Wien Ausstellungen

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Genosse. Jude. Wir wollten nur das Paradies auf Erden

Jüdisches Museum Wien 25.3.18

In der aktuellen Ausstellung beschäftigt sich das Jüdische Museum systematisch mit den jüdischen Protagonisten der revolutionären Bewegungen. Prominent ist hier natürlich die russische Revolution vertreten. Anhand von Texttafeln, Videos und jeder Menge Propagandamaterial dokumentieren die Kuratoren wie Lenins politisches Projekt jüdische Intellektuelle elektrisierte. Auch die diversen Verbindungen nach Wien kommen selbstverständlich nicht zu kurz. Bitter ist die Aufarbeitung, wie linke jüdische Intellektuelle dann systematisch von Stalin ermordet werden. Chronologisch endet die die Schau erfreulicherweise erst mit Gorbatschows Perestroika, so dass auch die jüngere Zeitgeschichte nicht zu kurz kommt. (Bis 1.5.)

The Shape of Time

Kunsthistorisches Museum 11.3. 18

Einmal mehr ist dem Kunsthistorischen Museum hier ein großer Wurf gelungen. Zwar ist es nicht neu, die Klassiker mit Gegenwartskunst zu konfrontieren, aber sowohl die Auswahl als auch die Art der Präsentation eröffnet hier viele neue Blickwinkel: Die 19 modernen Kunstwerke sind nämlich über die gesamte Gemäldegalerie verteilt und liefern somit auch den Anlass für einen kompletten Rundgang.

Diese direkte Gegenüberstellung eines alten und eines neuen Werks lädt zu vielen Assoziationen und Gedanken ein. Wie entwickelte sich ein Sujet über die Jahrhunderte hinweg? Hat sich die Selbstdarstellung von Künstlern verändert? Welche Wirkung haben neue Materialien? Was macht ein Kunstwerk letztendlich zum Klassiker? (Bis 8.7.)

Die Gerechten – Courage ist eine Frage der Entscheidung

Wiener Volkskundemuseum 17.3.18

An den eindrücklichen Besuch in Yad Vashem erinnere ich mich noch gut. Ein ganz kleiner Ausschnitt dieser Erinnerungskultur ist derzeit im Wiener Volkskundemuseum zu sehen. Vorgestellt werden dort jene Menschen, die unter Lebensgefahr Juden in Österreich halfen. Vertreten ist ein breites demographisches Spektrum. Vom Bauern-Ehepaar bis zum Akademiker. Als Gegenpol werden auch österreichische Naziverbrecher präsentiert. Neben Schautafeln gibt es Memorabilia und Augenzeugenberichte auf Video.

In Zeiten, in denen Österreichs Sicherheitsapparat wieder von Rechtsradikalen kontrolliert wird, ist dieser Erinnerung daran, dass Zivilcourage auch unter schwierigsten Umständen möglich ist, wohl so wichtig wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Sehr, sehr schade, dass die Schau insgesamt nur zwei Wochen zu sehen ist. Sie hätte eine Dauerausstellung in Wien verdient! (Bis 31.3.)

Günter Brus: Unruhe nach dem Sturm

21er Haus 11.2.18

Im September wird Günter Brus 80 Jahre alt. Ein guter Anlass für eine große Ausstellung. Brus zählte in den sechziger Jahren mit den Aktionisten und der Wiener Gruppe zu den großen Provokateuren im österreichischen Kunstbetrieb. So überrascht es nicht, dass er mit der österreichischen Polizei und Justiz zu tun bekam. Die heute amüsant zu lesende Anklageschrift ist zu Recht Teil der Retrospektive. Biographisches nimmt allerdings nur einen kleinen Teil ein. Im Mittelpunkt steht das Werk bis in das neue Jahrtausend hinein. Mir war Brus bisher primär durch seine Körperkunst bekannt, von der es natürlich auch jede Menge Fotos zu sehen gibt. Sein bildnerisches Werk sehe ich in diesem Umfang zum ersten Mal. Viele Exponate stammen aus Privatsammlungen. Auffallend ist, dass er sich höchst unterschiedlicher Produktionsformen bedient. Am wenigsten kannte ich bisher seine Grenzüberschreitungen zur Literatur sowie seine satirischen Zeichnungen. Im Ausstellungskontext etwas mühsam zu lesen, aber man sieht schnell, warum er sich im Umfeld der Wiener Gruppe wohlfühlte. Ein anregendes und immer noch sehr aktuelles Stück Wiener Kunstgeschichte.

