20. Jhd. (Geschichte)

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Yuval Noah Harari: Sapiens – A Brief History of Humankind

Ein kluges Buch über weltgeschichtliche Zusammenhänge, das ein internationaler Bestseller wird, stimmt optimistisch. So wichtig detaillierte historische Studien von Einzelphänomenen für die Wissenschaft sind, so unverzichtbar sind solche gelungenen Überblicksdarstellungen für die persönliche Bildung. Harari hat sich nun ein aus der Perspektive von akademischen Historiker freches Projekt vorgenommen: Den Ablauf der Weltgeschichte dadurch verständlich zu machen, dass er die grundlegenden Mechanismen ihres Wirkens beschreibt. Das klingt geschichtsphilosophisch nicht ungefährlich und bringt auch das eine oder andere intellektuelle Problem mit sich. Insgesamt gelingt Harari sein Vorhaben aber vorzüglich.

Anders als der noch umfassendere Ansatz Big History fokussiert Harari auf die Geschichte unserer Spezies seit der kognitiven Revolution, die etwa 70.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung stattfand. Er beschreibt die Erklärungshypothesen für diesen kulturellen Entwicklungsschub ausführlich. Überhaupt ist das erste Drittel des Buches mit Abstand das Beste, weil es zur Prähistorie in den letzten Jahrzehnten spannende neue Forschungsergebnisse gab, die Harari ausführlich referiert. Etwa wenn er den Lebensstandard des durchschnittlichen Jägers und Sammlers mit denen der ersten Bauern vergleicht. Den Bauern ging es fast in jeder Dimension schlechter, angefangen bei der Gesundheit wegen ihrer eintönigen Ernährung und ihrer schweren körperlichen Arbeit bis hin zur täglichen Arbeitszeit. Während Bauern ja fast bis heute rund um die Uhr schuften müssen, kamen Jäger und Sammler vermutlich mit vier bis fünf „Arbeitsstunden“ pro Tag aus, um für ihre sehr abwechslungsreiche Ernährung zu sorgen. Warum es trotzdem zu dieser für das Individuum offenbar verschlechternden Agrarrevolution kam, beleuchtet Harari ebenfalls aus unterschiedlichen Facetten.

Während Jared Diamond in seiner hervorragenden weltgeschichtlichen Studie Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies der Geographie eine maßgebliche Rolle zuweist, konzentriert sich Harari mehr auf kulturelle Faktoren und sieht vor allem den Mythos bzw. die Gesellschaft zusammenhaltende Erzählungen als entscheidenden Faktor der menschlichen Zivilisationsgeschichte an. Damit meint er die nicht nur die ersten Religionen und Mythen, sondern geht dabei bis in die Gegenwart, wo für ihn das Geld eine der grundlegenden, unhinterfragten Erzählungen ist. Eine Fiktion, an die alle Menschen glaubten.

People easily understand that „primitives“ cement their social order by believing in ghosts and spirits, and gathering each full moon to dance together around the campfire. What we fail to appreciate is that our modern institutions function on exactly the same basis.

Anthropologisch hat sich der Mensch in den letzten 70.000 Jahren kaum verändert. Auch die soziokulturellen und sozialpsychologischen Mechanismen sind grundlegend dieselben. Diese Erkenntnis stringent zu vermitteln, ist eine der größten Stärken von Sapiens. Wie bereits Jared Diamond räumt er mit zahlreichen weit verbreitenden romantischen Mythen über unsere Vorfahren auf:

But the historical record makes Home sapiens look like an ecological serial killer.

Die Erklärungskraft des Buches nimmt in der zweiten Hälfte merklich ab. Die Welt wird immer komplexer, was seine Vereinfachungen etwas unplausibler macht als bei der Vorgeschichte. Trotzdem führt auch hier Hararis Ansatz der Modellbildung – die Wirklichkeit also zu vereinfachen, um sie besser verstehen zu können – zu lesenswerten Analysen. Speziell weil manche davon auf den heutigen Leser sicher provokant und damit Gedanken anregend wirken, wenn er etwa ausführlich die großen Vorzüge der Imperien im Verlauf der Weltgeschichte beschreibt.

