Wien Theater

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Ayad Akhtar: Geächtet

Burgtheater 27.11. 2016

Regie: Tina Lanik

Amir: Fabian Krüger
Emily: Katharina Lorenz
Issac: Nicholas Ofczarek
Jory: Isabelle Redfern
Abe: Christoph Radakovits

Ein schwieriger Theaterabend. Das liegt weder am exzellent agierendem Ensemble noch am plausibel reduziertem Bühnenbild. Auch die Inszenierung leistet gute Arbeit, obwohl das teils langsame Tempo nicht immer zu diesem schnellen Genre passt.

Es ist das Stück selbst, mit dem ich ein Problem habe. Es setzt sich provokant mit dem Islam auseinander, was natürlich den großen internationalen Erfolg erklärt. Ein sehr erfolgreicher New Yorker Anwalt, der ursprünglich als Moslem aus Pakistan kam, verleugnet sowohl seine Herkunft als auch seine Religion zugunsten der Karriere. Er ist mit einer islamophilen amerikanischen Künstlerin verheiratet, während er den Islam radikal kritisiert. Ins Spiel kommt dann mit Isaac noch ein jüdischer Galerist und schon haben wir die dramaturgisch gewünschte explosive Mischung.

Das Drama ist ein Konversationsstück und steht in der Tradition von Who is afraid of Virgina Woolf?, erinnert aber ebenso an die Bühnenerfolge der Yasmina Reza. Wobei Geächtet nicht an einem Abend spielt, sondern sich zeitlich länger erstreckt. Der Ablauf ist aber derselbe: Hier ist es Amir, dessen Leben am Ende völlig ruiniert ist. Als Zuseher stellt man sich nun die Frage, nach dem Grund für diesen moralischen und nervlichen Zusammenbruch und hier drängt sich – auch dank der Wortspenden Isaacs – eine unerfreuliche Interpretation auf: Der lange verleugnete „barbarische“ Moslem bricht in ihm durch. Frei nach dem Motto: Einmal Moslem, immer Moslem. Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, dass sich Amirs junger Verwandter Abe parallel zu einem Islamisten wandelt. Das Stück wandelt damit auf einem unerfreulich schmalen Grat zwischen (sehr!) berechtigter Islamkritik und populistischer Islamophobie.

Ferdinand Schmalz: der herzerlfresser

Akademietheater 25.11. 2016

Regie: Alexander Wiegold

gansterer andi: Merlin Sandmeyer

acker rudi: Johann Adam Oest

fauna florentina: Irina Sulaver

pfeil herbert: Sebastian Wendelin

fußpflege irene: Peter Knaack

Mental eingestellt und vorbereitet bin ich auf Shakespeares Coriolan als ich im Akademietheater erfahre, dass sie wegen des Bühnenunfalls eines der Protagonisten vom Vortag als Ersatz Schmalz‘ herzerlfresser spielen. Ein unerwarteter vierhundertjähriger Sprung in die österreichische Gegenwartsdramatik also.

Die Handlung des Stücks spielt in der (steirischen?) Gegenwart, knüpft aber an eine gespenstische Mordserie an, welche das Mürztal vor knapp 250 Jahren heimsuchte, wobei der Titel schon die Pointe verrät: Es treibt ein kannibalistischer Frauenmörder sein Unwesen. In der Gegenwart finden die Morde kurz vor der Eröffnung eines neuen Einkaufszentrums statt, weshalb der Bürgermeister die Taten zu vertuschen versucht. Gleichzeitig werden die teils seltsamen Liebesbeziehungen der fünf Protagonisten ausgelotet. Die Trostlosigkeit der Provinz darf als Topos der österreichischen Literatur natürlich auch nicht fehlen.

So eine Inhaltsangabe wird dem Theaterabend aber nicht gerecht, weil die Ästhetik stark auf Artifizialität beruht. Nicht nur ist die Sprache eine Kunstsprache und werden manche Figuren ins Groteske überhöht. Auch das Bühnenbild, welches ausschließlich aus herabhängenden „Glitzerlianen“ besteht, verstärkt diese Abstraktheit.

Insgesamt ein erfreulicher Theaterabend, was nicht zuletzt an der überzeugenden schauspielerischen Leistung liegt.

