Kulturveranstaltungen

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Tennessee Williams: Die Glasmenagerie

Akademietheater 12.4. 18

Regie: David Bösch

Amanda Wingfield, die Mutter: Regina Fritsch
Laura Wingfield, ihre Tochter: Sarah Viktoria Frick
Tom Wingfield, ihr Sohn: Merlin Sandmeyer
Jim O’Connor, ein netter junger Mann: Martin Vischer

David Bösch ist ein im besten Sinne literarischer Regisseur. Wenn ein Theatertext Ruhe braucht, wird er von ihm nicht mit unzähligen Regieideen überschüttet. So bekomme ich an diesem Abend endlich wieder einmal hervorragendes Literaturtheater präsentiert. Es passt alles: Der schäbige Dachboden als Bühnenbild, auf den ab und zu der Regen prasselt. Die Schauspieler(innen) liefern ausnahmelos tadellose Interpretationen ab. Regina Fritsch kann ihre dramatischen Stärken ebenso ausspielen wie Sarah Viktoria Frick ihren Hang zu Außenseitern. Merlin Sandmeyer nimmt man das Leiden an seinem langweiligen Leben auch von Anfang an ab. Martin Vischer gibt O’Connor als bürgerliche Kontrastfigur, auch wenn er ökonomisch nicht viel besser dasteht als sein Bekannter Tom.

Die Glasmenagerie wurde 1945 uraufgeführt und eine Nebenerkenntnis des Stücks ist, dass sich in Sachen sozialer Absicherung in den USA seit 1945 nichts Grundsätzliches verbessert hat. Ein gelungener Theaterabend.

Genosse. Jude. Wir wollten nur das Paradies auf Erden

Jüdisches Museum Wien 25.3.18

In der aktuellen Ausstellung beschäftigt sich das Jüdische Museum systematisch mit den jüdischen Protagonisten der revolutionären Bewegungen. Prominent ist hier natürlich die russische Revolution vertreten. Anhand von Texttafeln, Videos und jeder Menge Propagandamaterial dokumentieren die Kuratoren wie Lenins politisches Projekt jüdische Intellektuelle elektrisierte. Auch die diversen Verbindungen nach Wien kommen selbstverständlich nicht zu kurz. Bitter ist die Aufarbeitung, wie linke jüdische Intellektuelle dann systematisch von Stalin ermordet werden. Chronologisch endet die die Schau erfreulicherweise erst mit Gorbatschows Perestroika, so dass auch die jüngere Zeitgeschichte nicht zu kurz kommt. (Bis 1.5.)

The Shape of Time

Kunsthistorisches Museum 11.3. 18

Einmal mehr ist dem Kunsthistorischen Museum hier ein großer Wurf gelungen. Zwar ist es nicht neu, die Klassiker mit Gegenwartskunst zu konfrontieren, aber sowohl die Auswahl als auch die Art der Präsentation eröffnet hier viele neue Blickwinkel: Die 19 modernen Kunstwerke sind nämlich über die gesamte Gemäldegalerie verteilt und liefern somit auch den Anlass für einen kompletten Rundgang.

Diese direkte Gegenüberstellung eines alten und eines neuen Werks lädt zu vielen Assoziationen und Gedanken ein. Wie entwickelte sich ein Sujet über die Jahrhunderte hinweg? Hat sich die Selbstdarstellung von Künstlern verändert? Welche Wirkung haben neue Materialien? Was macht ein Kunstwerk letztendlich zum Klassiker? (Bis 8.7.)

La Boheme

Wiener Staatsoper 14.3.18

Dirigentin: Speranza Scappucci
Regie und Bühnenbild: Franco Zeffirelli

Rodolfo: Jean-François Borras
Mimì: Anita Hartig
Marcello: Orhan Yildiz
Musetta: Valentina Nafornita
Schaunard: Igor Onishchenko
Colline: Jongmin Park
Benoit: Marcus Pelz
Alcindoro: Marcus Pelz

Musikalisch makellos in einer peinlich verstaubten Inszenierung. Mehr ist nicht zu sagen.

