Coppola

Francis Ford Coppola: Apocalypse Now (1979)

Dieser Film belegt wieder einmal, dass oft jene Literaturverfilmungen die Besten sind, welche am wenigsten am Text kleben. Ich meine damit natürlich Joseph Conrads Heart of Darkness, das die Suche des Captain Benjamin L. Willard nach Colonel Walter E. Kurtz offensichtlich inspirierte. Die Irritationskraft des Films ist ebenso gewaltig wie dessen Bildmächtigkeit. Ich frage mich beim Ansehen sogar, ob diese starken visuellen Effekte manchmal die Antikriegsintention des Werks ungünstig überlagern. Coppola will anscheinend weniger zum Nachdenken anregen als durch Effekte schockieren und beeindrucken. Angesichts der Rezeptionsgeschichte und des hohen Stellenwerts des Streifens in der Populärkultur, ist ihm das exzellent gelungen.

Apocalypse Now (Blu-ray)

Francis Ford Coppola: The Godfather Part II (1974)

Wie bereits Godfather konnte mich auch die Fortsetzung nur bedingt überzeugen, und meine dort formulierten ästhetischen Einwände gelten ebenso für den zweiten Teil. Was ich nach weiterem Nachdenken zu Gunsten der beiden Filme noch sagen kann: Für Anfang der siebziger Jahre ist die narrative Komplexität sehr hoch, wenn man sie mit anderen amerikanischen Filmen vergleicht. The Godfather Part II erzählt abwechselnd zwei unterschiedliche Geschichte: Jene des Vaters nach seiner Ankunft in New York, wo er die ersten Schritte in Richtung Mafiaboss geht. Jene des Sohnes, der in den fünfziger Jahren sein kriminelles Imperium gegen Intrigen aller Art verteidigt. Trotzdem kein Film, den ich auf dasselbe Podest stellen würde wie die anderen hier im letzten halben Jahr besprochenen Filmklassiker.

Godfather Part II (DVD)

Francis Ford Coppola: Godfather (1972)

Die Filmwelt ist sich einig: Godfather sei einer der besten Filme aller Zeiten! Als ich ihn nun nach langer Zeit wieder sehe, verwundert mich dieses Urteil. Ja, der Film ist handwerklich makellos gedreht. Ja, der Film zeigt eine große Liebe zum Detail. Ja, der Film ist für das Gangstergenre ungewöhnlich komplex.
Trotzdem trieft der Film doch von Klischees über diese ehrenwerte Mafiamännerwelt. Manche der Figuren kommen mir parodistisch vor, was zum Realismuslob, das man dem Film immer spendet, so gar nicht passen will. Mein größtes Problem ist aber ästhetisch: Große Kunst erzeugt meist Widerstände, die es zu überwinden gilt. Sei es eine ungewöhnliche neue Form, sei es eine neue intellektuelle Perspektive: Große neue Kunst ist anders. Vergleicht man nun Godfather mit vielen anderen der hier kurz besprochenen Filmklassiker, so ist er in Wahrheit hoch konventionell. Vielleicht muss ich ihn noch öfters ansehen, um hinter sein großes Geheimnis zu kommen: Dieses Mal fand ich Godfather als Kunstwerk nur bedingt überzeugend.

Godfather (Blue-ray)

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets