Oper

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Richard Strauss: Daphne

Dirigentin: Simone Young

Peneios: Georg Zeppenfeld
Gaea: Elisabeth Kulman
Daphne: Meagan Miller
Leukippos: Michael Schade
Apollo: Johan Botha

Es gibt viele Opern mit dämlichen Libretti und großartiger Musik. Dieses Spätwerk des Richard Strauss ist ein besonders eklatanter Fall. Obwohl mich die Antike in jeglicher Ausprägung bekanntlich sehr fasziniert, und Ovids Metamorphosen zu meinen Lieblingsbüchern zählen, langweilte ich mich inhaltlich den überwiegenden Teil der Oper. Für Richard Strauss war dieser mythologische Stoff natürlich willkommen unheikel, fand die Uraufführung der Daphne doch im Herbst 1938 in Dresden statt.

Die musikalische Seite dagegen ist ausgezeichnet und dieser Abend war sicher nahe an der Referenz. Meagan Miller und Johan Botha glänzten mit einer exzellenten Form. Dirigentin (!) Simone Young stand dem Ensemble mit dem Staatsopern Orchester an Perfektion kaum nach. Trotzdem wird Daphne sicher keine meiner Lieblingsopern werden. Die Inszenierung störte nicht.

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Rossini: L’Italiana in Algeri

Wiener Staatsoper 25.11

Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Mustafà, Bey von Algerien: Ildar Abdrazakov
Lindoro, ein junger Italiener, Lieblingssklave des Mustafa: Maxim Mironov
Isabella, italienische Dame: Stella Grigorian
Elvira: Chen Reiss
Zulma: Rachel Frenkel
Haly: Hans Peter Kammerer
Taddeo: Alfred Šramek

Rossini komponierte diese opera buffa für das Publikum in Venedig, wo sie 1813 sehr erfolgreich uraufgeführt wurde. Es war seine zweite Oper für Venedig. Das Thema hat für eine komische Oper immer noch aktuelle Anklänge: L’Italiana in Algeri spielt wie Mozarts Entführung aus dem Serail im Orient. Der Bey von Algerien kommt im Libretto nicht gut weg, wird er doch als ebenso dummer wie geiler Haremsinhaber dargestellt. Man fühlt sich unwillkürlich an Gaddafi und Konsorten erinnert. Selbstverständlich wird Mustafa von der entführten Italienerin Isabella intellektuell (und nur intellektuell!) aufs Kreuz gelegt.

Wie es sich für eine opera buffa gehört, sind auch die anderen Figuren als komische Typen gezeichnet (Taddeo!), so dass sich letzten Endes fast ein Gleichgewicht zwischen Orient und Okzident herstellt. Mustafa versucht ja auch wie ein zivilisierter Osmane seine Isabella zu verführen, und wendet keine Gewalt an.

Das Libretto wirkt heute noch amüsant, wozu auch die Inszenierung beiträgt, die sehr erfolgreich auf die komischen Elemente setzt. Die schauspielerische Leistung des Ensembles war in dieser Hinsicht exzellent. Musikalisch war der Abend ebenfalls sehr gelungen. Das Staatsopernorchester spielt in einer kleinen Besetzung sehr präzise. Alle Sängerinnen und Sänger waren gut in Form.

Rossini gilt als der wichtigste Begründer des Bel Canto. Deshalb sind seine frühen Opern auch musikhistorisch sehr interessant.

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Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

Wiener Staatsoper

Das Rheingold 6.4.
Die Walküre 7.4.
Siegfried 10.4.
Götterdämmerung 13.4. (Franz Welser-Moest)

Musikalische Leitung: Adam Fischer
Regie: Sven-Eric Bechtolf

Wotan: Juha Uusitalo
Alberich:Tomasz Konieczny
Siegmund:Christopher Ventris
Sieglinde: Edith Haller
Brünnhilde: Eva Johansson
Mime: Wolfgang Schmidt
Siegfried: Stephen Gould
Gunther: Markus Eiche
Hagen: Eric Halfvarson
uvm.

