343 amerikanische Autoren …

…versammelt das neue Metzler-Lexikon amerikanischer Autoren. Laut Thomas Leuchtenmüller ein sehr lobenswertes Unterfangen [Perlentaucher].

Klassiker-Verlage (15): Felix Meiner

Die Philosophische Bibliothek ist wohl die wichtigste Editionsreihe philosophischer Texte im deutschsprachigen Raum. Das Anliegen blieb seit 1868 gleich, die Leser sollten mit sorgfältig editierten Texten versorgt werden. Möge ihr noch ein langes Leben beschert sein :-)

Donald R. Kelley: Eclecticism and the History of Ideas

Journal of the History of Ideas 4/2001

Eklektizismus hat heute einen pejorativen Beigeschmack. Das ändert sich, wenn man eine geistesgeschichtliche Perspektive wählt, denn dann steht man vor einem vergleichsweise progressiven Phänomen. Seit der Antike wurde dieser Begriff als Gegenpol zu Schulmeinungen gebraucht. Statt sich den Theorien einer philosophischen Schule zu verschreiben, zog es der Eklektizist vor, sich das beste aus den verschiedenen Schulen auszusuchen, also plausible Erkenntnisse aus verschiedenen Schulen zu kombinieren. Historisch betrachtet, handelt es sich um eine progressive Denkrichtung, die verschiedene Systeme kritisch evaluierte und nur streng geprüfte Teile davon gelten ließ.

Kelley gibt in seinem Aufsatz einen Abriss der Geschichte des Eklektizismus. Dabei betont er vor allem die Bedeutung dieser Methode für die Entstehung eines neuen Faches, der Philosophiegeschichte.

Thus the aim of Eclecticism was to join the old, unreflective doxographical tradition with scientific search for truth in order to give philosophical legitimacy to the practice of philosophy. [S. 583]

Dieser Konnex ist sehr erhellend, vor allem in Zusammenhang mit den Anfängen der Philosophiegeschichtsschreibung im Deutschland des 18. Jahrhundert, auf die Kelley ausführlich eingeht.

Weniger befriedigend an dem Text ist, dass der Autor mit keinem Wort auf die logischen Probleme des Eklektizismus eingeht, also auf die Frage, wie eine Kombination unterschiedlicher Theoriemodule aus verschiedenen Richtungen logisch kompatibel sein sollen. Hier hätten sich eine Reihe von sehr interessanten Betrachtungen anstellen lassen, beispielsweise welche minimalen logischen Kriterien solche eklektizistischen Systeme erfüllen müssen.

Adolf Freiherr von Knigge

Heute nur noch wenig gelesen und fälschlicherweise als Autor eines “Benimmbuchs” abqualifiziert, war Knigge doch einer der wichtigeren deutschen Schriftsteller der Aufklärung. Die im Fackelträger-Verlag erschienene Werkausgabe wird derzeit bei Frölich&Kaufmann für 99 Euro verramscht.

Es handelt sich um zehn von Wolfgang Fenner herausgegebene, wohlgestaltete Bände, jeweils mit einem knappen Kommentar.

V.S. Naipaul: An der Biegung des großen Flusses

Roman, dtv bzw. List TB (Amazon Partnerlink)

Mein erstes Buch von Naipaul, aber sicher nicht mein letztes. Nach den klassischen Kriterien für einen realistischen Roman ist das Werk gelungen: Scharf gezeichnete Figuren in einer lebendigen Umwelt. Der Ich-Erzähler übernimmt ein Geschäft in einer großen Stadt in Ost-Afrika und wird Zeuge des Auf und Ab der afrikanischen Politik, gespiegelt am Alltagsleben einer Stadt.

Gerade diese Schilderung der afrikanischen Lebenswelt ist – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – ziemlich spannend. Literarisch ist der Roman gut gemacht, ein ästhetisches Aha-Erlebnis darf man jedoch nicht erwarten.

Journal of the History of Ideas 4/2001

Wie immer eine spannende Ausgabe: T.N. Rudavsky über Galileo and Spinoza, Jan C. Westerhoff über Baroque Pansemioticism, John Q. Yolton über Lockes’s Man und Mark Jurdjevic über The Florentine Republican Movement u.a.

Homepage JHI

Gramophone auf dem Weg zum Mainstream

Im Editorial der März-Ausgabe ist folgendes zu lesen, nachdem ein neues Design ab der nächsten Ausgabe angekündigt wurde:

Underlying our approach has been the acceptance that classical music is increasingly having to compete with other formas of music but also that a growing number of people have very broad musical sympathies. While our commitment to classical music remains paramount we’re also going to take the opportunity to explore what we believe is ‘good’ music in other fields, particularly in areas where different genres meet und cross-pollinate.

Mit anderen Worten, Gramophone will in Zukunft ein besonderes Auge auf den Crossover-Schwachsinn werfen, von ästhetisch noch entsetzlicheren Dingen gar nicht zu reden …

Thomas-Bernhard-Forschung

Oliver Jahraus bespricht auf IASL zwei neue Bücher über den Autor, wovon sich eines ausführlich mit seinem Nachlass beschäftigt.

The Reader’s Companion to World Literature

Signet Classics Paperback (Amazon Partnerlink)

Ein 800-Seiten-Lexikon über die Weltliteratur für gut 18 Euro, da kann man nur wenig falsch machen. Habe es gerade bestellt und werde darüber berichten.

Günter Grass: Im Krebsgang

Endlich wieder ein lesbarer Grass! Nach dem verunglückten “Mein Jahrhundert” und dem nicht nur formal problematischen “Ein weites Feld” findet Grass wieder zu seinem alten Erzähltalent zurück. Durch zahlreiche Anspielungen nimmt er auf die Danziger Trilogie Bezug.

Uneingeschränkte Lesefreude will trotzdem nicht aufkommen. Zwar konnte Grass eine Reihe der literarischen Probleme lösen, die durch den schwer darstellbaren Gustloff-Stoff gegeben waren. So ermöglicht die Konstruktion eines Journalisten als durch ein alter ego von Günter Grass beauftragter Ghostwriter eine gewisse Distanz. Ferner wird der Vereinahmung des Buches durch Neonazis durch deren explizite Thematisierung vorgebeugt.

Allerdings ist das Buch keine Novelle, und mich verblüfft, dass dieses Gattungsproblem in den Feuilletons bis jetzt kaum thematisiert wurde. Man könnte zwar die historisch motivierte Ermordung eines sich fälschlicherweise als Juden ausgebenden Antifaschisten durch Konrad, dem in die rechte Szene abgedrifteten Sohn des Ich-Erzählers, als “unerhörte Begegebenheit” im Sinn der Novellentheorie gelten lassen. Die Erzählweise, die der Titel zurecht als Krebsgang ankündigt, und die auf diverse, nicht immer befriedigend zu Ende ausgeführte Digressionen setzt, widerspricht der Novellenform vom Prinzip her. Auch ein Leitmotiv (wie noch in Katz und Maus) ist nicht auszumachen. Die Bezeichnung wurde wohl deshalb gewählt, weil einige Handlungsstränge für einen Roman zu dünn geraten sind (etwa der über den russischen U-Boot-Kommandanten).

Trotzdem sehr lesenswert und das gelungenste Werk von Grass seit “Das Treffen in Telgte” (1979).

Günter Grass: Im Krebsgang. Novelle (dtv)

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“Die Presse” meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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