Thomas Mann

Thomas Mann GKFA: Neue Bände rezensiert

In der NZZ wurden am Wochenende die Neuerscheinungen dieser schönen Werkausgabe rezensiert.

Thomas Mann & David Hume

Eine Menge lesenswerter Artikel und Rezensionen über T.M. finden sich in der aktuellen Ausgabe (8/2005) von Literaturkritik.de. Dort ist ebenfalls eine Besprechung einer neuen Ausgabe von Humes „Ein Traktat über die menschliche Natur“ anzutreffen.

Neues von der großen Thomas-Mann-Ausgabe

Sechs neue Bände

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, deren herausragendster ein nachlässiger Buchhandelsvertreter für S. Fischer zu nennen ist, erreichten mich gestern drei Buchkassetten. Zwei Doppelbände „Königliche Hoheit“ und „Frühe Erzählungen 1893-1912“ (also mit dicken Kommentarbänden jeweils) sowie „Briefe II. 1914-1923“.

[Weitere Beiträge zur GKFA auf koellerer.de]

Lotte in Weimar

Axel Schmitt ist von der neuen Edition dieses Romans in der Frankfurter Ausgabe* hingerissen.

* Siehe dazu auch meine Beiträge zur GfK, gesammelt auf koellerer.de.

Buddenbrooks Haus

Lübeck

Das in der Mengstraße gelegene Haus der Großeltern Thomas Manns wurde zu einem Literaturmuseum umgestaltet, in dessen Mittelpunkt eine Dauerausstellung zu den „Buddenbrooks“ steht. Literaturdidaktisch nicht schlecht gemacht, was den durch das Haus getriebenen Schulklassen aber nicht weiter auffiel.

Die Bibliothek des Hauses ist – zurückhaltend formuliert – noch ausbaufähig, vor allem was die Forschungsliteratur angeht. Der Ankaufetat hätte dringend eine Vermehrfachung notwendig.

Thomas Mann: Essays II. 1914-1926

Dieser Band der GKFA wurde heute von der FAZ rezensiert. Der Perlentaucher hat zusammengefasst.

Schopenhauer…

Haffmans-Ausgabe bzw. dtv (Amazon Partnerlink)

Nach den „Buddenbrooks“ erschien es mir passend, das umfangreiche Kapitel aus „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zu lesen, das Senator Thomas Buddenbrook zu einem philosophischen Erweckungserlebnis führt, ein Erlebnis, das freilich nach ein paar Tagen wieder verblasst.

„Über den Tod und sein Verhältniss zur Unzerstörbarkeit unsers Wesen an sich“ lautet der volle Titel des Abschnitts. Wohl wissend, dass mir dieses metaphysische Wühlen denkbar fern steht, war ich doch betroffen, wie schlecht (handwerklich gesprochen) Schopenhauer seine Argumente präsentiert.

An vielen Stellen fehlt buchstäblich jegliche Logik: Es wird innerhalb eines Arguments nicht nur beliebig zwischen unterschiedlichen Abstraktionsebenen gewechselt und semantisch an Blähsucht leidende Begriffe verwendet, sondern auch regelmäßig rhetorische Tricks eingesetzt (was ist hier dem intelligenten Menschen nicht alles evident und man muss ja ein ausgemachter Trottel sein, wenn man ob dieser genialen Welterklärung nicht in Verzückung gerät …)

Einige von Schopenhauers „empirischen“ Beobachtungen hätten schon einer zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Überprüfung nicht stattgehalten, selbst wenn man von dem unmotivierten Hin- und Herspringen zwischen angeblich naturwissenschaftlichen und metaphysischen Begriffen höflichkeitshalber absieht.
Vor dieser Ausgangslage hilft es auch nicht weiter, brutal aus dem theoretischen Zusammenhang gerissene Zitate klassischer Philosophen als Stützen heranzuziehen. Vergleicht man das (formale) Denkniveau Schopenhauers mit einem brillanten Kopf wie Kant, könnte man vergleichsweise unfreundliche Gedanken über die Entwicklung der deutschen Philosophie in den Jahrzehnten nach dem Königsberger anstellen…

Thomas Mann: Buddenbrooks (3.)

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Die Zeit für die dritte Lektüre dieses Romans war gut investiert. Ursprünglich wollte ich den umfangreichen Kommentarband der Frankfurter Ausgabe parallel lesen, aber ich konnte mich während des Lesens nie entschließen, die „Buddenbrooks“ mit Sekundärem zu vertauschen. Nun gehört es ja unter avancierten Literaturfreunden zum guten Ton, abfällig über Thomas Mann und seine Werke zu reden. Das liegt vermutlich daran, dass die literarischen Mittel des Autors im Vergleich zu einem James Joyce oder einem Arno Schmidt vergleichsweise „schlicht“ anmuten können. Eine unfaire Argumentation, läßt man dabei doch außer acht, dass Thomas Mann für sich in Anspruch nehmen darf, die Kunst des realistischen Romans zu einem Höhepunkt geführt zu haben. Führt man sich gleichzeitig die literaturgeschichtliche Bedeutung dieser Erzähltradition vor Augen (erwähnt seinen nur die französischen und russischen Klassiker), ist eine abwertende Haltung völlig unangebracht.

Liest man ein Buch zum dritten Mal, achtet man verstärkt auf Details und Finessen. Die „Buddenbrooks“ haben hier viel zu bieten, und es ist oft verblüffend mit welcher Souvernität Mann subtile literarische Kunstgriffe einsetzt. Trotz der Länge sind die „Buddenbrooks“ von einer raffinierte Ökonomie: Die Handlung wird regelmäßig auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig weitergetrieben, und ich war überrascht wie schnell die Handlung sich eigentlich entwickelt. Die Leitmotiv-Technik ist manchmal etwas plakativ, aber der „Störeffekt“ hält sich in engen Grenzen. Schwer zu verstehen ist, wie ein junger und arroganter Schnösel im Alter von 23 Jahren ein solches Riesenprojekt bewältigen konnte.

Thomas-Mann-Ausgabe: Band Nr. 4

Diesmal war der Anruf nicht vergebens, es wartete eine schwergewichtige Kassette auf mich: Essays II: 1914-1926. Ein fast 1300 Seiten umfassender Textband wird von einem ähnlich schwergewichtigen Kommentarband (1000 Seiten) begleitet. Fast etwas viel Mann auf einmal :-)

[Für weitere Beiträge zur „Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe siehe koellerer.de]

Thomas-Mann-Ausgabe: Logistische Probleme?

Im Oktober rief mich meine Buchhandlung an, ich möge doch bitte drei neue Bände der Ausgabe abholen. Nach der knapp einjährigen Verspätung der ersten Lieferung, dachte ich, S. Fischer hätte nun die kolportierten technischen Editionsprobleme endlich in den Griff bekommen.

Als ich dann aber den „Zauberberg“ in der neuen Ausgabe in Empfang nehmen wollte, stellte sich heraus: Man hatte mir die ersten drei Kassetten noch einmal geschickt. Es heißt nun also, weiter warten…

[Für weitere Beiträge zur „Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe siehe koellerer.de]

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Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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