Rom

Federico Fellini: La Dolce Vita (1960)

Einer der berühmtesten Episodenfilme der Filmgeschichte, der gleich mehrere ikonische Epochenbilder generierte: Die über Rom fliegende Jesusstatue zu Beginn oder Anita Ekberg im Trevi Brunnen. Wie die meisten großen Kunstwerke nahm Fellini keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten des damaligen Durchschnittsspießers und schockierte das Publikum nicht nur mit erotischer Freizügigkeit. Es gibt auch den kinderliebenden Intellektuellen, der seine Lieben massakriert. Fellini zeigt die blasierte römische Gesellschaft von mehreren Seiten und spart auch nicht an Kritik am (katholischen) Massenwahn wie die Episode mit der angeblichen Marienerscheinung illustriert. Gleichzeitig bekommt bereits früh der Sensationsjournalismus eine Breitseite verpasst. Bis heute redet man von den „Paparazzi“, die den Film bevölkern. Marcello Mastroianni liefert eine der besten Leistungen seiner Karriere.

La Dolce Vita (Blu-ray)

To Rome With Love

Filmcasino 5.9. 2012
USA / Italien 2012
Regie: Woody Allen

Einen weiten Weg legte Woody Allen zurück von seinen geistreichen, intellektuellen und gesellschaftskritischen Filmen bis zu den vergleichsweise seichten Komödien der letzten Jahre. Zwar gibt es charmante Einfälle und einige gute Pointen, Allens kritischer Verstand scheint aber im Schonmodus gelaufen zu sein. Sein Rombild trieft vor Klischees, was angesichts seiner angeblichen Vorliebe für Fellini doch sehr verwundert, der bereits vor einem halben Jahrhundert ganz andere Romfilme drehte.

To Rome With Love erzählt mehrere unverknüpfte Geschichten, deren prominenteste nicht mehr als eine romantisch-komische Teenagerkomödie ist. Am besten ist noch Roberto Benigni, der als anonymer Angestellter plötzlich grundlos berühmt wird, und von einer Medienmeute verfolgt wird.

Passable Unterhaltung, wenn man sein Hirn an der Kinokasse abgibt.

Reise-Notizen Italien (3): Alte Steine in Rom

Es braucht an dieser Stelle nicht darauf hingewiesen werden, dass dem an Archäologie Interessierten keine Großstadt mehr anzubieten hat als Rom. Ein Spaziergang in der Innenstadt führt einen von Höhepunkt zu Höhepunkt, etwa wenn man plötzlich vor dem Pantheon steht, in dessen Innerem man die seltene Gelegenheit hat, noch original erhaltene römische Wanddekorationen zu sehen.

Vom Kolosseum aus kann man fast direkt das Forum Romanum besichtigen und hat damit zwei symbolträchtige Orte nebeneinander: Die Barbarei römischer Unterhaltung neben den Zentren des römischen Imperiums, wo man auf einer etwas subtileren Ebene auch ausgiebig der Barbarei pflog, sei es außenpolitisch oder im Umgang mit der Konkurrenz.

Als Goethe in Rom war, konnte man nur wenige Monumente des Forum Romanums sehen, das meiste lag unter der Erde. Ausgegraben bekommt man während eines Rundgangs einen exzellenten Eindruck über die römische Machtzentrale. Man kann sich gut vorstellen, wie sehr Gesandte aus fernen Provinzen vor dieser urbanen Prachtentfaltung in Ehrfurcht erstarrten, wenn sie denn nicht gerade von den reichen Städten aus dem Osten kamen.

Wie auch in Athen leiden die Ruinen sehr am städtischen Smog, man kann nur hoffen, dass man hier eine Lösung findet, ehe es zu spät ist.

Reise-Notizen Italien (2): Museen in Rom

Leider war ich nicht lange genug in Rom, um mir auch nur annährend einen Überblick über die Vielzahl der Museen zu verschaffen. Auf dem Programm standen natürlich die Vatikanischen Sammlungen. Angesichts der langen (langen!) Schlangen vor den Kassen, war die Vorreservierung besonders angenehm: Wir kamen ohne zu warten hinein. Virtuell setzten sich die Schlangen im Inneren allerdings fort. Nun war ich inzwischen ja in vielen berühmten Museen der Welt, aber so ein Gedränge habe ich bisher nirgends erlebt. Eine ruhige Betrachtung der berühmten Werke ist kaum möglich, was angesichts der Fülle an großartiger Kunst eigentlich ein Verbrechen ist. Hätte man die Kunst und nicht die Maximierung der Eintrittsgelder im Auge, dürfte man maximal ein Viertel der Menschen den Eintritt gestatten. Man könnte das durch Vorverkauf und Reservierungen lösen, aber die Geschäftstüchtigkeit der katholischen Kirche dürfte dem entgegen stehen.

Höhepunkte der Höhepunkte waren selbstverständlich die Stanzen des Raphael (Schule von Athen!) und die Sixtinische Kapelle. Dort gelang es mir einen Platz am Rand auf einer Bank zu finden, so dass ich in einer halben Stunde Michelangelos megalomanisches Meisterwerk in Ruhe betrachten konnte.

Das zweite Museum, über das ich berichten kann, ist das Kapitolinische. Der Schwerpunkt dort liegt, wie unschwer zu erraten ist, auf den archäologischen Funden rund um das Kapitol und das Forum Romanum. Besonders beeindruckend ist die epigraphische Sammlung im Keller. Dort werden exemplarisch Inschriften aller Art mit Übersetzung didaktisch vorbildlich präsentiert. Sehr schön fand ich auch den „Philosophenraum“, der mit Büsten antiker Denker vollgestopft war. Trotz vieler hochrangiger Werke (Aphrodite von Knidos des Praxiteles, der Sterbende Gallier, beides natürlich römische Kopien uvm.) war das Museum erstaunlicherweise kaum besucht. Das Haus wurde übrigens bereits 1471 geöffnet und ist damit die älteste öffentliche Kunstsammlung in Europa.

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets