Türkei

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EU und Türkei

Wer noch daran zweifelt, dass der EU Beitritt ein Motor der Modernisierung für die Türkei sein könnte, der lese den NYRB-Artikel von Stephen Kinzer, der in der Osttürkei unterwegs war (“Kurds in Turkey: The Big Change“).

The European Union has been one of the most effective peacemaking institutions of the modern era. It eased transitions from dictatorship to democracy in Spain, Portugal, and Greece. More recently, it helped manage the peaceable breakup of the Soviet empire. Now, although torn by internal problems, the EU is the main factor drawing Turkey toward democracy, and perhaps even toward resolving the seemingly intractable Kurdish problem

[...]

Later that day, I walked past city hall and saw a large banner advertising a conference that was being held inside. Its subject was “The European Union Accession Process and the Kurdish Problem.” When I walked into the packed hall, a local politician was delivering a passionate harangue.

“For so many years, the Turkish state called us criminals, saying that it was not possible to have dialogue with us and that we had to be crushed,” he told the rapt crowd. “This is the repeated tragedy that created the Kurdish problem. The only reason Kurds were forced to begin armed struggle was the way the Turkish state has treated Kurds at every stage in the history of this country.”

These would have been highly dangerous words a couple of years ago. Even now, police agents monitor and videotape conferences like this one. Their presence, however, did nothing to intimidate the speakers in Diyarbakir. “They watch us just like before, but they can’t do anything to us anymore,” one man told me. “This is a democracy now. We’re becoming European. The state can’t touch us.”

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Istanbul

In Wien hängen derzeit FPÖ Plakete mit dem hirnrissigen Slogan, Wien dürfe nicht Istanbul werden. Orhan Pamuks Liebeserklärung an diese Stadt setzt einen schönen Kontrapunkt.

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Reise-Notizen West-Türkei (9, Ende): Perge, Aspendos, Termessos

Die nicht weit von Antalya gelegenen Ausgrabungen von Perge kann man zwar nicht mit Ephesus vergleichen. Trotzdem ist das Gelände dieser antiken Stadt (seit 188 v.C. römisch) so weit freigelegt, dass man ebenfalls einen schönen Eindruck über das damalige urbane Leben gewinnt.

Ein Besuch Aspendos’ lohnt sich vor allem wegen des vorzüglich erhaltenen römischen Theaters. Römische Bühnenstätten unterscheiden sich von ihren griechischen Pendants vor allem durch den Aufbau über der Bühne. Erlaubte ein griechisches Theater immer den Blick auf die Landschaft versperrten die Römer diese Aussicht zugunsten besserer Akustik.

Termessos, eine bisher kaum ausgegrabene Bergstadt, lebte über lange Zeit vom Ausrauben vorbeiziehender Karawanen. Später waren sie in Kleinasien gefürchtete römische Söldner, die bei Bedarf Strafexpeditionen im Auftrag Roms durchführten. Man erreicht die Ruinen nur nach einer kleinen Bergwanderung. Das Erstaunen ist desto größer, oben auf ein schönes Theater zu stoßen. Erwähnenswert auch die pittoresk verwilderte, am Hang gelegene Grabanlage samt durcheinander gewürfelten Grabsteinen.

Diese Reise-Notizen verdeutlichten trotz der Kürze hoffentlich eines: Die West-Türkei ist eine Fundgrube für den archäologisch Interessierten. Im Vergleich mit Sizilien gibt es deutlich mehr zu sehen, was angesichts der Fläche des antiken Kleinasiens nicht weiter erstaunt. Die Ausgrabungsstätten sind sowohl in der Türkei als auch in Sizilien spektakulärer als in Griechenland (von Athen einmal abgesehen).

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Soll die Türkei in die EU?

