Schimmelpfennig

Schimmelpfennig: Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes

Akademietheater 1.12.
Regie: Roland Schimmelpfennig

Liz: Christiane von Poelnitz
Frank: Tilo Nest
Martin:Peter Knaack
Karen:Caroline Peters

Wäre diese Vorstellung nicht Teil meines Akademietheater-Abonnements gewesen, hätte ich angesichts meiner bisherigen schlechten Erfahrungen mit Roland Schimmelpfennig von einem Besuch seines neuen Stückes abgesehen. So hatte ich nun wenigstens die Möglichkeit, mein Urteil über ihn zu bestätigen.

Die dramaturgische Idee ist ohne viel Federlesens von einem amerikanischen Klassiker übernommen: Who’s Afraid of Virginia Woolf? Zwei Ehepaare zerfleischen sich unter zunehmenden Alkoholeinfluss. Auch das Erfolgsstück (und neuerdings Film) Der Gott des Gemetzels verwendet dieses Verfahren.

Schimmelpfennig lässt zwei Mediziner-Ehepaare gegeneinander antreten. Karen und Martin kommen eben von einem sechsjährigen humanitären Einsatz in Afrika zurück. Sie mussten ein Kind nach Ausbruch von Unruhen zurücklassen, was der Kern des auf der Bühne abgehandelten Problems ist. Liz und Frank schickten nämlich jahrelang Geld für die medizinische Versorgung des Mädchens und sind über die Entwicklung der Ereignisse naturgemäß geschockt.

Der Stoff ist gut gewählt, das Stück scheitert aber an der Umsetzung. Einerseits weiß man von Anfang an durch die dramaturgische Struktur, wie sich das Stück entwickeln wird. Andererseits verfällt Schimmelpfennig in störende Manierismen. So lässt er immer wieder undifferenziert und unvariiert Passagen wiederholen. Wenige Male kann das witzig sein, als Dauereinrichtung nervt es nur, und ist dem komplexen moralischen Thema ebenso unangemessen wie die uninspirierte Dialogführung.

Ein selten langweiliger Theaterabend.

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Roland Schimmelpfennig: Ende und Anfang. Dramatisches Gedicht

Akademietheater 9.10.
Regie: Nicolas Stemann
Der Mann in der Küche, Peter: Sebastian Rudolph
Der Verbrannte Gast, Frankie: Markus Hering
Die Frau ohne Schlüssel, Isabel: Myriam Schröder
Der Mann zwischen sechzig und siebzig: Rudolf Melichar
Das schlaksige Mädchen, Dorothea: Stefanie Dvorak
Der Vogelmann: Philipp Hochmair
Der russische Tierpfleger, Pjotr Antónovitsch Rostov: Hermann Scheidleder

Nicolas Stemann genießt berechtigterweise den Ruf, sogenannte “unspielbare” Stücke passabel auf die Bühne zu bringen. Texte Elfriede Jelineks beispielsweise brachte er kongenial auf die Bühne des Akademietheaters.

Auch bei diesem neuen “dramatischen Gedicht” mühte er sich ebenso redlich wie das gut disponierte Ensemble. Allein der beste Regisseur und Weltklasse-Schauspieler helfen nichts, wenn das Stück schlecht ist. Verschiedene Handlungsstränge laufen lose assoziiert neben einander her, wobei Monologe der Protagonisten dominieren. Diese lose Form passt nicht wirklich zum “Inhalt”, in deren Mittelpunkt gescheiterte bis seltsame Existenzen stehen. Es gibt ein paar gelungene Theatermomente, die sich Einfällen der Regie verdanken, aber das ist selbst für kurze fünfundsiebzig Theaterminuten zu wenig.

Möge dieses Auftragswerk des Burgtheaters anderen Häusern erspart bleiben.

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Roland Schimmelpfennig: Die Frau von früher

Akademietheater 27.9.04
Regie: Stephan Müller
Frank: Markus Hering
Claudia: Regina Fritsch
Romy Vogtländer: Christiane von Poelnitz
Andi: Philipp Hauß
Tina: Elisa Seydel

Wenn es stimmt, dass Roland Schimmelpfennig einer der begabtesten deutschen Gegenwartsdramatiker ist, steht es, dem neuen Stück nach, schlecht um die deutsche Gegenwartsdramatik. Das mag ein ungerechtes Urteil sein, da ich die zahlreichen anderen Stücke Schimmelpfennigs nicht kenne. “Die Frau von früher” jedoch, ein Auftragswerk für das Burgtheater, ist seltsam unausgegoren. Wenn man das Stück an verschiedenen Stellen abklopft, klingt es hohl und leer.

Die grundsätzliche Idee erinnert – höflich formuliert – auffällig an Ibsens “Baumeister Solness”: Nach vielen Jahren steht eine Frau vor der Tür eines Ehepaars und macht alte Ansprüche geltend. Im Gegensatz zu Ibsen klingen Schimmelpfennigs Dialoge oft angestrengt gekünstelt, und das drastische Ende wirkt psychologisch unmotiviert.
Originell war die zeitliche Szenenfolge (10 Minuten früher, währenddessen, ein paar Minuten später usw. in schnellem Wechsel). Formale Originalität freilich rettet kein Stück, dass inhaltlich nichts zu sagen hat.

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