Aryeh Neier: The Military Tribunales on Trial

The New York Review of Books 2/2002

Oft wurde es konstatiert, aber man kann es nicht oft genug wiederholen: Durch die Aushöhlung der Menschenrechte innerhalb der USA spielt man den Terroristen direkt in die Hände, deren Taten als Vorwand herhalten müssen, um die “unteilbaren” Rechte in bequeme Stücke zu zergliedern.

Neier, Präsident des Open Society Institutes, nimmt die geplanten Militärtribunale zum Anlass, um die Vorgehensweise der amerikanischen Regierung einer heftigen Kritik zu unterziehen. Dabei bleibt er völlig sachlich, argumentiert zuerst instruktiv vom internationalen Recht ausgehend, um schließlich eine Reihe von politischen Argumenten anzuschließen. Ein wichtiger Beitrag zur Menschenrechtslage in den USA.

Rezensionen

Günter Franzen muss ein einflußreicher Kritiker sein, darf er doch seine Kritik der neuen Grassnovelle sowohl in der Literarischen Welt als auch in der ZEIT publizieren. Peinlich das :-)

Ebenfalls in der Literarischen Welt eine kritische Würdigung des kleinen Troja-Bandes von Michael Siebler.

Erwähnenswert ist auch noch das Porträt des Verlagers Jason Epsteins in der NZZ.

Goethe lobt die Übersetzer

Aus: German Romance

Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte wo alle Nationen ihre Waren anbieten, er spielt den Dolmetscher, in dem er sich selbst bereichert.

Und so ist jeder Übersetzer anzusehen, daß er sich als Vermittler dieses allgemeinen geistigen Handels bemüht, und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn was man von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eines der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltverkehr.

Wieder online…

…sind endlich die Autorenlinks* [via Internetarchiv] von Boris Kalies.

Iwan Bunin: Der Sonnenstich. Erzählungen

Reclam UB (Amazon Partnerlink)

Dieser kleine Erzählungsband ist meine erste Bekanntschaft mit dem oft als Prosakünstler ersten Ranges gelobten Autor. Dass Bunin in der klassischen russischen (und damit europäischen) Erzähltradition steht, ist offensichtlich. Seine von der literarischen Moderne unberührten Texte sind bis ins Detail durchkomponiert. Man wird teilweise an Thomas Mann erinnert und es ist wohl kein Zufall, dass sich dieser über den russischen Kollegen wohlwollend äußerte.

Die frühe, das paternalistische Gutshofsleben verklärende Erzählung “Antonäpfel” ist von einer kaum erträglichen Süßlichkeit. Erfreulicherweise ist in seinen reifen Werken wie “Der Herr aus San Francisco” nichts mehr davon zu finden.

Klassiker-Verlage (12): Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Eine ausgesprochen lobenswerte Rolle als Klassiker-Verlag spielt die WBG. Einerseits bringt sie regelmäßig günstige Lizenzausgaben von wichtigen Werkausgaben. Aktuell sind die für das erste Halbjahr angekündigten Editionen von Fontane (10 Leinenbände für 89.- Euro) sowie eine Gesamtausgabe der Romane und Erzählungen von Achim von Arnim (3 Bände für 30 Euro) zu nennen.

Andererseits verlegt die WBG wichtige, teils entlegene Texte in Eigenregie, etwa in der Reihe “Texte zur Forschung”. Der von mir erworbene Reprint der “Summa Contra Gentiles” des Thomas von Aquin, wurde an dieser Stelle bereits erwähnt.

Schiller über Wallenstein

Brief an Wilhelm von Humboldt vom 21. März 1796:

Was ich im letzten Aufsatz über den Realism gesagt, ist vom Wallenstein in höchstem Grade wahr. Er hat nichts Edles, er erscheint in keinem einzelnen LebensAkt groß, er hat wenig Würde und dergleichen, ich hoffe aber nichts destoweniger auf rein realistischem Wege einen dramatisch großen Charakter in ihm aufzustellen, der ein ächtes Lebensprincip in sich hat. Vordem habe ich im Posa und Carlos die fehlende Wahrheit durch schöne Idealität zu ersetzen gesucht, hier im Wallenstein will ich es probieren, und durch die bloße Wahrheit für die fehlende Idealitaet (die sentimentalische nämlich) entschädigen.

Tschechow: Die Möwe

Akademietheater am 7.2.02
Regie: Luc Bondy
Irina Nikolajewna Arkadina: Jutta Lampe
Konstantin Gawrilowitsch Trepljow: August Diehl
Pjotr Nikolajewitsch Sorin: Martin Schwab
Boris Alekajewitsch Trigorin: Gert Voss
Jewgeni Sergejewitsch Dorn: Ignaz Kircher

Es war nicht einfach, für diese notorisch ausverkaufte Inszenierung eine Karte zu bekommen, aber die Mühen wurden belohnt. Wie die Besetzungsliste bereits andeutet, wurde an schauspielerischer Kompetenz nicht gespart, herausragend besonders August Diehl als Sohn der Arkadina.

Luc Bondy betont etwas zu stark die pathologische Seite des Geschehens, ansonsten gibt es an seiner Arbeit nichts auszusetzen. Man fragt sich, warum die Stücke Tschechows so erfrischend aktuell wirken, obwohl deren Handlung auf den ersten Blick nichts mit der Gegenwart zu schaffen hat, während andere, jüngere Stücke wie die um besondere Didaktik bemühten von Brecht oder einige von Dürrenmatt schon reichlich patiniert wirken.

Eine naheliegende Antwort darauf wäre, dass Tschechows Stücke um allgemein-menschliche Probleme kreisen, eine andere, dass sie strukturell sehr klug konstruiert sind, ohne dass diese Strukturen sich dem Zuseher aufdrängen. Auch die ästhetische Reflexion innerhalb eines Dramas – wie in der Möwe rund um das Stück im Stück – zeugt von Souveränität.

Zyklus Alban Berg Quartett: 2. Konzert

Mozart: Streichquartett D-Dur K 575
Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 7 fis-moll op. 108
Janácek: Streichquartett Nr. 2
Wiener Konzerthaus 27.1.

Durchsichtig Mozart, energisch-energiegeladen Schostakowitsch, brillant ausgewogen Janácek, so läßt sich kurz zusammengefasst das Konzert beschreiben. Die Zusammenstellung führte wieder einmal die ungeheure Spannweite der Ausdrucksmöglichkeiten dieses Ensembles vor Augen

Thomas Nagel: Das letzte Wort

Der New Yorker Philosoph nimmt in diesem kleinen Buch dezidiert Stellung zu den “culture war”, denn er läßt keinen Zweifel daran, dass die Prinzipien der Vernunft im Erkenntnisprozess immer das letzte Wort haben müssen.

Dabei greift er einerseits klassische Argumente gegen den Relativismus auf (siehe Zitat), andererseits argumentiert Nagel intrinsisch, indem er zu zeigen versucht, dass bestimmte grundsätzliche Fragen logische Basis-Prinzipien bereits voraussetzen.
Wenig explizit geht er auf die ontologischen Implikationen seiner Erkenntnistheorie ein. So wird dem Leser schnell klar, dass er eine quasi-platonische Auffassung des Geistes vertritt. Diese wird aber immer nur indirekt gerechtfertigt, metaphysische Probleme werden kaum angesprochen. Trotzdem ein wichtiger, lesenswerter Beitrag zur laufenden Debatte.

Thomas Nagel: Das letzte Wort. (Reclam UB)

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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