Kunst

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Peter Kogler

Mumok 6.11.

Das Museum Moderner Kunst hat Peter Kogler eine Retrospektive gewidmet, in der erfreulicherweise mehr zu sehen ist, als die berühmten Ameisen. Die Ausstellung reicht vom Frühwerk bis zu aktuellen Installationen. Die schlicht “ohne Titel” benannte Mehrfach-Computeranimation, welche in einem Raum durch die Projektion von geometrischen und organischen Mustern die alltägliche Raumwahrnehmung ad absurdum führt, wäre bereits hinreichend für einen Besuch.

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van Gogh

Albertina 6.11.

Ich wartete mit dem Besuch der Ausstellung bis ich an einem Wochentag Zeit hatte, aber es half nichts: Die Schau ist komplett überlaufen. Schüler aller Größen (über die Kleinen stolpert man, und die Großen stehen gelangweilt im Weg) und Touristengruppen erschweren es erheblich, die Bilder in Ruhe anzusehen.
Das ist schade, denn das Konzept und die Auswahl der Bilder kann überzeugen. Die schlichte chronologische Anordnung des Frühwerks, ermöglicht einen guten biographischen Überblick. Speziell seine “vorimpressionistischen” Bilder und Zeichnungen kannte ich bisher nicht. Wer Glück hat und einen nicht ganz so überlaufenen Moment erwischt, wird seine Freude an der Ausstellung haben.

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Francis Bacon (Tate Britain 15.9.)

Seit ich die ersten Bilder von Francis Bacon sah, zählt er zu den Künstlern des 20. Jahrhunderts, deren Treffsicherheit im Einfangen der menschlichen Existenz ich besonders bewundere. Ist man auf der Suche nach ästhetischen “Kommentaren” zum Jahrhundert der Völkermorde, und bezweifelt man, dass “Ästhetik” hier eine passende Kategorie ist, man fliege nach London und gehe in die Tate Britain.
Dabei ist die große Kunst des Francis Bacons nicht oberflächlich politisch. Er nimmt sich des Menschen auf anthropologischer Ebene an und entkleidet ihn buchstäblich und metaphorisch von allen Errungenschaften der Zvilisation. Gleichzeitig sind die Bilder bewusst in die große Tradition der abendländischen Kunstgeschichte eingebettet (Velazquez, van Gogh und viele andere), was ihre ästhetische Eigenständigkeit aber nur unterstreicht.
Es gibt nur wenige Werkkomplexe auf diesem Niveau. Hätte Bacon komponieren können, wären wohl Schostakowitisch düster-hellsichtige Streichquartette dabei herausgekommen. Ich bin froh, dass ich mir nach München und Wien unerwartet schnell wieder so viele großartige Bilder von Bacon ansehen konnte. Die Retrospektive ist thematisch aufgebaut und zeigt wichtige Werke aus allen Schaffensperioden.

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Reise-Notizen Italien (2): Museen in Rom

Leider war ich nicht lange genug in Rom, um mir auch nur annährend einen Überblick über die Vielzahl der Museen zu verschaffen. Auf dem Programm standen natürlich die Vatikanischen Sammlungen. Angesichts der langen (langen!) Schlangen vor den Kassen, war die Vorreservierung besonders angenehm: Wir kamen ohne zu warten hinein. Virtuell setzten sich die Schlangen im Inneren allerdings fort. Nun war ich inzwischen ja in vielen berühmten Museen der Welt, aber so ein Gedränge habe ich bisher nirgends erlebt. Eine ruhige Betrachtung der berühmten Werke ist kaum möglich, was angesichts der Fülle an großartiger Kunst eigentlich ein Verbrechen ist. Hätte man die Kunst und nicht die Maximierung der Eintrittsgelder im Auge, dürfte man maximal ein Viertel der Menschen den Eintritt gestatten. Man könnte das durch Vorverkauf und Reservierungen lösen, aber die Geschäftstüchtigkeit der katholischen Kirche dürfte dem entgegen stehen.

Höhepunkte der Höhepunkte waren selbstverständlich die Stanzen des Raphael (Schule von Athen!) und die Sixtinische Kapelle. Dort gelang es mir einen Platz am Rand auf einer Bank zu finden, so dass ich in einer halben Stunde Michelangelos megalomanisches Meisterwerk in Ruhe betrachten konnte.

Das zweite Museum, über das ich berichten kann, ist das Kapitolinische. Der Schwerpunkt dort liegt, wie unschwer zu erraten ist, auf den archäologischen Funden rund um das Kapitol und das Forum Romanum. Besonders beeindruckend ist die epigraphische Sammlung im Keller. Dort werden exemplarisch Inschriften aller Art mit Übersetzung didaktisch vorbildlich präsentiert. Sehr schön fand ich auch den “Philosophenraum”, der mit Büsten antiker Denker vollgestopft war. Trotz vieler hochrangiger Werke (Aphrodite von Knidos des Praxiteles, der Sterbende Gallier, beides natürlich römische Kopien uvm.) war das Museum erstaunlicherweise kaum besucht. Das Haus wurde übrigens bereits 1471 geöffnet und ist damit die älteste öffentliche Kunstsammlung in Europa.

