“Faust” auf dem Theater

Ruth Heynen rezensiert die von Hans-Peter Bayerdörfer herausgegebene Aufsatzsammlung „Im Auftrieb. Grenzüberschreitungen mit Goethes Faust in Inszenierungen der neunziger Jahre“.

Verdi: Otello

Staatsoper 28.5.
Regie: Peter Wood
Dirigent: Marcello Viotti
Otello: Clifton Forbis
Jago: Renato Bruson
Desdemona: Miriam Gauci

Musikalisch hervorragenden, szenisch erzkonservativ, also eine „klassische Staatsopern-Oper“. Die Sänger und Sängerinnen waren alle sehr gut disponiert, vor allem Clifton Forbis‘ Otello war differenziert und wohlklingend.
Die Inszenierung war gewohnt aufwändig, was Bühnenbild, Kostüme und Statisten angeht. Opernästhetisch besteht allerdings gewaltiger Nachholbedarf in Wien. Das musikalische Niveau dagegen dürfte nur von wenigen Häusern weltweit zu überbieten sein.

Anthropologische Differenzen

Die BBC berichtet über eine Debatte unter Anthropologen, die durch eine (angeblich) 400.000 Jahre alte Skulptur ausgelöst wurde.

Die Brüder Karamasow

Viele warten auf die neue Übersetzung dieses Romans durch Swetlana Geier, nun ist es bald so weit. Laut Ammann Verlag erscheint sie im September. Zwei Leinenbände im Schuber werden 78 Euro kosten.

Addendum Dez. 2009: Seit 2006 gibt es auch eine Taschenbuchausgabe (Fischer).

Tom Stoppard: Das einzig Wahre

Theater in der Josefstadt 24.5.03
Regie: Beverly Blankenship

Diess Theateraufführung läßt sich ausgezeichnet mit einem Adjektiv beschreiben: lähmend. Von den acht von mir besuchten, meist beachtlichen Inszenierungen dieser Spielzeit war das der absolute josefstädter Tiefpunkt , was alles in allem ja ein akzeptabler Schnitt ist. Über das Stück zu urteilen fällt mir schwer, vermutlich wäre es mit einer gelungenen Regie akzeptabel, auch wenn die Dialoge und Pointen nur selten das Niveau der besseren Woody-Allen-Filme erreichen, die in etwa im selben intellektuellen Milieu spielen. Die lähmende Wirkung stand übrigens in einem erstaunlichen Gegensatz zur Umtriebigkeit auf der Bühne.

Keinesfalls ansehen!

Über die Gefahren der “Alternativ”medizin

Zahlreiche seltsame „Therapien“ finden sich im Angebot. Immer mehr Ärzte bieten aufgrund der Nachfrage immer seltsamere „Heilverfahren“ an, obwohl sie hinreichend gut ausgebildet sein sollten, um die Wirkungslosigkeit dieser esoterischen Angebote verstehen zu können.

Nun könnte man die Meinung vertreten, dass es jedem Kranken freisteht, sich durch Heilungsverfahren zu schädigen, die schon aus naturgesetzlichen Gründen gar nicht wirken können (wie die Homöpathie). Ein kurzer Blick auf die Medizingeschichte zeigt ohnehin, dass Patienten zu den seltsamsten Verhaltensweisen neigen.

Leider ist es nicht ganz so einfach, was sich am Beispiel des Impfverhaltens zeigt. Die Impfraten sinken aufgrund der (statistisch leicht widerlegbaren) Propaganda von Alternativ“medizinern“ immer mehr. Zahlreiche Eltern sind so verantwortungslos und lassen ihre Kinder nicht mehr impfen. Sie schaden damit nicht nur ihrem eigenen Nachwuchs, sondern gefährden durch diese irrationale Kurzsichtigkeit auch ihre Mitmenschen. So traten nun nach mehreren Jahren wieder Fälle von Kinderlähmung in Europa auf. Ein Beleg dafür, dass die Alternativmedizin, nicht nur nichts nützt, sondern gravierende Schäden anrichtet.

(vgl. Spektrum der Wissenschaft 4/2003, Editorial)

Doderer: Ein Mord den jeder begeht. Roman

dtv (Amazon Partnerlink)

Doderer hat dieses 1939 erschienene Buch zu seinen Jugendwerken gezählt. Der Titel deutet einen Kriminalroman an, aber schon die ausführlich geschilderte Kindheit des Conrad Castiletz in Wien spricht gegen diese Rubrizierung.

Daran ändert auch nichts, dass eine kriminalistische Pointe im Zentrum der Entwicklung des „Helden“ steht. Ein Held ist er nicht, der junge Castiletz, vielmehr ein klassischer Mitläufer mit einem gewissen Hang zum Sadismus. Zu dieser politischen Note trägt auch die eigenartig negative Atmosphäre bei, die den Roman durchzieht.

Doderers Erzählkunst zeigt sich aber vor allem in der seiner sprachlich treffenden Schilderung des Innenlebens seines Helden. Sein Stil ist reich an unorthodoxen, aber trotzdem genauen Bildern und Vergleichen. Wirklich schade, dass Doderer nicht mehr als eine Handvoll Romane schrieb …

Alexander Ostrowskij: Der Wald

Burgtheater 8.5.03
Regie: Tamás Ascher
Kirsten Dene, Sven-Eric Bechtolf, Martin Schwab u.a.

Diese russische Komödie aus dem Jahr 1871 gibt der Burgtheater-Prominenz die Möglichkeit, sich schauspielerisch auszutoben. Bechtolf spielt hervorragend einen drittklassigen Schauspieler, Martin Schwab einen kaum besseren Komiker, während Kirsten Dene als geizige Gutsbesitzerin brillieren darf.

Das Stück selbst ist eine passable Komödie, angereichert durch handfeste Sozialkritik. Es ist allerdings weit von der psychologischen Subtilität, die Tschechow zwanzig Jahre später auf die Bühne brachte.

Reise-Notizen Sizilien

Zu finden nun kompakt in einer Datei auf koellerer.de oder in einzelnen Folgen:

  • Erster Teil
  • Zweiter Teil: Dom von Monreale
  • Dritter Teil: Segesta
  • Vierter Teil: Selinunt
  • Fünfter Teil: Agrigent & Syracus
  • Kindesmisshandlungen und Katholizismus

    Man glaubt zu wissen, wie es in katholischen Internaten zuging. Wer seine Kenntnisse über diese Form der praktizierten Nächstenliebe auffrischen will, kann dies beim „Spiegel“ tun: Unbarmherzige Schwestern.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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