Kunst

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Vincent van Gogh

Anläßlich der neuen sechsbändigen und illustrierten Ausgabe der Briefe van Goghs, schreibt Richard Dorment in der New York Review of Books ein vorzügliches Portait über den Künstler:

Alienated and depressed, Vincent knew exactly what had gone wrong with his life. “Like everyone else, I have need of relationships of friendship or affection or trusting companionship….” The only person who would ever succeed in fulfilling these needs did so by letter. Theo and Vincent wrote to each other so frequently because the two brothers rarely met, and when they did Vincent’s personality put intolerable strains on their relationship. For all his neediness and affectionate nature, he could also be hectoring and thin-skinned, easily wounded and unable to stand contradiction. Out of necessity, not choice, therefore, this profoundly lonely man lived apart from his family and friends. “If I should have to continue trying to keep further and further out of other people’s way…then I’m overcome by a feeling of sorrow and I must struggle against despair.” By writing letters Vincent was able to converse easily, to marshal his thoughts, to clarify, to revise, and to argue a point without losing his temper—in effect to conduct by post the relationships he couldn’t sustain face to face.

Viel wichtiger ist aber, dass Dorment anhand der Briefe mit den vielen romantischen Mythen aufräumt, die sich um van Gogh ranken. So ist es blanker Unsinn zu behaupten, van Gogh hätte in emotionalem, unreflektierem Schaffensrausch seine Bilder gemacht. In Wahrheit war er ein gebildeter und sehr belesener Künstler, der seine Werke genau plante und darüber reflektierte:

Van Gogh turned his rage upon himself, sliced off his ear with a razor, and handed it to a prostitute. This was the onset of the recurring bipolar illness in which he experienced aural and visual hallucinations, with periods of exaltation alternating with self-harm.
Because of this Vincent is still popularly seen as an inspired madman who wielded his paintbrush instinctively, as though it were a conduit for the feelings roiling through his tormented soul. In this reading of his work, his breakdowns in some way fueled his genius. But the letters show that the exact opposite happened. His mental illness, far from driving his career forward, interrupted it by stopping his ability to paint; and if you didn’t know anything about the artist who painted the pictures during the year he spent in the asylum in Saint-Rémy, I don’t think you would guess that ill health stopped him from working for months at a time. Unlike the schizophrenic Richard Dadd, whose pictures are symptomatic of his madness, it would be hard to detect any trace of Van Gogh’s bouts of insanity in his art.

Die Rezension des Guardian. Interessant darin der Hinweis auf die Webseite Vangoghletters.org, wo man alle Briefe online findet.

Hätte diese Briefausgabe natürlich sehr gerne in meiner Bibliothek, aber 600 Dollar sind doch zu viel des Guten.

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Sandro Botticelli

Städel Museum Frankfurt 13.2.

Beim Durchblättern diverser Kunstbände zur Renaissance-Malerei fand ich Botticellis Bilder lange nicht übermäßig ansprechend. Die Farben wirkten blass im Vergleich zu Kollegen. Dann sah ich in der National Gallery in London zum ersten Mal Botticelli im Original, fand das hinreißend und stellte fest, dass sich seine subtile Malkunst einfach schlecht für Reproduktionen eignet.

Als ich im Herbst von der Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel las, war der Entschluss für eine Frankfurt-Reise schnell gefasst. Gestern war es schließlich so weit. Ein Notizen-Leser war so freundlich und organisierte mir vorher Eintrittskarten, so dass wir die beeindruckend lange Schlange (270.000 Besucher bisher) umgehen und direkt in die Ausstellung gelangen konnten.

Erwartungsgemäß war sie sehr überlaufen.  Es ergab sich aber trotzdem die Möglichkeit, auf die meisten Bilder einen ruhigen Blick zu werfen. Das Städel hat eine überraschend große Menge an Gemälden zusammengetragen. Viele allerdings aus entlegenen Quellen (Privatbesitz; Provinzmuseen aus den USA…). So sieht man viele seiner Werke, die einem auf absehbare Zeit sicher nicht mehr begegnen werden. Die berühmten Ikonen Botticellis waren vom Städel natürrlich nicht zu bekommen.

Um die Ausstellungsräume zu füllen, waren auch viele Produktionen aus seinem Umfeld bzw. seiner Werkstatt ausgestellt. Trotzdem gibt die in thematisch Räume strukturierte Ausstellung einen guten Überblick über Botticellis Ästhetik und seine stilistische Entwicklung. Ich werde im Mai die Uffizien besuchen und damit die in Frankfurt fehlenden Hauptwerke nachholen können.

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Vermeer. Die Malkunst

Kunsthistorisches Museum 7.2.