Carl Laufs, Wilhelm Jacoby: Pension Schöller

Burgtheater 30.10. 2016

Regie: Andreas Kriegenburg

Philipp Klapproth: Roland Koch
Ulrike Sprosser, Witwe, seine Schwester: Alexandra Henkel
Ida, ihre Tochter: Alina Fritsch
Franziska, ihre Tochter: Marta Kizyma
Alfred Klapproth: Tino Hillebrand
Ernst Kissling, Maler, Alfreds Freund: Martin Vischer
Fritz Bernhardy: Michael Masula
Josephine Krüger, Schriftstellerin: Christiane von Poelnitz
Schöller, ehemaliger Musikdirektor: Bernd Birkhahn
Amalie Pfeiffer, seine Schwägerin: Sabine Haupt
Friederike, ihre Tochter: Aenne Schwarz
Eugen Rümpel: Max Simonischek
Gröber, Major a.D.: Dietmar König
Jean, Zahlkellner: Sabine Haupt

Etwa alle zwei Jahre gibt das Burgtheater einer Zwangsneurose nach, nämlich leichte Kost auf die große Bühne zu bringen. Ebenso regelmäßig entsteht dadurch keine Theaterkunst, sondern eine Theaterkatastrophe. Ich ergreife deshalb in der Pause nach deutlich über zwei Stunden die Flucht.

Diese Mal verwendet man zu diesem Behufe einen modern modifizierten Schwank-Klassiker aus dem Jahr 1890. Die üblichen Mittel der Boulevardkomödie werden reichlich eingesetzt, von Sprachfehlern über Verwechslungsgags bis hin zu skatologischem und sexistischem Humor. Weniges davon ist wirklich komisch. Am besten sind noch die Burgschauspieler, die dreieinhalb Stunden ihren Unfug und Slapstick treiben dürfen, was sie durchaus auf hohem Niveau machen.

Ansonsten ein schwer zu rechtfertigender Burgtheater-Missbrauch. Dass sich Andreas Kriegenburg für diese niveaulose Trottelei nicht zu schade war, wird seinem Ruf schaden.

Goethe: Torquato Tasso

Burgtheater 28.9. 2016

Regie: Martin Laberenz

Alfons der Zweite, Herzog von Ferrara: Ignaz Kirchner
Leonore von Este, seine Schwester: Andrea Wenzl
Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano: Dorothee Hartinger
Torquato Tasso, Hofdichter: Philipp Hauß
Antonio Montecatino, Staatssekretär: Ole Lagerpusch
Musiker: Friederike Bernhardt

Als ich das Stück zur Vorbereitung auf den Theaterabend wieder einmal lese, wirkt der Beginn behäbiger als ich ihn in Erinnerung hatte. Das Drama gewinnt freilich rasant an Fahrt als der Streit zwischen Tasso und Antonio ausbricht. Antonio sieht in Tasso einen verweichlichten Drückeberger vor dem harten Alltag des Lebens und lässt ihn das mit deutlichen Worten wissen. Tasso zieht provoziert sein Schwert, ein Sakrileg am Hof in Belriguardo, worauf ihn sein Herzog und Mäzen in sein Zimmer verbannt. Zusätzlich ist das Stück durch das unterdrückte Begehren getrieben, welches die beiden Damen am Hofe für den Dichter empfinden.

Für den Goethefreund ist das Stück natürlich eine Fundgrube, denn als Minister am Weimarer Hof kannte der Geheimrat selbstverständlich beide Seiten des Lebens, die künstlerisch-kreative wie die politisch-administrative.

Das Drama lebt vom klassischen Versmaß sowie seinen sprachlichen und intellektuellen Subtilitäten. Goethe bezeichnete seinen Tasso lange als „theaterscheu“, weil er dessen Ästhetik für die Bühne ungeeignet fand.

Martin Laberenz versucht dieses Dilemma durch eine Art Abstraktheit zu lösen. So besteht das Bühnenbild teilweise aus geometrischen Formen und bleibt räumlich im Vagen. Erfreulicherweise behält er die gebundene Sprache Goethes bei, lässt sie aber oft so schnoddrig „alltäglich“ sprechen, dass sie oft mehr gequält als gebunden wirkt. Tasso und Antonio mit zwei gleichaltrigen Männern zu besetzen, nimmt die für das Stück wichtige Altersdynamik aus der Inszenierung heraus. Das Artifizielle dieser Aufführung hat zu wenig inneren Bezug zum Text, um mich zu überzeugen. Die bunten Fantasiekostüme passen wiederum nicht zum abstrakten Bühnenbild. Die neue Burgtheatersaison beginnt also mäßig.