Die Gerechten – Courage ist eine Frage der Entscheidung

Wiener Volkskundemuseum 17.3.18

An den eindrücklichen Besuch in Yad Vashem erinnere ich mich noch gut. Ein ganz kleiner Ausschnitt dieser Erinnerungskultur ist derzeit im Wiener Volkskundemuseum zu sehen. Vorgestellt werden dort jene Menschen, die unter Lebensgefahr Juden in Österreich halfen. Vertreten ist ein breites demographisches Spektrum. Vom Bauern-Ehepaar bis zum Akademiker. Als Gegenpol werden auch österreichische Naziverbrecher präsentiert. Neben Schautafeln gibt es Memorabilia und Augenzeugenberichte auf Video.

In Zeiten, in denen Österreichs Sicherheitsapparat wieder von Rechtsradikalen kontrolliert wird, ist dieser Erinnerung daran, dass Zivilcourage auch unter schwierigsten Umständen möglich ist, wohl so wichtig wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Sehr, sehr schade, dass die Schau insgesamt nur zwei Wochen zu sehen ist. Sie hätte eine Dauerausstellung in Wien verdient! (Bis 31.3.)

Ferdinand Schmalz: jedermann (stirbt)

Burgtheater 1.3. 18

Regie: Stefan Bachmann

jedermann: Markus Hering
jedermanns frau: Katharina Lorenz
jedermanns mutter: Elisabeth Augustin
buhlschaft tod Barbara Petritsch
dicker vetter Markus Meyer
dünner vetter Sebastian Wendelin
armer nachbar/gott: Oliver Stokowski
mammon/gute werke: Mavie Hörbiger

Hofmannsthals Jedermann ist anachronistischer Moralkitsch, der dank des jahrzehntelangen erfolgreichen Marketings der Salzburger Festspiele zu einem der bekanntesten österreichischen Dramen wurde. Eine Art früher Paulo Coelho. Schon bei der Berliner Uraufführung am 1. Dezember 1911 durch Max Reinhard war es formal und inhaltlich nicht viel mehr als eine plumpe Transposition eines mittelalterlichen Moralstücks in die Gegenwart. Eine Gegenwart, die Stücke von Strindberg, Ibsen oder Hauptmann auf die Bühne brachte. Ginge es nach mir, wäre Jedermann längst aus dem Kanon verschwunden. Immerhin eignet sich das Drama als Beispiel, dass die Zeit nicht zwangsläufig schlechte Qualität aus der Kulturgeschichte beseitigt.

Das Burgtheater beauftragte nun Ferdinand Schmalz damit, diesen literaturgeschichtlichen Unfall zu modernisieren. Ihm gelingt das auch sehr passabel, indem er den ärgsten religiösen Kitsch beseitigt und Jedermann in die Welt der Hochfinanz transponiert. Aber auch er kann ein schlechtes Stück nicht in ein literarisches Highlight verwandeln. Was Inszenierung und schauspielerische Leistung angeht, ist der Abend aber sehr erfreulich. Bachmanns Regieidee, ein hoch in der Mitte der Bühne trommelartiges „Hamsterrad“ zu verwenden, funktioniert ebenso ausgezeichnet wie der Minimalismus der Ausstattung und der Kostüme die Einfachheit der Textstruktur spiegelt. Hier wurde einmal mehr viel Theaterkompetenz am falschen Objekt erprobt.

Cuarteto Casals: Beethoven Zyklus

Wiener Konzerthaus 16.2. – 25.2 18

Cuarteto Casals
Vera Martínez: Violine
Abel Tomàs: Violine
Jonathan Brown: Viola
Arnaud Tomàs: Violoncello

16.2.
Ludwig van Beethoven

Streichquartett F-Dur op. 18/1 (1799-1800)
Sonate E-Dur op. 14/1 (Fassung für Streichquartett) (1799/1801-1802)

***

Aureliano Cattaneo
neben (2016) (EA)

Ludwig van Beethoven
Streichquartett e-moll op. 59/2 (1805-1806)

17.2.