Insgesamt also ein intellektuell sehr anregendes Lesevergnügen. Das liegt nicht zuletzt an Hararis gut lesbaren Stil. Gedanken werden klar herausgearbeitet und gut formuliert anstatt sie in akademischem Jargon zu ertränken.

Yuval Noah Harari: Sapiens: A Brief History of Humankind [Deutsche Ausgabe: Eine kurze Geschichte der Menschheit.

Trump und Hitler

Viele lehnen Hitler-Vergleiche reflexartig ab, wofür es angesichts des inflationären polemischen Gebrauchs derselben gute Gründe gibt. Eine der besten Texte über den Aufstieg Trumps zeigt aber, wie wichtig und erhellend diese historischen Parallelen sind. Geschrieben vom Philosophen Adam Knowles wünsche ich ihm so viele Leser wie möglich: Philosophy in the Contemporary World: The Moral Imperative to Assume the Worst—Philosophy’s Response to Donald Trump.

Ein kurzer Auszug:

We must accept that we live in dire times of which nothing good will come. There will be no moral victories for liberals who hope to come out of the other side with a clean conscience. There will be an increase in hate crimes. There will also be tactics of gradual escalation in order to secure complicity from those not subject to such violence. We should not try to speculate what Trump’s true aims might be, but instead calculate what they could be based on the most extreme scenario. We must resist any outward claims of moderation and out them as a classic strategy of totalitarian regimes. The so-called ‘good’ white people (especially men) of America, those for whom normalization is a possibility, must also resist allowing Trump to be normalized in our names and on our behalf. Yet we must also ensure that our resistance is not parasitic on the aesthetic spectacle of the Trump phenomenon.

Johannes Sachslehner: Wien. Eine Geschichte der Stadt

Wer eine gut lesbare Geschichte über Wien sucht, ist mit Sachslehners Buch gut beraten. Nicht nur deckt er das gesamte Spektrum der Entwicklung von der geologischen Vorgeschichte bis in die Gegenwart ab, sondern beschreibt es auch in einem angenehm lesbaren Stil. Es ist ebenfalls erfrischend, dass gegen Ende immer wieder seine Empörung durchklingt, wenn es um den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus in Österreich geht.

Gegliedert ist das Buch in neunzehn chronologische Kapitel, die immer wieder mit passenden „Themenkästen“ unterbrochen werden. Sie enthalten Exkurse, Auszüge aus Quellen über Wien, und für Besucher besonders hilfreich: Hinweise auf noch vorhandene Gebäude aus der jeweiligen Epoche. Als fundierten Einstieg in die Geschichte Wiens sehr empfehlenswert.

Johannes Sachslehner: Wien. Eine Geschichte der Stadt (Pichler)

Sex in Wien & Chapeau

Wien Museum 25.10. 2016

Den Absperrungsbändern nach gibt es für Sex in Wien üblicherweise einen großen Andrang. Bei meinem werktäglichen Besuch ist die Schau von einer Handvoll Pensionisten und ein paar kichernden Mädchen bevölkert. Der neue Direktor Matti Bunzl will seine Ära offenbar um jeden Preis mit einem Publikumserfolg starten. Dabei ist das Thema ein wiengeschichtlich durchaus Interessantes. Obwohl in die Ausstellung nur Erwachsene dürfen, hält sich der Voyeurismus in Grenzen. Die Wiener Sexualgeschichte wird thematisch ausgebreitet und aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet. Auch sozialkritische Faktoren fehlen nicht, etwa kirchliche Missbrauchsskandale, Ehepolitik und Empfängnisverhütung. Wie verkrampft man mit dem Thema in den sechziger Jahren umging zeigen hübsch zeitgenössische ORF-Beiträge. Mich amüsiert auch die dort zu hörende Philippika gegen Freud von einem seiner weiblichen Opfer. Ansonsten reiht sich die Ausstellung in Sachen akzeptabler Qualität gut in die bisherige Reihe der kulturgeschichtlichen Wienausstellungen des Hauses ein. (Bis 22.1.)

