Wien

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Museum Leopold

Museumsquartier Wien

Am Samstag war Eröffnung heute wagte ich einen ersten Rundgang im Leopold Museum. Unangenehm fiel der hohe Eintrittspreis (ATS 125.- / 9 Euro), der sich mit Audioführer und Garderobe auf ATS 180.- pro Besuch summiert. Erfreulicherweise wird eine Jahreskarte angeboten, um die man deshalb kaum vorbeikommt (690 ATS / 50 Euro).

Die Sammlung erstreckt sich über mehrere Unter- und Obergeschosse und ist nicht nur wegen des großen Schiele-Bestands beeindruckend. Die (Innen-)Architektur des Museums ist überzeugend und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bilder. Desto störender wirken zwei riesige Panoramafenster im zweiten Stock, die ein wunderbares Panorama über das neue Museumsquartier und Wien bieten, und damit stark von den Gemälden ablenken, unter denen neben vielen Schiele-Gemälde auch die beiden von Oskar Kokoschka sind. Dessen “Dolomitenlandschaft” erinnert in der Farbgebung überraschend stark an El Grecos “Ansicht Toledos”, das als amerikanische Leihgabe immer noch im Kunsthistorischen Museum zu sehen ist (der Rücktransport wurde aufgrund der Anschläge verschoben).

Alles in allem eine höchst erfreuliche Erweiterung der Wiener Museumslandschaft. Mehr nach weiteren Besuchen.

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Wagner in Wien (2)

Das Rheingold
Staatsoper 23.9. 2001

Wotan: Alan Held
Loge: Christian Franz
Alberich: Georg Tichy
Mime: Ernst-Dieter Suttheimer
Fricka: Margareta Hintermeier
Erda: Marjana Lipovsek
Orchester der Wiener Staatsoper
Inszenierung: Adolf Dresen
Musikalische Leitung: Jun Märkl

Im Gegensatz zum Orchester der Volksoper ist der Klangkörper der Staatsoper seit Jahrzehnten mit Wagner vertraut, das Ergebnis ist denn auch entsprechend beeindruckend. Märkl läßt Dissonanzen besonders hörbar hervortreten, was einen frischen Wagnerklang ergibt.

Die erstklassigen gesanglichen Qualitäten sind homogener als bei der gestrigen Aufführung, Ausrutscher nach unten gibt es nicht. Die szenische Darbietung ist jedoch ein Trauerspiel, von überzeugenden Regieideen keine Spur, deshalb erstaunt es, dass diese Inzensierung bereits seit 1992 auf dem Programm steht.

Angesichts des teilweise auffällig unruhigen Publikums verstehe ich Ludwig II. immer besser: An seiner Stelle hätte ich mir Wagner-Aufführungen ebenfalls alleine angehört :-)

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Wagner in Wien (1)

Volksoper 22.9. 2001
Die Meistersinger von Nürnberg

Walther von Stolzing: Johan Botha
Hans Sachs: Oskar Hillebrandt
Veit Pogner: Bjarni Thor Kristinsson
Beckmesser: Jochen Schmeckenbecher
Eva: Fionnuala McCarthy
Chor und Zusatzchor der Volksoper Wien, Wiener Konzertchor, Hochschulchor
Inszenierung: Christine Mielitz
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle

Skeptisch ging ich in die Volksoper, in der ein guter Teil des Spielplans aus den immer gleichen Operetten besteht. Wagner statt Lehar?

Gesanglich war der Abend jedoch erstklassig, musikalisch ebenfalls passabel, auch wenn man hörte, dass Wagner für das Orchester des Hauses einen ungewohnten Kraftakt bedeutete. Vor allem dank der überwiegend ausgezeichneten Sänger(innen) und Chöre war es ein gelungener Opernabend. Weniger überzeugend die Inszenierung, die zwar versucht einige ironische Akzente zu setzen und die komödiantische Seite des Stückes zu betonen, aber die berüchtigten Strophen des Hans Sachs über “welschen Tand” und “deutsche Kunst” unkritisch über die Bühne bringt.

Die Aufführung zeigt auf jeden Fall, welch großes musikalisches Potenzial in der Volksoper steckt, weshalb sicher weitere Besuche (nein, keine Operetten) :-) folgen werden.

