Klemperer

Victor Klemperer: Tagebücher 1918 bis 1959

Hörbuch, 12 CDs bzw. Aufbau Verlag (Amazon Partnerlink)

Nach dem Hören (oder Lesen) dieser Tagebücher fragt man sich, ob der Misanthrop nicht doch die adäquateste Einstellung zu seinen Artgenossen hat. Klemperers „Karriere“ während der dreißiger Jahre vom Ordinarius zum von der Gestapo schikanierten, rechtlosen Nicht-Arier führt plastisch die Brutalität des nazistischen Unrechtsstaat vor Augen. Klemperer beschreibt in seinem Tagebuch die sukzessiven juristischen Einschränkungen deren Perfidie nun hinreichend bekannt ist. Die bürokratische Effizienz mit der dieser Katalog der Grausamkeiten jedoch exekutiert wurde, wirkt am konkreten Beispiel noch abstoßender als die Lektüre dieser Verordnungen.

Beklemmend auch die Einstellungsänderung einiger Mitmenschen ab 1944. Eine neue Sympathie fällt auf. Die Klügeren erkannten, dass der Krieg verloren ist, und sichern ihre Zukunft durch besondere „Judenfreundlichkeit“. Viel lässt sich hier über diverse Ausprägungen des Opportunismus lernen.

Wer die deutsche Geschichte zwischen 1918 und 1959 verstehen will, hält mit diesen Tagebüchern eine sehr anschauliche Quelle in der Hand. Sehr erfreulich deshalb, dass sie auch in Buchform in mehreren Ausgaben günstig zu haben sind.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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