Schiele

Ausstellungen in Wien

Zwei sehenswerte Ausstellungen gibt es derzeit in der Albertina: Egon Schiele & Eduard Angeli. Es gibt ja kaum ein Wiener Museum, das nicht einen größeren Bestand an Schiele-Werken hätte, aber die Sammlung an Zeichnungen in der Albertina ist herausragend. Schön, dass sie ihren Bestand wieder einmal in großem Umfang ausstellen. Angeordnet sind die Bilder chronologisch. Einige davon waren mir im Original neu, etwa seine Zeichnungen, die während seines Gefängnisaufenthalts entstanden sind. (Bis 18.6.)
Im Keller ist anlässlich seines 75. Geburtstags eine umfangreiche Retrospektive der Gemälde Eduard Angelis zu sehen, die so ganz anders sind, als man es von der Gegenwartskunst gewöhnt ist: Gegenständlichkeit mit subtilen Widerhaken. Angeli beschäftigt sich mit Räumen und ihre (oft düsteren) Atmosphäre. Menschen interessieren ihn nicht. (Bis 25.6.)

Das Künstlerhaus Wien ist wegen Umbauarbeiten in die Siebenbrunnengasse 26 im fünften Wiener Gemeindebezirk umgezogen und fand eine temporäre Bleibe in dem Stockwerk der ehemaligen Altmann’schen Textilfabrik. Der loftartige Ausstellungsraum eignet sich sehr gut für diesen Zweck. Zu sehen ist dort Das bessere Leben eine politische Konzeptausstellung, die sich mit Problemen der Gegenwart auseinandersetzt, darunter die Flüchtlingskrise. Eingeladen wurden primär Künstler, die einen Bezug zu diesen Themen haben. Prinzipiell bin ich kein großer Freund von „Politik-Kunst“, weil das Ergebnis oft auf Kosten der ästhetischen Qualität geht. Hier gibt es aber eine Reihe von Werken, die Ästhetik mit politischem Anspruch sehr gut verbinden. (Bis 20.5.)

Beide Ausstellungen im Wien Museum sind sehenswert. In der hübsch betitelten Schau Brennen für den Glauben. Wien nach Luther gehen die Kuratoren der protestantischen Phase Wiens nach. Wiens Bevölkerung war nach der Reformation einmal mehrheitlich protestantisch. Viele Stationen zeigen diese Entwicklung und deren spätere Unterdrückung. Es ist sehr viel schönes Druckwerk aus dieser Zeit zu sehen, etwa einer der seltenen Originaldrucke von Luthers 95 Thesen. (Bis 14.5.)
Einen Stock höher setzt man sich mit der Darstellung Wiens aus der Luft auseinander: Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick. Sie zeigt nicht nur historische Pläne und Fotos, sondern beschäftigt sich auch mit der kulturgeschichtlichen Interpretation dieser unterschiedlichen Sichtweisen. (Bis 17.9.)

Egon Schiele: Selbstporträts und Porträts

Unteres Belvedere 30.5.

Viel, vermutlich zu viel Impressionismus und Expressionismus sah ich den letzten 10 Jahren. Dass Schiele zu den besten „Expressiven“ gehört, läßt sich noch bis 13. Juni in der Orangerie des Belvedere verifizieren. Zu sehen sind dort viele seiner Selbstporträts, abwechselnd mit diversen gemalten und gezeichneten Porträts. Die Bilder sind chronologisch sortiert, so dass man Schieles Entwicklung vom mit sich selbst beschäftigten jungen Mann bis zu seinen reiferen Phasen Revue passieren lassen kann. So geballt ausgestellt, tritt die Monomanie des Künstlers besonderns stark hervor. Aber er reflektiert auch andere soziale Situationen, wenn er etwa unglaublich ausdrucksstark die Ausdruckslosigkeit einer jungen Familie malt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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