Klassiker

Ryunosuke Akutagawa: Rashomon. Erzählungen

Wie immer besteht ein Teil meiner Reisevorbereitungen in der Auseinandersetzung mit der Literatur des Landes. So beschäftige ich mich seit dem Herbst immer wieder mit japanischen Klassikern. Der berühmteste, Murasaki Shikibus mittelalterlicher The Tale of Genji, ist ein Langzeitprojekt. Sehr bekannt in Nippon ist auch Ryunosuke Akutagawa, einer der einflussreichsten Erzähler der japanischen Moderne und ein Zeitgenosse von Musil, Kafka und Joyce. Freilich war Akutagawa ästhetisch nicht so modern, wie seine Kollegen in Europa. „Modern“ in Japan meint in dieser Zeit primär westlich, und der Autor schlägt in seinen Erzählungen viele Brücken zwischen dem traditionellen und dem modernen Japan. Die Modernisierung des Landes nach der Meiji Restauration 1868 innerhalb weniger Jahrzehnte zählt überhaupt zu einer der spannendsten Perioden der Weltgeschichte.

Akutagawa gelingt diese Überbrückung, indem er eine Reihe von bekannten historischen Stoffen, teilweise aus der Sagenwelt, in moderner Prosa neu erzählt. Er bringt damit traditionelle Inhalte in eine westliche Form und reichert sie zusätzlich noch mit einer individualistischen Psychologie an. Statt auf überlieferte Werte zu setzen, stehen Beobachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven im Mittelpunkt seiner Prosa. Seine erste Kurzgeschichte, Rashomon, ist wegen ihrer Düsterheit gleich eine seiner besten und im Westen vor allem durch den gleichnamigen Film Kurosawas bekannt, der sie gemeinsam mit der Erzählung Im Dickicht zu einem der berühmtesten Klassiker der Filmgeschichte verarbeitete.

Die im dicken Sammelband – 450 eng gesetzte Seiten – enthaltenen 26 Prosawerke lesen sich trotz aller stilistischen Gemeinsamkeiten sehr abwechslungsreich. Ein Interesse an japanischer Kultur und Geschichte sollte man für die Lektüre aber mitbringen.

Ryunosuke Akutagawa: Rashomon. Erzählungen (Sammlung Luchterhand)

Ibsen: Die Wildente

Theater an der Josefstadt 30.6. 17

Regie: Mateja Koležnik

Großhändler Håkon Werle: Michael König
Gregers Werle, sein Sohn: Raphael von Bargen
Der alte Ekdal: Siegfried Walther
Hjalmar Ekdal, sein Sohn, Fotograf: Roman Schmelzer
Gina Ekdal, Hjalmars Frau: Gerti Drassl
Hedvig, beider Tochter: Maresi Riegner
Frau Sørby, Werles Haushälterin: Susa Meyer
Relling, Arzt: Peter Scholz
Molvik, ehemaliger Theologe: Alexander Absenger

Die Wildente in achtzig Minuten? Bekanntlich schätze ich Texttreue im Theater sehr: Wenn ein Regisseur einen Klassiker zu sehr kürzt, bin ich erst einmal sehr skeptisch. Diese Inszenierung ist aber ein Beispiel dafür, dass es keine absoluten Kriterien für gelungene Kunstwerke gibt: Sie funktioniert nämlich überraschend gut. Das Bühnenbild besteht aus einer großen Treppe, die von links unten nach rechts oben führt, und auf der sich die komplette Handlung abspielt. Zu sehen ist noch der Zugang zum Dachboden in dem das titelgebende Federvieh residiert.

Das Tempo ist naturgemäß hoch, was den Fokus sehr auf die sich entwickelnde Familientragödie legt, und auf Kosten der von Ibsen intendierten Symbolik (Wildente!) geht. Für die semantische Aufladung der Symbole ist die Zeit schlicht zu knapp. Schauspielerisch ist das Niveau ohne Ausnahme sehr hoch. Ein empfehlenswerter Theaterabend.

Stefan Zweig: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam

Stefan Zweig gehörte noch nie zu meinen Lieblingsklassikern. Manche seiner Bücher wie Maria Stuart kann ich wegen der stilistisch grauenvoll schnörkelhaften Sprache gar nicht lesen. Brillant dagegen ist seine Autobiographie Die Welt von gestern. Angeregt durch den Film Vor der Morgenröte, der Zweigs Exilzeit gelungen thematisiert, greife ich zu seinem 1934 erschienenen Buch Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam.