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Mahler: Symphonie Nr. 7

Wiener Musikverein am 15. September 2001
Chicago Symphony Orchestra
Daniel Barenboim

Barenboim ein Mahler-Dirigent? Barenboim ein Mahler-Dirigent! Zumindest gelang es ihm, eine solide, eigenständige Interpretation dieses für mich nach wie vor rätselhaften Orchesterwerks vorzulegen. Einerseits war ein deutliches Bemühen um Transparenz wahrzunehmen, die kleinsten klanglichen Details wurden schön herausgearbeitet, teilweise mit interessanten Akzenten versehen (Gitarre im zweiten Nachtstück).
Trotz des Bemühens um Klarheit war die Aufführung nicht so analytisch wie etwa bei Pierre Boulez. Allerdings steht Barenboim diesem Stil näher als dem expressionistischen Verständnis eines Bernstein oder Ozawa.

Am Rande sei noch bemerkt, dass die klangliche Differenz zum vorgestern gehörten Gustav Mahler Jugendorchester enorm war, es ist eben doch ein weiter Weg zurückzulegen, bis das Prädikat Spitzenorchester angemessen ist.

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Wiener CD- und Schallplattenbörse

Wiener Stadthalle 14. September

Angeblich die drittgrößte Veranstaltung ihrer Art. Einen Besuch hätte ich mir allerdings sparen können: Unter den mehr als 50.000 angebotenen CDs waren großzügig geschätzt 150 Klassik-CDs, der überwiegende Teil war ästhetisch uninteressant (Pop).

Angesichts des Veranstaltungsorts (Wien), eine besondere Geschmack-Losigkeit.

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Mahler: Symphonie Nr. 8

Wiener Musikverein am 13. September 2001
Gustav-Mahler-Jugendorchester
Wiener Singverein
Prager Philharmonischer Chor
St. Florianer Sängerknaben
Elizabeth Whitehouse, Hillevi Martinpelto, Martina Jankova, Yvonne Naef, Jadwiga Rappe, Herbert Lippert, Peter Weber, Andreas Macco
Dirigent: Franz Welser-Möst

Eingangs sei erwähnt, dass ich die Achte von Mahler für seine problematischste Symphonie halte. Meine Bedenken sind ästhetischer Natur, nämlich ob es musikalisch plausibel ist, möglichst große emotionale Wirkung durch einen möglichst großen Klangapparat hervorzurufen.

Heute weiß ich: Es funktioniert. Zwar hörte ich alle Mahler-Symphonien mehrfach in Konzertsälen, gespielt von den unterschiedlichsten Orchestern. Die Achte war nie darunter, der Aufwand einer Aufführung mit drei großen Chören und zahlreichen Solisten ist enorm. Der Klangeindruck ist buchstäblich überwältigend, und es nötigt Respekt ab, mit welcher Kompromisslosigkeit Mahler seine “Gedankenmusik” in realen Klang verwandelte und mit welchem Kunstwillen er diese Klangmassen bändigte.

Franz Welser-Möst hatte damit einige Probleme. Vor allem bei den lautesten Stellen im ersten Teil (Hymnus) türmten sich die Klangberge ziemlich willkürlich und unstrukturiert auf, das konnte Bernstein in seiner letzten Einspielung (Salzburger Festspiele) besser, d.h. auch diese Teile waren nuancenreicher.

Es gab aber auch brillante Stellen, vor allem der Anfang des zweiten Teils, also der Beginn der Vertonung der Schlussszene des Faust II. gelang kongenial, fein differenziert näherte sich das Orchester dem ersten Einsatz des Chors. Die Chöre waren durchgehend hervorragend, die jungen Musiker überwiegend.
Ein gelungener und beeindruckender Konzertabend.

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Thomas Bernhard: Alte Meister – dramatisiert

Akademietheater Wien 8.9. 2001

Endlich war es mir gelungen eine der begehrten Karten für “Die Möwe” in der Inszenierung Luc Bondys zu bekommen. Zu früh gefreut: Jutta Lampe erkrankte und als Ersatz wurde eine dramatisierte Fassung von Bernhards “Alte Meister” gegeben (Regie und Dramaturgie: Stephan Müller, Claudia Hamm).

Vier Schauspieler schlüpften in die Rolle des Erzähler Atzbachers bzw. Regers und verwandelten den Roman in plausibel choreographiertes Sprechtheater. Kein Ersatz für Tschechow, nichtsdestotrotz ein gelungener Theaterabend.

Bemerkenswerterweise wurden Regers Ausführungen über Heidegger besonders wohlwollend vom Wiener Publikum zur Kenntnis genommen:

Heidegger, dem die Kriegs- und Nachkriegsgeneration nachgelaufen sind und den sie mit widerwärtigen und stupiden Doktorarbeiten überhäuft haben schon zu Lebzeiten, sehe ich immer auf seiner Schwarzwaldhausbank sitzen neben seiner Frau, die ihm in ihrem pervesen Strickenthusiasmus ununterbrochen Winterstrümpfe strickt mit der von ihr selbst von den eigenen Heideggerschafen heruntergeschorenen Wolle. Heidegger kann ich nicht anders sehen, als auf der Hausbank seines Schwarzwaldhauses, neben sich seine Frau, die ihn zeitlebens total beherrscht und die ihm alle Strümpfe gestrickt und alle Hauben gehäkelt hat und die ihm das Brot gebacken und das Bettzeug gewebt und die ihm selbst seine Sandalen geschustert hat

[...]

