Kulturveranstaltungen

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Bruckner: Symphonie Nr. 8

Wiener Musikverein 9.6.
Cleveland Symphony Orchestra
Christoph von Dohnany

Obwohl ich (vor allem bei den Salzburger Festspielen) schon viele amerikanische Orchester hörte, erstaunt mich immer wieder deren technische Perfektion. Das Cleveland SO bildet hier keine Ausnahme. Bruckners monumentale Achte wurde makellos dargeboten: differenzierte Streicher, höchst präzise Blechbläser. Die Interpretation fand einen gelungenen Kompromiss zwischen Analytizität und Emotionalität. Abgesehen von zwei (!) spontanen Handyeinsätzen, ein gelungener Konzertabend.

Burgtheater 2002/2003

Seit gestern liegt der neue Spielplan auf dem Tisch. Scheint eine spannende Saison zu werden [ORF Online via Internetarchiv].

Werner Heisenberg – Ein Widerstandskämpfer?

Es kommt selten vor, dass Dramatiker einen konkreten Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte leisten. Michael Frayn gebührt diese Ehre, da sein Stück „Kopenhagen“ eine heftige Debatte auslöste und nun zur Publikation neuer Materialien führte. Der Gelehrtenstreit spielte sich vor allem in der „New York Review of Books“ ab*, zuletzt in der Ausgabe 5/2002. Das Niels Bohr Archiv veröffentlichte vor ein paar Monaten überraschend unbekannte Briefe Bohrs, die das ominöse Treffen zwischen ihm und Heisenberg zum Thema haben. Nun ziehen Michael Frayn und Thomas Powers eine Bilanz der Diskussion. Powers ist einer der heftigsten Verteidiger von Heisenberg und vertritt die These, der Physiker habe bewusst den Bau einer Atombombe verhindert. Die Mehrheit der Experten weist diese Ansicht strikt zurück, so Gerald Holton und Jonothan Logan in ihren ausführlichen Repliken in Nr. 6/2002.

Siehe die ingesamt über drei Jahre (!) laufenden Beiträge zum Thema: The Unanswered Question (Rezension von K/Copenhagen, 9/2000. May), Heisenberg in Copenhagen (16/2000, October), Heisenberg in Copenhagen: An Exchange (2/2001, Feb.), ‚Copenhagen‘ Revisited (5/2002, March), What Bohr Remembered (5/2002, March), ‚Copenhagen‘: An Exchange (6/2002, April), Copenhagen, cont’d. (8/2002, May), A Letter from Copenhagen (13/2003, August)

Wagner: Die Walküre

Wiener Staatsoper 9.5.
Regie: Adolf Dresen
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Siegmund: Clifton Forbis
Hunding: Kurt Rydll
Wotan: John Tomlinson
Sieglinde: Deborah Polaski
Brünnhilde: Luana DeVol

Der erste Aufzug war etwas schwach: Clifton Forbis hatte sein Debüt an der Staatsoper, war entsprechend nervös und sang (daher?) für einen Wagner-Tenor zu kraftlos. Brillant dagegen fast alle anderen, insbesondere der auch schauspielerisch beachtliche John Tomlinson (Wotan) und Luana DeVol (Brünnhilde), die ein atemberaubendes Finale sangen. Das Staatsopernorchester brauchte auch eine Stunde Zeit, bis es zur Höchstform auflief. Ein ästhetisch sehr ansprechender Opernabend. Ach ja, die Inszenierung war nicht weiter störend :-)

Beethoven: Symphonien Nr. 2 und Nr. 5

Wiener Musikverein 5.5.
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Simon Rattle

Es gibt eine für mich unerklärliche Scheu innerhalb des klassischen Konzertbetriebs, Beethovens Fünfte zu spielen. Mahlers Fünfte wird sehr viel öfter gegeben, sogar eine Reihe von Raritäten kann man regelmäßiger hören als eine der wichtigsten Werke der Symphoniegeschichte.

Von einer „Abnutzung“ des Werks (oder welche abstrusen Anschauungen auch immer diesem Verhalten zugrunde liegen) kann keine Rede sein, das bewies Rattles Interpretation mit Nachdruck. Mit etwas Fantasie konnte man sich gut vorstellen, als wie un-erhört dieses Werk von Beethovens Zeitgenossen empfunden werden musste.