Ludwig van Beethoven
Streichquartett A-Dur op. 18/5 (1799)

Lucio Amanti
Streichquartett «ReSolUtIo» (EA)

Ludwig van Beethoven
Streichquartett Es-Dur op. 74 «Harfen-Quartett» (1809)

***

Streichquartett Es-Dur op. 127 (1822-1825)

18.2.

Ludwig van Beethoven

Streichquartett D-Dur op. 18/3 (1799)
Streichquartett G-Dur op. 18/2 (1799-1800)

***

Giovanni Sollima
Streichquartett B267 (EA)

Ludwig van Beethoven
Streichquartett F-Dur op. 59/1 (1805-1806)

23.2.

Ludwig van Beethoven
Streichquartett f-moll op. 95 (1810)

Francisco Coll
Cantos. Hyperlude IV (Fassung für Streichquartett) (EA)

***

Ludwig van Beethoven
Streichquartett B-Dur op. 130 (mit Große Fuge B-Dur op. 133) (1825)

24.2.

Ludwig van Beethoven

Streichquartett B-Dur op. 18/6 (1800)
Streichquartett a-moll op. 132 (1825)

***

Matan Porat
Streichquartett «Otzma» (EA)

Ludwig van Beethoven
Streichquartett F-Dur op. 135 (1826)

25.2.

Ludwig van Beethoven

Streichquartett c-moll op. 18/4 (1799)
Streichquartett C-Dur op. 59/3 (1805-1806)

***

Mauricio Sotelo
Streichquartett Nr. 4 Quasals vB–131 (EA)

Ludwig van Beethoven
Streichquartett cis-moll op. 131 (1825-1826)

Alle Streichquartette Beethovens an einem Wochenende zu hören, ist naturgemäß ein faszinierendes Erlebnis. Zumal jedes der sechs Konzerte durch die Auftragskomposition eines Gegenwartskomponisten angereichert ist. Viele davon als moderne Auseinandersetzung mit Beethovens Werken konzipiert. Sein Werkkomplex zählt zweifellos zu den kreativsten und originellsten der Kulturgeschichte überhaupt. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was Beethoven hier zwischen ungeleerten Nachttöpfen und verschimmelten Speckbroten an ästhetischer Brillanz zu Papier brachte.

Jedes Ensemble steht vor der Schwierigkeit, die Quartette in einem neuen Licht zu präsentieren. Denn das scheint die allgemeine Erwartungshaltung im Musikbetrieb zu sein. Manche setzen auf Extravaganz, andere auf möglichst historische Interpretationen. Das Cuarteto Casals setzt auf einen Mittelweg: Die lauten und schnellen Passagen werden sehr vehement gespielt. Leider auch historisch unpassend bei den frühen Streichquartetten, wo Beethoven noch explizit auf Mozarts Spuren wandelt. Die langsamen und lyrischen Passagen werden dagegen teilweise so stark zurückgenommen, dass es ihnen manchmal die Spannung nimmt. Die Interpretation erscheint mir deshalb teilweise als sehr binär. Das mag freilich auch daran liegen, dass ich meine Aufnahme des Alban Berg Quartetts zu sehr gewöhnt bin.

Zurecht macht man sich gerne über die „Sandwich-Methode“ lustig, die ein zeitgenössisches Stück zwischen zwei klassische Kompositionen packt. Bei diesem Zyklus funktioniert das Konzept allerdings ausgezeichnet. Aufgrund der großen Unterschiedlichkeit der Stile, von „jazzig“ bis atonal-rhythmisch, bekommt man eine hübsche Rundschau über die zeitgenössische Konzertkomposition.

Insgesamt ein sehr ansprechendes kulturelles Erlebnis.

