Lexika

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Brockhaus multimedial 2002 Premium

Glaubt man diversen Rezensionen, wird die elektronische Ausgabe des Brockhaus immer besser. Erwähnt sei die überarbeitete Auflage hier aber aus einem speziellen Grund: Enthalten ist nämlich ebenfalls das Brockhaus Konversationslexikon von 1906, was sehr lobenswert ist und hoffentlich Nachahmer findet.

250 Jahre Encyclopédie

Der kürzlich in der Anderen Bibliothek erschienene Prachtband mit ausgewählten Artikeln aus Diderots Encyclopédie ist umstritten, in der aktuellen ZEIT-Literaturbeilage findet sich ein Verriss mit plausiblen Argumenten. Dieser für Telepolis geschriebene Beitrag gibt einen kurzen Überblick über Diderots Projekt.

Britannica günstig zu haben

Die lobenswerte Wissenschaftliche Buchgesellschaft bietet exakt 50 Exemplare der Encyclopeadia Britannica an, und zwar zum Preis von 999 Euro. Der Brockhaus kostet knapp 2500 Euro und bietet viel weniger fürs Geld. Für mich ist die Britannica seit Jahren unverzichtbar, sie stellt eine in sich geschlossene kleine Bibliothek dar. Es handelt sich um die Ausgabe von 1998.

Zugreifen, wer es sich leisten kann, es wird niemand bereuen. Es ist ja derzeit nicht absehbar, wie lange es überhaupt noch eine Printausgabe geben wird, obwohl mich die gerade erschienene „Edition 2002“ (bzw. die Britannica 2010) optimistisch stimmt.

Web-Tipp: Kindlers Neues Literatur-Lexikon

Die CD-ROM-Version wird von Michael Wögerbauer einer ausführlichen Kritik unterzogen.

Joseph Epstein: The Great Bookie Mortimer Adler

Knapp hundertjährig starb Ende Juni Mortimer J. Adler Mortimer J. Adler, der maßgeblich an der letzten Revision der Encyclopeadia Britannica beteiligt war, eine der größten lexikographischen Leistungen des 20. Jahrhunderts. Auf Adlers Anregung basiert vor allem die strukturelle Aufteilung der Wissensgebiete, wie man sie in der Propeadia nachlesen kann, einer einzigartigen Kombination aus Gliederung & Inhaltsangabe für eine Enzyklopädie. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich einen umfassenden Überblick über ein neues Sachgebiet zu erarbeiten.

Auch „The Great Books of the Western World“, eine monumentale Anthologie wichtiger Werke der Geistesgeschichte in 54 Bänden wurde von Adler publiziert. Durch sein Engagement für die Lektüre von „Great Books“ wurde er zu einem der bekanntesten Verfechter des klassischen Kanons.

Epstein zeichnet in seinem ausführlichen Nachruf allerdings ein wenig vorteilhaftes Bild des Philosophen. Vor allem Charakterschwächen Adlers haben es ihm angetan, seine Leistung rund um die neue Britannica würdigt er kaum. Es ist sicher richtig, dass Adler kein bedeutender Philosoph im traditionellen Sinn des Wortes war: Er leistete kaum Beiträge zu neuen Erkenntnissen. Trotzdem war sein Streben, umfassende Wissensvermittlung auf hohem intellektuellen Niveau für ein möglichst breites Publikum zu erreichen, klassisch aufklärerisch.

Ein Trost zu wissen, dass Adler fast 100 Jahre alt wurde, so war ihm deutlich mehr Zeit zur Lektüre seiner „Great Books“ vergönnt, als dem durchschnittlichen Sterblichen zur Verfügung steht.

Buch-Hinweise:

  • Mortimer J. Adler; Charles van Doren: How to Read a Book. The Classical Guide to Intelligent Reading (New York 1972)
  • Mortimer J. Adler: Six Great Ideas (New York 1981)
  • Mortimer J. Adler: Philosopher at Large. An intellectual Autobiography 1902 – 1976 (New York 1977)
  • Sokrates enzyklopädisch

    Es ist ein leider weit verbreitetes Vorurteil, dass sich die besten enzyklopädischen Artikel immer in der aktuellsten Auflage eines Lexikons befinden. Das mag für naturwissenschaftliche und aktuelle technische Themen zutreffend sein, nicht zwangsläufig aber für (geistes)geschichtliche, wie ein Vergleich mehrerer Einträge zum Stichwort Sokrates einmal mehr belegt.

