Ägypten

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Gay Robins: The Art of Ancient Egypt

Mein Faible für englischsprachige kunsthistorische Bücher bestätigt sich einmal mehr: Gay Robins ausführlicher Überblick über die altägyptische Kunst ist hervorragend lesbar, obwohl sie oft ins Detail geht. Nach einer ausführlichen Einführung – Understanding ancient Egyptian art – geht sie chronologisch vor. Gay fängt mit der frühen dynastischen Epoche an und endet einige Jahrtausende später bei den Ptolemäern. Die vielen Abbildungen sind jeweils ausführlich erläutert. Zu den Klischees der Kunstgeschichtsschreibung gehört, dass die altägyptische Kunst ästhetisch immer völlig stabil geblieben sei. Es stimmt auch, dass man sie selbst als Laie sofort erkennt, auch wenn die Artefakte 3000 Jahre auseinander liegen. Trotzdem gab es – im größeren ästhetischen Rahmen – jede Menge Veränderungen. Das kann man anhand Gays Vorgehensweise ausgezeichnet nachvollziehen, weil sie immer wieder dieselben Themen (Grabbauten, Skulpturen…) in den unterschiedlichen Phasen behandelt. Bisher das beste Buch über ägyptische Kunst, das ich in Händen hielt.

Gay Robins: The Art of Ancient Egypt. (The British Museum Press)

John Locke an Mohamed Morsi

Dessen aber bin ich sicher: Ob Herrscher oder Untertan, wer es auch immer unternimmt, gewaltsam die Rechte entweder des Fürsten oder des Volkes anzutasten, und den Grund legt zu einem Umsturz der Verfassung und der gesamten Struktur einer gerechten [!] Regierung, macht sich des schwersten Verbrechens schuldig, daß nach meinem Gefühl ein Mensch überhaupt begehen kann. Er muß all jenes Unheil von Blutvergießen, Raub und Verwüstung verantworten, die das Zertrümmern einer Regierung über das Land bringt.
[2. Abhandlung über die Regierung, § 230]

Herodot: Historien

Diese Notizen schrieb ich Ende 2001 und fasse sie hier zur besseren Lesbarkeit in einem Artikel zusammen.

Buch I

In die “Historien” hineingelesen hatte ich schon mehrmals, zu einer Lektüre des Gesamtwerks kam es bis jetzt noch nie. Ein Versäumnis dem ich nun behutsam – also Buch für Buch – abhelfen will.

Die dtv-Ausgabe greift auf die Übersetzung von Walter Marg zurück. Ein Kommentar ist (leider!) nicht vorhanden, dafür eine ausgezeichnete umfangreiche Einführung von Detlev Fehling, der sich teilweise von traditionellen Positionen der Herodot-Forschung verabschiedet. Beispielsweise nimmt er Herodot nicht mehr vor seinen eigenen Fehlern in Schutz und betont die unhistorische Seite des Werks.

Meine von altphilologischen Kenntnissen (leider) ungetrübte Perspektive auf das Buch ist ähnlich: Ich lese es einerseits als Literatur, andererseits als zentrales Dokument in der Geschichte des abendländischen Denkens. Es gibt kaum ein Zeugnis, an dem man die sukzessive Emanzipation vom Mythos zugunsten des rationalen Denkens besser beobachten kann.

Schon im ersten Buch gibt es zahlreiche Beispiele dafür, etwa wenn die mythische Entführung der Io nach Ägypten statt durch göttliche Intervention durch eine Entführung der Phönizier, notorischen Seefahrern, erklärt wird, die Io mit einem Schiff nach Ägypten bringen.

Es finden sich bereits philosophische Reflexionen, die an spätere antike ethische Betrachtungen erinnern, etwa wenn Solon folgendermaßen zitiert wird:

Denn viele Menschen, die gewaltig reich sind, sind unglücklich, vielen aber, die nur mäßig zu leben haben, geht es wohl. Nun hat, wer sehr reich ist, aber unglücklich, zweierlei voraus vor dem, dem es nur wohl geht, dieser aber vor dem Reichen und Unglücklichen vieles.

Als Beispiel für eine frühe rationale Methode, die erstaunlich modern anmutet, sei noch der Orakeltest des Kroisos genannt. Dieser schickt Boten gleichzeitig zu verschiedenen Orakeln, läßt dort anfragen und dokumentieren, was bei ihm in hundert Tagen passieren wird, arrangiert zu diesem Zeitpunkt einen raffinierten Test, und vergleicht dann die Prophezeiungen. Als Sieger des Tests geht selbstverständlich das Orakel in Delphi hervor.

