Fotografie

Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938 & Horowitz. 50 Jahre Menschenbilder

Jüdisches Museum 5.2. 2017

Das Haupthaus in der Dorothergasse zeigt eine sowohl kunst- als auch sozialgeschichtliche spannende Ausstellung, dokumentiert sie doch Leben & Werk von Künstlerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wobei man sich die biographischen Informationen jeweils über sein Smartphone holen muss. Wie schwierig es die Damen hatten, wird vielfältig ersichtlich. Nicht nur mussten sie eigene Vereinigungen gründen, weil sie lange aus den Männerbünden ausgeschlossen waren. Auch zur akademischen Ausbildung wurden sie bekanntlich erst spät zugelassen. Bezeichnend sind auch die diversen Beschimpfungen durch ihre männlichen Kollegen, so lästerte Adolf Loos über „dilettantische Hofratstöchter“ und Julius Klinger sprach vom „Weiberkunstgewerbe“. Die Schau ist nicht übermäßig umfangreich und fasst die Werke thematisch zusammen, etwa zur Avantgarde oder sozialkritischen Kunst. Es wird auch eine Dokumentation über Anna Mahler gezeigt. (Bis 1.5.)

Im Haus am Judenplatz ist eine kleine, feine Fotografie-Ausstellung zu sehen. Der Wiener Fotograf Michael Horowitz geht dieser Beschäftigung nun seit 50 Jahren nach und dokumentiert nicht nur in seinen Porträts die Zeitgeschichte. Alleine das berühmte Foto von Thomas Bernhard auf seinem Fahrrad und jene von H.C. Artmann lohnen den Besuch. Fesselnd sind auch die gezeigten Farbfotos zum Zeitgeschehen, darunter ein sehr treffendes von einer Norbert-Hofer-Wahlkampfveranstaltung. (Bis 28.5.)

Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg

Volkskundemuseum Wien 23.10. 2016

Schon wieder kuratiert das Volkskundemuseum eine exzellente Ausstellung. Dieses Mal steht der Blick auf Fremdes anhand von privaten Fotoalben aus dem zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Es sind nicht nur ausführliche Reproduktionen zu sehen und mehrere Projektionen von Fotos auf große Leinwände, sondern es geben auch ausführliche Videointerviews mit drei zeitgenössischen „Hobbyfotografen“ Einblicke in die Entstehung der Fotos sowie in den Alltag des Zweiten Weltkriegs. Harmlose Kameradenbilder aus dem oft ereignislosen Soldatenalltag wechseln sich ab mit Aufnahmen des Feindes. Es sind auch wenige Brutalitäten zu sehen, die aber nicht so im Fokus stehen als bei der umstrittenen Wehrmacht-Ausstellung vor vielen Jahren.

Martin Parr – A Photographic Journey

Kunst Haus Wien 21.10. 2016

Der Brite Martin Parr beschäftigt sich in seinen Fotos meist mit dem Alltag. Oberflächlich betrachtet sind seine Bilder gelungene Momentaufnahmen. Eine genauere Auseinandersetzung mit ihnen zeigt aber, dass er der westlichen Gesellschaft gekonnt einen Spiegel vorhält. Es gibt einige Themen, auf die er immer wieder zurückkommt, etwa das Alltagsleben von Touristen in Badeorten. Aber auch die sogenannte „bessere Gesellschaft“ kommt nicht zu kurz.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl aus seinen berühmtesten Fotoserien. Insgesamt sind Auszüge aus dreizehn Werkkomplexen zu sehen. Es gibt aber auch mehrere Filme zu rezipieren: Wer Parr als Filmemacher kennenlernen will, hat reichlich damit Gelegenheit. Eine einstündige Dokumentation gibt Einblicke in seine Ästhetik und seine Arbeitsweise.

Besonders hübsch ist natürlich, dass Martin Parr anlässlich der Ausstellung eine eigene Fotoserie über Wien anging. Dieses gelungene Wien-Porträt wäre alleine schon ausreichend, um sich auf den Weg ins Kunst Haus Wien zu machen. (Bis 2.11.)

Thomas Bernhard: Das führt alles zu nichts

Westlicht 6.2.

Fotografien von Sepp Dreissinger sind in der Ausstellung zu Bernhards 80. Geburtstag zu sehen. Dreissinger hat Bernhard gut zehn Jahre lang, zwischen 1977 und 1988, fotografiert. Immer dann, wenn Bernhard in der richtigen Stimmung war und „es gepasst“ hat. 120 dieser Aufnahmen sind in der Galerie Westlicht nun ausgestellt, darunter einige bereits ikonographisch gewordene. Ergänzt werden sie durch zwölf Portraits von Johann Barth. Man sieht Bernhard im ländlichen Obernathal und im urbanen Wien, was gut zum entsprechenden Kontrast in seinen Büchern passt. Man denke an den Theatermacher in einem schäbigen Landgasthaus im Vergleich zu den in Wien spielenden Alten Meister.

Dreissinger trifft Bernhard gut in seinen unterschiedlichen Facetten, von ernst zu verschmitzt. Sehr sehenswert für Bernhard-Freunde. (Bis 8.5.)

Das Porträt. Fotografie als Bühne

Kunsthalle Wien 19.7.

Fotografie-Ausstellungen sind scheinbar leicht konsumierbar, ist man doch ständig von Fotos aller Art umgeben und wird spätestens seit dem Massenphänomen der Digitalfotografie von allen Seiten damit traktiert. Da fällt es nicht leicht, in einer Ausstellung auf den „ästhetischen Modus“ umzuschalten, und sich auf die künstlerische Seite der Gattung zu konzentrieren.

Die Austellung Das Porträt hilft einem durch Zweierlei bei der Umstellung der Rezeptionsgewohnheiten. Erstens ist die Schau überschaubar, pro Künstler sind immer nur eine gute Handvoll an Abzügen zu sehen. Die Auswahl der Fotografen ist zweitens derart, dass unterschiedliche Ästhetiken sehr deutlich zu Tage treten. Von der naturalistischen Sozialfotografie bis hin zu surreal anmutenden Fotocollagen ist ein weites Spektrum vertreten. Bis 18.10.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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