Auf den ersten Blick schließt es an seine erfolgreichen Werke über diverse Geistesgrößen und die Sternstunden der Menschheit an. Die Metabene des Textes ist aber noch spannender als der eigentliche Inhalt. Sie kreist primär um die Frage: Wie soll sich ein Intellektueller in einer historischen Krisensituation moralisch verhalten? Was für Erasmus von Rotterdam die Reformation war, war für Zweig der Nationalsozialismus. Wie Erasmus tat sich Zweig lange schwer, konkret Stellung zu beziehen. Alles, was Zweig in dieser Sache über Erasmus schreibt, liest sich wie eine ausführliche Selbstrechtfertigung:

Die Vernunft, sie, die ewige und still geduldige, kann warten und beharren. Manchmal, wenn die anderen trunken toben, muß sie schweigen und verstummen.
[S. 23]

Der Geistige darf nicht Partei nehmen, sein Reich ist die Gerechtigkeit, die allenthalben über jedem Zwiespalt steht.
[S. 111]

Manche Passagen des Buches lesen sich dagegen heute so aktuell wie seit den Dreißigern nicht mehr:

Bei den durchschnittlichen Naturen fordert auch der Haß sein düsteres Recht neben der bloßen Liebesgewalt, und der Eigennutz des einzelnen will von jeder Idee auch rasche persönliche Nutznießung. Immer wird der Masse das Konkrete, das Greifbare eingängiger sein als das Abstrakte, immer darum im Politischen die Parole am leichtesten Anhang finden, die statt eines Ideals eine Gegnerschaft proklamiert, einen bequem faßbaren, handlichen Gegensatz, der gegen eine andere Klasse, eine andere Rasse, eine andere Religion sich wendet, denn am leichtesten kann der Fanatismus seine frevlerische Flamme am Hass entzünden.
[S. 15]

Erst der Fanatismus, dieser Bastard aus Geist und Gewalt, der die Diktatur eines, und zwar seines Gedankens, als der einzig erlaubten Glaubens- und Lebensform dem ganzen Universum aufzwingen will, zerspaltet die menschliche Gemeinschaft in Feinde oder Freunde, Anhänger oder Gegner, Helden oder Verbrecher, Gläubige oder Ketzer; weil er nur sein System anerkennt und nur seine Wahrheit wahrhaben will, muß er zur Gewalt greifen, um jede andere innerhalb der gottgewollten Vielfalt der Erscheinungen zu unterdrücken. Alle gewaltsamen Einschränkungen der Geistesfreiheit, der Meinungsfreiheit, Inquisition und Zensur, Scheiterhaufen und Schafott hat nicht die blinde Gewalt in die Welt gesetzt, sondern der starrblickende Fanatismus, dieser Genius der Einseitigkeit und Erbfeind der Universalität, dieser Gefangene einer einzigen Idee, der in sen Gefängnis immer die ganze Welt zu zerren und zu sperren versucht.
[S. 90]

Tatsächlich ist des Erasmus Versuch, in einer vom Fanatismus geprägten Zeit, eine objektive Sicht beizubehalten, bis heute eine vorbildliche intellektuelle Haltung. Zweig porträtiert Erasmus sehr anschaulich und spitzt in seiner typischen Art den Konflikt zwischen Erasmus und Luther so zu, dass ein spannendes Narrativ entsteht. Was Erasmus philosophische Positionen angeht, bleibt er freilich populär an der Oberfläche.

Stefan Zweig: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam (Fischer-TB)

John Williams: Butcher’s Crossing

Kürzlich schrieb ich an dieser Stelle wie sehr mich Williams Roman Stoner beeindruckt. So sehr, dass ich schnell einen zweiten Roman des Autors lesen wollte.

Insgesamt ist Butcher’s Crossing (1960) leider eine große Enttäuschung. Das liegt nicht an der grundsätzlich guten Idee des Romans: Der dreiundzwanzigjährige Andrews verlässt abenteuerlustig seine Eliteuniversität im Osten und bricht auf der Suche nach Selbsterkenntnis und einem besseren Verständnis seines Landes Richtung Westen auf. Eine Art in den wilden Westen verlegter Bildungsroman also. Dort finanziert er – entgegen allen Warnungen – eine wagemutige Buffallo-Jagdpartie. Gemeinsam mit drei schrägen Typen suchen sie eine in den Bergen versteckte Herde, veranstalten einen soliden Massenmord, werden eingeschneit und kommen erst nach vielen Entbehrungen wieder nach Butcher’s Crossing zurück. Erfolglos sei angemerkt, weil sie ihre Felle in einem reißenden Fluss bei der Rückkehr ebenso verlieren wie einen ihrer Jagdkameraden.

Die größte Leistung des John Williams ist sicher, den Mythos des Wilden Westens durch eine naturalistische Schilderung zu ersetzen. Die Strapazen, der Dreck, die mangelnde Hygiene oder der Leichengestank werden ausführlich beschrieben. Diese ausführlichen Beschreibungen sind auch das größte ästhetische Problem: Williams klebt an jedem Detail. Anders als bei Stoner induziert diese Schreibweise weder eine symbolische Lesart noch einen formal spannenden Erzählrhythmus. Ohne diese zusätzliche Bedeutungsebene bleibt Butcher’s Crossing ein solides Stück Literatur, ist aber weit entfernt von der Multidimensionalität, welche einen guten Klassiker auszeichnet.

