Wichtige Lehrbücher im Überblick

Zwar mache ich hier nur ungern Werbung für Amazon*, aber diese Zusammenstellung von wichtigen Lehrbüchern der Naturwissenschaften und technischen Fächer verdient eine Empfehlung. Nichts ist bekanntlich erfrischender als ein gelegentlicher Blick in möglichst entlegene Wissensgebiete (vom eigenen Standpunkt aus gesehen).

* Addendum Jan. 2010: Ähm… :-)

Herodot: Historien (1)

Einführung von Detlev Fehling
Buch I
dtv Bibliothek der Antike

In die “Historien” hineingelesen hatte ich schon mehrmals, zu einer Lektüre des Gesamtwerks kam es bis jetzt noch nie. Ein Versäumnis dem ich nun behutsam – also Buch für Buch – abhelfen will.

Die dtv-Ausgabe greift auf die Übersetzung von Walter Marg zurück. Ein Kommentar ist (leider!) nicht vorhanden, dafür eine ausgezeichnete umfangreiche Einführung von Detlev Fehling, der sich teilweise von traditionellen Positionen der Herodot-Forschung verabschiedet. Beispielsweise nimmt er Herodot nicht mehr vor seinen eigenen Fehlern in Schutz und betont die unhistorische Seite des Werks.

Meine von altphilologischen Kenntnissen (leider) ungetrübte Perspektive auf das Buch ist ähnlich: Ich lese es einerseits als Literatur, andererseits als zentrales Dokument in der Geschichte des abendländischen Denkens. Es gibt kaum ein Zeugnis, an dem man die sukzessive Emanzipation vom Mythos zugunsten des rationalen Denkens besser beobachten kann.

Schon im ersten Buch gibt es zahlreiche Beispiele dafür, etwa wenn die mythische Entführung der Io nach Ägypten statt durch göttliche Intervention durch eine Entführung der Phönizier, notorischen Seefahrern, erklärt wird, die Io mit einem Schiff nach Ägypten bringen.

Es finden sich bereits philosophische Reflexionen, die an spätere antike ethische Betrachtungen erinnern, etwa wenn Solon folgendermaßen zitiert wird:

Denn viele Menschen, die gewaltig reich sind, sind unglücklich, vielen aber, die nur mäßig zu leben haben, geht es wohl. Nun hat, wer sehr reich ist, aber unglücklich, zweierlei voraus vor dem, dem es nur wohl geht, dieser aber vor dem Reichen und Unglücklichen vieles.

Als Beispiel für eine frühe rationale Methode, die erstaunlich modern anmutet, sei noch der Orakeltest des Kroisos genannt. Dieser schickt Boten gleichzeitig zu verschiedenen Orakeln, läßt dort anfragen und dokumentieren, was bei ihm in hundert Tagen passieren wird, arrangiert zu diesem Zeitpunkt einen raffinierten Test, und vergleicht dann die Prophezeiungen. Als Sieger des Tests geht selbstverständlich das Orakel in Delphi hervor.

Literaturen Nr. 10/01

Aus verschiedenen Gründen habe ich mir bis jetzt keine Ausgabe der “Literaturen” gekauft, wohl vor allem, weil im Internet mehr (gute) Rezensionen zu finden sind als ich verarbeiten kann. Positiv überrascht war ich nun vom umfangreichen Schwerpunkt Krieg um Troja, der mehrere lesenswerte Artikel umfasst und die jüngste Debatte um Troja gelungen bilanziert [Kurzübersicht des "Literaturen"-Jahrgangs 2001].

Schubert: Winterreise

Wiener Musikverein 11. Oktober
Robert Holl (Bass)
Oleg Maisenberg (Klavier)

Zeuge einer musikalischen Taktlosigkeit zu werden ist nichts besonders, wenn man damit aber im Wiener Musikverein konfrontiert wird, ist es doch erwähnenswert. Wer auf die Idee kam, ausgerechnet die “Winterreise” durch eine Pause nach dem 12. Lied zu unterbrechen, ist mir unbekannt. Dass dadurch alle musikalischen und literarischen Spannungsbögen unterbrochen werden, scheint die Veranstalter offenbar nicht gestört zu haben.

Sieht man von diesem veritablen Ärgernis ab, ist nur Positives über den Abend zu sagen. Robert Holl wählte eine dramatisch-expressive Herangehensweise an den Zyklus und lieferte eine vorzügliche Interpretation ab.

Fundstück

Wer die Versuchung nicht kennt, ein Buch zu klauen, der verdient auch keine Freiexemplare.

Ernst Rowohlt (23. 6. 1887 – 1. 12. 1960)

Die New York Review of Books über die Terroranschläge

Ganz gegen die virtuellen Gewohnheiten der NYRB sind bereits zwei Artikel der ersten Novemberausgabe online:

  • Stanley Hoffmann: On the War*
  • Richard L. Garwin: The Many Threats of Terror
  • * Dieser Artikel ist mittlerweile Teil des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

    Robert Malley & Hussein Agha: Camp David

    “The Tragedy of Errors”

    The New York Review of Books 13/2001

    Die NYRB begleitet seit vielen Jahren den Nahost-Konflikt mit klugen Beiträgen. Beide Autoren waren an den gescheiterten Verhandlungen in Camp David beteiligt und werfen neues Licht auf die damaligen Vorgänge. Dass man den Palästinensern zu Unrecht den schwarzen Peter zugeschoben hat, ist hier ebenso nachzulesen, wie die “skurrile” Verhandlungstaktik Baraks, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

    250 Jahre Encyclopédie

    Der kürzlich in der Anderen Bibliothek erschienene Prachtband mit ausgewählten Artikeln aus Diderots Encyclopédie ist umstritten, in der aktuellen ZEIT-Literaturbeilage findet sich ein Verriss mit plausiblen Argumenten. Dieser für Telepolis geschriebene Beitrag gibt einen kurzen Überblick über Diderots Projekt.

    Martina Pippal: Kleine Kunstgeschichte Wiens

    C.H. Beck; München 2000 (Amazon Partnerlink)

    Wie aus dem Titel ersichtlich, handelt es sich um einen konzisen Band, gut 250 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen. Als Leser erfährt man viel Wissenswertes über die Entwicklung der Künste in Wien. Manchmal wünscht man sich mehr Informationen und auch die eine oder andere Digression, aber das widerspräche wohl der Anlage des Buches.

    Als einführender Text ist die “Kleine Kunstgeschichte” durchaus empfehlenswert.

    Die neue Bestenliste

    …ist online [Archivdatei für Bestenliste 2001].

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