 

Buch II

Das zweite Buch handelt ausschließlich von Ägypten, was sich spätestens seit dem Englischen Patienten herumgesprochen haben dürfte. Herodot scheint sich also der überragenden Bedeutung der ägyptischen Kultur bewusst gewesen zu sein, weshalb ihn auch des öfteren beschäftigt, was die Hellenen von den Ägyptern übernommen haben. Inkonsistenzen in diversen mythologischen Überlieferungen spricht er offen an.
Wer sich für die Anfänge des naturwissenschaftlichen Denkens interessiert, wird die Diskussion verschiedener Erklärungen der Nilschwemme aufschlussreich finden: Herodot gibt drei der gängigen Erklärungen wieder, aber “zwei von ihnen verdienen es gar nicht, wiedergegeben zu werden, nur daß ich eben auf sie hinweisen möchte”. (S. 131)

Er verwirft alle drei und entwickelt eine eigene Erklärung des Phänomens, die nicht schlechter als viele wissenschaftliche Reflexionen des Aristoteles sind. Mythologische Erläuterungen weist er schon sehr routiniert zurück:

Wer aber vom Okeanos gesprochen hat, der führt seine Erzählung auf Unsichtbares zurück und hat keinen nachprüfbaren Schluß [!] zu bieten. Denn ich wenigstens kenne keinen wirklichen vorhandenen Strom Okeanos, sondern Homer oder einer der Dichter noch früherer Zeit, meine ich, ist auf diesen Namen gekommen und hat ihn in die Dichtung eingeführt.
[S. 132]

Apropos: Homer. Herodot hat auch zaghaft die Literaturgeschichtsschreibung begründet, macht er sich doch Gedanken über die Lebzeiten der Dichter:

Woher ein jeder der Götter aber seinen Ursprung hat, ob sie alle schon immer da waren und wie ihre Gestalten sind, das wußten sie nicht, bis eben und gestern erst sozusagen. Hesiod und Homer haben, wie ich meine, etwa vierhundert Jahre vor mir gelebt und nicht mehr. Und sie sind es, die den Hellenen Entstehung und Stammbaum der Götter geschaffen und den Göttern die Beinamen gegeben und ihre Ämter und Fertigkeiten gesondert und ihre Gestalten deutlich gemacht haben. Die Dichter aber, von denen man sagt, sie hätten vor diesen gelebt, haben, so meine ich jedenfalls, später gelebt. Und hiervon sagen das erste die Priesterinnen in Dodona, das zweite aber, von Hesiod und Homer, das sage ich.
[S. 151]

Es sei noch die unappetitlich detaillierte Beschreibung der verschiedenen Balsamierungstufen (je nach den finanziellen Möglichkeiten) erwähnt. Dass manche Fragen bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben, zeigen Herodots Bemühungen um den trojanischen Krieg. Er hatte ebenso starkes Interesse daran, wie es wirklich gewesen war, wie die sich beflegelnden Gelehrten heute.

 

Buch III und IV

Selten kommt es vor, dass ich während einer Lektüre die Ausgabe des Buches wechsle. Für die ersten beiden Bücher griff ich zur dtv-Ausgabe. Deren Übersetzung erscheint etwas frischer, allerdings entbehrt sie des Kommentars, weshalb ich mich letztendlich für die verstaubtere Kröner-Edition (Übersetzer: A. Horneffer) entschied.
Der Kommentar entspricht leider nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung, da er sich relativ häufig damit beschäftigt, Herodots Fehler zu entschuldigen. Ansonsten erhält man durchaus aufschlussreiche Hintergrundinformationen.

Im dritten Buch wird der Feldzug der Perser gegen Ägypten und die Aithioper geschildert. Man stößt auf erstaunlich moderne Ansichten, Kulturwissenschaftler, die ihr glaubt, kulturelle Toleranz sei eine postmoderne Errungenschaft: Merket auf :-)

Mir ist es ganz klar, daß Kambyses wahnsinnig war. Er hätte sonst die fremden Gottheiten und Gebräuche nicht verhöhnt. Denn wenn man an alle Völker der Erde die Aufforderung ergehen ließe, sich unter all den verschiedenen Sitten die vorzüglichsten auszuwählen, so würde jedes, nachdem es alle geprüft, die seinigen allen anderen vorziehen. So sehr ist jedes Volk überzeugt, daß seine Lebensformen die besten sind. Wie kann daher ein Mensch mit gesunden Sinnen über solche Dinge spotten!
[S. 198]

Für Herodot ist kulturelle Toleranz schlicht eine Frage des gesunden Menschenverstands, eine Botschaft, die nach knapp 2500 Jahren bei vielen immmer noch nicht angekommen ist…