Günter Brus: Unruhe nach dem Sturm

21er Haus 11.2.18

Im September wird Günter Brus 80 Jahre alt. Ein guter Anlass für eine große Ausstellung. Brus zählte in den sechziger Jahren mit den Aktionisten und der Wiener Gruppe zu den großen Provokateuren im österreichischen Kunstbetrieb. So überrascht es nicht, dass er mit der österreichischen Polizei und Justiz zu tun bekam. Die heute amüsant zu lesende Anklageschrift ist zu Recht Teil der Retrospektive. Biographisches nimmt allerdings nur einen kleinen Teil ein. Im Mittelpunkt steht das Werk bis in das neue Jahrtausend hinein. Mir war Brus bisher primär durch seine Körperkunst bekannt, von der es natürlich auch jede Menge Fotos zu sehen gibt. Sein bildnerisches Werk sehe ich in diesem Umfang zum ersten Mal. Viele Exponate stammen aus Privatsammlungen. Auffallend ist, dass er sich höchst unterschiedlicher Produktionsformen bedient. Am wenigsten kannte ich bisher seine Grenzüberschreitungen zur Literatur sowie seine satirischen Zeichnungen. Im Ausstellungskontext etwas mühsam zu lesen, aber man sieht schnell, warum er sich im Umfeld der Wiener Gruppe wohlfühlte. Ein anregendes und immer noch sehr aktuelles Stück Wiener Kunstgeschichte.

Die Kraft des Alters

Unteres Belvedere 4.2. 18

Für das Untere Belvedere eine ungewöhnliche Ausstellung, weil sie auch viel zeitgenössische Kunst mit einbezieht. Gerade die Videokunst wie Edgar Honetschlägers Omsch II liefert einige spannende Beiträge zum Thema Alter. Selbstverständlich finden sich auch Wiener Klassiker wie Schiele, Klimt und Kokoschka mit Werken, die entweder alte Menschen porträtieren oder sich mit dem Tod auseinandersetzen. Dass dies auch Käthe Kollwitz gut beherrscht zeigen gleich mehrere ihrer Zeichnungen. Einen weiteren Schwerpunkt bietet die Fotokunst, die zum Thema ja besonders ergiebig ist. Die kuratorische Begleitung ist in der Ausstellung vergleichsweise dünn. Das Thema hätte sich für kunstübergreifende Bezüge angeboten, etwa in Richtung Literatur. Der Begleitkatalog soll allerdings sehr ausführlich sein. Unbedingt einen Besuch wert. (Bis 4.3.)

Ewald Palmetshofer: Vor Sonnenaufgang

Akademietheater 18.1. 18

Regie: Dušan David Parízek

Egon Krause: Michael Abendroth
Annemarie Krause, Egon Krauses zweite Frau: Dörte Lyssewski
Helene, jüngere Tochter aus Krauses erster Ehe: Marie-Luise Stockinger
Martha, ältere Tochter aus Krauses erster Ehe: Stefanie Dvorak
Thomas Hoffmann, Marthas Ehemann: Markus Meyer
Alfred Loth: Michael Maertens
Dr. Peter Schimmelpfennig: Fabian Krüger

Wenn man Klassiker aktualisiert, sollte das Ergebnis einen Mehrwert bringen. Der ist bei Ewald Palmetshofers Bearbeitung im Akademietheater nur bedingt der Fall. Die ästhetische Qualität von Hauptmanns Stück steckt in dessen Naturalismus. Sprachlich und szenisch bleibt nur wenig davon übrig. Dass der Theaterabend trotzdem gelungen ist, verdanken wir dem erstklassigen Ensemble und der Aktualität des Themas. In Zeiten, wo ein politischer Opportunist wie der neue junge österreichische Bundeskanzler aus Machtgier jegliche ethische Standards über Bord wirft, trifft eine Studie über den politischen Wandel des Thomas Hoffmann einen wichtigen Aspekt der Gegenwart. Während seiner Studentenzeit war er noch ein sozialer Idealist, hat sich inzwischen aber anders als sein Studienfreund Alfred Loth ins konservative Lager geschlagen. Viel Spannung schlägt die Inszenierung aber aus diesem Konflikt nicht heraus. Keine Warnung, aber auch keine klare Empfehlung meinerseits.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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