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Reise-Notizen Italien (1): Goethe und Kirchen in Rom

Viel war ich schon unterwegs auf den Spuren des römischen Reiches, das Zentrum desselben ließ ich bisher allerdings sträflicherweise links liegen. Anders als Athen, wo ich bereits mehre Male war. Wer sich für Antike und Kunst interessiert, fühlt sich in Rom wie ein Kind im Spielzeuggeschäft.

Allerdings begann ich meine Besichtigungen, nach einem ersten Spaziergang, mit einem vergleichsweise entlegenen Ziel: Der Wohnung Goethes während seines Italienaufenthalts (Casa di Goethe). Nun ist vom Inventar, wenig überraschend, kaum mehr etwas vorhanden, und die Dauerausstellung besteht vor allem aus diversen Faksimiles von Goethes Briefen und Zeichnungen aus dieser Zeit bzw. solchen seiner Zeitgenossen. So ist es vor allem der genius loci, der fasziniert, wenn man am Fenster steht und wie Goethe damals auf die turbulente Via del Corso hinaus sieht.

Erwähnenswert ist die Bibliothek der Institution, die viel Goethe-Literatur und natürlich auch die wichtigen Goethe-Ausgaben enthält. Ein ruhiger Ort im quirligen Rom, ich war längerer Zeit alleine dort.

In wenigen Tagen kann man die Stadt nur oberflächlich streifen, alleine die Besichtigung der wichtigsten Kirchen würde deutlich länger dauern. Das Gesamtkunstwerk der Santa Maria Maggiore sei als erstes herausgegriffen. Die Mosaiken dort zählen zu den bedeutendesten Werken der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst. Gleichzeitig vermittelt die Vielzahl der Reliquien einen guten Eindruck über die Geschäftstüchtigkeit der Betreiber.

Eine Viertelstunde davon entfernt ist S. Pietro in Vincoli, die man aus einem Grund besucht: Der Moses des Michelangelo ist dort zu sehen. Selbst wenn man, wie der Verfasser, kein spezieller Freund des Barock ist, sollte man doch einige dieser Kirchen besichtigen. Die Jesuitenkirche Sant’Ignazio besticht durch perspektivisch perfekt ausgeführte illusionistische Deckenmalerei.

Im Pantheon sieht man eine der wenigen noch original erhaltenen Wanddekorationen aus der Antike. Das hilft dem Vorstellungsvermögen beim Besuch weniger erhaltener Stätten auf die Sprünge. Der Petersdom schließlich ist ein kongeniales Symbol des katholischen Größenwahns. Trotz der gigantischen Ausmaße wohlproportioniert und vollgestopft mit hochrangigen Kunstwerken. Man muss der Kirche immerhin nachhaltige ästhetische Verdienste bescheinigen.

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Oskar Kokoschka. Träumender Knabe – Enfant Terrible

Unteres Belvedere 13.4.

Kokoschka war einer der Maler, die mich schon lange bevor ich mich systematischer mit Kunst beschäftigte, stark ansprachen. Speziell seine hintergründigen Portraits fand ich interessant. Das hat sich bis heute nicht geändert, weshalb ich den akuellen Wiener Kokoschka-Schwerpunkt nur begrüßen kann.

Das Belvedere zeigt das Frühwerk, während die Albertina sich auf das Spätwerk konzentriert. Das Frühwerk ist geprägt vom Wiener Kunsthandwerk des Jugendstils, wurde er doch achtzehnjährig in die hiesige Kunstgewerbeschule aufgenommen und war auch zu einer Reihe von Brotarbeiten gezwungen. Trotzdem findet Kokoschka schnell zu einem eigenen Personalstil und bringt “Skandalwerke” auf die Leinwand.

Die etwa 140 Exponate geben einen ausgezeichneten Überblick über diese Entwicklungsphase. Auch eine Reihe von frühen Portraits sind darunter. Der Audioguide beschreibt ca. 25 davon in erfreulicher Ausführlichkeit.

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Ulrich Sinn: Die 101 wichtigsten Fragen. Antike Kunst

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Normalerweise bin ich kein Freund von derartigen Reihen und finde solche Buchkonzepte im besten Fall seltsam, aber Ulrich Sinns kleine Einführung in die antike Kunst ist durchaus lesenwert. Selbst wer schon viel über das Thema gelesen hat, findet manche interessante neue Aspekte, da Sinn das Thema oft sehr pragmatisch angeht, und sonst entlegene Informationen intelligent zusammenfasst. Etwa wie lange man an einer Statue gearbeitet hat u.ä.