Anthropologisch aufschlussreich sind die vielen beschriebenen Grausamkeiten. Ähnliches ist täglich in den Zeitungen zu lesen, so dass sich die unangenehme Frage aufdrängt, ob solche Vorkommnisse nicht eng mit dem Wesen des Menschen verknüpft sind:

Den getöteten Magern [einer an einer Verschwörung beteiligten Volksgruppe, einer klassischen „Minderheit“] schnitten sie die Köpfe ab, ließen ihre Verwundeten zurück, die zu entkräftet waren und auch den Palast schützen sollten, und eilten zu fünft mit den Köpfen der Mager schreiend und lärmend hinaus. Sie riefen die übrigen Perser, erklärten ihnen die Situation, zeigten die Köpfe, und töteten alle Mager, die sie finden konnten. Wäre nicht die Nacht hereingebrochen, so hätten sie keinen Mager am Leben gelassen.
[S. 217]

Grausamkeiten, wie sie auf dem Balkan oder in Algerien im letzten Jahrzehnt häufig vorkamen. Jared Diamond versucht in seinem lesenswerten Buch Der dritte Schimpanse. Evolution und Zukunft des Menschen dieses traurige Phänomen zu erklären (16. Kapitel).

Im vierten Buch beschreibt Herodot hauptsächlich den Kriegszug gegen die Skythen, einem Volk mit vielen aus griechischer Sicht eigenartigen Gewohnheiten. Wie immer gibt es viele interessante Exkurse, etwa über die ersten Versuche, Afrika zu umsegeln.

 

Buch V, VI und VII

Mit dem fünften Buch kommt Herodot eigentlich erst zur Sache: der griechischen Geschichte im engeren Sinn. Vorher war hauptsächlich von der persischen Historie die Rede, was mir aus zwei Gründen bemerkenswert erscheint:

Es zeugt erstens von einer ungewöhnlichen Abstraktionsfähigkeit, sich so ausführlich und “objektiv” mit einer anderen Kultur zu befassen.

Zweitens wird darin ein früher Sinn für erzählerische Strukturen und deren Wirkungen sichtbar, denn es läßt den abschließenden Sieg der Griechen natürlich desto glorreicher erscheinen, wenn man vorher den Gegner als eine gewaltige Großmacht kennen lernte.

Der zitierenswerten Fundstücke gäbe es viele. Hervorzuheben ist jedenfalls das Volk der Trauser, die ihrem Leben völlig illusionslos gegenüberstehen:

Das Leben der Trauser ist im allgemeinem dem der anderen thrakischen Stämme ähnlich, nur bei der Geburt und beim Tode haben sie eigentümliche Gebräuche. Um das neugeborene Kind setzen sich die Verwandten herum und klagen, weil es so viele Leiden in seinem Leben werde erdulden müssen; dabei zählen sie alle menschlichen Leiden und Kümmernisse auf. Die Toten dagegen begraben sie unter Lachen und Scherzen, weil sie allen Übeln entronnen seien und jetzt in Freude und Seligkeit lebten.
[S. 330]

Es finden sich erfrischende Seitenhiebe gegen die Monarchie: “Kleomenes, sein Sohn, war König, seiner Abkunft, nicht seiner Tüchtigkeit wegen.” (S. 343) zu denen folgendes Lob der Gleichheit passt:

Athen also wuchs.Die Gleichheit ist eben in jedem Betracht etwas Wertvolles und Schönes, denn als die Athener noch Tyrannen hatten, waren sie keinem einzigen ihrer Nachbarn im Kriege überlegen. Jetzt, wo sie von den Tyrannen befreit waren, standen sie weitaus als die Ersten da. Man sieht daraus, daß sie als Untertanen, wo sie für ihren Gebieter kämpften, absichtlich feige und träge waren, während sie jetzt, wo jeder für sich selber arbeitete, eifrig und tätig wurden.
[S. 359]

Manchmal vertraut Herodot ein abschließendes Urteil seinen Lesern an: “Das sind die Gründe, die beide Städte anführen. Jeder mag denen zustimmen, die ihn überzeugen.” (S. 346). Literarisches wird selten erwähnt, so hat diese Darstellung aus dem Athener Theaterleben einen gewissen Raritätenwert: “So dichtete Phrynichos ein Drama ‘Der Fall Milets’ und als er es aufführte, weinte das ganze Theater, und Phrynichos mußte tausend Drachmen Strafe zahlen, weil er das Unglück ihrer Brüder wieder aufgerührt habe. Niemand durfte das Drama mehr zur Aufführung bringen.” (S. 387)

Ab und zu relativiert Herodot die “aufgeklärten” Passagen, indem er göttliche Kausalitäten anerkennt, etwa des Kleomenes’ Schicksal auf göttliche Rache zurückführt (S. 410/411), anstatt auf die Unfähigkeit des Spartanerkönigs.