Eine ungewöhnliche historische Perspektive nimmt auch Chapeau ein. Das Ziel verrät der Untertitel: Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes. In thematischen Gruppen werden die semantischen und sozialen Implikationen von Hüten aller Art dargestellt. Von revolutionären Kappen bis hin zu Uniformhelmen. Durchaus erhellend. (Bis 30.10.)

Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg

Volkskundemuseum Wien 23.10. 2016

Schon wieder kuratiert das Volkskundemuseum eine exzellente Ausstellung. Dieses Mal steht der Blick auf Fremdes anhand von privaten Fotoalben aus dem zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Es sind nicht nur ausführliche Reproduktionen zu sehen und mehrere Projektionen von Fotos auf große Leinwände, sondern es geben auch ausführliche Videointerviews mit drei zeitgenössischen „Hobbyfotografen“ Einblicke in die Entstehung der Fotos sowie in den Alltag des Zweiten Weltkriegs. Harmlose Kameradenbilder aus dem oft ereignislosen Soldatenalltag wechseln sich ab mit Aufnahmen des Feindes. Es sind auch wenige Brutalitäten zu sehen, die aber nicht so im Fokus stehen als bei der umstrittenen Wehrmacht-Ausstellung vor vielen Jahren.

Unter fremdem Himmel. Aus dem Leben jugoslawischer Gastarbeiterinnen

Volkskundemuseum Wien 9.10. 2016

Der Verein JUKOS dokumentiert in einer kleinen, aber feinen Ausstellung das Leben jugoslawischer Gastarbeiter in Österreich. 1966 wurde ein entsprechendes Abkommen mit Jugoslawien geschlossen, worauf eine kleine Massenmigration einsetzte. Schautafeln und Videos erzählen über die ersten Schritte im Land und die zahlreichen Schwierigkeiten im Alltag. Wer die Ablehnung vieler Wiener in den gezeigten Fernsehbeiträgen sieht, wird sofort an die aktuelle Situation in Sachen Flüchtlinge erinnert. Eine gelungene Aufarbeitung eines wichtigen Stücks Wiener Geschichte. (Bis 16.10.)

Salzburger Ausstellungen

Museum der Moderne 15.8. 2016
Salzburg Museum 16.8. 2016

Salzburg ist mit sich selbst beschäftigt. Mit seiner Kulturgeschichte setzt sich das Museum der Moderne in Anti:modern auseinander. Die Ausstellung versucht, die städtische Kulturszene der Stadt in die Entwicklung der Moderne einzubetten. Um einen Kontext zu bieten, wird der Zuseher anhand teils pittoresk antiquierter statistischer und geographischer Schautafeln in den Kontext der Moderne eingeführt, etwa der Stadtentwicklung. Danach geht es (mehr oder weniger) chronologisch weiter. Salzburg gilt nicht zu Unrecht als eine konservative, antimoderne Stadt. Die Festspiele waren lange ein ästhetisches Bollwerk gegen die Avantgarde. Diese Seite der Stadt wird nicht ausgeblendet, aber ihr werden progressivere Tendenzen gegenübergestellt, so dass man am Ende ein differenziertes Bild hat. Diese Differenzierung geht bis in die Sozialgeschichte hinein: So kann man Interviews mit ehemaligen Halleiner „Tschikweibern“ hören, die damals in Hallein in einer Tabakfabrik arbeiteten und damit gegen viele soziale Konventionen verstießen. Eine kuratorisch gelungene Angelegenheit.

Enttäuscht verlasse ich dagegen die Am Schauplatz des Salzburg Museums. In einem einzigen Raum, werden acht Orte der Salzburger Geschichte präsentiert. Das ist prinzipiell keine schlechte Idee, aber die Rezeption sieht so aus, dass man sich die Erklärungen des Mediaguides anhört und die wenigen Fotos ansieht. Dazu hätte man keine Ausstellung machen müssen, zumal die chronologische Zeitleiste auch kein sehr innovatives Mittel ist. Deutlich interessanter dort ist die Schatzkammer Salzburg wo temporär aus Salzburg gestohlene Kunstwerke zurückgeholt wurden. Darunter auch mehrere wertvolle frühe Handschriften, die man sonst nicht sehr oft zu sehen bekommt.