Es handelt sich um eine sehr kleine Ausstellung, die dem wohl berühmtesten Bild der Sammlung gewidmet ist. Während man sonst Vermeers Meisterwerk fast alleine und in Ruhe bewundern kann, drängen sich jetzt plötzlich Trauben von Menschen davor. Schautafeln erläutern diverse Aspekte des Gemäldes, das in den letzten Jahren diverse naturwissenschaftliche Untersuchungen über sich mußte ergehen lassen. Auch auf die Provenienz- und Restaurationsgeschichte wird Augenmerk gelegt.

Es ist erfreulich, dass es Kontextinformationen zu einem so wichtigen Bild gibt. In Summe ist das Gebotene aber doch zu dürftig. Offenbar wollte man in keine passenden Leihgaben investieren.

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Michelangelo

Lebensberichte, Briefe, Gespräche, Gedichte (Manesse)

Für eine wirklich intensive Beschäftigung mit der Kunstgeschichte fehlt mir leider die Zeit. Zwar besuchte ich inzwischen die wichtigsten Museen der Welt, aber man bräuchte für dieses weite Feld ähnlich viel Muße wie für die Beschäftigung mit der Weltliteratur.

So greife ich mir als Notbehelf gerne zentrale Figuren der Kunstgeschichte heraus, um mich mit ihnen etwas ausführlicher zu beschäftigten. Pars-pro-toto-Ansatz als Notwehr gewissermaßen. Neben Rembrandt ist Michelangelo einer der Auserwählten.

Dieser bei Manesse erschienene Band eignet sich ausgezeichnet dazu, sich einen Eindruck von der Persönlichkeit Michelangelos zu machen. Neben Auszügen aus den beiden wichtigsten zeitgenössischen Quellen (Condivi und Vasari) enthält er eine umfangreiche Briefauswahl. Sie zeigen Michelangelo von verschiedenen Seiten. Im Umgang mit seiner Familie, in Verhandlungen mit seinen Auftraggebern etc. Die Spannbreite seiner Verhaltensweisen ist enorm. Er kann hart und zornig werden, wenn es um seine Kunst geht. Er kann aber auch so überraschend bescheiden sein, dass es aus heutiger Sicht wie bestürzende Selbstunterschätzung wirkt.

Es sind auch Auszüge aus Francisco de Hollandas Gesprächen über die Malerei abgedruckt. In ihnen äußert sich Michelangelo auch zu ästhetischen Fragen, etwa über die niederländische Malerei:

Die Niederländer malen recht eigentlich, um das äußere Auge zu bestechen, entweder durch Dinge, die gefallen, oder durch solche, von denen man nichts Schlechtes sagen kann, wie Heilige oder Propheten. Oder sie malen Gewänder, Maßwerk, grüne Felder, schattige Bäume, Flüsse und Brücken und was sie ‘Landschaften’ nennen, und viele Figuren da und dort, und wiewohl dies alles gewissen Augen wohlgefällt, so fehlt darin in Wahrheit doch die echte Kunst, das rechte Maß und das rechte Verhältnis, die Auswahl und die klare Verteilung im Raum, und schließlich sogar Inhalt und Kraft. Doch malt man in anderen Gegenden vielleicht schlechter als in den Niederlanden. [S. 306f.]

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Edvard Munch und das Unheimliche

Leopold Museum 3.1.

Munch schrieb vor allem aus zwei Gründen Kunstgeschichte: Zum einen war er ein prägender Einfluss auf den deutschen Expressionismus. Seine Ausstellung 1892 im Verein Berliner Künstler löste einen großen Skandal aus und seitdem blieb er im Bewusstsein der deutschen Kunstszene präsent. Zum anderen schuf er ästhethische Maßstäbe setzende Ikonen des modernen Bewusstseins von denen Der Schrei das berühmteste ist – im Leopold Museum mit einem Druck vertreten. Munchs Besessenheit mit Krankheit und Tod dürfte mit seiner Kindheit zusammenhängen, die voller tragischer Ereignisse war.

Die Ausstellung konzentriert sich auf das “unheimliche” Frühwerk und zeigt eine Auswahl davon in zwei Räumen. Darunter sein Portrait August Strindbergs und sein berühmtes Selbstbildnis in der Hölle. Den weitaus größten Teil der Schau macht allerdings die Erkundung des Unheimlichen bei zeitgenössischen Malern aus, deren Werke man in Themenräumen präsentiert. Bei nicht wenigen Bildern scheint aber das Thema (etwa Spiritismus) wichtiger gewesen zu sein als die ästhetische Qualität. Überhaupt wäre bei dieser Exploration des Aberglaubens in der Kunst eine kritischere kuratorische Begleitung angebracht gewesen. (Bis 18.1.)

