Ausstellungen

12

Salzburger Ausstellungen

Museum der Moderne 15.8. 2016
Salzburg Museum 16.8. 2016

Salzburg ist mit sich selbst beschäftigt. Mit seiner Kulturgeschichte setzt sich das Museum der Moderne in Anti:modern auseinander. Die Ausstellung versucht, die städtische Kulturszene der Stadt in die Entwicklung der Moderne einzubetten. Um einen Kontext zu bieten, wird der Zuseher anhand teils pittoresk antiquierter statistischer und geographischer Schautafeln in den Kontext der Moderne eingeführt, etwa der Stadtentwicklung. Danach geht es (mehr oder weniger) chronologisch weiter. Salzburg gilt nicht zu Unrecht als eine konservative, antimoderne Stadt. Die Festspiele waren lange ein ästhetisches Bollwerk gegen die Avantgarde. Diese Seite der Stadt wird nicht ausgeblendet, aber ihr werden progressivere Tendenzen gegenübergestellt, so dass man am Ende ein differenziertes Bild hat. Diese Differenzierung geht bis in die Sozialgeschichte hinein: So kann man Interviews mit ehemaligen Halleiner „Tschikweibern“ hören, die damals in Hallein in einer Tabakfabrik arbeiteten und damit gegen viele soziale Konventionen verstießen. Eine kuratorisch gelungene Angelegenheit.

Enttäuscht verlasse ich dagegen die Am Schauplatz des Salzburg Museums. In einem einzigen Raum, werden acht Orte der Salzburger Geschichte präsentiert. Das ist prinzipiell keine schlechte Idee, aber die Rezeption sieht so aus, dass man sich die Erklärungen des Mediaguides anhört und die wenigen Fotos ansieht. Dazu hätte man keine Ausstellung machen müssen, zumal die chronologische Zeitleiste auch kein sehr innovatives Mittel ist. Deutlich interessanter dort ist die Schatzkammer Salzburg wo temporär aus Salzburg gestohlene Kunstwerke zurückgeholt wurden. Darunter auch mehrere wertvolle frühe Handschriften, die man sonst nicht sehr oft zu sehen bekommt.

Reise-Notizen: New York

März 2012

New York gehört zu den wenigen Städten, in denen ich mich sofort zuhause fühle. Das liegt nicht nur am sensationellen kulturellen Angebot, sondern auch an der Akzeptanz der New Yorker für alles Fremde: Jeder gehört sofort zur Stadt. Egal woher er kommt, egal wie gut sein Englisch ist. New York ist das beste Beispiel, dass Menschen unterschiedlichster Kulturen und Herkunft auf engem Raum zusammenleben können. Deshalb ist es Ideologen aller Couleur so verhasst. Andererseits versichern mir Bekannte, die viele Jahre in New York wohnten, dass der überwiegende Teil dieses Funktionierens auf das Konto der Gleichgültigkeit gebucht werden kann. Das geht freilich nicht alles bei so einer Menschenmasse.

Ich bin nun zum zweiten Mal in der Stadt. Fünf Tage nur und als ich am Ende mit einem exzellent deutsch sprechenden pakistanischen Taxifahrer zum JFK fahre, fasse ich den Entschluss: Nächstes Mal werde ich 2 Wochen in New York verbringen! Mein Vorsatz war, einiges in Ruhe anzusehen anstatt viel in kurzer Zeit. Über den grandiosen Don Giovanni in der MET berichtete ich bereits. Diesem Prinzip fiel unter anderem das Guggenheim Museum zum Opfer. Ausführlich dagegen besuche ich ich das Metropolitan Museum, mit Schwerpunkt auf den klassischen Gemälden, der Mittelalter- und der Orientsammlung. Dass im Metropolitan eine Vielzahl von hochwertigen Kunstwerken zu sehen sind, ist bekannt. Die Art der Präsentation verdient aber auch der Hervorhebung. So sind die mittelalterlichen Skulpturen in großen Hallen ausgestellt, deren Atmosphäre an Kirchenräume erinnert. Oder die famose Präsentation des Tempels von Dendur in einem eigens errichteten riesigen Ausstellungsraum mit einer enormen Glaswand.