Joël Pommerat: Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

Akademietheater 9.6. 2016

Regie: Peter Wittenberg

mit
Frida-Lovisa Hamann
Dorothee Hartinger
Sabine Haupt
Dörte Lyssewski
Petra Morzé
Markus Hering
Daniel Jesch
Dirk Nocker
Martin Reinke

Ich betrete angesichts der Bezeichnung „Erfolgsstück“ das Akademietheater ziemlich skeptisch. Wie das Burgtheater erlaubt man sich hier ja ab und zu auch, die Grenzen zum Boulevard zu überschreiten. Meine Befürchtung ist aber unbegründet, Die Wiedervereinigung der beiden Koreas ist eine intelligente und originelle Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Facetten der Liebe. Pommerat wählte die Form des Episodendramas: Ähnlich wie in Schnitzlers Reigen handelt es sich um die Aneinanderreihung von zwanzig höchst unterschiedlichen Szenen. Dabei wird die gesamte Gefühlsskala durchdekliniert, von komisch-anekdotisch bis zu tragisch-dramatisch. Anders als bei Schnitzler fehlen allerdings strukturelle Bezüge zwischen den Episoden, welche über das verbindende abstrakte Thema hinausgehen. Durch eine intelligente Verknüpfung der einzelnen Geschichten hätte das Stück noch sehr gewonnen.

Die Beteiligten des Burgtheaterensembles nutzen selbstverständlich diese Gelegenheit, um ihre Schauspielkunst von allen Seiten zu zeigen. Die Inszenierung ist wohltuend zurückhaltend und trennt die einzelnen Szenen deutlich mit Hilfe von hell leuchtenden Lichtstäben, die beim Wechsel quasi die alte Episode wegwischen.

Tschechow: Drei Schwestern

Burgtheater 23.4. 2016

Regie: David Bösch

Andrej Segerjewitsch Prosorow: Philipp Hauß
Natalja Iwanowa, seine Braut: Stefanie Dvorak
Olga, seine Schwester: Katharina Lorenz
Irina, seine Schwester: Marie-Luise Stockinger
Mascha, seine Schwester: Aenne Schwarz
Kulygin, Fjedor Iljitsch, Gymnasiallehrer, Maschas Mann: Dietmar König
Werschinin, Alexander Ignatjewitsch, Kommandeut der Artilleriegarnison: Fabian Krüger
Soljony, Wassilij Wassiljewitsch, Hauptmann im Stab: Michael Masula
Tusenbach, Nikolaj Ljowitsch, Baron, Leutnant: Martin Vischer
Tschebutykin, Iwan Romanowitsch, Militärarzt: Falk Rockstroh
Anfissa, Njanja: Elisabeth Augustin

Heute arbeiten sich die Eliten zu Tode. Selbst Milliardäre hetzen sich von einem Projekt zum anderen. Ganz anders die Eliten vor dem 20. Jahrhundert: Sie langweilten sich zu Tode. Für das Theater hat diesen Ennui niemand besser auf die Bühne gebracht als Tschechow. In diesem Stück langweilen sich die titelgebenden drei Schwestern, welche sich nach dem Tod ihres Vaters aus ihrer öden Provinzstadt vergeblich nach Moskau sehnen. Dynamik gewinnt die Handlung erst als ihr vom hoffnungsvollen Intellektuellen zum spielsüchtigen Provinzler herabgesunkener Bruder eine gehässige und intrigante Provinzlerin aus der Stadt ehelicht.

Tschechow ist ein Autor der mit der Behutsamkeit des gesprochenen Wortes arbeitet und mehr als andere Dramatiker auf den Dialog setzt. David Bösch bringt erfreulicherweise den Mut auf, die Drei Schwestern als klassisches Literaturtheater auf die Bühne zu bringen, und verzichtet deshalb auf zwanghaft originelle Regieeinfälle. Die Schauspieler danken es ihm durch eine sehr erfreuliche Leistung. Eine Empfehlung für alle Freunde der Weltliteratur.

