Klaus Bringmann: Geschichte der römischen Republik

„Von den Anfängen bis Augustus“

C.H.Beck: Historische Bibliothek

Auf knapp 430 Seiten gibt Bringmann, ein emeritierter Frankfurter Althistoriker, einen konzisen Überblick über die römische Geschichte bis zum Aufstieg des Augustus. Die fünf Kapitel setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Das erste ist dem Aufstieg Roms in Italien gewidmet, das zweite dehnt die Perspektive dann auf die Mittelmeerländer (und darüber hinaus) aus.

Das zentrale dritte Kapitel ist der Krise der Republik und deren Ursachen gewidmet. Letztere sieht Bringmann in diversen strukturellen Unzulänglichkeiten, die dann – kombiniert mit der Reformunfähigkeit der Aristokratie – zum Untergang der Republik führen.

Manches würde man sich ausführlicher dargestellt wünschen. Hervorzuheben ist die breit kommentierte Bibliographie der wissenschaftlichen Literatur zum Thema. Ein sehr solides Buch zum Thema.

Bibliothek: Neuzugänge

  • Wilfried Barner: Jahrbuch der deutschen Schiller-Gesellschaft 2002 (Kröner; bis zum Rand mit Aufsätzen gefüllt, u.a. über Schiller, Charlotte von Kalb, Hofmannsthal, W.G. Seebald)
  • (1) Martin Gregor-Dellin; (2) Gustav Parthey: (1) Partheys völlig verfehlter Besuch bei Thomas Mann (2) Ein verfehlter und ein gelungener Besuch bei Goethe (Marbacher Bibliothek 5; Geschenk der Schiller-Gesellschaft)
  • Thomas-Mann-Ausgabe: Band Nr. 4

    Diesmal war der Anruf nicht vergebens, es wartete eine schwergewichtige Kassette auf mich: Essays II: 1914-1926. Ein fast 1300 Seiten umfassender Textband wird von einem ähnlich schwergewichtigen Kommentarband (1000 Seiten) begleitet. Fast etwas viel Mann auf einmal :-)

    [Für weitere Beiträge zur „Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe siehe koellerer.de]

    Charles Rosen über T.W. Adorno

    Rosen darf wohl ohne viel Übertreibung zu den wichtigsten Musikgelehrten des letzten Jahrhunderts gezählt werden, spannend also, was er über Adornos musiktheoretische Werke zu sagen hat. Sein langer Essay ist in der New York Review of Books Nr. 16/2002 nachzulesen („Should We Adore Adorno?“*).

    Die wenigen Komplimente an der Oberfläche sollten einen nicht täuschen: Rosen kritisiert Adorno, berechtigterweise möchte man ergänzen, auf der ganzen Linie. Seine simplistische Gegenüberstellung von Schönberg und Strawinsky sei von kulturellen Stereotypen beeinträchtigt. Danach weist Rosen akribisch nach, wie fehlerhaft Adornos Beethovendeutung ist, des Komponisten also, mit dem sich Adorno am meisten beschäftigte:

    What Adorno sees as discontinuity in the late style ist in fact a more powerful integration on a larger scale, one that can reconcile the most brutal contrasts. What causes him to misrepresent the character of the late work is his too easy identification of convention with objectivity and original expression with subjectivity. This relegates the conventional to the inexpressive, but the musical conventions have in fact an expressive charge of their own and the art of the composer lies in knowing how to release that charge with the greatest effect. Adorno perceives the importance of the convention in the work of elderly artists like Beethoven and Goethe, but he does not see the power of the most banal aspects of the musical and poetic languages […]

    Verquere Sprache ist sehr oft ein Zeichen für eben solches Denken: An ihrer Sprache werdet ihr sie erkennen :-)

    Ein Denker wie Rosen hat mit diesem dunklen Geschwafel selbstverständlich auch seine Schwierigkeiten:

    Under Adorno’s hands, many of the terms so frequently repeated begin to lose a great part of their meaning. He himself makes a fetish of „fetishism“, as well as of „bourgouis“, „subjecitivity“, „regressive“, and „infantile“, and other words, which tend to become vacous when applied so mechanically and uncritically.

