Esoterik

Carl Sagan: The Demon-Haunted World

Ein aufgeklärter Mensch, der seine Urteile gerne auf wissenschaftlich abgesicherten Fakten und rationalen Prinzipien basierend trifft, hat es heute wohl nicht leichter als vor 200 Jahren, wenn er als Skeptiker auf die seltsamen Umtriebe seiner Mitmenschen blickt. Ein Blick etwa in den Kleinanzeigenteil des Wiener Falters reicht völlig aus, um sich besorgt zu fragen, was ein paar Jahrhunderte an Aufklärung und ein modernes Bildungswesen eigentlich bewirkt haben, angesichts des alten (Wahrsagerei, Astrologie…) und neuen (Esoterik, modische Psychotherapien…) Aberglaubens, der fröhliche Urständ feiert. Diese weitverbreitete Schizophrenie ist insofern beachtlich als dieselben Menschen, die in Fragen der Weltanschauung sich freiwillig irgendwo zwischen Neolithikum und der wissenschaftlichen Revolution der Neuzeit ansiedeln, sich dieser hier ignorierten Prinzipien dort so gerne bedienen, wenn sie Hightech-Medizin in Anspruch nehmen oder zum Einkaufen nach Paris fliegen.

Aufklärung tut also immer noch not, weshalb es begrüßenswert ist, wenn sich Intellektuelle wie Carl Sagan (oder in letzter Zeit Richard Dawkins) dieses mühseligen Geschäftes annehmen, und mit offenkundigen Unsinn so lange ihre Zeit verschwenden bis sie diesen widerlegt haben. Sagan lässt in diesem Buch die größten Dummheiten der Gegenwart (und auch einige der Vergangenheit) Revue passieren, um diese ebenso kompetent wie süffisant zu widerlegen. Der Schwerpunkt liegt auf amerikanischen Albernheiten (so die Ufohysterie), die freilich zu großen Teilen globalisiert anzutreffen sind. Die Lektüre verrät viel über den geistigen Zustand unserer Welt. Es bleibt aber zu befürchten, dass auch dieses Buch nicht von den Menschen gelesen wird, die etwas Aufklärung dringend benötigen würden.

Carl Sagan: The Demon-Haunted World. Science as a Candle in the Dark.

Wie Esoteriker abstimmen

„All those who believe in psychokinesis, raise my hand.“

Jack Flam: Space Man

„Paths to the Absolute: Mondrian, Malevich, Kandinsky, Pollock, Newman, Rothko, and Still“ by John Golding

(The New York Review of Books 7/2001)

Der Kunsthistoriker Jack Flam stellt die neue Studie über abstrakte Kunst vor. Sein positives Urteil* begründet er nicht zuletzt mit der genauen Darstellung des geistigen Kontextes der sieben Künstler. Erstaunlicherweise waren vor allem die europäischen Maler von mystisch-esoterischen Gedankengut starkt beeinflusst. Ausgerechnet die Theosophie fiel bei allen drei auf sehr fruchtbaren Boden:

The apocalyptic thinking and color theories of of the German Theosophical Society, deeply affected Kandinsky from the time he heard Steiner speak in 1909. Mondrian was particulary attracted to the Theosophist’s idea that all life is directed toward evolution and that progress toward the ultimate revelation of reality could be achieved through the balancing and reconciliation of opposing forces, a concept that informed his painting until the end of his life. Malevich, who was obsessed by the scientific an mystical properties of geometry, was devoted to the works of P.D. Uspensky, a follower of Madame Blavathsky, the founder of the Theosophical Society.

* Der Artikel befindet sich im kostenpflichtigen NYRB-Archiv.

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets