Ingmar Bergman

123

Ingmar Bergman: Persona (1966)

Persona ist einer der furiosesten Filme des Depressionsspezialisten Ingmar Bergman. Bereits in den ersten Sekunden sieht man, wie ein Schaf geschlachtet und ein Nagel durch eine Hand geschlagen wird, um nur zwei Szenen der schnell geschnittenen Eröffnungssequenz zu erwähnen.
Der Film ist fast durchwegs in einem ontologischen Schwebezustand gehalten. Was real, was geträumt, was ein Film im Film ist, kann man nie mit Sicherheit feststellen. Klare formale Marker gibt es dafür nicht. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte der neurotisch stummen Schauspielerin Elisabet Vogler und ihrer Krankenschwester Alma einigermaßen chronologisch. Im Laufe der Zeit wird die psychisch Kranke Elisabet immer gesünder und ihre Pflegerin Alma psychisch immer labiler.
Die Ambivalenz auf der formalen wie auf der inhaltlichen Ebene generieren die Rätselhaftigkeit des Films. Diese ästhetische Kompromisslosigkeit ist ebenso beeindruckend wie die düstere Atmosphäre des Werks.

Persona (DVD)

Bergman: Sehnsucht der Frauen (1952)

Filmmuseum 19.2.

Ein für Bergman ungewöhnlicher Episodenfilm, da er auch komödiantische Elemente enthält. Es werden drei Geschichten in unterschiedlicher Tonlage geschildert. In der letzten Episode verbringt ein Ehepaar zwangsweise eine Nacht in einem Lift, was sehr amüsant geschildert wird. Bergman hätte also auch mehr gute Komödien machen können, wenn er nur gewollt hätte.

Woody Allen über Ingmar Bergman

Das kurze Interview findet sich hier.

Bergman-Retrospektive: Fazit

Filmmuseum Wien: Begleittext Teil 1 und Teil 2

Es war ein interessantes Rezeptionsexperiment: 21 Filme eines Regisseurs in knapp zwei Monaten. Viel Zeit für ein ästhetisches Genre, das für mich eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielt, da ich Literatur, klassische Musik und Kunst dem Film vorziehe. Das liegt vermutlich daran, dass die Kommerzialisierung hier besonders weit fortgeschritten ist, und künstlerisch herausragende Filme im Vergleich zur Popcornware nur einen kleinen Bruchteil darstellen. Mehrere Filme pro Woche vom selben Regisseur zu sehen, hat einen aufschlussreichen Effekt: Wie beim Lesen eines langen Romans setzt man sich in regelmäßigen Abständen derselben Kunstwelt aus, was ja der üblichen „2-Stunden-Rezeption“ von Filmen entgegengesetzt ist.

Ingmar Bergman hat wie nur wenige dazu beigetragen, nach 1945 den Film als seriöse Kunstsparte zu etablieren. Ein überzeugender persönlicher Stil, kompromisslose Themen, keine Rücksicht auf den sogenannten Geschmack des Publikums trugen das ihre dazu bei. Wie viele herausragende Künstler variiert er in vielen Werken dieselben Themen und Fragestellungen, um eine immer überzeugendere Bearbeitung seiner Stoffe zu versuchen. Bergman scheitert mit einigen seiner Experimente (in „Schreien und Flüstern“ etwa), aber das ist legitimer Teil eines künstlerischen Entwicklungsprozesses.

Bergmans Monomanie und Besessenheit in ästhetischen und existentiellen Fragen, übt eine so große Faszination aus, dass man versucht ist, sein Gesamtwerk wie eine große Symphonie wahrzunehmen: Wenige Themen werden brillant, vielfältig, aber zwingend durchgeführt. Keine klassische Symphonie allerdings, denn eine Auflösung der ästhetischen Spannung in einer Harmonie wird dem Zuschauer nicht geboten, zumindest nicht in seinen besten Werken.

Bergman: Schiff nach Indialand (1947)

Filmmuseum 24.2.

Ein düsterer Vater-Sohn-Konflikt, angesiedelt auf einem armseligen Schiff, angereichert mit Lebenslügen und Ehebruch sowie garniert mit einem Selbstmord in geistiger Umnachtung. Sehr früh also findet man hier eine Reihe von klassischen Bergman Ingredienzien vereint. Die Durchführung kann sich durchaus sehen lassen.

Bergman: An die Freude (1950)

Filmmuseum 25.2.

Ein Film, der mir vor allem wegen der Künstlerthematik Freude gemacht hat, sieht man einmal davon ab, dass wohl nur selten so viel klassische Musik in einem Film zu hören ist. In schlechten Interpretationen allerdings, ist die Handlung doch rund um ein mäßiges Provinzorchester angesiedelt. Ästhetische Mittelmäßigkeit zieht sich deshalb als roter Faden durch das Werk. Im Zentrum steht allerdings die in Rückblenden erzählte Ehegeschichte der Hauptfigur.

Bergman: Durst (1949)

Filmmuseum 28.2.

Ein pedantischer junger Gelehrter reist mit seiner psychisch instabilen Gattin mit dem Zug durch das zerstörte Deutschland. Letzteres bleibt allerdings kulissenhaft im Dunkeln. Starke existentialistische Unter- und Obertöne.

Bergman: Sehnsucht der Frauen (1952)

Filmmuseum 19.2.

Drei „Frauengeschichten“ in unterschiedlicher Tonlage. Die letzte davon ist ungewöhnlich komisch. Bergman hätte auch Talent für Komödien gehabt.

Bergman: Gefängnis (1949)

Filmmuseum 18.2.

Von der Komplexität der Handlungsstruktur der wohl anspruchsvollste Film unter Bergmans Frühwerken. Besonders reizvoll die Selbstreferenzialität in Sachen Film: Es wird oft zwischen Meta- und Erzählebene(n) gewechselt. Teile der Handlung spielen in einem Filmstudio.

Bergman: Schande (1968)

Fimmuseum 17.2.

Ein Musikerehepaar erlebt auf einer Insel einen mysteriösen Krieg, den Bergman völlig apolitisch zeigt. Der Zuseher weiß nicht, wer gegen wen um was kämpft. Mehr als einige Platitüden auf allen Seiten erfährt man nicht. Der Film ist hochgradig artifiziell, was dem Kriegsthema nicht wirklich bekommt. Die Authentizität bleibt auf der Stecke, was angesichts der Intention, die Schrecken des Krieges zu zeigen (einschließlich malerisch in der Landschaft liegenden Leichen), nicht wirklich überzeugt. Ein extremes Werk, das auch im künstlerischen Scheitern noch interessant bleibt.

123
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets