Wien Ausstellungen

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Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur

Jüdisches Museum Wien 21.5. 2017

Wieder hat sich das Jüdische Museum ein sozialgeschichtliches Thema für seine neue Sonderausstellung ausgesucht: Die Geschichte der jüdischen Kaufhäuser in Wien. Anders als in vergleichbaren Großstädten begann der Wiener Kaufhausboom erst Ende des 19. Jahrhunderts. Viele jüdische Kaufleute nützten die neuen ökonomischen Freiheiten und gründeten imposante Konsumtempel. Vom „Arbeiterkaufhaus“ am Brunnenmarkt bis zu Edeltextilgeschäften in der Innenstadt wurde das gesamte demographische Spektrum angesprochen.
Im Fokus der Schau sind die Besitzer der Warenhäuser und deren Familien, weniger wirtschaftsgeschichtliche Perspektiven, obwohl man dazu auch einige interessante Informationen erhält. Die Blüte dieser jüdischen Geschäftskultur nimmt mit Hitlers Anschluss natürlich ein jähes Ende und die lukrativen Firmen werden schnell arisiert. Der geschäftliche Wiederaufbau nach dem Krieg wird ausführlich dokumentiert. Ich empfehle, sich alle Videos mit den Zeitzeugen anzusehen, weil sie das Gezeigte mit einem individuellen Kontext versehen. (Bis 19.11.)

Ausstellungen in Wien

Zwei sehenswerte Ausstellungen gibt es derzeit in der Albertina: Egon Schiele & Eduard Angeli. Es gibt ja kaum ein Wiener Museum, das nicht einen größeren Bestand an Schiele-Werken hätte, aber die Sammlung an Zeichnungen in der Albertina ist herausragend. Schön, dass sie ihren Bestand wieder einmal in großem Umfang ausstellen. Angeordnet sind die Bilder chronologisch. Einige davon waren mir im Original neu, etwa seine Zeichnungen, die während seines Gefängnisaufenthalts entstanden sind. (Bis 18.6.)
Im Keller ist anlässlich seines 75. Geburtstags eine umfangreiche Retrospektive der Gemälde Eduard Angelis zu sehen, die so ganz anders sind, als man es von der Gegenwartskunst gewöhnt ist: Gegenständlichkeit mit subtilen Widerhaken. Angeli beschäftigt sich mit Räumen und ihre (oft düsteren) Atmosphäre. Menschen interessieren ihn nicht. (Bis 25.6.)

Das Künstlerhaus Wien ist wegen Umbauarbeiten in die Siebenbrunnengasse 26 im fünften Wiener Gemeindebezirk umgezogen und fand eine temporäre Bleibe in dem Stockwerk der ehemaligen Altmann’schen Textilfabrik. Der loftartige Ausstellungsraum eignet sich sehr gut für diesen Zweck. Zu sehen ist dort Das bessere Leben eine politische Konzeptausstellung, die sich mit Problemen der Gegenwart auseinandersetzt, darunter die Flüchtlingskrise. Eingeladen wurden primär Künstler, die einen Bezug zu diesen Themen haben. Prinzipiell bin ich kein großer Freund von „Politik-Kunst“, weil das Ergebnis oft auf Kosten der ästhetischen Qualität geht. Hier gibt es aber eine Reihe von Werken, die Ästhetik mit politischem Anspruch sehr gut verbinden. (Bis 20.5.)

Beide Ausstellungen im Wien Museum sind sehenswert. In der hübsch betitelten Schau Brennen für den Glauben. Wien nach Luther gehen die Kuratoren der protestantischen Phase Wiens nach. Wiens Bevölkerung war nach der Reformation einmal mehrheitlich protestantisch. Viele Stationen zeigen diese Entwicklung und deren spätere Unterdrückung. Es ist sehr viel schönes Druckwerk aus dieser Zeit zu sehen, etwa einer der seltenen Originaldrucke von Luthers 95 Thesen. (Bis 14.5.)
Einen Stock höher setzt man sich mit der Darstellung Wiens aus der Luft auseinander: Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick. Sie zeigt nicht nur historische Pläne und Fotos, sondern beschäftigt sich auch mit der kulturgeschichtlichen Interpretation dieser unterschiedlichen Sichtweisen. (Bis 17.9.)

Allan Sekula: Okeanos & Edward Burtynsky: Wasser

Thyssen-Bornemisza Art Contemporary 2.4. 17
Kunst Haus Wien 16.4. 17

Zwei Gegenwartskünstler mit ähnlichen Themenschwerpunkten sind derzeit mit ihren Werken in Wien zu sehen. Der 2013 verstorbene Allan Sekula beschäftigt sich in seinen Arbeiten aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Weltmeeren und deren Zerstörung. Die TBA21 gibt einen Einblick in seine unterschiedlichen Werkgruppen. Zu sehen sind primär Fotos, allerdings auch drei seiner Videoarbeiten. Sekulas Film über den Fischmarkt in Tokyo sehe ich mir zur Gänze an und fühle mich an meinen Besuch chinesischer Märkte erinnert: Auch dort wird mit Tieren umgegangen als seien sie Gegenstände und keine Lebewesen. (Bis 14.5.)

Fotografien stehen auch im Mittelpunkt des Schaffens von Edward Burtynsky. Er benutzt für seine hochauflösenden Bilder eine 60 Megapixel Kamera (inzwischen 100 Megapixel) und bevorzugt Luftaufnahmen, wofür er Helikopter oder auch eine Drohne einsetzt. Das Ergebnis sind im klassischen Sinn schöne Kunstwerke, von denen einige nicht zufällig an die Meister romantischer Kunst wie Turner oder Spitzweg erinnern. Das Provokante an Burtynskys Arbeiten ist, dass er oft sehr Hässliches und Zerstörtes in dieser wunderschönen Manier dokumentiert. Man ist damit gezwungen sich geistig vom ästhetisch oberflächlich Schönen zum objektiv Hässlichen vorzuarbeiten. Ich sehe mir auch den fünfundsiebzig Minuten langen in Wien gehaltenen Vortrag des Künstlers an, der als Video gezeigt wird. Darin erklärt er kurz seinen künstlerischen Werdegang und geht ausführlich auf die gezeigten Fotos ein. (Bis 27.8.)

Daniel Richter – Lonely Old Slogans

21er Haus 9.4. 17

Ich gehe mehr aus Pflichtgefühl in die Ausstellung, weil ich über Daniel Richter schon mehrmals etwas las, aber nur eine beschränkte Vorstellung von seinem Werk hatte. Doch schnell bin ich sehr beeindruckt. Die Schau gibt einen guten Einblick in sein Werk. Obwohl man einige Stilwechsel erkennen kann, hat Richter doch einen ausgeprägten Personalstil über die Zeit hinweg. Manche Bilder sind verspielt mit Anspielungen auf die Popkultur oder alte Meister. Andere dagegen beeindrucken mit ihrer existenziellen Angst, etwa wenn sie Gewalt, Krieg oder Einsamkeit thematisieren. Zumindest assoziiere ich das mit nicht wenigen Bildern. Seine Farbpalette reicht von monochrom bis grell bunt. Sehr sehenswert ist auch der gezeigte Film mit einem ausführlichen Gespräch über Richters Werdegang, Ästhetik und seine politischen Ansichten.

Ausstellungen in Wien: Handyfilmen & Maria Theresia

Volkskunde Museum Wien 12.3. 17
Prunksaal der Nationalbibliothek 12.3. 17

Enttäuscht lässt mich Handyfilmen. Jugend. Alltag. Medienkultur zurück. Das Thema wäre interessant. Die Umsetzung dieser an der Universität Zürich konzipierten Wanderausstellung geht aber nicht genügend in die Tiefe. Auf großen Hand-Skulpturen sind Touchscreens angebracht auf denen man themenspezifisch angeordnet diverse Handyfilme von Jugendlichen ansehen kann. Vor jedem Film erhält man einen kurzen erläuternden Text. Das ist alles solide gemacht, enthielt für mich aber keine Überraschungen. Lobenswert ist natürlich die Intention, uns Erwachsenen diverse Vorurteile darüber zu nehmen, was die Teenies da so alles auf ihren Smartphones haben. Abgesehen von den kurzen Kontexttexten fehlt aber eine weiter gehende Analyse. Außerdem fehlen Beispiele für die „dunklere“ Seite der Medaille, die es ja sehr wohl gibt. Schade, aus dem Thema hätte man mehr machen können. (Bis 7.5.)

Mehr machen können hätte man auch aus der Maria-Theresia-Ausstellung im Prunksaal der Nationalbibliothek. Sie ist mit ihrer Kombination aus überwiegend thematischen Schautafeln und ausgewählten, teils sehr schönen veranschaulichenden Objekten und Büchern in Vitrinen darunter, zwar sorgfältig kuratiert. Es findet sich aber so gar nichts darunter, das eine neue Perspektive oder neue Gedanken über sie anregen würde. Einige ihrer dunklen Seiten, wie ihr talibanähnlicher Sittenwahn, kommen überhaupt nicht zur Sprache. (Bis 5.6.)

Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938 & Horowitz. 50 Jahre Menschenbilder

Jüdisches Museum 5.2. 2017

Das Haupthaus in der Dorothergasse zeigt eine sowohl kunst- als auch sozialgeschichtliche spannende Ausstellung, dokumentiert sie doch Leben & Werk von Künstlerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wobei man sich die biographischen Informationen jeweils über sein Smartphone holen muss. Wie schwierig es die Damen hatten, wird vielfältig ersichtlich. Nicht nur mussten sie eigene Vereinigungen gründen, weil sie lange aus den Männerbünden ausgeschlossen waren. Auch zur akademischen Ausbildung wurden sie bekanntlich erst spät zugelassen. Bezeichnend sind auch die diversen Beschimpfungen durch ihre männlichen Kollegen, so lästerte Adolf Loos über „dilettantische Hofratstöchter“ und Julius Klinger sprach vom „Weiberkunstgewerbe“. Die Schau ist nicht übermäßig umfangreich und fasst die Werke thematisch zusammen, etwa zur Avantgarde oder sozialkritischen Kunst. Es wird auch eine Dokumentation über Anna Mahler gezeigt. (Bis 1.5.)

Im Haus am Judenplatz ist eine kleine, feine Fotografie-Ausstellung zu sehen. Der Wiener Fotograf Michael Horowitz geht dieser Beschäftigung nun seit 50 Jahren nach und dokumentiert nicht nur in seinen Porträts die Zeitgeschichte. Alleine das berühmte Foto von Thomas Bernhard auf seinem Fahrrad und jene von H.C. Artmann lohnen den Besuch. Fesselnd sind auch die gezeigten Farbfotos zum Zeitgeschehen, darunter ein sehr treffendes von einer Norbert-Hofer-Wahlkampfveranstaltung. (Bis 28.5.)

Himmlisch! Der Barockbildhauer Johann Georg Pinsel

Winterpalais 22.1. 2017

Mir war der Barockkünstler Johann Georg Pinsel bisher unbekannt. Ein Fehler! Die kleine, aber feine Ausstellung im Winterpalais zeigt einen ästhetisch ausgesprochen innovativen Kopf. Das zeigt sich weniger in den „manierierten“ Körperhaltungen seiner Skulpturen – nicht ungewöhnlich im Barock -, sondern in seiner avantgardistischen Gestaltung der Kleidung. Die Bekleidung mancher Skulpturen wirkt so abstrakt, dass man diese Kunstwerke bei oberflächlicher Betrachtung auch ins 20. Jahrhundert stecken könnte. Ein ausgesprochen bemerkenswerter Personalstil für einen aus der Provinz (in der Nähe Lembergs) stammenden Künstler. Bis 12.2.