Michael D. Coe: Breaking the Maya Code

Ein bemerkenswertes Buch, das Leser mit unterschiedlichen Interessen anspricht. Primär geht es um einen Wissenschaftskrimi, nämlich der Entzifferung der Mayaschrift, deren Bedeutung in einer Reihe mit der Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen steht. Gleichzeitig ist es ein Lehrstück in Sachen Wissenschaftssoziologie. Die korrekten Hypothesen über das Wesen der Mayaschrift wurden nämlich lange aktiv von Eric Thompson unterdrückt, dem führenden Mayaforscher seiner Generation, weil sie seinen eigenen (falschen) Theorien widersprachen. Ein Musterbeispiel dafür, wie Wissenschaft nicht funktionieren soll. So stammten wichtige Einsichten von einer Wissenschaftlergruppe aus Leningrad, deren Ideen mit antikommunistischen Kalten-Kriegs-Argumenten vom Tisch gewischt wurden. Es standen also politische und persönliche Interessen statt wissenschaftliche im Mittelpunkt.

Einige der Elemente dieser Geschichte entbehren nicht der Ironie. So war ein erst im 19. Jahrhundert entdecktes Manuskript Diego de Landas dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu einer Entzifferung kommen konnte, enthielt es doch die einzige Übersicht über das Maya-Alphabet. Gleichzeitig war Diego de Landa während seiner Zeit bei den Maya als fanatischer Bischof dafür verantwortlich, dass die meisten Maya-Bücher verbrannt worden. Heute gibt es kaum noch Exemplare. Eines davon ist der berühmte Dresden Kodex.

Anders als es der Titel verspricht, gibt es aber auch noch eine breitere Perspektive auf das Themenfeld. Es enthält die wichtigsten grundlegenden Informationen über die Geschichte und Kultur der Maya, weshalb es sich auch als allgemein einführende Lektüre eignet.

Michael D. Coe war als Forscher immer wieder selbst in die Entzifferung der Mayaschrift involviert und kennt viele der Protagonisten. Dieser Aspekt gibt dem Buch eine persönliche Note, die man in historischen Darstellungen nur selten findet.

Michael D. Coe: Breaking the Maya Code (Thames and Hudson)

Christopher Clark: Die Schlafwandler

Lange habe ich an den 900 Seiten dieser gründlichen Studie über den Beginn des Ersten Weltkriegs gelesen. Nicht weil das Buch tröge geschrieben wäre, sondern weil man sich für die vielen Details, die Christopher Clark hier ausbreitet, die notwendige Zeit nehmen muss:

Das vorliegende Buch setzt sich zum Ziel, die Julikrise von 1914 als ein modernes Ereignis, als das komplexeste Ereignis der heutigen Zeit, womöglich bislang aller Zeiten. Es befasst sich weniger mit der Frage, warum der Krieg ausbrach, als damit, wie es dazu kam.

Der Historiker zeigt bereits im ersten Kapitel diese Komplexität, indem er die innenpolitischen Turbulenzen beschreibt, die Serbien in den Jahrzehnten vor dem Kriegsausbruch beherrschen. Gefolgt von einer hübsch Das Reich ohne Eigenschaften betitelten Abschnitt über das k.u.k Österreich. Danach schließen sich die beiden umfangreichen Hauptteile des Buches an, die sich erst mit der Situation in Europa und danach mit der Krise beschäftigen.