Beethoven: Symphonien Nr. 1 und Nr. 3

Wiener Musikverein 1.5.
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Simon Rattle

Eines der herausragendsten Konzertereignisse in diesem Frühling ist die Aufführung aller Symphonien Beethovens mit den Wiener Philharmonikern unter Simon Rattle. Die Konzerte werden erstmals alle live auf Ö1 zu hören sein, darüberhinaus dienen die Aufnahmen als Basis für eine CD-Gesamteinspielung bei EMI.

Der Auftakt war viel versprechend, Rattles Interpretation baut teilweise auf den Erkenntnissen der Originalklangbewegung auf, ohne die Wiener Philharmoniker klanglich künstlich zu beschneiden. Das Ergebnis ist eine brillante, dynamisch fein schattierte Interpretation, die das Publikum berechtigterweise in helle Begeisterung versetzte. Morgen höre ich live noch das zweite Konzert, danach bin ich ebenfalls auf das Radio angewiesen.

Zyklus Alban Berg Quartett: 4. Konzert

Hugo Wolf: Italienische Serenade G-Dur
Robert Schumann: Streichquartett A-Dur op. 41/3
Béla Bartók: Streichquartett Nr. 4
Wiener Konzerthaus 29.4.

Nun beginnt skandalöserweise wieder die Alban-Berg-Quartett-lose Zeit des Jahres, das nächste Konzert gibt es erst im Januar. Der Abschluss des Zyklus war hervorragend, vor allem Günter Pichler (1. Violine) war so in Hochform, dass es ihn kaum auf seinem Stuhl gehalten hat. Bei Bartók wurde jede denkbare Klangnuance ausgeschöpft, von den leisesten, kaum hörbaren Tönen bis zum furiosen nur gezupften Satz.

Samuel Beckett: Glückliche Tage

Akademietheater 30.4.02
Regie: Edith Clever
Winnie: Jutta Lampe
Willie: Urs Hefti

Nach dem beeindruckenden Konzert am Montag, folgte gestern ein höchst mittelmäßiger Theaterabend. Mag man Edith Clever als Schauspielerin auch schätzen, diese Regiearbeit zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass auf Einfälle völlig verzichtet wurde, eine Regie bar jeder Regieidee.

Das Ergebnis war eine museale Beckett-Inszenierung, die im Erdhaufen steckende Jutta Lampe zwar durchaus sehenswert, aber man hätte sich doch mehr erwartet. Immerhin wurde deutlich, dass Becketts dramatische Arbeiten wesentlich haltbarer sind als vieles, was vor vierzig Jahren entstand: Die biederen Lehrstücke eines Max Frisch etwa, werden längst zur Theatergeschichte zählen, wenn Beckett auf der Bühne immer noch zu faszinieren vermögen wird.

Sibylle Berg: Hund Frau Mann

Kasino/Burgtheater 18.4.02
Regie: Stephan Müller
Sabine Haupt, Edmund Telgenkämper, Hanspeter Müller

Die Geschichte klingt banal: Männlicher Single trifft auf weiblichen Single, eine Beziehung bricht über die beiden herein, die üblichen Probleme beginnen. Das Originelle kommt mit dem Hund ins Spiel, aus dessen Perspektive die Handlung erzählt wird.

Über die Qualität des kurzen Textes kann ich mangels Lektüre nichts sagen, die Inszenierung war aber sehr furios. Dreh- und Angelpunkt war eine riesige Videoprojektionsfläche im Hintergrund auf die mit Hilfe von Handkameras nicht nur Großaufnahmen der Gesichter projiziert wurden. Habe bisher kaum einen so gelungenen Einsatz von Videotechnik auf der Bühne gesehen. Offen bleibt jedoch, ob das Stück auch ohne solche „Bühnentricks“ tragfähig wäre. Ein überzeugender Theaterabend, so viel ist sicher.

Shakespeare: Viel Lärm um Nichts

Theater an der Josefstadt am 7.4.02
Regie: Marcello de Nardo
Michael Dangl, Valentin Schreyer, Sandra Cervik, Herbert Föttinger

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie eine 400 Jahre alte Komödie ein heutiges Theaterpublikum in den Bann zu ziehen vermag. Voraussetzung sind natürlich ausgezeichnete Schauspieler und eine plausible Inszenierung. Das Bühnenbild war vergleichsweise abstrakt (eine Art Rampe mit zwei Ebenen, ideal auch zum Herumturnen). Marcello de Nardo siedelte die Handlung im Mafiamilieu an, ohne seine Inszenzierung penetrant darauf aufzubauen. Musikalisch sorgten Liebesschnulzen diverser Musiksparten regelmäßig für ironische Distanz.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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