    Hinter dieser Sprache versteckt sich weniger Originalität als gemeinhin angenommen wird:

    His intelligence, nevertheless, was derivative rather than original. One important influence on Adorno not mentioned by his admirers because it is no longer intellectually respectable: the Oswald Spengler of the once-famous „Decline of the West“. Like Spengler, he preferred intuition to empirical research and theory to empirical description.

    Kein Wunder, dass Adorno derzeit wieder so hoch in Mode ist.

    * Der Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen Archivs der NYRB.

    “Zur Geschichte des Zeitromans”…

    …hat Peter Stein seine umfangreiche Rezension über eine Habilitationsschrift betitelt, die sich mit dem Roman des späten 18. und 19. Jahrhunderts unter diesem Blickwinkel auseinandersetzt.

    Bibliothek: Neuzugänge

    Meine „Jahresbestellung“ bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Die Auswahl fiel naturgemäß sehr schwer…

  • Dante Alighieri: Die göttliche Komödie (Faber & Faber, Leipzig; wunderschöne, dreibändige illustrierte Ausgabe. Übersetzt von Karl Vossler)
  • Achim von Arnim: Sämtliche Romane und Erzählungen (Wissenschaftliche Buchgesellschaft; eine der hier schon oft gerühmten guten & preisgünstigen Klassiker-Lizenzausgaben der WBG)
  • Joachim Güntner; Marion Janzin: Das Buch vom Buch. 5000 Jahre Buchgeschichte (Schlüterscher Verlag; opulenter Band im Großformat; ein Bibliomanikum der Extraklasse)
  • Lutherbibel als Faksimile

    Normalerweise sind Faksimiles keine billige Angelegenheit. Desto erfreulicher, wenn der Taschenverlag eine Ausgabe für 99.- Euro vorlegt*. Mehr davon! (Siehe den Berichtin der „Welt“)

    * Addendum Jan. 2010: Die natürlich mittlerweile vergriffen ist und bei Amazon Marketplace um fast das Doppelte gehandelt wird.

    Kosten eines Irak Krieges

    Der in Yale lehrende Volkswirtschaftler W.D. Nordhaus stellt in der New York Review of Books 19/2002 nüchtern eine qualifizierte Schätzung der potenziellen Kriegskosten an. Dabei geht er von einem sehr guten und einem ziemlich schlechten Szenario aus.

    Im ersten Fall wäre ein Krieg schon für günstige 121 Milliarden Dollar zu haben. Sollte sich die Angelegenheit übel entwickeln, werden etwa 1600 Milliarden Dollar fällig.

    Reise-Skizzen New York (1)

    Es dürfte derzeit kaum eine sicherere Stadt als New York geben. Will man ein öffentliches Gebäude betreten, werden im besten Fall nur die Taschen durchsucht. Aber auch flughafenähnliche Sicherheitskontrollen mit modernster Technik sind keine Seltenheit. Bringt man diese Kontrollen hinter sich, kann man sich beispielsweise der gigantischen Kunstsammlung des Metropolitan Museum zuwenden. Angesichts der siebenstelligen Zahl an Kunstwerken empfiehlt sich eine strikte Auswahl. Ich konzentrierte mich auf Europäische Malerei und griechische Antike.

    Die Gemäldegalerie versammelt eine Fülle von Höhepunkten der Kunstgeschichte. Dagegen wirkt das Kunsthistorische Museum in Wien fast wie ein Provinzinstitut. Alleine die vielen Selbstportraits von Rembrandt wären Grund genug für eine Reise nach New York.

    Die Antikensammlung braucht keinen Vergleich mit griechischen Museen zu scheuen, was angesichts der zahlreichen legalen und illegalen Kunstexporte nicht überrascht. Man sollte sich mindestens zwei halbe Tage dafür Zeit nehmen.

    Bibliothek deutscher Klassiker

    Zwölf Bände neu aufgelegt hat der Aufbau Verlag. Preis: 99 Euro bzw. weniger als 30 Euro über Amazon Marketplace.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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