    1. Meyer’s neues Konversations-Lexikon. Zweite Auflage 1861

    Der anonyme Autor gibt einen durchaus brauchbaren Überblick. Die Parteinahme für Sokrates ist nicht zu übersehen, alles in allem wird das klassische Sokrates-Bild vermittelt. Kritiker werden mit erfrischender Polemik bedacht. So gab es schon im 19. Jahrhundert die Meinung, der Philosoph sei zurecht verurteilt worden, worüber sich der Verfasser erbost:

    Diese ungenirte Rechtfertigung eines Aktes, der ganz einfach das Ergebniß sophistischer und demagogischer Ränke war und die sittliche Korruption bekundete, ist selbst als ein Zeugnis moderner sophistischer Zersetzung zu betrachten. Die große Bedeutung des S. ist in der Anregung zu suchen, die er durch sein Leben und noch mehr durch seinen Tod gab. Die ganze platonische und aristotelische Philosophie würden nicht das geworden sein, was sie sind, wenn der Gedanke an die Persönlichkeit des S. nicht der sophistischen Zersetzung des damaligen Denkens in einigen edleren Geistern die Wage gehalten und gleichsam als moralischer Rückhalt und Trost gedient hätte. [Band 14, S. 705]

    2. Meyers Großes Konversationslexikon. Sechste Auflage 1907ff.

    Knapp 50 Jahre später, wird der ältere Artikel als Basis herangezogen, eine Reihe von Passagen werden trotz einer allgemeinen Überarbeitung wörtlich übernommen. Auch der Tenor ist derselbe, allerdings ist der Text „technischer“, d.h. es wird deutliche mehr philosophische Fachterminologie ins Spiel gebracht (Induktion, Definition):

    Das eigentlich Neue in der Kunst des S. bestand (nach Aristoteles) darin, einerseits von der Betrachtung des Besonderen zum Allgemeinen aufzusteigen (Induktion), andererseits durch Ausscheidung des Unwesentlichen und Ungehörigen wie durch Zusammenfassung des Wesentlichen und Unentbehrlichen zum Begriff zu gelangen (Definition), welch letzterer, weil er der Sache selbst entspricht, immer derselbe bleibt, während das Allgemeine, weil es aus dem Besonderen gewonnen worden ist, dieses letztere sämtlich in sich begreift. [Band 18, S. 573]

    Den kompletten Eintrag gibt es bei zeno.org zu lesen.

    3. The Encyclopaedia Britannica. Eleventh Edition 1911

    Dieser ausführliche Artikel – schätzungsweise knapp 30 normale Buchseiten – gehört zum Besten, was ich bisher über Sokrates las. Der fast zeitgleich verfasste Meyer-Beitrag bleibt im Vergleich damit qualititativ und quantitativ zurück.
    Geschrieben von dem mir bis dato unbekannten Prof. Henry Jackson geht er ausführlich auf die diversen Probleme der Sokrates-Forschung ein, präsentiert bei Bedarf aber auch eigenständige Lösungsvorschläge. So etwa auf die Frage, warum Sokrates zum Tode verurteilt wurde. Adams argumentiert hier plausibel unter Bezugnahme auf eine gemäßigt-oligarchische Partei, von der in der bisher von mir ausgewerteten Literatur nirgends die Rede war. Ein weiteres Beispiel ist die Behandlung des sokratischen „Daimons“. Der Verfasser zählt analytisch sechs mögliche Interpretationen auf, bewertet sie und übernimmt, etwas modifiziert, die beste.

    Der Artikel ist stilistisch hervorragend geschrieben, etwas wenn in einem treffenden Nebensatz die Glaubwürdigkeit Xenophons als Zeugen folgendermaßen begründet wird:

    Xenophon, having no philosophical views of his own to develop, and no imagination to lead him astray – being, in fact, to Socrates what Boswell was to Johnson – is an excellent witness. [Band 25, S. 332]

    Da mir bewusst ist, dass die elfte Britannica-Auflage im deutschsprachigen Raum ziemlich selten ist, der Text aber weite Verbreitung verdient, habe ich diesen Artikel digitalisiert und biete ihn hier als Download an. Es handelt sich um acht JPG-Grafiken als ZIP-File (ca. 2,6 MB).

    Update Jan. 2010: Mittlerweile gibt es die 11. Auflage schon seit einigen Jahren (komplett) online. Der Artikel zu Sokrates bei „Classic Encyclopedia“.

    4. Encyclopaedia Britannica. Fifteenth Edition 1997

    5. Der Brockhaus – Die Enzyklopädie (1996?)

    Der Artikel wurde von mir digital über Xipolis.net* besorgt, weshalb ich mangels Quellenangaben nicht sicher bin, aus welcher Auflage des Lexikons er stammt, vermutlich aus der aktuellen 20.

    Wie dem auch sei: Der Artikel behandelt Sokrates auf denkbar knappem Raum, und schafft es hervorragend, oberflächlich die wichtigsten Informationen zu geben, ohne auch nur ansatzweise auf interessante Probleme einzugehen. Hier ist man schon mit dem Meyer Artikel aus dem Jahr 1861 wesentlich besser bedient. Apropos: Eine kritische Rezension des aktuellen großen Brockhaus sei auch noch erwähnt.

    Mehr Notizen zu Sokrates: Martens und Stone .

    * Xipolis.net wurde Mitte 2009 eingestellt.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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