Museum für moderne Kunst

Gerade aus dem Wiener Mumok zurückkommend, frage ich mich, ob die 9 Euro wirklich gut investiert waren. Zwar hat das Museum einige sehr schöne Werke vorzuweisen (2 Skulpturen Giocomettis etwa, auch andere „große“ Namen fehlen nicht), die jedoch angesichts der heterogenen Sammlung etwas verloren wirken. Überhaupt sind die Exponante im Besitz des Hauses nicht dazu geeignet, eine Entwicklung der modernen Kunst zu dokumentieren, dazu bräuchte es einen wesentlich größeren Bestand. Eine Ausnahme stellt der Wiener Aktionismus dar, der (mehr oder weniger) repräsentativ vertreten ist.

Eine Sonderaustellung würdigt derzeit Heimo Zobernig, dessen Werke so heterogen sind, dass sie ironischerweise gut zur permanenten Ausstellung passen.

Klangforum Wien (Webern, Sciarrino,…)

Anton Webern: Fünf Stücke für Orchster op. 10 (1911-13)
Salvatore Sciarrino: Introduzione all’oscurio (1981)
Anton Webern: Symphonie op. 21 (1928)
Olga Neuwirth: torsion: transparent variation
Anton Webern: Sechs Orchesterstücke op. 6 (1909/1920)
Konzerthaus 29.1.

Es war durchaus nicht das erste Mal, dass ich Werke Weberns im Konzert hörte, so erinnere ich mich (hoffentlich richtig) an eine Aufführung während der Salzburger Festspiele (Wiener Philharmoniker / Pierre Boulez).

So hingebungsvoll wie das Klangforum Wien spielten sie damals jedenfalls nicht, die Interpretation war extrem präzise und enthusiastisch zugleich, eine Kombination die dem Minimalismus Weberns entgegen kommt. Das neue Stück von Olga Neuwirth war klanglich sehr interessant, wie alle Kompostionen von ihr, die mir bisher zu Ohren kamen. Für ein solideres Urteil müsste man das Stück allerdings mehrmals hören.

Bibliothek: Neuzugänge

  • Hans Koepff: Bildwörterbuch der Architektur (Kröner; dem ersten Durchblättern nach sehr nützlich)
  • Hans Lebert: Die Wolfshaut (Fischer TB; via Booklooker)
  • Amos Elon: Nachrichten aus Jerusalem. 1968-1994 (Büchergilde Gutenberg via Jokers bzw. Fischer TB)
  • Alban Berg Quartett (Schnittke, Beethoven)

    Schnittke: Streichquartett Nr. 4 (1989)
    Beethoven: Streichquartett cis-moll op. 131
    Konzerthaus 27.1.

    Schnittke komponierte sein viertes Streichquartett für das Alban Berg Quartett, und es gehört zum Abgründigsten, was ich von Schnittke bisher hörte. Die Stimmung des Werkes ist düster, und schöpft die Möglichkeiten an Dynamik und Klangfarben eines Streichquartetts bis in Extreme aus.

    Wenn das ABQ Beethoven spielt, gehört das regelmäßig zu den Höhepunkten des Wiener Konzertlebens. Auch diesmal ließ die Interpretation nichts zu wünschen übrig, auffallend allerdings, dass sich die Furiosität der vier Musiker in der zweiten Hälfte noch einmal deutlich steigerte.

    Eberhard Horst: Friedrich der Staufer. Die Biographie

    Econ Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

    Es wäre übertrieben, zu behaupten, dieses Buch sei eine Glanzleistung der historischen Biographie. Es ist ein nützliches und solides Buch, das angesichts des nichtakademischen Anspruchs mit umfangreichen Anmerkungen und einer ausführlichen Bibliographie überrascht.

    Friedrich gehört zu den erstaunlichsten europäischen Herrscherfiguren, die so gar nicht ins Mittelalter passen will. Seine naturwissenschaftlichen Interessen, seine moslemischen gelehrten Freunde, die Sarazennen seines Hofstaates, sein orientalischer Lebenstil wirkten auf seine Zeitgenössen höchst befremdlich, nicht zuletzt deshalb wurde er von mehreren Päpsten mit schon krankhaftem Hass verfolgt. In einer Zeit, in der die meisten Adligen noch Analphabeten waren, beherrschte Friedrich Arabisch und Latein in Wort und Schrift.

    Trotz der aufgeklärten Züge Friedrichs, war er eine ausgesprochen schillernde Figur. Sein christlich-totalitäres Staatsverständnis war sogar für zeitgenössische Massstäbe ungewöhnlich konservativ. Jähzorn und diverse Grausamkeiten sind ausführlich bezeugt. Dieses ungewöhnliche Konglomerat an guten und schlechten Eigenschaften, ist wohl ein Grund für die diversen Mythen, die um diesen Kaiser entstanden sind.

    Horsts Buch eignet sich gut, einen ersten Überblick über das widersprüchliche Leben Friedrichs zu gewinnen, für nicht mehr, aber auch für nicht weniger.

