütig meiner Bitte zuvorzukommen, und mir in meinen literarischen Bedürfnissen Vorschub zu versprechen. Ich bin also so frei Ihnen ohngefehr diejenigen Schriften zu merken, die mir zuerst einfallen, und meinen gegenwärtigen Wunsch am nächsten liegen. Sie sind:

Leßings kritische Schriften, also ohngefehr
Dramaturgie.
Theaterbibliotec.
Beiträge zur Litteratur.
Laokoon.

Homes Grundsätze der Kritik. Rammlers Bibliothek der Schönen Künste und Wißenschaften.
Robertsohns Geschichte von Schottland.
Shakespears Othello und Romeo und Juliette.
Smiths Theorie der Empfindungen.
D. Humes Geschichte Carls 1sten von Engelland.
Zimermann von der Erfahrung in der Arzneikunst.
Alexander Gerard über das Genie, und den Geschmak.
Mendelsohns, Sulzers, Garves [Philosophische Schriften].
Ouevres de Mons. l’Abbe St Real. (Denjenigen Teil wo die Geschichte des Don Carlos von Spanien vorkommt.)
Wielands Agathon.

und, wenn Sie welche haben,
Reisebeschreibungen –

Offenbar hat er genügend Bücher bekommen, um das Leben auf dem Dorf („dem barbarischen Bauerbach“) ohne geistige Schäden zu überstehen :-)

Jason Epstein: Reading: The Digital Future

The New York Review of Books 11/2001

Als ehemaliger Leiter von Random House beschäftigt sich Epstein seit längerer Zeit mit der Zukunft des Lesens und des Verlagswesens im digitalen Zeitalter.

Seiner Meinung nach wird diese Zukunft weniger durch E-Books als durch das Print-of-Demand-Verfahren geprägt werden. Vergriffene Bücher gehörten in absehbarer Zeit der Vergangenheit an – und damit selbstverständlich auch mein Lamento, wie viele wichtige Bücher gerade nicht lieferbar sind.

Web-Tipp: Penguin Classics

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Nichts verdeutlicht die Misere der deutschsprachigen Verlagslandschaft mehr als ein Vergleich mit dem englischen bzw. amerikanischen Buchmarkt. Sucht man nach guten deutschsprachigen Klassikerreihen, stößt man auf den Insel Taschenbuch Verlag, dessen Frühjahrsprogramm kaum erwähnenswert war, und auf Manesse, dessen Gesamtverzeichnis augenscheinlich von der Schwindsucht befallen ist. Der Deutsche Klassiker Verlag richtet sich kaum an den „normalen“ Buchkäufer. (Addendum Jan. 2010: Glücklicherweise gibt es mittlerweile den DKV im Taschenbuch!)

Was bleibt? Außer Reclam ein paar verstreute Klassikerausgaben bei dtv und bei Aufbau, denn sowohl dtv klassik als auch die Aufbau Bibliothek wurden inzwischen als eigenständige Reihen eingestellt.

Ein Pendant zu den Penguin Classics ist weit und breit nicht in Sicht: Mehr als 2100 Klassiker aus allen Gebieten zu einem günstigen Preis in brauchbaren Editionen. Wohl dem, der des Englischen mächtig ist.

Amazon

Sechs fast gleichzeitig bestellte Bücher bei Amazon.de zeitigten folgendes Ergebnis: Heute trafen sechs Päckchen ein. Jedes Buch wurde einzeln versendet, darunter solche bei denen das Porto von Bad Hersfeld nach Wien definitiv mehr kostet als das Buch.
Amazon argumentiert, dass das Zusammenfassen der Bücher logistisch teurer käme als sie getrennt zu verschicken. Auf diese Weise werden sie im Buchbereich aber kaum schwarze Zahlen schreiben…

Web-Tipp: netbib weblog

Ein gelungenes Weblog rund um Bibliotheks-Themen. Regelmäßige Besuche lohnen sich.

Joseph Epstein: The Great Bookie Mortimer Adler

Knapp hundertjährig starb Ende Juni Mortimer J. Adler Mortimer J. Adler, der maßgeblich an der letzten Revision der Encyclopeadia Britannica beteiligt war, eine der größten lexikographischen Leistungen des 20. Jahrhunderts. Auf Adlers Anregung basiert vor allem die strukturelle Aufteilung der Wissensgebiete, wie man sie in der Propeadia nachlesen kann, einer einzigartigen Kombination aus Gliederung & Inhaltsangabe für eine Enzyklopädie. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich einen umfassenden Überblick über ein neues Sachgebiet zu erarbeiten.

Auch „The Great Books of the Western World“, eine monumentale Anthologie wichtiger Werke der Geistesgeschichte in 54 Bänden wurde von Adler publiziert. Durch sein Engagement für die Lektüre von „Great Books“ wurde er zu einem der bekanntesten Verfechter des klassischen Kanons.

Epstein zeichnet in seinem ausführlichen Nachruf allerdings ein wenig vorteilhaftes Bild des Philosophen. Vor allem Charakterschwächen Adlers haben es ihm angetan, seine Leistung rund um die neue Britannica würdigt er kaum. Es ist sicher richtig, dass Adler kein bedeutender Philosoph im traditionellen Sinn des Wortes war: Er leistete kaum Beiträge zu neuen Erkenntnissen. Trotzdem war sein Streben, umfassende Wissensvermittlung auf hohem intellektuellen Niveau für ein möglichst breites Publikum zu erreichen, klassisch aufklärerisch.

Ein Trost zu wissen, dass Adler fast 100 Jahre alt wurde, so war ihm deutlich mehr Zeit zur Lektüre seiner „Great Books“ vergönnt, als dem durchschnittlichen Sterblichen zur Verfügung steht.

Buch-Hinweise:

  • Mortimer J. Adler; Charles van Doren: How to Read a Book. The Classical Guide to Intelligent Reading (New York 1972)
  • Mortimer J. Adler: Six Great Ideas (New York 1981)
  • Mortimer J. Adler: Philosopher at Large. An intellectual Autobiography 1902 – 1976 (New York 1977)
  • Robert Darnton: The Great Book Massacre

    „Double Fold: Libraries and the Assault on Paper“ by Nicholson Baker

    (The New York Review of Books 7/2001)

    Nicholson Baker, eigenlich Romancier, hat eine Philippika gegen das Vernichten von Büchern und Zeitungen in amerikanischen Bibliotheken geschrieben. Wortgewaltig prangert er die Praxis an, Gedrucktes auf Mikrofilm zu bannen, und die Originale anschließend zu entsorgen. Richard Darnton, eigentlich ein auf das 18. Jahrhundert spezialisierter Historiker, rekonstruiert Bakers Argumente. Etwa dass die Prognosen des Buchzerfalls durch säurehaltiges Papier wissenschaftlich kaum fundiert, und Mikrofilme wesentlich schlechter haltbar seien als die „klassischen“ Materialien.

    Darnton weist auf Bakers ziemlich undifferenziertes Geschichtsverständnis und dessen oft unnötige Polemik hin, stimmt ihm aber cum grano salis zu. Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, wie gängig diese Buch-Vernichtungspraktiken auch in europäischen Bibliotheken sind. In den USA kommt man inzwischen erfreulicherweise wieder davon ab.

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    Aktuell in Arbeit

    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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