Fußball – ein Spiel des Hasses

In Weltmeisterschaftszeiten wird gerne verdrängt, was Fußball eigentlich ausmacht: Es ist ein Millardengeschäft mit anachronistischen Emotionen. Der Rückfall in atavistisches Stammesdenken ist ja unschwer bei jedem Ligaspiel (egal in welchem Land) beobachtbar. Selten nur werden diese Tatsachen ausgesprochen, wo anders als in der New York Review of Books kann man solche deutlichen Worte darüber lesen:

If we were to ask, what has been the most dangerous emotion of the last two centuries, one possible answer might be: the nostalgia for community, the yearning, in an age of mechanization and eclecticism, for the sort of powerful sense of group identity that will enable you to hold hands with people and sing along, your lucid individuality submerged in the folly of collective delirium, united in a common cause, which of course implies a common enemy.

This desire for close-knit community at any price was no doubt an important factor in the rise of National Socialism, fascism, communism, and a range of recent and dangerous fundamentalisms. Football fandom, as it developed in the same period in Europe and South America, might be seen as a relatively harmless parody of such large-scale monstrosities, granting the satisfaction of belonging to an embattled community, perhaps even the occasional post-match riot, without the danger of real warfare. The stadium and the game have become the theater where on one afternoon a week, in carefully controlled circumstances, two opposing groups, who at all other moments of life will mingle normally, can enjoy the thrills of tribalism. Hard-core supporters of the competing teams occupy opposite ends of the stadium generating a wild energy of chants and offensive gestures that electrifies the atmosphere.

Belege dafür stellt die letzte Weltmeisterschaft zur Verfügung:

What happens when a team sport, particularly an intensely engaging, fiercely physical sport like soccer, a game capable of arousing the most intense collective passions, is transferred from the local to the national level? What happens when very large crowds, many of whom are not regular fans and thus not familiar with the game and the emotions it generates, find themselves involved in the business of winning and losing as nation against nation? For the soccer team comes to represent the nation, indeed the nation at war, in a way the single athlete cannot. Before England’s decisive game with its old enemy Argentina, the London Samaritans announced that their staff would be at full strength to deal with misery if England lost. After Japan beat Russia —another old quarrel—the people of Tokyo danced in the streets, while in central Moscow, where giant screens had been set up to show the event, there was serious rioting and one death. The TV in the home is safe enough; in the stadium there are fences and police. But a crowd in a public square watching their nation lose against an old enemy with nothing between themselves and, for example, a Japanese restaurant (one was seriously vandalized in Moscow) is a dangerous thing indeed. These events serve to remind us that globalization has done nothing to diminish nationalist passions. Perhaps the reverse.

Tim Parks fand diese treffenden Worte in der NYRB 12/2002. Von Fußball wird hier nie wieder die Rede sein :-)

Schätze der Welt – eine Entdeckung

SdW Homepage

Für mich eine der spannendsten virtuellen Entdeckungen der letzten Zeit: In 15 Minuten langen Filmen werden die wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt präsentiert, mehrere Dutzend sind schon online. Das Niveau ist akzeptabel. Die Auswahl wird durch das UNESCO Kulturerbe-Programm inspiriert. Eine große Fundgrube für (nicht nur) kulturgeschichtlich Interessierte.

Klassiker-Verlage (Fortsetzung)

Die Rückmeldungen waren zahlreich, danke an alle. Die Reihe [koellerer.de] wird also fortgesetzt, wie konnte ich z.B. nur 2001 vergessen :-)

Bücherherbst 2002 (2): Friedenauer Presse, Rowohlt

Das Programm des Rowohlt-Verlags wird von Jahr zu Jahr schlechter, gute Sachbücher z.B. findet man kaum noch.

  • Daniil Charms: Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge (Friedenauer Presse, Sonderausgabe; 15 Euro)
  • John Updike: Rabbit, eine Rückkehr (Rowohlt, 4. Quartal 2002; gebunden; 20 Euro bzw rororo)
  • Wolfgang Riehle: Daniel Defoe (rororo monographie 11/2002; gebunden; 8,50 Euro)
  • Claudia Maria Knispel: Joseph Haydn (rororo monographie 3/2003; 8,50 Euro)
  • Archiv-Update

    Wie gewohnt habe ich die Notizen des letzten Quartels (etwas verspätet aber doch :-)) in eine eigene Datei gepackt [koellerer.de].

    Klassiker-Verlage

    Da ich gerade beim virtuellen Aufräumen bin, gibt es nun auch die kleine Reihe über Klassiker-Verlage als Archiv-Datei auf koellerer.de

    Wer weitere Verlage kennt, die eine Erwähnung darin verdienen, möge es mich bitte in einer Mail wissen lassen.

    Paulus Hochgatterer: Wildwasser

    rororo (Amazon Partnerlink)

    Nachdem mir „Caretta Caretta“ sehr gefiel, lag der Griff zu „Wildwasser“ nahe, das als Jugendbuch vermarktet wird. Auch hier steht ein Jugendlicher im Mittelpunkt. Der Junge macht sich mit dem Rad auf die Suche nach seinem verschollenen Vater, eine „Bildungsreise“ der eigenen Art. Einige der von Hochgatterer eingesetzten Mittel (Aufzählung von Marken-Artikeln etc.) wirken weniger authentisch als in „Caretta Caretta“.

    Trotzdem lesenswert, da sehr untypisch für die österreichische Gegenwartsliteratur.

    Nabokov: Lushins Verteidigung. Roman

    rororo (Amazon Partnerlink)

    Je mehr Romane ich von Nabokov lese, desto seltsamer kommen mir seine Bücher vor. Zuerst bin ich (fast) immer von seiner erzählerischen Brillanz hingerissen. Die Bilder stimmen ebenso wie der Erzählton. Sein „Zeitmangement“ ist furios, diverse Rückblenden sind überraschend stimmig und strukturell raffiniert eingebettet: eine makellose Oberfläche.

    Warum also bleibt so oft ein schaler Eindruck zurück? Als tränke man einen hervorragenden entkoffeinierten Darjeeling, der Geschmack ist da, die Wirkung fehlt. Trotz der Subtilitäten, die Nabkov zahlreich in seinen Texten versteckt, bleibt er irgendwie an der Oberfläche hängen. Aalglatte Perfektion ist eventuell doch zu wenig.

    Heine, Kerr und Kafka

    Die neue Literatur und Kunst-Beilage der NZZ* ist wieder einmal so interessant, dass man sie verlinken muss.

    * Addendum Jan. 2010: Der Link führt auf aktuelle Beiträge von LuK.

    Wien: Eine Stadt der Neuen Musik?

    Schon während des letzten „Wien Modern“-Festivals hatte ich den Verdacht, dass es hier ungewöhnlich viele Menschen gibt, die sich für Neue Musik interessieren. Der Ansturm ist sogar so groß, dass es für entsprechende Abonnement-Reihen Wartelisten gibt (wie sonst für die Wiener Philharmoniker). Es gelang mir deshalb im ersten Anlauf nicht, den Zyklus des Klangforum Wiens zu abonnieren: Die ersten beiden Kategorien sind ausverkauft.

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    „The Gap“ meint:

    "Kann es wirklich sein, dass es im österreichischen Internet mit Christian Köllerer (aka @DrPhiloponus) nur einen einzigen ernstzunehmenden Kulturblogger gibt?"
    (Februar 2016)

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