Wien bietet als meines Wissens einzige Stadt weltweit die Möglichkeit, jedes Jahr mindestens einmal den kompletten Ring anzuhören, inzwischen ein Fixtermin für mich. Gesanglich war die aktuelle Aufführungsreihe unter den besten je gehörten. Je öfter ich diese sechszehn Stunden Musik höre, desto interessanter erscheinen sie. Strukturelle und musikalische Details werden nach und nach klarer. Die Bewunderung für die enorme künstlerische Leistung des Richard Wagner steigt von Jahr zu Jahr.

Alle Hauptrollen wurden auf exzellentem Niveau gesungen. Besonders herausragend waren Juha Uusitalo (Wotan), Eva Johansson (Brünnhilde) und Stephen Gould (Siegfried). Letzterer sang selbst den langen Siegfried bis zum Ende so frisch und ausgeruht als wäre er nicht schon viele Stunden auf der Bühne gestanden. Siegfried war zweifellos der musikalische Höhepunkt des Zyklus.

Die Orchesterleistung war leider inhomogen. Schwach im Rheingold, guter Durchschnitt in der Walküre und schließlich eine sehr gute Leistung in den beiden letzten beiden Teilen. Für sie war Franz Welser-Moest angekündigt. Auch wenn er letztendlich nur Götterdämmerung dirigierte, hat sich diese Planung offensichtlich auch schon sehr positiv auf die Besetzung des Orchestergrabens bei Siegfried ausgewirkt. Das bestätigt meine Hypothese, dass es in der Wiener Staatsoper für eine exzellente Leistung nicht in erster Linie auf den musikalischen Leiter ankommt, sondern welche Musiker am Abend im Graben sitzen.

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Tannhäuser

Wiener Staatsoper 15.9.

Musikalische Leitung: Franz-Welser Möst
Inszenierung: Claus Guth

Tannhäuser: Frank van Aken
Hermann: Ain Anger
Wolfram von Eschenbach: Matthias Goerne
Elisabeth: Anja Kampe
Venus: Michaela Schuster

Für ein Urteil sind zwei Opernaufführung natürlich zu wenig. Sie reichen aber aus, um zumindest die Hoffnung zu nähren, dass es dank der neuen Direktion an der Staatsoper jetzt mit der Holender-Schluderei vorbei sein könnte. Auf die mehr als ordentliche Zauberflöte folgte ein musikalisch grandioser Tannhäuser. Das Orchester spielte präzise und nuanciert, jeglichen Wagner-Klangbrei erfolgreich vermeidend. Der Chor der Wiener Staatsoper lieferte eine lange nicht mehr gehörte Glanzleistung. Er zählt zweifellos zu den besten Ensembles weltweit.

Frank von Aken sang statt Botha den Tannhäuser und tat das in einer Perfektion, dass man sich wünscht, er möge dauerhaft einspringen. Auch die anderen Sänger zeigten hohes Niveau, Michaela Schuster klang vielleicht ab und an etwas zu grell für eine Liebesgöttin.

War der Abend musikalisch Weltklasse, kann man das von der Inszenierung nicht sagen. Sie hat zwar starke Momente, Guth konnte sich aber offenbar nicht entscheiden, wie er seine Regie anlegt. So gibt es intelligente und symbolische Choreographie neben klassisch-altmodischen Opernszenen wie etwa im naturalistischen Saalnachbau (wenn auch nicht im Stil des Mittelalters).

Man kann den Wiener Opernfreunden nur wünschen, dass Welser-Möst oft am Pult stehen wird.

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Die Zauberflöte

Wiener Staatsoper 7.9.