John Williams: Butcher’s Crossing (Vintage Classics)

Natsume Soseki: Kokoro

Wenn ich mich auf eine Studienreise vorbereite, beschäftige ich mich meistens auch mit der Literatur eines Landes. Über meinen Erstkontakt mit Haruku Murakami berichtete ich bereits. Ein ganz anderes literarisches Kaliber ist Natsume Soseki, der als einer der wichtigsten Klassiker seines Landes gilt. 1867 geboren wird er Zeitzeuge der wohl größten Revolution in der japanischen Geschichte: Die gezielte Ausrichtung auf den Westen. Innerhalb weniger Jahrzehnte kopiert Japan das westliche „Erfolgsmodell“, einer der beeindruckendsten Modernisierungsschübe der Weltgeschichte. Soseki ist auch persönlich davon betroffen, wird er doch von seiner Regierung nach England zur weiteren Ausbildung geschickt. Die Zeit in London (1901-1903) sind eine schwere Zeit für ihn. Er verbringt sie die meiste Zeit lesend und lernt intensiv die westliche Literaturtradition kennen.

Zeiten starker Veränderung produzieren nicht selten große Kunst. Sosekis Werke belegen diese kulturgeschichtliche Beobachtung. Kokoro zeigt die kulturelle Veränderung Japans auf eine sehr subtile Art und Weise. Im Mittelpunkt steht eine Lehrer-Schüler-Beziehung, die im asiatischen Raum zu den wichtigsten sozialen Beziehungen zählt. Der junge Ich-Erzähler ist ein Student und sucht die Beziehung zu einem älteren Herrn, den er zufällig trifft und „Sensei“ nennt, ein respektvoller Titel für einen älteren Lehrer. Es stellt sich schnell heraus, dass dieser Sensei, der völlig zurückgezogen mit seiner Frau lebt, ein Misanthrop ist. Die Ursache dieser Misanthropie liegt in Erlebnissen seiner Vergangenheit. Alle Versuche seines jungen Freundes, diese Geheimnisse zu ergründen, scheitern zu Beginn.

Der zweite Teil des Romans beschäftigt sich primär mit dem jungen Ich-Erzähler, der aus Tokio zu seinem sterbenden Vater zurückkehrt, und durch diese Erfahrung emotional und intellektuell reift. Er bekommt einen dicken Brief seines Sensei, welcher die Lebensbeichte seines Lehrers enthält und den letzten Teil des Romans bildet. Wir werden darin nicht nur Zeuge, wie der Sensei in seiner Jugend durch einen betrügerischen Onkel um einen großen Teil seines Erbes gebracht wird, sondern sehen ebenfalls eine tiefe Freundschaft wegen einer jungen Frau in einem tragischen Suizid enden. Soseki löst hier geschickt viele Anspielungen aus dem ersten Teil des Romans auf.

Das ist stilistisch auf hohem Niveau geschrieben und kombiniert eine tragische Lebensgeschichte gekonnt mit den kulturellen Veränderungen Japans in dieser Zeit. Mein einziger ästhetische Einwand wäre, dass der Roman mit dem Ende des Briefes abbricht, was die Geschichte des Schülers strukturell unbefriedigend offen lässt. Das tut der literarischen Größe Kokoros aber keinen Abbruch und angesichts der hohen literarischen Qualität ist es erstaunlich, warum Natsume Soseki im Westen nicht viel mehr Leser hat.

Natsume Soseki: Kokoro (Manesse)

John Williams: Stoner

Bis zum Jahr 2013 dauerte es, bis die Literaturwelt John Williams Roman Stoner erneut entdeckte. The Greatest American Novel You’ve Never Heard Of titelte etwa der New Yorker. Es dauerte weitere vier Jahre, bis ich nun selbst das Buch las, und eine Entdeckung ist dieser Klassiker zweifellos.

Als Stoner 1965 erschien gab es eine kurze Rezension und er war nach einem Jahr wieder vom Buchmarkt verschwunden. Auf den ersten Blick ist der Roman tatsächlich ziemlich unscheinbar. Nicht nur handelt er von einem eigentlich völlig uninteressanten durchschnittlichen Provinzprofessor, sondern er ist formal auch anspruchslos: Eine realistisch erzählte Geschichte. Von literarischen Mitteln der Moderne kaum eine Spur.