Georgia O’Keeffe

Kunstforum Wien 11.12. 16

Ich nutze die Gelegenheit dieser Retrospektive, um mich erstmals etwas ausführlicher mit Georgia O’Keeffe zu beschäftigen. Bisher war ihr Werk in Europa noch nicht oft zu sehen, weshalb dieses Ausstellungsprojekt sehr zu begrüßen ist. Vor Wien war die Schau in der Tate Modern in London zu sehen und zog dort 340.000 Besucher an. Ihre Arbeiten sind im wörtlichen Sinne regional, also durch ihre unterschiedlichen Wohnorte geprägt. Zu Beginn etwa durch ihr Leben in Texas. Danach durch ihren Aufenthalt in New York und in der Sommerfrische am Lake George. Später verbrachte sie viel Zeit in New Mexico, dessen Landschaft sie faszinierte und inspirierte.

Als eine der ersten Frauen, die sich in den USA als Avantgarde-Künstlerin etablieren konnte, erregt sie Zeit ihres Lebens immer wieder großes Aufsehen. Ihre Beziehung und spätere Heirat mit dem Galeristen Alfred Stieglitz, gleichzeitig einer der wichtigsten Fotografen seiner Zeit, war kreativ für beide Beteiligte sehr fruchtbar. Die Ausstellung gibt einen guten Überblick über alle Phasen ihres Schaffens, von den frühen Zeichnungen bis zur späteren Landschaftsmalerei. Mich persönlich sprechen ihre berühmten Blumenbilder am wenigsten an, wohingegen mich ihre abstrakten Werke durchaus faszinieren. Wie alle großen Kreativen entwickelt sie einen unverkennbaren ästhetischen Personalstil über alle ihre Genres hinweg.

Alles in allem eine sehr solide und kompetent kuratierte Ausstellung. Zu sehen ist auch ein instruktiver Dokumentarfilm mit der etwa 90-jährigen Künstlerin. (Bis 26.3.)

Edmund de Waal trifft Albrecht Dürer: During the Night

Kunsthistorisches Museum 8.12. 2016

Zwei Mal bin ich in den letzten Monaten kurz durch den Raum gegangen und konnte wenig mit der Ausstellung anfangen. Der Grund ist einfach: Man muss sich intensiv mit de Waals Konzept auseinandersetzen, um die von ihm kuratierte Schau zu verstehen. Ohne Audioguide (englische Version, wenn möglich!) oder Führung wird man nämlich nur eine willkürliche Zusammenstellung von Kunstwerken aus dem KHM wahrnehmen.

Ausgehend von einem Albtraum Dürers gestaltet de Waal diverse Vitrinen, welche um das semantische Feld der Nacht kreisen, das der Künstler freilich assoziativ in unterschiedliche Richtungen erweitert. Das Dunkle, Geheimnisvolle, Angsterregende sind Themen. Den Reiz der Ausstellung macht nicht nur dieser intellektuelle Gesamtzusammenhang aus, sondern auch die höchst unterschiedlichen Werke, die sich de Waal herauspickte. Für jedes Werk gibt es von ihm dazu eine eigene kleine Geschichte. Fasziniert ist er nicht zuletzt von unterschiedlichen Materialien und ihrer Bearbeitung.

Ein wohltuend „anderes“ Ausstellungskonzept. (Bis 29.1.)

Wie alles begann – Von Galaxien, Quarks und Kollisionen

Naturhistorisches Museum 2.11. 2016

Eine kleine, aber feine Ausstellung. Sie führt den Besucher nicht nur in wichtige kosmologische, astrophysikalische Themen ein, sondern auch in die Teilchenphysik. Optisch und didaktisch ist die Darstellung sehr ansprechend. Nicht nur werden beeindruckende Hubble-Aufnahmen hübsch präsentiert. Es gibt auch die Videosimulation einer „Reise“ durch das Weltall, in der man beispielsweise die Milchstraße durchquert. Auch der Urknall ist so zugänglich dargestellt, wie das für ein so komplexe Ereignis möglich ist: Man kann an der Entstehung des Universums quasi entlang entgehen. Das CERN bekommt ebenfalls eine ausführliche Station. (Bis 1.5.)

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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