Ibsen: John Gabriel Borkman

Akademietheater 17.4. 2016

Regie: Simon Stone

John Gabriel Borkman: Martin Wuttke
Gunhild Borkman, seine Frau: Birgit Minichmayr
Erhart Borkman, ihr Sohn: Max Rothbart
Ella Rentheim, Gunhilds Zwillingsschwester: Caroline Peters
Fanny Wilton: Nicola Kirsch
Wilhelm Foldal: Roland Koch
Frida Foldal, seine Tochter: Liliane Amuat

Dieser Theaterabend lädt zu einigen grundsätzlichen Überlegungen über die Beziehung von Klassikern und deren Aktualisierungen im Theater ein. Wer meine Theaternotizen kennt, weiß, dass ich prinzipiell ein Freund des modernen Regietheaters bin. Allerdings funktionieren nur wenige dieser Inszenierungen wirklich gut, weil vielen Regisseuren inzwischen der persönliche Bezug zu den Klassikern fehlt. Freilich gibt es einige Theatertalente wie Andrea Breth oder Martin Kusej, denen überdurchschnittlich oft herausragende Inszenierungen gelingen. Diesen „John Gabriel Borkman“ zähle ich nicht zu den gelungenen Beispielen. Der Text und die Figuren weichen nämlich so weit vom Original ab, dass Ibsens ästhetische Ideen grundsätzlich in Frage gestellt werden. Während Ibsen Gunhild Borkman als vor Scham isolierte alte Frau charakterisiert, ist sie hier dank des Internet mit der Welt vernetzt: Google und Facebook spielen in den ersten Szenen eine prominente Rolle.
Ein wesentlicher Reiz bei der Rezeption von Klassikern ist jedoch die intellektuelle Aktualisierungsarbeit: Was hat der Roman oder das Stück mit der Gegenwart zu tun? Es finden sich immer eine Vielzahl von direkten und indirekten Bezügen. Transponiert man einen Klassiker zu plump in die Gegenwart, nimmt man einerseits dem Publikum dieses grandiose kognitive Vergnügen, und erklärt es andererseits implizit für zu dumm, diese Geistesarbeit überhaupt noch zu erbringen. Deshalb ziehe ich Theatermenschen wie Andrea Breth vor, welche den Text möglichst unangetastet lassen.

Doch selbst die Aktualisierung geht in diesem Fall schief: Borkman selbst ist im Stück ein verknöcherter, verbitterter Ex-Bankdirektor, der wegen Finanzbetrugs fünf Jahre im Gefängnis saß. Ein arroganter Anzugträger. Hier wird er zu einem Clown mit pennerähnlichen Zügen degradiert. Von der Handlung her gesehen gibt es in Zeiten der Finanzkrisen kein aktuelleres Ibsendrama. Die Vorstandsetagen der Banken sind voller machtgieriger und sich selbst überschätzender Borkmans. Hier den Fokus auf eine clowneske Lächerlichkeit zu legen, ist eine vertane Chance.

Von diesen grundsätzlichen Erwägungen abgesehen, funktioniert der Abend intrinsisch einwandfrei. Das Ensemble ist schauspielerisch grandios und die mit Kunstschnee tief bedeckte Bühne gibt die Gelegenheit für so manche Gags. Sehenswert also, wenn man sich keinen Ibsen-Klassiker erwartet.

Peter Handke: Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße

Burgtheater 19.3. 2016

Regie: Claus Peymann

„Ich“ im Wechsel zwischen „Ich, Erzähler“ und „Ich, der Dramatische“:
Christopher Nell

Die Unschuldigen, nicht wenige:

Krista Birkner
Fabian Stromberger
Franz J. Csencsits
Anatol Käbisch
Hans Dieter Knebel
Benedikt Paulun
Hermann Scheidleder

Der Wortführer der Unschuldigen oder: Häuptling / Capo
Martin Schwab

unter ihnen mein Doppelgänger:
Felix Strobel
Fabian Stromberger

Die Wortführerin der Unschuldigen oder: Häuptlingsfrau/Häuptlingin/Frau:
Maria Happel

Die Unbekannte von der Landstraße:
Regina Fritsch

Claus Peymann inszeniert Peter Handke am Burgtheater! Eine Ankündigung, welche die Wiener Theaterfreunde naturgemäß aufhorchen ließ. Wer weiß, was Peter Handke in den letzten Jahren (eigentlich: Jahrzehnten) für einen gequirlten Quatsch zusammenschrieb, war weniger aufgeregt. Tatsächlich schlachtet auch das neue Stück Handkes sein Unbehagen an der Moderne weidlich aus. „Ich“ sucht sich ein entlegenes romantisches Stück einer Landstraße aus, in das er mystisch-poetische Qualitäten projiziert, und wo er sich niederlässt. Den vorbeikommenden Pöbel, welcher die hehre Dichterseele belästigt, nennt er die „Unschuldigen“. Das einzig Positive, was ich über den Text sagen kann: Im Dialog mit den Unschuldigen klingt ab und zu etwas wie Selbstkritik an der eigenen Pose an. Es überwiegt freilich die Publikumsbeschimpfung.