Zum ersten Mal betrete ich die Frick Collection, die mich durch ihre Ungewöhnlichkeit sehr beeindruckt. Das Museum ist in der Villa des Multimillionärs Henry Clay Frick (1849-1919) eingerichtet, der sein enormes Vermögen in hochkarätige Klassiker investierte. Die Sammlung ist zwar klein, enthält aber mehr Meisterwerke als viele bekannte Museen, in denen bekanntlich ja auch viel Zweitklassiges ausgestellt wird. Vermeers (Plural!), Rembrandts und Bellinis hängen im buchstäblich im Wohnzimmer der Villa. Keine Nebenwerke versteht sich, sondern das Beste vom Besten. Dieser verrückte Qualitätsanspruch imponiert. Noch nie sah ich so viel großartige Kunst auf so engem Raum.

Wie zu den Zeiten Fricks ist auch heute New York ein Pflaster, auf dem arge Armut neben ungeheuerlichen Reichtum gleichzeitig existiert. Auf einer Schiffsfahrt umrunde ich Manhattan komplett und bin erstaunt, welche hochgradig heruntergekommenen Plattenbauten man in der Bronx sieht. Dermaßen schäbige Wohnsubstanz sah ich zuvor nur in armen Entwicklungsländern. Auf der anderen Seite schlendert man durch dynamische Bobostadtviertel mit ihren Schallplatten- und edlen Weinläden wie Tribec und SoHo.

Ausstellungen in Wien

Liechtenstein Museum 31.5

Bruegel, Rubens, Jordaens…
Meisterwerke europäischer Malerei aus der Hohenbuchauch Collection

Ägypten für Daheimgebliebene. Norbert Bittners Phantasien vom Land am Nil aus der Zeit des Biedermeier

Nach dem Besuch der Strudlhofstiege ging ich spontan nach längerer Zeit wieder ins Palais Liechtenstein, wo im Moment zwei Ausstellungen zu sehen sind. Die erste zeigt eine erstklassige Sammlung mit Gemälden aus dem 17. Jahrhundert, wobei alle Genres vertreten sind. Die Hängung ist sehr dicht (mehrreihig) und man muss die Bilder anhand von Erläuterungstafeln identifizieren, was museumsdidaktisch sicher nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Angesichts der Vielzahl guter Bilder, nahm ich das aber gerne in Kauf. (Bis 2o.9.)

In der Bibliothek des Palais kann man die Aquarellserie des Norbert Bittner über Ägypten bewundern. Dass Bittner nie selbst in Ägypten war, sondern seine fiktive Bilderreise aus den gängigen Bildquellen seiner Zeit zusammenstellte, gibt dem Ganzen eine pikante Note. Das Bibliotheksambiente ist ein sehr eindrucksvoller Rahmen für die Ausstellung. (Bis 20.9.)

Kunsthistorisches Museum 2.6.

Dürer – Cranach – Holbein
Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500

Die Geschichte des Portraits fand ich nicht nur kunsthistorisch immer schon faszinierend, sondern auch „anthroplogisch“. Verrät es doch, trotz aller Konventionen, viel darüber, wie sich Menschen in der Vergangenheit selbst sahen und gesehen werden wollten. Die neue Schau im KHM bietet dem Betrachter nun die Möglichkeit, sich umfassend über den Beginn der neuzeitlichen Porträtkunst in Deutschland zur Dürerzeit zu informieren. Zusätzlich zu vielen Bildern aus dem Haus wurden hochwertige Leihgaben u.a. aus Berlin und London eingeflogen. Zu sehen, wie die formalisierten Darstellungen des Spätmittelalters durch „lebendige“ Menschen abgelöst werden, ist sehr erhellend. (Bis 4.9.)

Wien Museum 3.6.

Der Dombau von St. Stephan –
Die Originalpläne aus dem Mittelalter

Im Haus am Karlsplatz ist eine sehr instruktive Schau dem Wiener Stephansdom gewidmet. Zu sehen sind nicht nur viele Originalpläne der damaligen Baumeister, sondern die einzelnen Stationen geben einen ausführlichen Einblick in das „Projekt“ Dombau. Wer waren die Auftragsgeber? Wie wurde der Bau finanziert? Wie war die Baustelle organisiert? etc.
Zusätzlich haben die Kuratoren Ansichten der Kathedrale zusammengetragen, von alten Gemälden bis hin zu neuen Souvenirs. Für an Wien Interessierte ein Pflichttermin. (Bis 21.8.)