Die Kraft des Alters

Unteres Belvedere 4.2. 18

Für das Untere Belvedere eine ungewöhnliche Ausstellung, weil sie auch viel zeitgenössische Kunst mit einbezieht. Gerade die Videokunst wie Edgar Honetschlägers Omsch II liefert einige spannende Beiträge zum Thema Alter. Selbstverständlich finden sich auch Wiener Klassiker wie Schiele, Klimt und Kokoschka mit Werken, die entweder alte Menschen porträtieren oder sich mit dem Tod auseinandersetzen. Dass dies auch Käthe Kollwitz gut beherrscht zeigen gleich mehrere ihrer Zeichnungen. Einen weiteren Schwerpunkt bietet die Fotokunst, die zum Thema ja besonders ergiebig ist. Die kuratorische Begleitung ist in der Ausstellung vergleichsweise dünn. Das Thema hätte sich für kunstübergreifende Bezüge angeboten, etwa in Richtung Literatur. Der Begleitkatalog soll allerdings sehr ausführlich sein. Unbedingt einen Besuch wert. (Bis 4.3.)

Ferdinand Hodler & Wien um 1900

Leopold Museum 21.1. 18

Ich bin froh, die eben zu Ende gehende Ausstellung über Ferdinand Hodler noch besucht zu haben. Bisher kannte ich Hodler nur indirekt durch seine Bezüge zur Wiener Kunstgeschichte. Er wurde nämlich erst 1904 durch eine Ausstellung in der Wiener Sezession bekannt und letztlich auch wohlhabend. Selbstverständlich thematisiert die Schau diese Aspekte nicht nur ausführlich, sondern konfrontiert Hodlers Bilder auch immer wieder mit Werken von Künstlern der Wiener Jahrhundertwende. Angelegt sind die Räume chronologisch, weshalb man die ästhetischen Verwandlungen des Schweizers gut nachvollziehen kann. Sehr beeindruckend ist am Ende seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Freundin Valentine Godé-Darel, deren Krebserkrankung er schonungslos zeichnerisch dokumentiert. (Bis 22.1.)

Die eben eröffnete Ausstellung Wien um 1900. Klimt – Moser – Gerstl – Kokoschka richtet sich offensichtlich primär an Touristen. Jeder der Künstler wird in einem Raum knapp und kompetent vorgestellt. Keine neue Perspektive, keine neuen Forschungsergebnisse, keine kuratorische Reflexion. Freilich einige sehr hübsche Bilder und Möbel. Aber das liegt in der Natur der Sache. (Bis 10.6.)

heimat : machen. Das Volkskundemuseum in Wien zwischen Alltag und Politik

In Zeiten, in denen die ehemals bürgerliche ÖVP mit der rechtsradikalen FPÖ in Koalitionsverhandlungen über „Heimatschutz“ spricht und damit schon sprachlich wieder beim Austrofaschismus landet, ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Heimat so dringend, wie lange nicht mehr. Das Wiener Volkskundemuseum macht in seiner aktuellen Ausstellung genau das: Es reflektiert die Verwendung von „Heimat“ seit seiner Gründung und spart speziell die heiklen Phasen des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus nicht aus. Zu sehen sind aus dieser Zeit auch eine Reihe von Originaldokumenten, welche die Intentionen der faschistischen Kulturpolitik deutlich machen. Neben der Sonderausstellung gibt es auch Stationen in der Sammlung des Hauses, etwa wenn die Kuratoren die ideologische Aufladung der Weihnachtskrippe durch den Austrofaschismus erläutern.

Raffael und Rubens in Wien

Albertina 31.10. 17

Es ist erfreulich, dass die Albertina so viele Werke eines der größten Maler der Kunstgeschichte in Wien versammeln konnte. Raffael ist der jüngste unter den berühmten Malern der Hochrenaissance und lernte viel von seinen älteren Kollegen Leonardo da Vinci und Michelangelo als er nach seiner Lehre in Perugia am Anfang des 16. Jahrhunderts nach Florenz gekommen war. Trotzdem findet er schnell zu seinem bis heute bewunderten eigenen Stil. Später entwickelte sich dann bei Italienreisenden die Frage zum intellektuellen Sport, wer denn der größere Maler gewesen sei, Michelangelo oder Raffael? Nachzulesen nicht zuletzt bei Goethe.

Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf Raffaels Zeichnungen (130 Werke), zeigt aber immerhin auch achtzehn Gemälde. Viele Leihgaben stammen aus dem Ashmolean Museum Oxford, dem Kooperationspartner für die die Schau. Zu den berühmtesten Arbeiten Raffaels zählen die Fresken im Vatikan, von denen Vorstudien als Zeichnungen zu sehen sind. Didaktisch hilfreich sind auch die kleinen Reproduktionen der Fresken als Orientierungshilfe und Vergleichsmaßstab. Kuratorisch bietet die Schau wenig Überraschungen: Es werden die Werkkomplexe chronologisch aufgearbeitet mit dem Fokus auf deren Entstehung und Raffaels Arbeitsprozess.

Kunsthistorisches Museum 3.11. 17

Diese Vorgehensweise wählen auch die Kuratoren der Rubens-Schau im Kunsthistorischen Museum. Allerdings sind sie dabei deutlich konsequenter, indem sie Rubens Bilder mit denen anderer Maler direkt konfrontieren (etwa Tizian) und sogar auf Gipsgüsse zurückgreifen, wie auf die Laokoon-Gruppe oder dem Torso vom Belvedere. So hervorragend nachvollziehbar aufbereitet sieht man kunstgeschichtliche Prozesse selten in Ausstellungen. Der Untertitel Kraft der Verwandlung trifft deshalb den Nagel auf den Kopf. Das liegt auch am exzellenten Audioguide, der oft in zwei Schritten erläutert: Einen Beitrag für das Kunstwerk, einen weiteren mit einem ausführlichen Kuratoren-Kommentar. In Sachen Leihgaben wurden ebenfalls keine Mühen gescheut, von Petersburg über Paris und London bis hin zu Washington wurden 70 Werke von Rubens eingeflogen. Abgedeckt werden viele unterschiedliche Genres, so dass man sich einen repräsentativen Überblick verschaffen kann. Diese Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ausstellungen in Wien

Buchstäblich am letzten Tag sehe ich mir im 21er Haus noch die neuen Werke des Erwin Wurm an. Seine performativen Skulpturen sind im lichtdurchfluteten Erdgeschoss adäquat präsentiert. Etwas mehr Distanz zwischen den einzelnen Beiträgen hätte allerdings nicht geschadet. Die Ausstellung ist das Ende einer Trilogie, im Verlaufe derer sich Wurm mit der Skulptur als Form auseinandersetzt. Hier wurden viele der Skulpturen jedenfalls sehr rabiat behandelt: Man sieht nicht nur Fuß- und Knieabdrücke in diversen Ton-Arrangements. Einige der Werke scheinen auch überfahren worden zu sein. Ästhetisch durchaus Gedanken anregend. Mir persönlich sind seine ironisch-sarkastischen Werke, die sich unmittelbarer mit der Wirklichkeit auseinandersetzen allerdings lieber. Einige der Gezeigten fallen freilich auch unter diese Kategorie.

Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine im Museum für angewandte Kunst setzt sich im Rahmen der Vienna Biennale mit einem aktuellen Hypethema auseinander. Die Kuratoren nähern sich den Elektronikwesen aus unterschiedlichen Perspektiven an. So zeigen viele Ausstellungsstücke und Filmausschnitte den Umgang mit Robotern in der Populärkultur. Auch das beliebte Thema Industrie 4.0 und die Frage nach der Gefährlichkeit der AI kommt nicht zu kurz. Schließlich gibt es eine große Halle, in der sich diverse Künstler auf sehr unterschiedliche Art mit ihren Zukunftsvisionen beschäftigen. (Bis 1.10.)