Heidegger hatte ein gewöhnliches, kein Geistesgesicht, sagte Reger, war durch und durch ein ungeistiger Mensch, bar jeder Phantasie, bar jeder Sensibilität, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, sagte Reger, die auf der deutschen Philosophie geweidet hat und darauf jahrzehntelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat im Schwarzwald. Heidegger war sozusagen ein philosophischer Heiratsschwindler, sagte Reger, dem es gelungen ist, eine ganze Generation von deutschen Geisteswissenschaftlern auf den Kopf zu stellen.

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Das Museumsquartier Wien

Ich wollte mir mit einer ersten ausführlichen Besichtigung Zeit lassen, bis der Eröffnungsansturm auf das neueröffnete Museumsquartier vorüber war. Durch Aufsätze von Architekturkritikern wie Jan Tabor vorgewarnt, fand ich deren Befürchtungen bestätigt: Der Betrachter sieht sich mit einer uninspirierten Ansammlung von Gebäuden konfrontiert, die wie zufällig von einer gewaltigen Barockanlage eingerahmt werden. Nach der Umsetzung von kühnen architektonischen Ideen sucht man vergeblich. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Programme der dort untergebrachten Einrichtungen plausible Konzepte entwickeln, als Kontrapunkt zur architektonischen Beliebigkeit.

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El Greco

Kunsthistorisches Museum Wien

Bei meinem vierten Besuch gestern ist es mir zum zweiten Mal gelungen, ein paar Gemälde in Ruhe zu betrachten, was angesichts des erstaunlichen Besucheransturms nur selten möglich ist. Besonderes Augenmerk richtete ich auf die vier Portraits an, von denen das des Fray Hortensio Félix Paravicino zurecht am berühmtesten ist. Paravicino war ein mit El Greco befreundeter Gelehrter, der von dem Bild so beeindruckt war, dass er ein Dankgedicht verfasste, das in der Ausstellung ebenfalls zu lesen ist.

Spannend ebenfalls das Toledo-Bild, weil hier die Modernität des Stils El Grecos offensichtlich wird. Die digitalen Reproduktion hier dienen nur der lexikalischen Illustration, Farben und Helligkeit unterscheiden sich deutlich von den Originalen.
Schließlich noch das (vermutliche) Selbstportrait. Dieser zurückhaltend wirkende Mann, der einem hier entgegentritt, steht in einem seltsamen Kontrast zur Strahlkraft seiner Gemälde. Ich musste an Bruckner denken, dessen monumentale Symphonien ebenfalls nur wenig zum zögerlichen Charakter des Komponisten zu passen scheinen.

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Karl Schönherr: Glaube und Heimat

Burgtheater am 25. März 2001
Regie: Martin Kusej
Werner Wölbern, Michael Peter, Martin Schwab, Sylvie Rohrer u.a.

Gerade aus dem Burgtheater kommend, stehen zwei Dinge fest (einmal abgesehen davon, dass man Kinder nicht zum Theatergehen zwingen soll, weil sie dann ständig herumquengelnd neben mir sitzen):

1. Das Stück ist drittklassig.

2. Besser als Martin Kusej hätte man es nicht inszenieren können. Der Bühnenboden verwandelt sich nach und nach in eine Kloake, Massenszenen sind eindrucksvoll choreografiert, für viele Szenen findet Kusej starke theatralische Bilder. Die Einladung zum Berliner Theatertreffen ist durchaus verständlich.

Es drängt sich jedoch eine Frage: Warum zwingt man einen der besten zeitgenössischen Regisseure, Tiroler Bauerntheater für Fortgeschrittene zu inszenieren? Trotz mehrerer literaturkritischer Rettungsversuche, einige davon finden sich naturgemäß im Programmheft, haftet dem Stück ein widerlicher Geruch nach Scholle an, kein Wunder, dass es vor 60 Jahren ohne viele Umstände in den Blut-und-Boden-Kanon integriert werden konnte.

Ein Talent wie Kusej sollte Gelegenheit bekommen mit den besten Schauspielern Sophokles, Shakespeare, Schiller, Ibsen oder Beckett auf die Bühne zu bringen, anstatt ihn zur “Rettung” von Stücken zu missbrauchen, die besser dort bleiben, wo sie bisher waren: In Vergessenheit.

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