Trotzdem entwickelt die Lektüre sofort einen Sog, obwohl die Handlung kaum Elemente hat, die man üblicherweise als „spannend“ klassifizierte. Der erste Teil ist primär ein Bildungsroman. Der aus ärmlichen Farmer-Verhältnissen Junge William Stoner wird für das Studium der Agrarwissenschaften an ein College geschickt. Die Unterkunft bei Verwandten muss er sich durch die Arbeit als Knecht verdienen. In einem einführenden Kurs entdeckt er plötzlich die Literatur: Ein literarisches Erweckungserlebnis. Er ist so begabt, dass er schließlich als Professor dort sein gesamtes Leben verbringen wird, was Williams gleich am Beginn des Buches so beschreibt:

He did not rise above the rank of assistant professor, and few students remembered him with any sharpness after they had taken his courses.

Garniert ist das Ganze mit einer problematischen Ehe sowie beruflichem Mobbing.

Was Stoner zu großer Literatur macht, ist, dass der Roman diese Themen mit einer Leichtigkeit transzendiert, die man bei realistischer Literatur nur selten findet. Williams gelingt es etwa, Stoners Geistesleben so lebendig zu schildern, dass man seine Erweckungserlebnisse – Musil würde hier vom „anderen Zustand“ schreiben – mit großer Intensität versteht. Der Text transformiert Stoners Leben in ein symbolisches Lehrstück der Vergänglichkeit und bekommt dadurch beinahe etwas Nihilistisches.

John Williams: Stoner: A Novel (Vintage)

Aischylos: Die Orestie

Gleich zwei Anlässe habe ich, die Orestie wieder einmal zu lesen. Zum einen die bei Reclam in einem schönen bibliophilen Band erschienene Neuübersetzung durch Kurt Steinmann. Zum anderen die neue Inszenierung der Trilogie im Burgtheater.

Aischylos ist aus vielen Gründen einer der wichtigsten antiken Klassiker. Nicht nur begründet er mit der Tragödie eine der bis heute einflussreichsten Kunstformen. Auch ästhetisch setzt er mit seinen strukturellen und sprachlichen Elementen ein wichtiges Fundament für die Weltliteratur. So führt er als erster einen zweiten Schauspieler ein und erfindet damit den Dialog. Gleichzeitig sind seine Dramen Dokumente aus einer der spannendsten Epochen der europäischen Geschichte, weil Aischylos sie kurz nach der Einführung der Demokratie in Athen schreibt. In einer Phase also, in der diese revolutionäre Regierungsform noch von vielen Seiten unter Druck steht, nicht zuletzt durch die angreifenden Perser. Aischylos nimmt vermutlich selbst an der Schlacht von Marathon teil. Seine berühmten Perser zeigen die Niederlage aus deren Sicht, was für diese Zeit ein beachtliches Maß an ästhetischer Empathie und dramaturgischer Raffinesse bedeutet.

Ganze sieben der schätzungsweise neunzig Stücke des Autors sind überliefert. Die Orestie ist die einzige komplett erhaltene Trilogie und erzählt einen wichtigen Teil der berühmt-berüchtigten Geschichte der Atriden. Wegen einer Schandtat des Tantalos verflucht, geschehen in jeder Generation grausame Verbrechen. So opfert Agamemnon wegen günstiger Winde nach Troia seine Tochter Iphigenie. Der erste Teil der Orestie trägt den Titel Agamemnon und handelt von dessen Rückkehr und Ermordung durch seine Frau Klytaimestra. Teils aus Rache für den Tod ihrer Tochter, teils aus Geilheit für ihren Geliebten Aigisthos. Wegen des klugen Aufbaus des Stücks, der effektiven Bildsprache und Chorszenen sowie des komplexen Charakters der rachesüchtigen Klytaimestra, zählt diese Tragödie zu einem Höhepunkt dieser antiken Gattung überhaupt.

Das Rachemotiv steht auch im Mittelpunkt Choephoren. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Chor des Stücks, einer Gruppe Frauen, die ein Opfer an Agamemnons Grab darbringen, und dabei schließlich gemeinsam mit seiner Schwester Elektra auf Orest treffen. Im Mittelpunkt steht wieder eine Gewalttat: Orest ermordet aus Rache seine Mutter Klytaimestra. Gejagt von den Rachegeistern der Eumeniden finden wir im gleichnamigen Abschluss der Trilogie Orest beim Schrein des Apollo in Delphi wieder. Auf Befehl des Orakels muss sich Orest einem Bürgergericht in Athen stellen. Die Erinnyen sind effektive Ankläger, Apollo sein göttlicher Verteidiger. Als die Stimmen der Bürger ein Unentschieden ergeben, greift Athena persönlich ein und stimmt für den Freispruch Orests. Damit verarbeitet Aischylos theatralisch einen wichtigen zivilisatorischen Schritt der Menschheitsgeschichte, nämlich die Ablösung der Blutrache durch ein rechtsstaatliches Gerichtsverfahren. Aischylos wird damit wie Herodot ein wichtiger geistesgeschichtlicher Kronzeuge vom Übergang des mythologischen in ein rationaleres Zeitalter.