Musikalische Leitung: vor Bolton
Regie: Marco Arturo Marelli

Sarastro: Günther Groissböck
Tamino: Matthias Klink
Die Königin der Nacht: Albina Shagimuratov
Papageno: Markus Werba
Pamina: Anita Hartig

Die Diskussion, wie wichtig das Libretto für die Opernästhetik ist, trifft mit der Zauberflöte auf ein bezeichnendes Beispiel. Die Geschichte ist bekanntlich eine der krudesten der Opernwelt. Die Entwicklung der Handlung ist auf mehreren Ebenen widersprüchlich, was sich beispielsweise darin manifestiert, dass die drei Knaben der Königin der Nacht plötzlich große Helfer bei den Bewährungsproben sind, die der “feindliche” Sarastro veranstaltet.

Aber wen interessiert die Handlung, wenn Mozart hier drei Stunden lang einen genialen musikalischen Einfall nach dem anderen hat? Das musikalische Niveau des Abends war durchgehend gut. Es gab keine Schwachpunkte im Ensemble und Markus Werba legte als Papageno zusätzlich eine sehr gute schauspielerische Leistung hin. Die Inszenierung spiegelt leider die Schwächen des Libretto. Der Beginn ist märchenhaft bunt angelegt, vermutlich ironisch gemeint, aber wenig überzeugend. Ganz anders das Bühnenbild im zweiten Teil bei Sarastro. Die reduzierte Eleganz passt gut zur Freimaurer-Thematik, hat aber keinen Zusammenhang zur ersten Hälfte.

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Richard Strauss: Capriccio

Wiener Staatsoper 15.6.

Dirigent: Peter Schneider
Inszenierung: Marco Arturo Marelli
Die Gräfin: Renée Fleming
Der Graf,ihr Bruder: Morten Frank Larsen
Flamand,ein Musiker: Michael Schade
Olivier,ein Dichter: Adrian Eröd
La Roche,ein Theaterdirektor: Wolfgang Bankl
Die Schauspielerin Clairon: Angelika Kirchschlager

Für mich war Capriccio – Richard Strauss’ Alterswerk – die Opernentdeckung des Jahres. Ist sie doch das einzige mir bekannte Werk, dass sich mit der Ästhetik der Oper coram publico auseinandersetzt. Der Kern der Handlung besteht in einem Streit zwischen dem Dichter Olivier und dem Musiker Flamand im Salon der Gräfin, ob der Literatur oder der Musik der Vorrang in der Kunst zukomme. Die Auseinandersetzung endet in der Komposition einer Oper, die wiederum diesen Tag des Streites zum Thema hat.

Garniert ist der Konflikt mit ironischen Einlagen. So treten etwa zwei italienische Sänger auf und führen das Genre der italienischen Oper ironisch vor. Das Ergebnis ist ein auf mehreren Ebenen ironisch gebrochener Opernabend, der das Publikum explizit mit ästhetischen Fragen unterhält. Bei einem Roman würde man von raffinierter Metafiktionalität sprechen. Selbstverständlich gibt es auch eine Unmenge an Anspielungen auf das Opernrepertoire.

Musikalisch und inszenatorisch war der Abend ebenfalls gelungen. Nicht nur Renée Fleming als Gräfin lieferte eine tolle Leistung ab.

Leider wird das Lob der Oper durch eine geschichtliche Tatsache getrübt: Sie wurde am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater uraufgeführt. Mitten im zweiten Weltkrieg und am Höhepunkt des Nationalsozialismus sich in Fragen der Opernästhetik zu flüchten, mag menschlich verständlich sein. Politisch ist es ein Desaster.

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Richard Strauss: Salome

Wiener Staatsoper 24.5.

Dirigent: Leif Segerstam
Inszenierung: Boleslaw Barlog
Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

Herodes: Thomas Moser
Herodias: Elisabeth Kulman
Salome: Nancy Gustafson
Jochanaan: Juha Uusitalo

Salome gehört sicher zu denjenigen Opern, über deren Aktualität man nicht lange diskutieren muß. Ignorantes Prophetentum und klinisch psychologisch deviantes Verhalten findet sich in der Gegenwart zuhauf. Salome würde heutzutage freilich nach dem Kuß des geköpften Kopfes des Jochanaans nicht mehr hingerichtet, sondern zu allen Talkshows eingeladen.