    Jules Verne in neuen Übersetzungen

    Artemis & Winkler hat sich entschlossen, Jules Verne in ihre Klassiker-Reihe aufzunehmen und veröffentlich im Februar die erste einer Reihe von Neuübersetzungen: Buchmarkt via Internetarchiv

    Schiller: Kabale und Liebe

    Volkstheater 22.1.03
    Regie: Martin Schulze
    Ferdinand: Florian Teichtmeister
    Luise: Chris Pichler
    Präseident von Walter: Toni Böhm
    Miller: Thomas Stolzetti
    Wurm: Christoph Zadra

    Das Wiener Volkstheater betrete ich gewöhnlich mit einer sehr mäßigen Erwartungshaltung, desto angenehmer überraschte mich die Inszenierung. In reduziertem, modernen Ambiente nahmen die Kabalen samt Liebestragödie ihren Lauf. Weder übertriebenes Pathos, noch artifizielle Unterkühlung waren vorherrschend. Schauspielerisch war wenig auszusetzen.

    Die Bühnenwirksamkeit des Stücks ist erstaunlich, zumal mich die vierte Lektüre des Dramas distanzierter zurückgelassen hatte, als die früheren Leseerlebnisse. Eine solide, unspektakuläre Schiller-Inszenierung. Das Theater war erstaunlich schlecht besucht. Das sollte sich ändern.

    Empirismus im Mittelalter

    Das Mittelalter gehört zu den Epochen, die in der Öffentlichkeit am undifferenziertesten behandelt werden, was schon am gerne verwendeten Attribut „dunkel“ zum Ausdruck kommt. Dabei gab es im Mittelalter eine Reihe von „modernen“ Denkern, Roger Bacon etwa, oder William von Ockham.

    Eine Ausnahmeerscheinung ebenfalls Friedrich der Staufer (1194-1250), dessen empirischer Wissensfuror weit über seine Zeit hinauswies. Während die kolportierten (zum Teil ziemlich grausamen) Experimente mit Menschen nicht nachweisbar sind und vermutlich auf kaiserfeindliche Greuelpropaganda zurückgehen, liegt mit Friedrichs Falkenbuch ein höchst erstaunliches wissenschaftshistorisches Dokument vor: vermutlich die erste empirische wissenschaftliche Publikation in Europa, die diese Bezeichnung berechtigterweise trägt.

    Während die Traditionsgläubigkeit (fast) das komplette geistige Leben beherrscht, kritisiert Friedrich die zoologischen Untersuchungsmethoden des Aristoteles:

    Beim Schreiben sind Wir auch, wenn es erforderlich war, dem Aristoteles gefolgt; in manchen Dingen scheint er jedoch, wie Wir aus Erfahrung lernten, besonders bezüglich der Natur bestimmter Vögel, von der Wahrheit abzuweichen. Deshalb folgen Wir dem Fürsten der Philosophen nicht in allem; denn selten oder niemals hat er Jagd mit Vögeln ausgeübt. Wir aber haben sie immer geliebt und immer betrieben. Bei vielem aber, was er in seinem Buche über die Tiere erzählt, sagt er, so hätten es andere berichtet; das aber, was andere so sagten, sah er weder selbst, noch haben es seine Gewährsmänner gesehen; eine sichere Gewißheit erlangt man nicht durch Hörensagen (durch das Ohr).

    [nach: Eberhard Horst, Friedrich der Staufer. S. 196]

    Molière: Der Menschenfeind

    Theater in der Josefstadt 18.1.03
    Regie: Günter Krämer
    Alceste: Helmut Lohner
    Philinte: Michael Dangl

    Eine für die Josefstadt „avantgardistische“ Inszenierung: Zusammengeschnittene Szenen, eine kühle Bar auf der Bühne, künstlich stilisierte Sprechakrobatik, weit aufgerissene Augen durch monokelähnliche Augen-Aufsätze.

    Ein ambitioniertes Motiv: Die szenische Spiegelung der Menschenfeindlikeit des Alceste. Schwer zu sagen, warum die Aufführung dennoch völlig missglückt. Die Zerstörung des Komödienhaften dürfte ausschlaggebend sein. Molières delikate Balance zwischen Lächerlichkeit und Tragik wird zulasten des Komischen verschoben. Die Bitterkeit des letzten Auftritts des Helmut Lohner ist verblüffend. Trotzdem kann man sich einen Besuch der Aufführung getrost sparen.

    Friedrich Hartau: Molière

    rororo bildmonographie (Amazon Partnerlink)

    Vorbereitend las ich Hartaus kleine Monographie zum zweiten Mal. Über 25 Jahre alt, gehört sie dennoch zu den lesenswerteren Büchern der Reihe. Hartau findet einen guten Mittelweg zwischen Lebens- und Werkbeschreibung und bedient sich eines wohltuend zurückhaltenden Stils. Er berichtet bei zweifelhaften Überlieferungen auch immer wieder von der spärlichen Quellenlage. Sollte man lesen, wenn man sich für die französische Klassik interessiert.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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