Hofmannsthal

Hofmannsthal: Elektra

Burgtheater 26.10. 2012

Regie: Michael Thalheimer

Elektra: Christiane von Poelnitz
Klytämnestra: Catrin Striebeck
Chrysothemis: Adina Vetter
Ägisth: Falk Rockstroh
Orest: Tilo Nest

In unserer ironischen Welt Tragödien zu inszenieren, ist ein heikles Unterfangen. Wirkt doch das Pathos schnell überladen und unfreiwillig komisch. Deshalb ist es hoch erfreulich, wenn Michael Thalheimer eine nahezu perfekte Inszenierung der Elektra auf die große Bühne des Burgtheaters bringt. Gleichzeitig auch ein willkommener Kontrapunkt zur letzten Premiere, den überflüssigen Alpenkönig.
Trotz der riesigen Bühne steht den Schauspielern für den gesamten Abend nur eine schräg über die Bühne herein hängende Spalte zur Verfügung, in der zwei Menschen knapp nebeneinander stehen können. Eine exzellente Regieidee, kommen hier doch Figuren auf Tuchfühlung, die sich hassen, was der Körpersprache grandiose schauspielerische Möglichkeiten eröffnet. Ansonsten arbeitet Thalheimer noch mit Licht und Musik. Beides ebenso sparsam wie passend eingesetzt.

Hofmannsthal kennen viele heute nur noch durch seine Libretti und seinen sprachverhunzten Jedermann, weshalb es eine Wohltat ist, ihn in dieser Elektra-Bearbeitung auf dem Höhepunkt seiner Sprachkunst zu hören. Christiane von Poelnitz, sonst gerne als hysterische Ehefrau eingesetzt, spielt ihre Lebensrolle. Durch ihre unglaubliche Bühnenpräsenz nimmt man ihr jedes Wort ab. Chapeau! Die schauspielerische Leistung der anderen vier ist ebenfalls erstklassig.

Zusammen mit den Gespenstern im Akademietheater hat die beste Bühne Wiens nun zwei Weltklasse-Inszenierungen im Repertoire. Was will man mehr?

Fundstück

Hugo von Hofmannsthal hat sich nach einem Besuch bei Thomas Mann wie folgt geäußert:

„Der ganze Mensch mache einen ungemein gepflegten, großbürgerlich-soliden, diskret-eleganten Eindruck … Auch sein Haus stelle man sich so vor: sehr fein und reichhaltig, mit kostbaren Tapissereien, dunkelnden Ölgemälden, Clubsesseln, hellen Schlafräumen ect. pp. …. Nur, – in irgend so einem Nebenzimmerl liegt dann plötzlich eine tote Katze…“. [via Klassikerforum; Quelle: Harpprecht]

Hugo von Hofmannsthal: Der Unbestechliche

Burgtheater 17.6.04
Regie: Thomas Langhoff
Die Baronin: Libgart Schwarz
Jaromir: Johannes Krisch
Anna: Regina Fritsch
Theodor: Peter Simonischek

Links und rechts zwei plattenbautenähnliche Hochhäuser als Foto, in der Mitte ein schiefer, wild bemalter Kasten mit Glastüren. Vor dieser Kulisse läßt Thomas Langhoff Hofmannsthals Lustspiel geben. Johannes Krisch war in seiner Rolle als Schwerenöter nicht immer glaubwürdig, ansonsten wurde das Stück als solide Komödie mit ein paar dunklen Einsprengseln gegeben. An Peter Simonischek in der Titelrolle gab es nichts auszusetzen, so dass ein akzeptabler Theaterabend zu vermelden ist.

Angesichts der in dieser Saison in Wien stattgefundenen Theaterkatastrophen, muss man dafür ja schon dankbar sein.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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