Stephen Kinzer, der lange in Istanbul lebte, beschreibt* in der NYRB eloquent die Vorzüge eines Beitritts:

If Turkey wins a favorable vote in December, it will need about a decade to complete the complex process of preparing for actual EU membership. During that decade, the EU will probably be pressed to extend its reach even further. The countries of the western Balkans—Albania, Bosnia and Herzegovina, Macedonia, and Serbia—will all have legitimate claims for membership if they can reach Turkey’s level of political and economic democracy. Later Belarus and Moldova might undertake the reforms that would enable them to apply. Armenia, Georgia, Azerbaijan, and possibly Russia could eventually become candidates. In the distant future, so might Israel, a Palestinian state, or even Morocco.

Admitting Turkey would set the EU on an ambitious new path. It could greatly strengthen Europe’s strategic position, giving it added weight in competition with the United States and other powers that might emerge later in the century. With Turkey and the combat-ready Turkish army in its ranks, the EU would be able to speak with a combination of moral authority and military credibility that it has never before been able to claim.

* Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

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Reise-Notizen West-Türkei (8): Aphrodisias

Ein unerwarteter Höhepunkt der Reise waren die Überreste des im Mäandertal gelegenen Aphrodisias, eine Stadt, die ihren Namen von dem dort betriebenen Aphroditekult bezog. In den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten war dieser Name im ganzen römischen Imperium berühmt. Genossen doch die Bildhauer der Stadt einen spektakulären Ruf und wurden von überall her mit Aufträgen versorgt. Aphrodisias war die berühmteste Künstlerstadt Roms.

Die Überreste der Werkstätten sind immer noch zu sehen. Ebenfalls ein überraschend gut erhaltenes Stadion sowie Teile eines beeindruckenden Zeremonientors (Tetrapylon).

Diese Ausgrabungen sollte man keinesfalls versäumen, auch wenn sie etwas abseits der üblichen touristischen Route liegt.

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Reise-Notizen West-Türkei (7): Milet, Didyma, Priene

Wer mit vorsokratischer Vorfreude die antiken Stätten Milets besichtigen will, wird enttäuscht. Der Geburtsort des abendländischen säkularen Denkens (Thales, Anaximander, Anaximenes, Hippodamus!) wurde bisher nicht ausgegraben. Das römische Milet dagegen wurde frei gelegt, darunter ein spektakuläres Theater.

In Didyma kann man die Überreste des bedeutendsten Orakels Kleinasiens besichtigen, welche die größte (und größenwahnsinnigste) griechische Tempelanlage beinhaltet (51x110m). Drei der zwanzig Meter hohen Säulen stehen noch und man frägt sich wie diese gewaltigen Gewichte damals bewegt worden sind, auch wenn man über die antike Bautechnik ganz passabel Bescheid weiß.

Die Ruinen Prienes zeichnen sich nicht nur durch deren reizvolle Lage oberhalb der Mäanderebene aus, sondern vor allem durch die unverfälschte griechische Bausubstanz. Zu sehen sind u.a. die Überreste eines kleinen Theaters, eines Athenatempels sowie von Wohnhäusern.

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Reise-Notizen West-Türkei (6): Ephesus

Während die meisten antiken Städten in der Regel überbaut und deshalb nur verstreut zu besichtigen sind, eine Tempel-Ruine hier, ein ausgegrabenes Bad da, betritt man in Ephesus buchstäblich eine Stadt. Man flaniert durch das Stadtzentrum, links das Theater, rechts die von österreichischen Archäologen herausragend restaurierte Celsus Bibliothek, danach die Villen der Honoratioren am Hang, die Geschäfte, der Hauptplatz, das Rathaus usw.

Nirgends hatte ich das antike Stadtleben besser vor Augen als in Ephesus, ein durchaus eindrucksvolles Erlebnis und Höhepunkt jeder Reise durch die Türkei.