 

Buch VIII und IX

Die letzten beiden Bücher des Werks sind die bekanntesten, beschreiben sie doch die Höhepunkte der Perserkriege und die Befreiung Ioniens. Der monomane Größenwahn des Xerxes’, der die gesamte bekannte Welt erobern will und eine gigantische Kriegsmaschinerie ins Feld führt, wirkt beklemmend paradigmatisch für den weiteren Geschichtsverlauf bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Ebenso typisch auf der anderen Seite der Freiheitsdrang nicht nur der Griechen, sondern auch viel kleinerer Völker und Städte. Das heute vielzitierte “Recht auf Selbstbestimmung” findet in den Historien als verbreitetes Bedürfnis seine ersten ausführlichen Beschreibungen, was auch aus anthropologischer Perspektive sehr erhellend ist.

Das langsame, genaue Lektüre der Historien war nicht nur historisch höchst aufschlussreich, sondern auch geistesgeschichtlich, anthropologisch, ethnographisch und literarisch.

 
Herodot: Historien (Kröner)

“Egyptology News”

So nennt sich nicht nur ein empfehlenswertes Blog zum Thema, sondern der Titel passt auch zu einer nützlichen Zusammenstellung von Quellen über das antike Ägypten eben dort.

Reise-Notizen Ägypten (7): Abu Simbel, Nassersee

Höhepunkt jeder Ägyptenreise ist bekanntlich der Felstempel von Abu Simbel, den man von Assuan bequem mit einem kurzen Flug erreicht. Die Versetzung des Tempels, die 42 Millionen Dollar kostete und für die man das Bauwerk in ca. 1000 bis zu dreißig Tonnen schwere Blöcke zerlegte, scheint ihm nicht geschadet zu haben. Die vier Kolossalstatuen vor dem Großen Tempel von Ramses II. verfehlen auch heute ihre Wirkung nicht. Die Innenausstattung wird wieder von der Lieblingspropagandalüge des Pharao dominiert: der Schlacht von Kadesch.

Nur 150 Meter vom Tempel entfernt erwartete uns die MS Nubian Sea für die Rückfahrt nach Assuan. Die letzten drei Tage der Reise waren nur von ein paar kurzen Ausflügen in die nubische Wüste unterbrochen, wo es noch ein paar kleinere Tempel zu sehen gab. Ich kann allen Ägyptenreisenden nur empfehlen nach dem massentouristischen Niltrubel noch ein paar Tage auf und um den Nassersee anzuhängen. Dieser ersten Reise zum Nil werden sicher noch weitere folgen.

Reise-Notizen Ägypten (6): Kom Ombo, Assuan, Philae Tempel

Der Tempel Kom Ombo stammt ebenfalls aus der Ptolemäerzeit und liegt hübsch an einer Nilschleife, etwa 45km nördlich für Assuan. Das Bauwerk ist mit Haroeris und Sobek zwei Göttern geweiht (Doppeltempel), was sich architektonisch in einer zweiten Mittelachse niederschlägt.

Assuan war die südlichste Stadt der Reise. Orient pur bietet speziell der Basar, den Sozialphobiker besser meiden. Der berühmte Staudamm ist weniger imposant als erwartet, weil sich das Bauwerk mehr in die Breite als in die Höhe streckt.

Der Philae Tempel ist nur mit einem Motorboot zu erreichen. Er steht auch erst seit 1902 auf dieser Insel als der Bau des ersten Staudamms eine Umsetzung des Tempels notwendig machen. Durch die Insellage sehr malerisch gelegen fällt ansonsten die trapezförmige Anlage des Tempelhofs auf.

Reise-Notizen Ägypten (5): Ramesseum, Horustempel in Edfu

Ebenfalls noch in Theben-West gelegen, kann man die Überreste des Ramesseums bewundern. Auf den mächtigen Pylonen ist die berühmte Kadeschschlacht (1274 v.u.Z) dargestellt: ein Meisterstück politischer Propaganda. Ramses II. überlebte diese Schlacht gegen die Hethiter nur durch einen Zufall. Trotzdem wurde sie im ganzen Reich als großer Sieg des heldenhaften Pharao gefeiert und an vielen Orten abgebildet.

