Schostakowitsch: Symphonie Nr. 1 f-Moll
Bernard Haitink / London Philharmonic Orchestra
Decca 444 431-2
Meinem Eindruck nach gibt es cum grano salis zwei Arten, wie sich der Individualstil eines Künstlers entwickelt: Er entwickelt über eine Reihe von Jahren seinen persönlichen Stil, oder er tritt früh mit einem Werk an die Öffentlichkeit, das bereits viele Merkmale eines unverkennbaren persönlichen Stils enthält.
In die erste Schublade würde ich beispielsweise Musil stecken, in die zweite Schostakowitsch, zumindest was seine orchestralen Werke angeht. Seine erste Symphonie hat er als Achtzehnjähriger als Diplomarbeit komponiert, und in ihr finden sich bereits viele Elemente, die auch die übrigen 14 Symphonien prägen.
Bleibt noch zu ergänzen, dass die Haitink-Interpretation handwerklich solide ist. Sie klingt für mich nicht übermäßig inspiriert, meidet aber andererseits emotionale Übertreibungen, die bei Schostakowitsch so nahe liegen.
Alban Berg Quartett (Berg, Beethoven)
Alban Berg: Lyrische Suite für Streichquartett
Beethoven: Streichquartett a-moll op. 132
Wiener Konzerthaus am 27. April 2001
Der Abschluss des diesjährigen Konzertzyklus mit dem Alban Berg Quartett. Das erforderliche breite Spektrum an Klangfarben in der Lyrischen Suite wurde ebenso brillant gemeistert, wie die zahlreichen musikalischen Herausforderung des letzten Beethoven-Streichquartetts. Als Zugabe ein langsamer Satz aus einem Haydn-Streichquartett. Offenbar ist die Zeit immer noch nicht reif eine Zugabe, die einem Werk des 20. Jahrhunderts entnommen wäre …
KlassikAkzente Nr. 2/2001
Verzweifelt muss sie sein, die klassische Plattenindustrie, angesichts der eigenartigen Versuche, die Verkaufszahlen zu heben. Der Titel der KlassikAkzente – das Werbemagazin von Universal Classics (DGG, Decca, Philips) – preist die neue Crossover-CD der Deutschen Grammophon an, nämlich eine Gemeinschaftsproduktion von Anne Sofie von Otter und Elvis Costello:
Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Elvis Costello, dem intellektuellen Postpunk-Barden mit hochkulturellen Absichten, und Anne Sofie von Otter, der klaren Stimme aus dem Norden.
Frau von Otter über ihre ästhetische Strategie:
Ich musste die ganze klassische Ausbildung außen vor lassen…und mich quasi in die Situation versetzen, wenn ich zu Hause bin. Da stehe ich auch nicht in der Küche und schmettere mit meiner Opernstimme.
Das ist sicher ein spannendes Hörerlebnis, Postpunk-Barde und Küchenstimme…
Schubert: Winterreise
(Thomas Quasthoff / Charles Spencer)
Meine elfte Interpretation des Werkes und zweifellos eine der besten. Ich hatte Quasthoff vor ein paar Jahren in Salzburg mit der Winterreise gehört, und mir nun – mit eigentlich kaum entschuldbarer Verspätung – die CD besorgt. Besonders faszinierend ist Quasthoffs differenzierter Gebrauch der stimmlichen Dynamik. Ich kenne kaum einen Sänger, der mit einem Wechsel der Lautstärke so viele Ausdrucksnuancen verbinden kann. Im Vergleich zu dieser berührenden Aufnahme wirken anderen Aufnahmen ziemlich steril (wie die von Thomas Hampson).




Letzte Kommentare