Dank der sorgfältigen Übersetzung Kurt Steinmanns kann man die ästhetische Brillanz der Orestie sehr gut auf der sprachlichen und semantischen Ebene nachvollziehen, ziehen sich Teile der Motivik und Metaphorik doch durch die gesamte Trilogie. Diese Mittel des ästhetischen Zusammenhalts prägen Bühnenwerke seit den Jahrtausenden bis heute. Die Ausgabe ist durch den Kommentar zur Übersetzung, den Anmerkungen zum Text sowie die sorgfältige Ausstattung (Lesebändchen!) eine vorbildliche Klassikerausgabe. Es wäre zu wünschen, wenn Reclam viele gebundene Ausgaben in dieser Qualität brächte.

Aischylos: Die Orestie. Neuübersetzung von Kurt Steinmann (Reclam)

Orwell: 1984

Seit vielen Jahren will ich 1984 zum zweiten Mal lesen, was mir jetzt zum denkbar unoriginellsten Zeitpunkt auch gelingt. Die Bestseller-Listen und Neuauflagen zeigen, dass viele Menschen im Zeitalter der Populisten wieder zu dystopischen Klassikern greifen, um die aktuellen Zeitläufte zu reflektieren. Als Schüler beeindruckte mich der Roman durchaus. Jetzt ist meine Erwartungshaltung gedämpft: Ich erwarte solide, politisch brave Propagandaliteratur im besten Sinn des Wortes.

Deshalb bin ich verblüfft, wie schnell mich 1984 literarisch wieder in seinen Bann zieht. Orwells intellektuelle Leistung liegt nicht primär darin, wie er die von ihm geschilderte Diktatur als System anlegt: Die Diktatur einer kleinen Partei-Oligarchie (2% der Bevölkerung) mit Hilfe eines unterdrückten Parteiapparates (13%) über die restlichen, ökonomisch, sozial und geistig vernachlässigten Untertanen, den Proles. Letztere werden mit anderen Mitteln kontrolliert als die dauerüberwachten Parteifunktionäre:

It was not desirable that the proles should have strong political feelings. All that was required of them was a primitive patriotism which could be appealed to whenever it was necessary to make them accept longer working-hours or shorter rations.

Strukturell ist das eine Fortschreibung des stalinistischen Systems, inklusive der Schauprozesse und des Spitzelsystems. Orwells Brillanz besteht im Weiterdenken dieser Mechanismen in Bezug auf den technologischen Fortschritt und im Offenlegen individual- und massenpsychologischer Mechanismen seiner Zukunftsdiktatur.

Am besten in unsere Zeit passen hier die geschilderten Hassrituale, an denen die Parteifunktionäre regelmäßig teilnehmen müssen. Vom täglichen „Two Minute Hate“ bis zur regelmäßigen „Hate Week“.

The horrible thing about the Two Minute Hate was not that one was obliged to act a part, but that it was impossible to avoid joining in. Within thirty seconds any pretence was always unnecessary. A hideous ecstasy of fear and vindictivness, a desire to kill, to torture, to smash faces in with a sledge-hammer, seemed to flow through the whole group of people like an eclectric current, turning one even against one’s will into a grimacing, screaming lunatic.

Trump, FPÖ, AfD und Co. bedienen sich ähnlicher psychologischen Mechanismen, um ihren Mob in einer denkbefreiten Zone zu halten. Ebenso brillant ist Orwells Konzeption von Newspeak, also dem Versuch die Realität durch konträre Bezeichnung umzudeuten, etwa wenn er das Kriegsministerium „Ministry of Peace“ nennt. Doublethink steht für die trainierte Fähigkeit, Widersprüche denken und akzeptieren zu können. Die alles überwachenden Telescreens schließlich assoziiert man bei der heutigen Lektüre mit den Smartphones, die wir alle freiwillig in unseren Taschen tragen.

Die literarische Wucht gewinnt 1984 durch die strukturelle Entgegensetzung eines kritischen, selbstbewussten Individuums mit dem jegliche Individualität und Privatheit unterdrückenden Totalitarismus. Orwell bleibt von der Erzählperspektive immer nah an Winston Smith, was eine starke Identifikation mit ihm fördert. Wir sehen den Unterdrückungsapparat mit den zahlreichen Ungerechtigkeiten und Absurditäten durch seine Augen, was als Reaktion eine instinktive Empörung auslöst. In dieser Empörung liegt die starke politische Wirkung des Klassikers. Wir begleiten Winston auf seinen Weg in den Widerstand, schöpfen mit ihm Hoffnung und gehen am Ende mit ihm unter. Nicht nur hier beherrscht Orwell seine narrative Kunst meisterhaft, das gilt ebenso für seinen Umgang mit der erzählten Zeit oder der gekonnten Irreführung des Lesers, nicht ohne uns etwa im Fall O’Briens einige Anhaltspunkte für Skepsis zu geben. Besonders wirkungsvoll sind ebenfalls die Folter- und Gehirnwäscheszenen nach Winstons Verhaftung. Eine Wirkung, welche durch die skizzierte vom Autor „erzwungene“ Identifikation mit seinem Helden noch stark verstärkt wird.