Fährt man von Luxor den Nil abwärts, stößt man auf den Horustempel in Edfu. Er gilt als der besterhaltenste Tempelbau des alten Ägypten. In der Ptolemäerzeit vollendet (57 v.u.Z.) ist er aber auch vergleichsweise jung. Besonders sehenswert die streng blickende Falkenskulptur vor dem Eingang.

Reise-Notizen Ägypten (4): Das Tal der Könige, Tempel der Hatschepsut

Sieht man, in welchem abgelegenen, öden Tal diese Grabstätten angelegt wurden, kann man die Hoffnung der Pharaonen nachvollziehen, diese entlegene Stätte möge ein sicherer Parkplatz für die Ewigkeit sein. Es entbehrt deshalb nicht der Ironie, den gewaltigen Menschenauflauf dort zu sehen. Aus konservatorischen Gründen sind immer nur ausgewählte Gräber zugänglich. Die längste Warteschlange ist bei Tutanchamun zu finden, dem unspektakulärsten Grab. Man tut besser daran, entlegenere Grabstätten aufzusuchen. Zu Tutmosis III. etwa verlaufen sich nur wenige Touristen.

Die künstlerische Qualität (und zum Teil auch noch die Farbpracht) der Reliefs sind sehr beeindruckend, und man bedauert, sie nicht mit größere Muse ansehen zu können.
Spektakulär der Tempel der Hatschepsut. Ein Architekturerlebnis ersten Ranges. Man glaubt ein modernes Bauwerk vor sich zu haben, so proportional erhaben tritt es einem entgegen.

Reise-Notizen Ägypten (3): Theben

Klassischer Höhepunkt jeder Ägyptenreise ist das antike Theben (Luxor) mit dem Amun-Tempel von Karnak, eines der beeindruckendsten Bauwerke, die ich bisher sah. Selbst wenn man von der Monumentalität dieser Anlage weiß, steht man doch überwältigt zum ersten Mal davor. Sowohl die zahlreichen „Details“ (Pylonen, Säulenhalle, Stelen, Sphinxen) als auch die patchworkartige Struktur der riesigen Anlage faszinieren. 2000 Jahre lang wurde immer wieder an dem Tempel gebaut.

Man vergisst sogar einen Moment die zehntausenden Touristen von hunderten (!) Nilschiffen. Deutlich übersichtlicher, und aufgrund des Pylons ebenfalls sehr imposant wirkend, ist der Amuntempel von Luxor. Ein gutes Beispiel wie ägyptische Tempel aufgebaut waren. Man muss zwei Höfe und eine Kolonnade durchqueren bevor am Ende den Barkensaal erreicht.

Reise-Notizen Ägypten (2): Moloch Kairo (Februar 2005)

Kairo ist mit 20 Millionen Einwohner eine Mega City und entsprechend turbulent und chaotisch geht es dort zu. Mehrspurig hupende Fahrzeugkolonnen (darunter fahrbare Untersätze, über deren Fähigkeit sich noch fortzubewegen man überrascht ist). Menschenmassen, die sich auf den Gehsteigen drängeln, überfüllte Busse …
Hatte mir Kairo deutlich turbulenter als Istanbul vorgestellt, das war aber ein Irrtum. Die Unterschied sind nur graduell. Die einzelnen Stadtviertel sind höchst divergent und reichen von Gegenden mit schönen Villen aus der Kolonialzeit bis hin zu verslumten Gegenden ohne Müllabfuhr.

Das Ägyptische Museum ist bis an den Rand vollgestopft mit Kunstwerken, ein Alptraum für jeden Museumsdidaktiker. Man wird erschlagen von der Fülle an hochwertigen Kunstwerken und bräuchte eine halbe Woche, um sich einen fundierten Überblick zu verschaffen. Einige der Skulpturen sind von faszinierender Lebendigkeit, etwa die Schreiberbüste im Erdgeschoss.

Wer sich (wie ich) die berühmte Cheopspyramide majestätisch in einer Wüstenlandschaft thronend vorstellt, weil er Machfus gelesen oder „Tod auf dem Nil“ gesehen hat, wird schnell eines besseren belehrt. Der Moloch Kairo (genauer: Gizah) ist inzwischen unmittelbar an die Pyramiden herangewachsen, so dass die Stadt unmittelbar vor dem Plateau aufhört. Optisch beeindruckender als der berühmte Grabbau des Cheops ist Djosers Stufenpyramide in Sakkara. Auch archäologisch Interessantes gibt es dort mehr zu sehen.

Leider hatte ich kaum Gelegenheit, mir das moslemische Kairo näher anzusehen, von einem Spaziergang durch die Altstadt einmal abgesehen. Ein zweiter Besuch ist also dringend notwendig.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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