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Reise-Notizen West-Türkei (5): Pergamon

Attalos I. machte Pergamon im dritten vorchristlichen Jahrhundert zu einem intellektuellen Zentrum. Die Reste der berühmten Bibliothek, damals eine ernsthafte “Konkurrenz” zur Büchersammlung in Alexandria, sind auf dem Burgberg noch zu sehen. Den faszinierenden Zeusaltar kann man zwar nur im Berliner Pergamonmuseum bewundern, aber alleine den ursprünglichen Ort hoch über der Ebene zu sehen, wäre eine Reise wert. Die Ruinen auf dem Berg sind teilweise in einem sehr guten Zustand und geben einen guten Eindruck über die ursprüngliche Anlage der Stadt. Beeindruckend ebenfalls die Überreste römischer Ingenieurskunst, etwa die Hochdruck-Wasserleitung, welche die Stadt mit frischem Quellwasser versorgte. Blei war damals das einzige zu diesem Zweck geeignete Material, weshalb die Einwohner Pergamons an einer permanenten Bleivergiftung litten.

In der Ebene kann man noch das Asklepieion besichtigen, eine der renommiertesten zeitgenössischen Heilstätten. Entsprechend groß ist die Anlage. Nicht nur für Freunde der Medizingeschichte sehr sehenswert.

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Reise-Notizen West-Türkei (4): Assos

Hoch über der Küste und mit einem abwechslungsreichen Blick auf das dunkelblaue Meer und die Insel Lesbos liegen die Ruinen der griechischen Stadt Assos. Ein kleines Bergdorf trägt diesen Namen immer noch. Die Stadt wurde ca. im 8. Jahrhundert von Lesbos aus besiedelt und entwickelte sich binnen der nächsten 400 Jahre zum intellektuellen Zentrum der Region. Dies ist dem Fürst Hermias zu verdanken, einem Schüler Platos, der Aristoteles einlud, in Assos eine philosophische Schule zu gründen. Drei Jahre lang blieb der Philosoph in der Stadt. Im Jahr 58 trieb dort auch Apostel Paulus sein Unwesen, bevor der Verfall der Stadt begann. In byzantinischer Zeit war nur noch ein Dorf übrig.

Ausgesprochen sehenswert sind die Überreste des Athenatempels, der wie immer an der schönsten Stelle errichtet war. Obwohl viele Überreste über diverse Museen der Welt verstreut sind, kann man sich nach wie vor einen guten Überblick über diese Tempelanlage verschaffen.

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Reise-Notizen West-Türkei (3): Bursa, Troia

Bursa, eine Stadt mit bald zwei Millionen Einwohnern, zeichnet sich kulturhistorisch vor allem dadurch aus, dass sie die Osmanen zu ihrer ersten Hauptstadt machten. Während in Istanbul die großen Moscheen alle nach dem klassizistischen Stil erbaut sind, finden sich in Bursa frühosmanische Gotteshäuser, die erkennbar weniger von christlichen Kirchen beeinflusst sind, als die späteren Bauwerke. Sehr sehenswert sind außerdem die zahlreichen Sultansgräber. Sarkophage stehen in Türben (Grabbauten), die wie gestauchte Türme aussehen, und innen höchst unterschiedlich prächtig geschmückt sind. Bursa wirkt trotz der Größe vergleichsweise provinziell, aber vielleicht war an diesem Eindruck nur der Kontrast zum turbulenten Istanbul schuld.

In allen Reiseführern wird so ausgiebig von “Millionen enttäuschter Besucher” berichtet, dass man erstaunt ist, wie viel dort noch zu sehen ist. Freilich schadet es nichts, einiges über die Grabungen zu wissen, und einen guten Archäologen als Erläuternden zu haben. Ist man an der kitschigen Reproduktion eines trojanischen Pferdes vorbei, das – Überraschung! – von Amerikanern gestiftet wurde, sieht man die beeindruckenden Überreste der Stadtmauer. Anschließend gibt es diverse Ausgrabungen aus den unterschiedlichen Schichten zu sehen, darunter auch Spektakuläres wie ein altes von Korfmann freigelegtes Haus.

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