Im Prunksaal der Nationalbibliothek beschäftigt man sich in bekannter Manier mit 300 Jahren Freimaurer. Die Schaukästen und Texte stellen die Bewegung einigermaßen chronologisch vor und beginnen mit der Gründung der ersten Loge in London. Anschließend wird die Ausbreitung in Europa und natürlich die Freimaurerei in Österreich ausführlich präsentiert. Auch die Gegner samt ihren Weltverschwörungstheorien kommen nicht zu kurz. Mir führt die geballte Ladung an Freimaurer-Devotionalien einmal mehr vor Augen, dass es sich in Wahrheit auch nur um eine von abstrusen Ritualen dominierte säkulare Religion handelt. Eine Grafik zeigt die unzähligen Hierarchiestufen der Mitglieder. Dagegen verblasst selbst der Hierarchieenthusiasmus des japanischen Kaiserhofs. (Bis 7.1.)

Während ich mir die Flut der Maria-Theresia-Jubiläumsausstellungen nach der mühsamen Reihe mit Franz Joseph spare, sehe ich mir doch Maria Theresia und die Kunst im Unteren Belvedere an. Die Kuratoren näheren sich dem Thema von zwei Seiten: Einerseits sind Porträts und Skulpturen der Kaiserin und ihrer Familie zu sehen. Hochwertige höfische Repräsentationskunst also. Andererseits dokumentieren zahlreiche Werke die Patronage Maria Theresias und geben damit einen interessanten sozialgeschichtlichen Einblick in die Kunstproduktion. Der Umbau des Belvedere‘, die Innengestaltung von Schönbrunn, aber auch Aufträge für Provinzstädte wie Innsbruck werden thematisiert. (Bis 5.11.)

Eine kleine, aber sehr feine Ausstellung zeigt das Papyrus Museum der Österreichischen Nationalbibliothek: Handschriften und Papyri: Wege des Wissens. Anhand ausgewählter Manuskriptfragmente und anhand einiger Handschriften kann man sich mit der Überlieferung unterschiedlicher Dokumentarten vertraut machen. Von antiken Klassikern wie Cicero über spannend zu lesende Privatbriefe bis hin zu Geschäftspost aus dem römischen Reich. Es wird auch korrekt darauf hingewiesen, wie wenig die Christen die antike Überlieferung eigentlich interessierte. Das populistische Gerede über das „christliche Europa“ wird ja mit solchen Details am besten widerlegt. Ohne die islamische Kultur wären Kernwerke der Antike nicht überliefert worden und ohne dieses antike Wissen hätte es das heutige Europa geistig so nie geben können. (Bis 14.1.)

Traurig stimmt der Besuch im Winterpalais, wo Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien auf dem Programm steht. Es ist nämlich die letzte Ausstellung, welche an diesem spektakulären Ort zu sehen sein wird. Ein großer Verlust für die Wiener Kulturwelt, nicht zuletzt weil die großartige Innenarchitektur des Stadtpalais von Prinz Eugen nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Dieses Wissen hindert mich daran, mich voll auf die solide kuratierte Schau zu konzentrieren, welche den für die Wiener Geschichte wichtigen polnischen König anhand diverser Exponate vorstellt. (Bis 1.11.)

Millionaires of Time. Roma in der Ostslowakai

Volkskundemuseum Wien 11.6. 17

Die Ausstellung versucht, den Roma in der Ostslowakei ein individuelles Gesicht zu geben. Das gelingt mit wenigen Fotos, welche in zwei Räumen hängen sowie einem Stapel Fotos, den man durchblättern kann. Der Kern des Projekts sind allerdings viele Interviews, weshalb man zu Beginn einen MP3-Player in die Hand gedrückt bekommt. Einen direkten Bezug zwischen den Fotos und dem Gehörten gibt es nicht. Eine Kuratorenentscheidung, sagt man mir. Trotzdem kann man nicht wenige der Sprechenden leicht identifizieren. Zu hören sind Roma aus Košice, genauer aus dem dortigen Ghetto Luník IX, und aus Šaca, einer Stadt in der Nähe der ukrainischen Grenze. Diese geschilderten Lebenswelten sind teilweise sehr fesselnd. Auch die Spannungen werden ausführlichen thematisiert bzw. direkt durch Aussagen vorgeführt.

Die Betrachtung der Fotos ist schnell abgeschlossen. Danach setze ich mich in den sonnigen Garten des Palais Schönborn und höre mir die gut zwei Stunden langen Interviews an. Das ist angenehm, zeigt aber doch, dass das Konzept der Ausstellung verfehlt ist. Würde man die Audiodateien zum Download anbieten und die Fotos ins Netz stellen, wäre derselbe Zweck erreicht gewesen. (Bis 24.9.)

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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