Egon Schiele: Selbstporträts und Porträts

Unteres Belvedere 30.5.

Viel, vermutlich zu viel Impressionismus und Expressionismus sah ich den letzten 10 Jahren. Dass Schiele zu den besten „Expressiven“ gehört, läßt sich noch bis 13. Juni in der Orangerie des Belvedere verifizieren. Zu sehen sind dort viele seiner Selbstporträts, abwechselnd mit diversen gemalten und gezeichneten Porträts. Die Bilder sind chronologisch sortiert, so dass man Schieles Entwicklung vom mit sich selbst beschäftigten jungen Mann bis zu seinen reiferen Phasen Revue passieren lassen kann. So geballt ausgestellt, tritt die Monomanie des Künstlers besonderns stark hervor. Aber er reflektiert auch andere soziale Situationen, wenn er etwa unglaublich ausdrucksstark die Ausdruckslosigkeit einer jungen Familie malt.

Die Kultur der Kulturrevolution

Personenkult und politisches Design im China von Mao Zedong
Museum für Völkerkunde 23.4.

Die Ausstellung wurde vom ehemaligen ORF Journalisten Helmut Opletal kuratiert, aus dessen Sammlung auch viele der gezeigten Gegenstände stammen. Gezeigt werden in erster Linie Alltags-Kultobjekte, welche den Personenkult rund um Mao dokumentieren. Anstecker, Tassen, Spielzeug, Büsten und vieles mehr füllen die Vitrinen. Ergänzt wird dieser Kern durch Kontextinformationen rund um die Kulturrevolution. Wer auf den Videos sieht, wie große Statuen Maos jubelnd durch die Straßen geschoben wird, der kann sich nur über so viel Dummheit wundern, Mao als Vertreter der Gleichheitsideal zu idealisieren.

Die Ausstellung vermittelt ausgezeichnet, wie grotesk der Personenkult rund um Mao war, und mit welchen offenkundig absurden Mitteln Ideologien im Alltag funktionieren. Aufklärung in Aufstellungsform ist immer begrüßenswert. Bis 19.9.

Aiwasowski: Maler des Meeres

Bank Austria Kunstforum 26.4.

Anstatt wie sonst auf bekannte Namen zu setzen, will das Kunstforum mit der aktuellen Ausstellung den vor allen Russland und der Ukraine berühmten Marine-Maler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817 – 1900) auch hierzulande bekannt machen. Tatsächlich sah ich bisher kaum so effektive und technisch perfekte Meeresgemälde wie die von Aiwasowski gemalten. Das Meer auf seinen Bildern hat eine so strahlende Leuchtkraft, dass Zeitgenossen verlangten, hinter die Gemälde zu sehen, wo sie Laternen oder andere „Tricks“ vermuteten.

Aiwasowskis Bilder sind voll romantischem Pathos und setzen schamlos auf die Schiffsbruch-Metaphorik. Boshaft könnte man ihn als Boulevard-Maler auf höchstem technischen Niveau bezeichnen. Deshalb ist es auch fehl am Platz, ihn mit William Turner zu vergleichen, was offenbar ein Topos in der Aiwasowski-Rezeption ist. Richtig ist, dass auch Turner sehr furiose und effektvolle Marinemalerei betrieb. Seine ästhetische Entwicklung war aber eine völlig andere. Während Aiwaskowski bis zu seinem Tod überwiegend seiner realistischen Technik verhaftet blieb, entwickelte sich Turners Spätwerk formal immer mehr in Richtung Abstraktion. Turner zählte zu seiner Zeit zur formalen Avantgarde. Ihn nur aufgrund der Thematik mit Aiwasowski zu vergleichen, kratzt höchstens an der Oberfläche.

Die Bilder der Ausstellung sind jedenfalls sehr beeindruckend. Man kann sich nur schwer wieder von ihnen trennen. Wer nicht regelmäßig in die Eremitage kommt, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. (Bis 10.7.)

Roboterträume

Kunsthaus Graz 28.1.

