Godard

Godard: À bout de souffle (1960)

Der erste „richtige“ Spielfilm des Jean-Luc Godard verblüffte die Filmwelt durch seine ungewöhnliche Ästhetik. Der junge Jean-Paul Belmondo spielt einen Kleinkriminellen, dessen aufgesetzte Coolness man ihm nur selten abnimmt. Formal ist der Film durch seine Schnitte und die mangelnde Rücksicht auf Genreregeln sicher spannend. Erstaunlich ist auch, dass er mehr als fünfzig Jahre nach seiner Entstehung immer noch avantgardistisch und modern wirkt. Ich sehe zwar den ästhetischen Einfluss auf das spätere Filmschaffen: Persönlich spricht mich À bout de souffle aber nur wenig an.

Außer Atem (DVD)

Jean-Luc Godard: Le Mepris (1963)

Eigentlich braucht es nicht mehr als einen real auftretenden Fritz Lang, der einen Streifen über die Odyssee dreht, um mich sofort für einen Film einzunehmen. Damit wäre bereits die selbstreferenzielle Ebene des Films benannt, nämlich die Frage inwieweit ästhetische Kompromisse aus kommerziellen Gründen zulässig sind. Jeder ernstzunehmende Regisseur wird bis heute ständig damit konfrontiert. In Le Mepris verlangt der amerikanische Filmproduzent Jeremy Prokosch von Fritz Lang Änderungen und engagiert zu diesem Zweck den Schriftsteller Paul Javal, der mit seiner Gattin Camille anreist.

Aus dieser Personenkonstellation entwickelt sich nun ein Spiel vom Entfremdung und Annäherung vor hübscher süditalienischer Kulisse. Dabei korrespondieren die verschiedenen Ebenen elegant miteinander und die Entwicklung läuft mit einer inneren Notwendigkeit ab. Godard drehte radikalere Filme, aber Le Mepris kombiniert eine (anscheinend) leichte Zugänglichkeit mit einer hohen Komplexität. Er gilt deshalb zu Recht als einer der wichtigsten Filme des Nachkriegskinos.

Le Mépris (Blu-ray)

Jean-Luc Godard: Pierrot le Fou (1965)

Godards Filme sind alle „anders“ und so hat Pierrot le Fou trotz vieler Anleihen an das Krimi- und Gangstergenre (malerisch drapierte Leichen!) wenig mit deren Vorbildern zu tun. Es gibt zwar einen offenkundigen roten Faden, die Flucht vor einer Gangsterbande, aber die Substanz des Films liegt in der Ästhetik und den vielschichtigen Referenzen. So nimmt Godard nicht nur viele Aspekte der Konsumgesellschaft aufs Korn, er übt auch groteske Kritik am Vietnamkrieg. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und die originellen Schnittfolgen, Kameraeinstellungen und Farbkompositionen auf sich wirken lassen. Ein unglaublich dichter Film, den man mehrmals sehen muss, um kognitive Schneisen durch das Kunstwerk schlagen zu können.

Piere le Fou (DVD)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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