Konzerte

San Francisco Symphony Orchestra

Dirigent: Tilson Thomas

Wiener Konzerthaus 21.5.

Wiener Singakademie, Chor
Laura Claycomb, Sopran
Katarina Karnéus, Mezzosopran
Michael Tilson Thomas, Dirigent

Gustav Mahler
Symphonie Nr. 2 c-moll für Sopran, Alt, Chor und Orchester «Auferstehungs-Symphonie» (1888-1894)

Mahlers Zweite ist ein schönes Beispiel dafür, dass Größenwahn im Bereich der Kultur, anders als etwa in der Politik, zu großartigen Ergebnissen führen kann. Alles an dem Werk ist monumental. Vom metaphysischen Anspruch bis zur orchestralen Umsetzung. Letztere führt auch heute noch einen Orchesterbetrieb an seine Grenzen angesichts der Vielzahl an Beteiligten. So war das Podium im Großen Saal des Konzerthauses auch bis zum Bersten voll.

Tilsons Interpretation der Symphonie spielte die furiosen Passagen voll aus, legte sich aber dafür in den leisen Passagen höchste Zurückhaltung auf, was für eine interessante Spannung sorgte. Das Orchester war technisch glänzend disponiert. Speziell die Bläser legten eine Referenzleistung hin. Die Solistinnen und der Chor sangen ebenfalls makellos. Insgesamt also eine höchst hörenswerte Aufführung.

Wiener Konzerthaus 22.5.

Henry Cowell: Synchrony (1931)
Alban Berg: Violinkonzert «Dem Andenken eines Engels» (1935)
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 5 c-moll op. 67 (1804-1808)

Mit dem amerikanischen Komponisten Henry Cowell hatte ich in diesem Konzert meinen Erstkontakt. Cowells Musik war im Vergleich zu seinen komponierenden Landsleuten avantgardistisch und so überrascht es nicht, dass er die musikalische Avantgarde in den USA maßgeblich mitprägte.
Alban Bergs Violinkonzert klingt auch nach siebzig Jahren noch frisch und aufregend, was man nicht von jeder Komposition aus dieser Zeit behaupten kann. Die Interpretation war zupackend und direkt. Beide Stücke wurden auf technisch erstklassigem Niveau gespielt.

Spannend nach der Pause dann die Fünfte von Beethoven. Wie würde Tilson dieses so oft gespielte Werk anlegen? Er entschied sich für eine unprätentiöse Interpretation. Ich wäre fast geneigt, von einer „klassisch amerikanischen“ Interpretation zu sprechen. Die Besetzung war vergleichsweise groß und Tilson ließ sein Orchester sehr auf Effekte fokussiert spielen. Ganz so als hätte es in den letzten Jahrzehnten keine andere Sichtweisen auf die Musik dieser Zeit gegeben. Das Hörlerlebnis war aber ein durchaus erfreuliches.

Wiener Konzerthaus 25.5.

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 9 (1908-1909)

Bei Mahlers Neunter wählte Tilson einen ganz anderen Zugang als zu Beethovens Fünfter. Es war eine intellektuelle, sehr kopflastige Interpretation. Bekanntlich endet die Symphonie mit einem langsamen Verklingen. Die Musik wird leiser und leiser bis sie am Ende verstummt. Dieses metaphysisch aufgeladene Motiv der Stille stand im Zentrum der subtilen Aufführung. Die leisen Stellen ließ Tilson unglaublich langsam, bis zum Zerreißen ausspielen. Mit so gedehnten Tempi hörte ich die Neunte noch nie. Tilson gab viele Denkanstöße. Man könnte auch sagen, seine Herangehensweise richtete sich mehr an das Großhirn als an das Stammhirn (bei Beethoven war es genau umgekehrt). Das SFO spielte auch dieses Konzert auf einem technischen Weltklasse-Niveau. Es gehört aktuell ohne Zweifel zu den Spitzenorchestern. Wer in San Francisco wohnt, der braucht sich keine Sorgen machen, dass er musikalisch depravieren könnte.

Wiener Philharmoniker / Mariss Jansons

Anton Webern: Im Sommerwind
Hector Berlioz: Les Nuits d’été op. 7
Brahms: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73
(Salzburger Festspiele 24.8.)

Jansons mit den Wiener Philharmonikern ist gemeinhin eine solide Kombination. Ich erinnere mich an exzellente Mahler- und Schostakowitsch-Interpretationen. An diesem Sonntag Vormittag jedoch wurde nur guter Durchschnitt geboten. Anton Weberns selten gespieltes frühes Stück wurde noch sehr konzentriert aufgeführt. Den Liederzyklus Les Nuits d’été spielte man schon sehr routiniert herunter, auch die Solistin Elina Garanca konnte mit ihrer Interpretation ohne Tiefgang keinen großen Wurf landen.
Brahms berühmtes Werk schließlich wurde völlig akzentlos zu Gehör gebracht. Nicht schlecht, aber die Wiener Philharmoniker hätten das in dieser Form sicher auch ohne Dirigent zustande gebracht.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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