Bücherherbst (2): Goldmann
Goldmann?!
Der Verlag hätte auf diesen Seiten nichts verloren, wenn ich nicht zufällig auf die symptomatische Ankündigung gestoßen wäre, dass Dietrich Schwanitz’ vorletztes Machwerk als Goldmann Taschenbuch publiziert wird. Nun wird man gerne zugeben, dass Schwanitz’ ungebildetes “Bildungs”buch hier in bester Gesellschaft ist, und mit verblüffender Offenheit in einer Reihe erscheint mit Alberto Villoldos “Das geheime Wissen der Schamanen. Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können” oder Sylvia Brownes “Jenseits-Leben. Berichte eines Mediums aus der geistigen Welt”. Jeder Autor findet den Verlag, dessen “geistiges” Umfeld er verdient, und das ist doch einmal eine gute Nachricht.
Web-Tipp: Deutsche Verlagslandschaft
Rainer Groothuis in der ZEIT über die zunehmende Verwechselbarkeit deutscher Verlage:
Nur Profil macht Profit
Wenn Jörg Albrecht in der ZEIT schreibt, “Fünf von sechs Romanen kommen heute mit demselben Umschlag daher: Frau lehnt träumend gegen Birke (oder umgekehrt)”, dann ist dies zwar etwas übertrieben, vorbei aber ist’s mit der individuellen Gestaltung. Die programmatischen Profile sind ausgefranst. Was heißt heute “Suhrkamp/Fischer/List/und so weiter-Culture”? Viele Verlage drängen in die “Mitte”, und dort herrscht klaustrophobische Enge. Verlage ohne Profil: Wer nicht auffällt, hat nichts zu sagen. Wer nichts zu sagen hat, ist nicht eigenwillig. Wer nicht eigenwillig ist, wird überflüssig. “Großes neurotisches Potenzial in angenehmer Ausformung”, so befindet ein Verleger über die Buchbranche
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Bücherherbst (1): Diogenes, Berlin Verlag
Seit einigen Wochen bereits verschicken die Verlage ihre Vorschauen für das Herbst-Programm. Da meine Adresse in vielen Presse-Verteilern eingetragen ist, füllt sich mein Briefkasten immer mehr. Anlass genug, in den nächsten Wochen eine kleine Informations-Reihe mit wichtigen Neuerscheinungen zu unternehmen. Naturgemäß ist die Auswahl höchst subjektiv, aufgenommen werden nur Bücher, die mir besonders interessant und wichtig erscheinen. Berücksichtigt werden auch erwähnenswerte Taschenbuch-Neuerscheinungen.
IASL – Neue Rezensionen
- Herbert Uerlings (Hg.): “Bluethenstaub”. Rezeption und Wirkung des Werkes von Novalis. Tuebingen: Niemeyer 2000. (Rezensiert fuer IASLonline von Ulrich Stadler, Zürich)
- Klaus Ziermann: Der deutsche Buch- und Taschenbuchmarkt 1945 – 1995. Berlin: Wissenschaftsverlag Volker Spiess 2000. (Rezensiert fuer IASLonline von Thomas Keiderling, Leipzig)
- Thomas Eder / Klaus Kastberger (Hg.): Schluss mit dem Abendland! Der lange Atem der oesterreichischen Avantgarde. (Profile Bd. 5/3) Wien: Paul Zsolnay 2000. (Rezensiert fuer IASLonline von Thomas Dreher, Muenchen)
Bücher für das deutsche Kanzleramt
Nun ist ja bekannt, dass die deutsche Kulturpolitik bis jetzt nicht auf die Idee gekommen ist, anspruchsvolle Verlage bzw. wichtige Bücher zu fördern. Dass Bundesbehörden aber nicht einmal in der Lage sind, Bücher selbst zu kaufen, sondern sich auf die Großzügigkeit der Verlage verlassen, erscheint mir sehr bezeichnend für das neue Deutschland zu sein. Im Börsenblatt ist zu lesen:
Am Vorabend des Jahrestags der Bücherverbrennung (10.Mai) hat Börsenvereinsvorsteher Roland Ulmer mehr als 800 Bücher an Bundeskanzler Gerhard Schörder übergeben, die von deutschen Verlagen gestiftet wurden. Die Sammlung ist im Büro des Bundeskanzlers und weiteren Dienst- und Repräsentationsräumen des neuen Bundeskanzleramts aufgestellt. Die Buchauswahl erweitert die traditionelle Fachbibliothek des Kanzleramts. Schwerpunkte der neuen Büchersammlung bilden die Literatur des 20. Jahrhunderts sowie grundlegende Darstellungen zu den Bereichen Religion, Soziologie, Geschichte, Zeitgeschichte, Politik, Philosophie und Kunst.
Neuerscheinungen
- Harold C. Goddard: The Meaning of Shakespeare: Vol. 1 & Vol. 2 (The University of Chicago Press, 2 Bände)
- Juliet Floyd; Sanford Shieh (Hrsg.): The Analytic Tradition in Twentieth Century Philosophy (Oxford University Press Mai 2001)
Das “Literarische” Quartett
Seit heute wissen wir es endlich, warum MRR, der größte aller großen Literaturkenner, ambitionierte Romane verabscheut: In ihnen fehle bei Dialogen oft “Er sagt” und “Sie sagt”, weshalb man sich nicht auskenne, belehrte er sein Publikum. Liebe Autoren, warum müsst Ihr es denn Euren Lesern SO schwer machen? ;-)
Aber man muss den Mut des ZDF selbstverständlich loben, so anspruchsvolle erzähltheoretische Debatten in sein Programm aufzunehmen …




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