Musikalisch war der Abend beinahe makellos. Das Wiener Staatsopernorchester spielte mit einer rauhen Furiosität, welche sich vor einem (guten!) Orchesterkonzert der Wiener Philharmoniker nicht verstecken müßte. Das paßte natürlich hervorragend zur pathologischen Handlung. Stimmlich waren alle Protagonisten ebenfalls bestens disponiert. Sogar das vergleichsweise traditionelle Bühnenbild tat dem tollen Gesamteindruck keinen Abbruch.

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Richard Strauss: Der Rosenkavalier

Wiener Staatsoper 2.2.

Dirigent: Peter Schneider
nach einer Inszenierung
von: Otto Schenk

Feldmarschallin: Soile Isokoski
Baron Ochs: Kurt Rydl
Octavian: Michaela Selinger
Faninal: Oskar Hillebrandt
Sophie: Daniela Fally

Den Rosenkavalier könnte man als anspruchsvolle Antwort auf die zahlreichen Wiener Operetten bezeichnen. Musikalisch eine spannende Mischung aus moderner Klangsprache und vielen Anklängen an Melodien, die als klassisch “Wienerisch” gelten. Auch die Komplexität der Charaktere ist, bei allem Komödiantentum, weitaus größer als im Genre üblich ist, etwa bei der Marschallin. Deren ausführliche Kontemplation über die Vergänglichkeit wäre ein weiteres Beispiel für die Sonderstellung des Werks.

Musikalisch war der Abend erstklassig. Die Sängerinnen und Sänger agierten durchgehend auf hohem Niveau. Das erstreckte sich speziell bei Michaela Selinger und Kurt Rydl auch auf die schauspielerische Seite. Das Wiener Staatsopernorchester unter Peter Schneider hielt tapferer mit als an manchem anderen Abend.

Der Haken: Die Inszenierung wurde offenbar aus einem Opernmuseum importiert. Otto Schenks naturalistisches Bühnengeschehen ist nicht ohne Charme und Komik. Man hat aber trotzdem ständig das ungute Gefühl, ästhetisch im falschen Jahrhundert zu sitzen.

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NZZ über das Wiener Opernpublikum

Angesichts der Premiere von Macbeth in der Wiener Staatsoper, verliert die NZZ ein paar treffende böse Worte über das Wiener Opernpublikum:

Dass viele Premierenbesucher das nicht sehen und sich schon gar nicht darauf einlassen wollten, wie die Inszenierung alles Wesentliche ganz nahe am Stück entwickelt, war allerdings ein Kapitel für sich. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich während der Aufführung von der Galerie her Störaktionen. Schon nach wenigen Minuten nahmen sie ihren Anfang, in den schlüssigsten Passagen entzündeten sie sich mitten in die Musik hinein oder während poetischer Augenblicke der Stille, schliesslich brachten sie die Vorstellung bis an den Rand des Abbruchs.

[...]

Dass das konservative Wiener Publikum sich leicht irritieren lässt, ist ja nun nichts Neues. Mit seinen blindwütigen Reflexen hat es sich aber diesmal von seiner unsympathischsten Seite gezeigt. So war bei diesem «Macbeth» das Spektakel im Zuschauerraum die eigentliche Tragödie.

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Puccini: La Boheme

Wiener Staatsoper 12.10.

Dirigent: Constantinos Carydis
Rodolfo, ein Poet: Joseph Calleja
Marcello, Maler: Markus Eiche
Mimì: Krassimira Stoyanova
Musetta: Ildikó Raimondi

Zu sehen und zu hören war eine sehr solide Repertoire-Aufführung, die ich hier mehr der Vollständigkeit halber erwähne. Allerdings sind erstklassige “normale” Opernabende an der Staatsoper keine Selbstverständlichkeit mehr, so dass dieser durchaus Lob verdient.

Das Ensemble sang homogen auf hohem Niveau und auch das Staatsopernorchester war hörenswert. Das Bühnenbild und die Inszenierung gehören freilich längst in ein Museum.

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