Der größte Einwand: Es gibt zu wenige Abbildungen. Einige sind über das Büchlein verstreut, aber oft ist von Werken die Rede, von denen es keine Reproduktionen gibt. Zwar kann der Autor diese ganz anschaulich beschreiben, aber das ist kein Ersatz für ein Foto. Außerdem verspricht der Titel mehr als er halten kann: Ägyptische Kunst kommt nur am Rande vor, andere alte Zivilisationen überhaupt nicht. Der Fokus liegt auf der griechischen und römischen Kunst. Abgesehen davon, eine sehr lesenswerte Angelegenheit.

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Reise-Notizen London (3): National Gallery and Victoria-and-Albert Museum

Die National Gallery am Trafalgar Square darf sich in Sachen Alte Meister zu den führenden Häusern Europas zählen. Obwohl die großartige Turnersammlung gar nicht dort, sondern in der Tate zu finden ist. Es handelt sich um eine klassische, hochkarätig bestückte Gemäldesammlung, die einen Zeitraum vom Mittelalter bis zum Impressionismus umfasst. Viele berühmte Werke hängen dort. Botticellis “Venus und Mars” kannte ich bisher nur durch Reproduktionen und meine Begeisterung dafür hielt sich in Grenzen. Sieht man aber die strahlende Leuchtkraft des Originals, versteht man einmal mehr, wie ungeeignet Bildbände sind, um sich einen adäquaten Eindruck von einem Gemälde zu verschaffen.

Weitere Höhepunkte sind Bellinis eindrücklicher “Doge”, Raphaels (wie immer) formal perfekte “Madonna of the Pinks” und Cezannes “Bathers”, um die englischen Titel zu verwenden.
Das Victoria-and-Albert Museum ist eine der kuriosesten Sammlungen in London. In knapp 150 Räumen wird angewandte Kunst und Kunsthandwerk präsentiert. Dabei wird ein unglaublich breites Spektrum abgedeckt: Von Architektur über Glas- und Metallwaren und Musikinstrumente bis hin zu Möbel und Designobjekten aus allen Epochen und vielen Weltgegenden. Wer sich über die Einrichtung englischer Adelssitze durch die Jahrhunderte informieren will, ist dort ebenso richtig wie jemand mit eine Vorliebe für Keramik. Besonders hervorgehoben sei noch die umfangreiche Skulpturensammlung.

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Wilfried Seipel (Hrsg.): Meisterwerke der Antikensammlung

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Dieser Band ist seit längerer Zeit mein verlässlicher Begleiter bei Besuchen der Wiener Antikensammlung. Den 114 wichtigsten Werken sind je eine Doppelseite gewidmet: Text und farbliche Abbildung. Die kurzen Texte versuchen einen Kompromiss zwischen Einführung in eine Genre (antike Keramik, Gemmnen…) und Beschreibung eines Kunstwerks. In Summe eine durchaus nützliche Angelegenheit. Schade ist es allerdings, dass in der Antikensammlung vor Ort keine Verweise auf das Buch sind. In anderen Museen gibt man oft die Seitenzahl bei den Exponaten an. Will man den Band also in der Sammlung nutzen, kann man sich auf umfangreiches Blättern einstellen.

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Stift Melk (10.10.)

Das als “Perle des Barock” viel gepriesene Stift lohnt in der Tat einen Besuch. Neben erstklassiger Barockarchitektur bekommt man auch ein Lehrstück an ideologischer Geschichtsauffassung geboten, wie man es von der Kirche erwarten darf. Eine Führung durch die Anlage beginnt nach der Kaiserstiege in einer Art Geschichtsmuseum. Dieses führt den Interessenten in manchen Teilen eine (sagen wir) “extravagante” Geschichtsauffassung vor Augen. So findet an einer Wandtafel “Abstieg im 14. Jahrhundert” die gewagte Zusammenfassung “Päpste unter dem Diktat der französischen Könige”. Als hätte sich der Klerus nicht wunderbar in Südfrankreich eingerichtet und sich lange gesträubt in das damals vergleichsweise bescheidene Rom zurückzukehren. Amüsant auch folgende Texttafel über das 18. Jahrhundert:

Textkritik der Heiligen Schrift =
wissenschaftlicher Aufschwung.
Die Bibel wurde immer wichtiger.

Ganz so als hätte man damals mit großer Freude die kritischen Bibelausgaben begrüßt. In Wahrheit war natürlich das Gegenteil der Fall (siehe Notiz über Bart Ehrman weiter unten).
Höhepunkt der Besichtigung ist die großartige Bibliothek, welche alleine schon den Besuch verlohnt. Für Germanisten wird als Zusatzattraktion das neu entdeckte Fragment des Nibelungenlieds ausgestellt.

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