1984 ist steht in der besten Tradition der europäischen Aufklärung, sowohl was individuelle Freiheitsrechte angeht, als auch was die Wahrheit als unverzichtbares epistemologisches Korrektiv betrifft:

Being a minority, even a minority of one, did not make you mad. There was truth and there was untruth, and if you clung to the truth even against the whole world, you are not mad.

In dieser Hinsicht wäre der ursprünglich von Orwell ins Auge gefasste Titel des Romans durchaus sehr passend gewesen: The Last Man in Europe.

Orwells Totalitarismus ist von der brutalen Sorte. Jeglicher Widerstand wird im Keim erstickt, sollte überhaupt jemand nach der lebenslangen Gehirnwäsche noch dazu in der Lage sein. Solche Staaten gibt es bis heute, beispielsweise Nordkorea oder Turkmenistan. Sie wollen mit allen Mitteln die Wahrheit kontrollieren. In 1984 wird dazu regelmäßig die Geschichte umgeschrieben, alte Zeitungsartikel und Bücher korrigiert etc. Als Leser stellt man sich jedoch die Frage, ob uns heute nicht eine andere Art des Totalitarismus droht. Eine Trump-Diktatur würde sich nicht die Mühe machen, ihre Lügen durch gefälschte Quellen mühsam zu belegen: Die Lüge an sich ist hinreichend und findet sofort jede Menge Gläubige, obwohl zahlreiche Mittel, diese Lügen einfach zu widerlegen, heute noch jedermann zur Verfügung stehen. Massenmörder und Mega-Dieb Putin hat im Westen jede Menge Anhänger, obwohl seine Verbrechen leicht zu recherchieren und gut dokumentiert sind. Deshalb wäre für den Westen ein Untergang der Demokratie leider durchaus möglich, ohne auf die brutalen Methoden in Orwells Dystopie zurückgreifen zu müssen.

George Orwell: 1984 (Houghton Mifflin Harcourt) (2.)

Homer: Ilias

Lange ist es her, seit ich die Ilias zum ersten Mal las. Mein mehrmals gelesenes Lieblingsbuch Homers ist die Odyssee. Sie kam mir literarisch bei weitem reichhaltiger und abwechslungsreicher vor als das Kriegsepos. Nach der neuen Lektüre bin ich geneigt, dieses Urteil zu revidieren, was vermutlich auch mit den pessimistischen politischen Aussichten unserer Tage zusammenhängt. Die Ilias ist so voller Hass und Gewalt, dass sie einen würdigen weltliterarischen Auftakt zur europäischen Geschichte bietet. Ein Teil dieses Eindrucks mag mit der Übersetzung Raoul Schrotts zusammenhängen, dessen Wortwahl deutlich drastischer und direkter ist, als jene aller anderen Übersetzer. Die philologische Korrektheit kann ich nur bedingt beurteilen, aber es gibt sicher keine Übertragung, welche eine ähnlich starke Wirkung auf den Leser hat. Man kann sich dadurch besser vorstellen, welche Reaktionen ein Vortrag in der Antike bei den Zuhörern auslöste.

Im Mittelpunkt steht bekanntlich der kleinliche Streit zwischen Agamemnon und Achilleus: Ersterer nutzt seine Macht als Feldherr, um dem größten Kriegshelden der Griechen sein „Beutemädchen“ Briseis abzunehmen. Letztendlich soll der Streit mit dem Priester Chryses beendet werden, dessen Fluch eine schwere Seuche über das Lager der Griechen brachte. Achilleus ist darüber so empört, dass er in einen Kampfstreik tritt, der letztendlich die Griechen viele Tote kostet und fast zum Verlust des Krieges führt. Homer spiegelt hier strukturell die Ursache des trojanischen Krieges, der durch die Entführung Helenas durch Paris ausgelöst wird. Machtmissbrauch führt damit zu einer irrationalen Wut.