Im Kooperation mit dem Museum Tinguely aus Basel setzt sich die Ausstellung mit den diversen Facetten von Robotern auseinander. Popkulturelle Referenzen findet man ebenso wie Bezüge zur Debatte rund um Künstliche Intelligenz. Die Breite der gezeigten Kunstwerke ist groß. Von quasi dadaistischen Kunstinstallationen über Roboter, die den Zuseher zur Interaktion auffordern, bis hin zu insektenähnlichen, Unbehagen einflößenden Maschinen. Roboterträume ist eine der gelungensten modernen Ausstellungen, die ich seit längerer Zeit sah. Das hängt nicht zuletzt mit der ironischen Perspektive zusammen, welche viele der Kunstwerke zum Thema einnehmen. Nur noch bis 20.2.

Sandro Botticelli

Städel Museum Frankfurt 13.2.

Beim Durchblättern diverser Kunstbände zur Renaissance-Malerei fand ich Botticellis Bilder lange nicht übermäßig ansprechend. Die Farben wirkten blass im Vergleich zu Kollegen. Dann sah ich in der National Gallery in London zum ersten Mal Botticelli im Original, fand das hinreißend und stellte fest, dass sich seine subtile Malkunst einfach schlecht für Reproduktionen eignet.

Als ich im Herbst von der Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel las, war der Entschluss für eine Frankfurt-Reise schnell gefasst. Gestern war es schließlich so weit. Ein Notizen-Leser war so freundlich und organisierte mir vorher Eintrittskarten, so dass wir die beeindruckend lange Schlange (270.000 Besucher bisher) umgehen und direkt in die Ausstellung gelangen konnten.

Erwartungsgemäß war sie sehr überlaufen.  Es ergab sich aber trotzdem die Möglichkeit, auf die meisten Bilder einen ruhigen Blick zu werfen. Das Städel hat eine überraschend große Menge an Gemälden zusammengetragen. Viele allerdings aus entlegenen Quellen (Privatbesitz; Provinzmuseen aus den USA…). So sieht man viele seiner Werke, die einem auf absehbare Zeit sicher nicht mehr begegnen werden. Die berühmten Ikonen Botticellis waren vom Städel natürrlich nicht zu bekommen.

Um die Ausstellungsräume zu füllen, waren auch viele Produktionen aus seinem Umfeld bzw. seiner Werkstatt ausgestellt. Trotzdem gibt die in thematisch Räume strukturierte Ausstellung einen guten Überblick über Botticellis Ästhetik und seine stilistische Entwicklung. Ich werde im Mai die Uffizien besuchen und damit die in Frankfurt fehlenden Hauptwerke nachholen können.

Edgar Degas. Intimität und Pose

Hamburger Kunsthalle 9.2.

Außer der hier bereits gewürdigten Hackert-Exhibition zeigt die Kunsthalle auch noch eine Ausstellung über Edgar Degas. Der Schwerpunkt liegt auf den zahlreichen Tänzerinnen-Darstellungen des Impressionisten. Es sind eine Reihe von Skulpturen, viele Zeichnungen und auch einige Gemälde zu sehen. Kunstgeschichtlich wird bekanntlich immer die „Natürlichkeit“ betont, mit der Degas den weiblichen Körper darstellte. Sehr zu Recht, wie man dort sehen kann. Leider sind die Exponate viel zu eng platziert und die mangelnde räumliche Großzügigkeit schadet den Werken sehr.

Matisse – Menschen, Masken, Modelle

Bucerius Kunstforum 9.2.

Matisse ist natürlich einer der Namen der Kunstwelt, der „zieht“. So gab es bereits eine Schlange an der Kasse und die beiden Ausstellungsräume waren ebenfalls gut besucht. Man konnte sich die Bilder und Skulpturen aber noch in Ruhe ansehen.

Der Schwerpunkt der Schau liegt auf gemalten Portraits, allerdings sind auch ausgewählte Skulpturen und Zeichnungen vertreten. Letztere sind in einem eigenen Raum im zweiten Stock untergebracht.  Was die Bilder angeht, so sind darunter hochkarätige Leihgaben. Die „Madmoiselle H.D.“ hatte mich schon in New York fasziniert. Die Ausstellung gibt einen guten Eindruck über Matisse‘ ästhetische Entwicklung. Sehr interessant sind die vielfältigen Bezüge zu seinen Modellen. Die eigene Familie musste selbstverständlich posieren, aber auch professionelle Modelle kamen zum Zug. Selbst die Sammler seiner Werke wurden abgebildet, etwa das Ehepaar Stein, von denen zwei Portraits zu sehen sind.

12
  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Kategorien

Tweets