Oper

|<..4567

Wagner: Der Ring der Nibelungen

Georg Solti, Wiener Philharmoniker

Je länger man sich mit dem Ring auseinandersetzt, desto faszinierter steht man der ungeheuerlichen, vielschichtigen Komplexität gegenüber. Musikalisch schon aufgrund der Länge von annähernd 15 Stunden nur schwer zu überblicken, inhaltlich so polyvalent, dass die üblichen Fronten im Wagner-Streit beinahe komisch wirken, wenn auf der Seite der Verehrer oder Verächter eindeutige Lesarten kanonisiert und eifrig verteidigt werden.

Es gibt in der Kulturgeschichte nur wenige Leistungen, die mit der monomanischen Wagners vergleichbar sind: Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinische Kapelle beispielsweise, dessen große Fläche die semantische Komplexität ebenfalls exponentiell steigert, zieht man “normale” Gemälde zum Vergleich heran.

Ausschlaggebend ist hier natürlich nicht der Umfang des Werkes, sondern das durchgehaltene hohe Niveau der kreativen Leistung. Man bräuchte jeweils mehrere Monate Zeit, um sich adäquat mit ihnen zu beschäftigen.

Flattr this!

The House of Mirth

Donizetti: Lucia di Lammermoor
(Deutsche Grammophon 1993)
London Symphony Orchestra / Ion Marin / Cheryl Studer / Placido Domingo

Filmcasino 28.10.
Regie: Terence Davies

Eine Oper und ein Film? Die beiden haben wenig Gemeinsames und waren doch der Anlass für ein paar allgemeine Gedanken über Ästhetik, genauer über die künstlerische Darstellung von starken Gefühlen. Im Film melodramatische Momente hervorzurufen ist nicht schwer, spezielle Kunstmittel werden dazu nicht benötigt, die Rezeption diverser Leidenschaften setzt keine besondere Vertrautheit mit Kunst voraus.

Anders bei der Oper. Hier wird dem Zuhörer die Kenntnis einer anspruchsvollen Kunstsprache, eines raffinierten ästhetischen Zeichensystems, abverlangt. Fehlt diese Erfahrung, werden auch die aufwühlendsten Opernszenen kühl und verständnislos rezipiert. Der Erregung großer Gefühle steht also eine komplexe Formensprache gegenüber, die im Laufe der Operngeschichte immer weiter verfeinert wurde. Das ist vermutlich die Erklärung dafür, dass ich mit exzessiven Gefühlen in Opern weniger Probleme habe als in Filmen, weil – auch in Autorenfilmen – oft mit ziemlich plumpen Methoden gearbeitet wird, um gewisse Effekte zu erreichen.

Beinah hätte ich es vergessen: Der Film (nach dem Roman von Edith Wharton) konnte mich nicht überzeugen, die zahlreichen Hymnen in der Filmkritik sind schwer nachvollziehbar. Handwerklich solide gemachtes Kostümkino, mehr war nicht zu sehen. Die Interpretation der Oper ist musikalisch solide. Da ich keine Vergleichseinspielungen präsent habe, will ich es bei dieser Feststellung belassen.

Flattr this!

Wagner in Wien (2)

Das Rheingold
Staatsoper 23.9. 2001

Wotan: Alan Held
Loge: Christian Franz
Alberich: Georg Tichy
Mime: Ernst-Dieter Suttheimer
Fricka: Margareta Hintermeier
Erda: Marjana Lipovsek
Orchester der Wiener Staatsoper
Inszenierung: Adolf Dresen
Musikalische Leitung: Jun Märkl

Im Gegensatz zum Orchester der Volksoper ist der Klangkörper der Staatsoper seit Jahrzehnten mit Wagner vertraut, das Ergebnis ist denn auch entsprechend beeindruckend. Märkl läßt Dissonanzen besonders hörbar hervortreten, was einen frischen Wagnerklang ergibt.

Die erstklassigen gesanglichen Qualitäten sind homogener als bei der gestrigen Aufführung, Ausrutscher nach unten gibt es nicht. Die szenische Darbietung ist jedoch ein Trauerspiel, von überzeugenden Regieideen keine Spur, deshalb erstaunt es, dass diese Inzensierung bereits seit 1992 auf dem Programm steht.

Angesichts des teilweise auffällig unruhigen Publikums verstehe ich Ludwig II. immer besser: An seiner Stelle hätte ich mir Wagner-Aufführungen ebenfalls alleine angehört :-)

Flattr this!

Wagner in Wien (1)

Volksoper 22.9. 2001
Die Meistersinger von Nürnberg

Walther von Stolzing: Johan Botha
Hans Sachs: Oskar Hillebrandt
Veit Pogner: Bjarni Thor Kristinsson
Beckmesser: Jochen Schmeckenbecher
Eva: Fionnuala McCarthy
Chor und Zusatzchor der Volksoper Wien, Wiener Konzertchor, Hochschulchor
Inszenierung: Christine Mielitz
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle

Skeptisch ging ich in die Volksoper, in der ein guter Teil des Spielplans aus den immer gleichen Operetten besteht. Wagner statt Lehar?

Gesanglich war der Abend jedoch erstklassig, musikalisch ebenfalls passabel, auch wenn man hörte, dass Wagner für das Orchester des Hauses einen ungewohnten Kraftakt bedeutete. Vor allem dank der überwiegend ausgezeichneten Sänger(innen) und Chöre war es ein gelungener Opernabend. Weniger überzeugend die Inszenierung, die zwar versucht einige ironische Akzente zu setzen und die komödiantische Seite des Stückes zu betonen, aber die berüchtigten Strophen des Hans Sachs über “welschen Tand” und “deutsche Kunst” unkritisch über die Bühne bringt.

Die Aufführung zeigt auf jeden Fall, welch großes musikalisches Potenzial in der Volksoper steckt, weshalb sicher weitere Besuche (nein, keine Operetten) :-) folgen werden.

Flattr this!

|<..4567
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Flattr

Wer mag, kann die Notizen durch "flattern" unterstützen.

Aktuell in Arbeit