Das Epos ist vollgespickt mit Passagen, welche zeigen, dass sich anthropologisch das grundsätzliche Verhalten der Menschen in den letzten 2500 Jahren nur wenig weiterentwickelt hat. Um ein beliebiges Beispiel herauszugreifen, die kritische Jugend gegenüber der älteren Generation:

der jugend stehen selbst vor uns herrschern so offene worte zu.
(IX, 59)

Wer glaubt, die Welt Homers sei ausschließlich auf das archaische Kriegertum fixiert, täuschte sich. Folgende Passage zeigt hübsch, dass man sehr wohl unterschiedliche menschliche Talente zu schätzen wusste:

man kann nicht in allem glänzen: dem einen verleiht [Zeus]
das nötige talent um zu kämpfen, dem anderen zum tanz
einem dritten, die lyra zu spielen und dazu zu dichten –
dem nächsten wiederum schenkt der weitsichtige zeus
ein gehirn: das ist auch nicht zu verachten; es profitiert
jeder davon wenn einer besser als jeder andere begreift
wie man sich rettet.
(XIII, 730)

Das Verhältnis zwischen Menschen und Göttern verdient eine nähere Betrachtung. Bereits Platon kritisierte, dass Homer die Überwelt mit allen schlechten Eigenschaften der Menschen ausstattet. Das gegenseitige Verhältnis ist überwiegend zerrüttet. Die Götter kümmern sich rücksichtslos um ihre eigenen Favoriten während des Krieges und bekämpfen sich schließlich auch gegenseitig. Auch verbal vergeben sich beide Seiten nichts. Nicht nur beklagen die Götter sich über die Indolenz der Menschen:

vater zeus, gibts denn auf der ganzen welt keinen menschen mehr
der es noch für wert hält uns göttern zu verraten was er vorhat?
[VII, 456]

Auch die Menschen nehmen mit ihrer Kritik kein Blatt vor den Mund:

himmelherrgott vater zeus! jetzt erweist sich, was du bist –
ein geborner lügner! nie hätt ich gedacht, daß die griechen
unsrer unbesiegbaren durchschlagskraft widerstehen können!
(XII, 164)

Das ist insofern religionshistorisch sehr bemerkenswert, weil hier noch kaum die Spur jener späteren Unterwürfigkeit zu erkennen ist, die den Monotheismus auszeichnet. Der monotheistische Gott fordert strikte Unterordnung und strikten Gehorsam, während Zeus den obigen Ausbruch nicht zum Anlass nimmt, den Griechen dauerhaft seine Gunst zu entziehen.

Eine andere Perspektive in diesem Zusammenhang ist jene des freien Willens. Für die meisten guten oder schrecklichen Ereignisse des Trojanischen Krieges werden die Götter verantwortlich gemacht. Auch für konkrete Kampfhandlungen. Trifft ein Speer nicht, wird er nicht selten von einem Gott abgelenkt. Wer lebt und wer stirbt, ist in der Hand der Götter. Hier besteht also noch ein weiter Weg zu den eigenverantwortlichen Individuen, die wir im klassischen Griechenland durch die Literatur und Philosophie kennenlernen werden.

Die Eroberung von Städten war und ist immer einer der grausamsten Ereignisse in jedem Krieg. Nachzulesen ist das in vielen antiken Quellen, nicht zuletzt im Alten Testament. Auch Homer findet drastische Worte für diese Massaker:

was eine stadt an greueln
alles mitmachen muß, wenn sie erobert und gebrandschatzt wird:
männer, die abgestochen, häuser, die in schutt und asche gelegt
die kinder, die versklavt, all die frauen, die vergewaltigt werden.
(IX, 591)

Frauen waren damals wie heute die selbstverständlichen Opfer:

darum soll keiner auf rückkehr drängen, bevor er nicht
die frau eines troianers vergewaltigt hat: rein schon aus rache.
(II, 354)

Am Ende einer langen Schlacht ist das Feld mit so vielen Leichen übersät, dass es schwierig wird, einen Sitzplatz zur Beratung zu finden:

sie durchquerten den graben hinaus auf die ebene
und ließen sich auf dem einzigen flecken der erde nieder
der nicht voll leichen war
(X, 198)

Die Brutalität der Gewaltdarstellung braucht sich nicht hinter den Produkten der zeitgenössischen Unterhaltungsindustrie wie The Walking Dead zu verstecken. Gehirne spritzen, Gedärme machen sich selbständig und Köpfe rollen:

dolon fiel auf die knie, bettelte um sein leben und versuchte
flehentlich diomedes kinn zu berühren – doch der holte aus
mit seinem schwert, schlug es ihm mitten durch sein genick
die sehnen, adern und muskeln – daß der noch immer
quengelnde kopf in den dreck fiel
(X, 54)

Auch an Spezialeffekten fehlt es nicht. Wenn etwa Hephaistos mit Feuer den Flussgott Xanthos bekämpft, würde das jedem Hollywood-Blockbuster zur Ehre gereichen:

da ließ hephaistos eine übernatürliche feuersbrunst ausbrechen.
die flammen flackerten am rande der ebene auf; sie fraßen sich
auf die mitte zu, verschlangen die überall angespülten troianer
die achilleus getötet hatte, und zehrten an der glitzernden flut (…)
so brodelte der skamandros jetzt
in der alles verschmorenden hitze – und seine wasser kochten
wollten in dem flammenmeer nicht mehr fließen und stockten
unter den feuerwellen die hephaistos über sie hinbranden ließ
(XXI, 342)

Die Reaktion der griechischen Halbwüchsigen auf solche Schilderungen damals dürfte nicht viel anders gewesen sein als jene der heutigen Teenager im nächsten IMAX-Kino.