Claus Peymann setzt nun sein ganzes Talent in Bewegung, um ein schlechtes Stück in gutes Theater zu verwandeln. Selbstverständlich helfen dabei auch die grandiosen Burgschauspieler, vor allem Maria Happel happelt wieder ganz hervorragend. Hervorzuheben ist auch die gewaltige Leistung des Christopher Nell (und damit meine ich nicht nur den Umfang des teils monströsen Textes). Peymann bemüht besonders den Bühnenapparat, um die Zuschauer am Einschlafen zu hindern. Es blitzt und knallt regelmäßig und auch die Windmaschinen haben mehr zu tun als sonst. Am Ende ergibt das tatsächlich eine sehenswerte Inszenierung.

Wünschenswert wäre freilich, wenn Peymann sein Talent zukünftig nicht mehr an Handke verschwendet.

Maja Haderlap: Engel des Vergessens

Akademietheater 17.3. 2016

Regie: Georg Schmiedleitner

Großmutter: Elisabeth Orth
Mutter: Petra Morzé
Vater: Gregor Bloéb
Ich 1: Alina Fritsch
Ich 2: Alexandra Henkel

Dieses Stück steht vor zwei heiklen Herausforderungen: Einen Roman auf die Bühne zu bringen und das heikle Thema des Konzentrationslagers zu inszenieren. Beides gelingt leider nur in Ansätzen. Das Beste des Abends ist die Sprache. Maja Haderlapp hat sich den Bachmann-Preis für ihren ersten Roman 2011 redlich verdient. Er beschreibt anhand einer slowenischen Familie in Kärnten die Zeit des zweiten Weltkriegs. Die Szenen springen zwischen unterschiedlichen chronologischen Punkten, die schließlich ein Gesamtbild ergeben.

Die Inszenierung hat einige starke Szenen. Etwa wenn Elisabeth Orth als Großmutter ihrer Enkelin von ihren Erfahrungen im KZ Ravensbrück berichtet. Die erste Hälfte des Abends wirkt auf mich immer wieder sehr belanglos bis hin zur Langeweile. Die zweite Hälfte ist dann deutlich besser, weil auch die Geschichte fesselnder wird. Georg Schmiedleitner hat viele gute Regieideen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen formen und oft mehr als Pflichtübungen erscheinen.

Moliere: Der eingebildete Kranke

Burgtheater 18.1. 2016

Regie: Herbert Fritsch

Argan: Joachim Meyerhoff
Toinette, Argands Dienstmädchen: Markus Meyer
Bélinde, dessen zweite Frau: Dorothee Hartinger
Angélique, Argans Tochter: Marie-Luise Stockinger
Louision, ihre kleine Schwester: Marta Kizyma
Cléanthe: Laurence Rupp
Dr. Diafoirus: Ignaz Kirchner
Thomas Diafoirus, dessen Sohn: Simon Jensen
Dr. Purgon, Argans Arzt: Johann Adam Oest
Fleurant, Apotheker: Hermann Scheidleder
Herr de Bonnefois, Notar: Hermann Scheidleder

Nach eineinhalb Stunden verließ ich das Burgtheater in der Pause. Nicht, weil die Inszenierung so fürchterlich war, sondern weil der Inszenierungsstil nicht zur Länge des Abends passt. Es ist nicht einfach, die artifizielle Inszenierungsart des Herbert Fritsch zu beschreiben: Die Figuren sind grotesk gekleidet und bewegen sich dazu passend unnatürlich. Der beste Vergleich sind vermutlich die am meisten verblödelten Monty-Phyton-Sketche. Keiner dieser Sketche ist zehn Minuten lang. Die meisten sind mit guten Gründen viel kürzer, weil diese alberne Überdrehtheit nur in der Kürze funktioniert. Daran kann selbst ein oft sehr komischer Meyerhoff als Argan nichts ändern.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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