Stellt man sich der Tatsache dieser Komplexität, tritt die bei Historikern und der Öffentlichkeit so beliebte Schuldfrage schnell in den Hintergrund. Deutschland kommt in Clarks Darstellung deutlich besser weg als in der bisherigen Historiographie, Russland weniger vorteilhaft. Was mich am meisten beeindruckt, ist die von Clark aufgedeckte Willkürlichkeit in den Entscheidungsapparaten der Regierungen. Man spricht gedankenlos ja schnell von „Deutschland“, „Frankreich“, „Russland“ oder „Serbien“ als seien diese Länder handelnde Personen. In Wahrheit entstehen in jedem Regierungsapparat Entscheidungen, die weniger von der Sachlage, sondern oft mehr von menschlichen Eitelkeiten geprägt sind. Stärker noch als Weltanschauungen können Karrierepläne, Neid, Liebesgeschichten usw. eine maßgebliche Rolle spielen. Diese Sicht blickt auf das andere Ende der Skala, wo abstrakte historische Strukturen und Kräfte den Gang der Geschichte beeinflussen. Hier kann ein morgendlicher Frühstücksstreit eines Außenministers die Weltgeschichte verändern.

Die chaotischen Interventionen der Monarchen, die ambivalente Beziehung zwischen Staatsdienst und Militär, der Wettstreit unter einflussreichen Politikern in Systemen, die sich durch eine geringe Solidarität unter Ministern oder Kabinettsmitgliedern auszeichneten, sowie die Agitation eine Massenpresse vor einem Hintergrund immer wiederkehrender Krisen und erhöhter Spannungen wegen Sicherheitsfragen – all dies verwandelte diese Jahre in eine Phase beispielsloser Unsicherheit in den internationalen Beziehungen.

Diese von Clark brillant vorgeführte Kontingenz des historischen Geschehens ist die eigentliche Lehre der Schlafwandler: Kleinigkeiten können in komplexen System katastrophale Folgen haben. Verstärkt wird das durch mangelnde Kommunikation, wofür die Julikrise ebenfalls reichhaltiges Anschauungsmaterial liefert. Deshalb kann man dieses Buch allen aktuellen Entscheidungsträgern nur dringend ans Hirn legen. Wir leben ja wieder in einer volatilen weltpolitischen Situation, wo eine vergleichbare Kombination von Eitelkeiten und Kleinigkeiten eine Weltkrise auslösen könnten. Hoffen wir, dass zukünftige Historiker keine dicken Studien über den Ausbruch des dritten Weltkriegs werden schreiben müssen.

Christopher Clark: Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. (Deutsche Verlagsanstalt)

Die Universität. Eine Kampfzone

Jüdisches Museum 29.11. 2016

Die Wiener Universität feiert dieses Jahr ihre Gründung vor 650 Jahren und das Jüdische Museum beleuchtet ein besonders unschönes Kapitel in deren Geschichte: Den Umgang mit jüdischen Studierenden und Lehrenden. Die gab es in nennenswerter Anzahl freilich erst im 19. Jahrhundert, die Ausstellung geht historisch aber bis ins Mittelalter zurück.

Am bedrückendsten sind naturgemäß antisemitischen Eskapaden ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis nach dem zweiten Weltkrieg. Die Universität war schon vor der Übernahme durch die Nazis fest in antisemitischen Händen, und die in der Ausstellung dokumentierten Tiraden gegen jüdische Studenten und Professoren sind von einer abgrundtiefen Gehässigkeit. Leider ist diese zeitlos, wie man dank der zahlreichen Hasspostings über Flüchtlinge in den sozialen Medien hinreichend demonstriert bekommt. Insofern dient die Ausstellung auch als Warnung, wohin irrationaler Hass und Verrohung der Sprache letzthin führen wird. Jüdische Studenten wurden schon früh von ihren deutschnationalen Kommilitonen regelmäßig misshandelt. Jüdische Studentinnen hatten es nach der Zulassung von Frauen zum Studium in Wien besonders schwer, wie ein entsprechender Schwerpunkt zeigt.

Die Vergangenheitsbewältigung dieses trüben Kapitels begann erst lange nach dem zweiten Weltkrieg. Walter Weiss, mein ehemaliger Germanistikprofessor in Salzburg, erzählte mir einmal, dass seine Berufung noch 1965 wegen seines Judentums auf diverse Widerstände gestoßen sei.
(Bis 28.3.)

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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