Ein anderer sich ständig wiederholender Aspekt der Kriegsschilderung ist der gierige Bereicherungsaspekt. Es war nämlich üblich, dem getöteten Krieger seine wertvolle Rüstung als Beute auszuziehen, was zu unschönen Szenen führt:

das räudige Handwerk des Krieges: kaum war er seiner wunde erlegen
da stritten sich die achaier und die troianer schon um seine leiche
mann gegen mann sich ineinander verbeissend wie die wölfe.
(IV, 471)

Man kann die Ilias aber auch noch ganz anders lesen, nämlich als Alltags- und Naturgeschichte der alten Griechen. Diese Lesart hat mich dieses Mal am meisten fasziniert. Homer verwendet als Metaphern überwiegend welche aus dem Bereich der Natur- und des alltäglichen Lebens seiner Zeitgenossen. Es gibt mehr als 300 dieser bildhaften Passagen, etwa 1100 Verse, die damit ein Sechzehntel des Textes ausmachen. Wir bekommen dadurch eine ausführliche Alltagsgeschichte des archaischen Griechenland.

Wie verläuft der Alltag?

und wie die reihen der schnitter im feld eines reichen herrn
von gegenüberliegenden seiten aufeinander zugehn, mähen
und die sensen durch den weizen oder die gerste schwingen
daß die ähren nur so fallen, so kamen troianer und griechen
aufeinander zu: rechts und links wurden sie niedergemacht
(XI, 67)

wie zwei bauern die sich meßruten in der hand, drüber streiten
wo der grenzstein des gemeindefelds, das sie unter sich aufteilen
zu liegen hat, und um einen schmalen streifen zu raufen kommen
der nicht breiter als der wehrgang ist, der die zwei heere trennte
(XII, 421)

der kampf war so ausgewogen als würde eine arbeiterin ihrem brotherrn
die gesponnene wolle abliefern und genau darauf achten daß sie
auch dem eingewicht entspricht – denn der lohn für ihre kinder
ist erbärmlich genug
(XII, 434)

so dick wie die schmiere an einer ochsenhaut, die der gerber
seinen lehrlingen zum strecken gibt, die sich dann ringsum
im kreis hinstellen, um mit vereinter kraft daran zu ziehen
bis ihre hände das riesige ochsenfell glatt gespannt haben
damit es austrocknet und das fett in die poren eindringt –
so zerrten sie von allen seiten an der leiche, hin und her
(XVII, 388)

wie saubohnen oder kichererbsen von einer holzschaufel
wenn sie beim worfeln auf dem dreschboden in den wind
geworfen werden, um sie von ihren hülsen zu trennen –
so prallte der bittere schaft von menelaos‘ bronzepanzer
und schlug erst weit entfernt irgendwo in den boden ein
(XIII, 588)

Selbst detaillierte geologische Beobachtungen verwendet Homer zur Veranschaulichung:

hektor brach über die achaier herein riesig wie ein felsbrocken
der einen berghang herunterrollt, nachdem ihn der wasserfall
eines vom winterregen angeschwollenen baches untergraben
und von der kante gespült hat, daß er im hohen weiten sprung
mitten durch die bäume kracht, der ganze wald widerhallend
von einem unaufhaltsamen poltern
(XIII, 138)

Auch eine Vielzahl an Beispielen aus dem semantischen Feld des Meeres bzw. der Seefahrt könnte ich noch anführen. Die zahllosen, unglaublich genau beobachteten Löwenbilder erwecken den Eindruck, als hätte Homer als Hobbyzoologe sein halbes Leben lang nichts anderes getan, als diese Raubkatzen zu beobachten.

Es wäre deswegen also ein großer Fehler, die Ilias auf ein berühmtes Kriegsepos zu reduzieren. Wie bei allen Klassikern liegen die kulturell und ästhetisch interessantesten Aspekte nicht an der Oberfläche.

Homer: Ilias. Übertragen von Raoul Schrott Kommentiert von Peter Mauritsch

Neue Biographie über Montaigne

Eine neue Biographie über Montaigne kann an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben. Sie ist von mir auch bereits vorbestellt: Philippe Desan: Montaigne. A Life. Diese Neuerscheinung nimmt Adam Gopnik wiederum zum Anlass für einen ausführlichen Essay über Montaigne im New Yorker, betitelt Montaigne on Trial. What do we really know about the philosopher who invented liberalism?. Desan scheint sich also als kritischer Biograph profilieren zu wollen. Der Text Gopniks ist jedenfalls sehr lesenswert.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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