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Dominique Vivant Denon

Im Blog der New York Review of Books ist ein Beitrag über Dominique Vivant Denon, dem ersten Direktor des Louvre und seine Zeichnungen, die während Napoleons Ägyptenfeldzug 1798 anfertigte.

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Das Porträt. Fotografie als Bühne

Kunsthalle Wien 19.7.

Fotografie-Ausstellungen sind scheinbar leicht konsumierbar, ist man doch ständig von Fotos aller Art umgeben und wird spätestens seit dem Massenphänomen der Digitalfotografie von allen Seiten damit traktiert. Da fällt es nicht leicht, in einer Ausstellung auf den “ästhetischen Modus” umzuschalten, und sich auf die künstlerische Seite der Gattung zu konzentrieren.

Die Austellung Das Porträt hilft einem durch Zweierlei bei der Umstellung der Rezeptionsgewohnheiten. Erstens ist die Schau überschaubar, pro Künstler sind immer nur eine gute Handvoll an Abzügen zu sehen. Die Auswahl der Fotografen ist zweitens derart, dass unterschiedliche Ästhetiken sehr deutlich zu Tage treten. Von der naturalistischen Sozialfotografie bis hin zu surreal anmutenden Fotocollagen ist ein weites Spektrum vertreten. Bis 18.10.

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National Portrait Gallery

London 3.7.

Bei meinen letzten London-Besuchen wollte ich immer schon in die National Portrait Gallery, verweilte dazu aber zu lange nebenan in der National Gallery. Dieses Mal führte mich mein erster Weg dorthin. Das Konzept des Hauses ist insofern interessant, als es den Fokus mehr auf die historische Bedeutung der Bilder denn auf ihren ästhetischen Wert legt. Man findet dort beispielsweise auch einige Portraits mit handwerklichen Mängeln: Bei einem wirkte der Arm beinahe angeklebt. Das sind aber Ausnahmen, die meisten Gemälde sind künstlerisch durchaus anspruchsvoll.

Schlendert man durch die Galerie, geht man buchstäblich die englische Geschichte ab. Ein berühmtes Portrait folgt dem nächsten und man sieht endlich die Originale der Bilder, die man so oft schon in Büchern gesehen hat (die Tudors, Stuarts …). Darunter auch ideologisch-ikonographische Scheußlichkeiten ersten Ranges wie Marcus Gheeraerts Portrait von Queen Elizabeth I.

Natürlich beschränken sich die Exponante nicht auf die adlige Oberschicht des Landes, deren Mitgliedern man die inzestuösen Gepflogenheiten nicht selten ansieht. Freunde des Geisteslebens kommen nicht zu kurz. Herausragend das berühmteste Bild Shakespeares von John Taylor. Beeindruckend Abraham van Blyenberchs Portrait Ben Johnsons. Berührend die unbeholfene Zeichnung Cassandra Austens, die ihre Schwester Jane zu Papier brachte. Das einzige existierende Portrait von Jane Austen! Auch bekannte Naturwissenschaftler fehlen nicht: Robert Boyle, Wilhelm Harvey usw.

Mit gebührender Andacht stand ich naturgemäß vor dem berühmten Abbild des großen Laurence Sterne durch Sir Joshua Reynold. Bei dieser Gelegenheit faßte ich den Vorsatz, Tristram Shandy bald zum vierten Mal zu lesen.

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Neues Akropolis Museum

Das neue Museum wird endlich eröffnet wie die BBC berichtet, inklusive Video-Rundgang. Grund genug eigentlich, wieder einmal nach Athen zu fliegen.
[Update:] Ein ausführlicher Bericht von AP dazu.

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Das Zeitalter Rembrandts

Albertina 1.6.

Der Titel der Ausstellung ist sprechend: Die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt. Der Betrachter schlendert im Untergeschoss der Albertina durch thematisch zusammengestellte Gemälde, Grafiken und Zeichnungen: Nachtgemälde, Marinemalerei, Stilleben …
Zusätzlich versuchen die Kuratoren, die Veränderung des Realismusbegriffs in dieser Zeit zu veranschaulichen. So die Weiterentwicklung von Fantasielandschaften hin zu genauen topographischen Studien. Formal ging damit das Verlassen der “Vogelperspektive” einher, man legte erstmals die Horizontlinie so tief an, dass man direkt ins Bild hineinblickt, was Unmittelbarkeit suggeriert. Wer die Ausstellung noch ansehen will, möge das bald tun. Sie läuft nur noch bis 21. Juni.

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