Gegenwartsliteratur

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Wilhelm Genazino

Die Vernichtung der Sorgen. Roman, Hanser

Der zweite Teil der Trilogie erschien 1978 und schreibt die Romanexistenz des kleinen Angestellten Abschaffel fort. Abgesehen von einer grotesken Aussteiger-Fantasie, nämlich Zuhälter werden zu wollen, nimmt Genazino den Leser erneut mit in den zermürbenden Lebensalltag der Figur, inklusive Problemen im Büro und dem Liebesleben der Angestellten. So zusammengefasst klingt das banal und uninteressant. Wie immer liegt die Qualität von Genazinos Texten auch hier in der Kombination von plausibler psychologischer Innenperspektive und geistreichen Alltagsbeobachtungen. Formal ist das wenig aufregend, umso erstaunlicher der Effekt, dass man diese Romane so gerne liest.

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Wolfgang Hilbig: Werkausgabe

Verdientermaßen bekommt der letztes Jahr verstorbene Wolfgang Hilbig, den ich für einen der interessantesten Autoren der Gegenwart halte, eine Werkausgabe. Der erste Band ist kürzlich erschienen.

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Gert Jonke: Freier Fall (Uraufführung)

Akademietheater 30.5.
Regie: Christiane Pohle
Ouvertüre: Branko Samarovski
Erich: Markus Hering
Bertl: Johannes Krisch
Göre: Adina Vetter
Butler Zwillinge: Sven Dolinski
Butler Zwillinge: Gerrit Jansen
Siedu: Libgart Schwarz
Soldat: Michael Masula
Musiker: Claus Riedl
Musiker: Georg Wagner

Von allen Gegenwartsdramatikern, denen sich das Burgtheater in der aktuellen Ära verschrieben hat, ist Gert Jonke die beste Wahl. Nach der frappenten “Versunkenen Kathedrale” ist sein neues Stück eine ebenso geistreiche wie fantasievolle Variation über diverse Themen, allem voran der Selbstmord. Die ersten zwei Drittel des Stücks zeigen den Suizid-Spezialisten Erich, frisch aus der Psychiatrie entlassen, bei seinem Hobby, nämlich Selbstmörder durch die Beschreibung einer besonders einfachen Möglichkeit, aus dem Leben zu scheiden, erfolgreich von eben diesem Tun abzuhalten. Erich erwarb sich das Freitod-Expertentum dadurch, dass er sich seit der Jungsteinzeit immer wieder erfolgreich aus diversen Biographien verabschiedet hat und dies auf kleinen Filmen dokumentierte. Diese werden dem Publikum durch Projektion als Handyvideos in Auswahl vorgespielt.
Dies ist nicht nur ein erstklassiger makaberer Spass in bester britischer Manier, er steht auch explizit in der Tradition des berühmten Wiener Morbiditätsenthusiasmus. Weitere selbstironische Anspielungen verorten Jonke klar durch diverse Topoi in der österreichischen Literaturtradition, nicht zuletzt was seine Sprachverspieltheit angeht.
Nach zwei Drittel verliert das Stück zwar etwas an Schwung, den Schluss einmal ausgenommen, trotzdem kann ein Besuch der gelungenen Inszenierung uneingeschränkt empfohlen werden.

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Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Burgtheater 1.4.
Regie: Dieter Giesing
Véronique Houillé: Maria Happel
Michel Houillé: Roland Koch
Annette Reille: Christiane von Poelnitz
Alain Reille: Joachim Meyerhoff

Reza spezialisierte sich auf Stücke, die scheinbar den Nerv der Zeit treffen. Ihr theatralisches Prinzip ist schnell benannt: Versteckte Anbiederung an die Vorurteile des gebildeten Mittelstands. So ist es nicht überraschend, dass ihr jüngster Text in den europäischen Theatern erneut stürmische Erfolge feiert. Bietet er doch nichts weniger als die Möglichkeit, Boulevard zu zeigen, der sich hinter dem Deckmäntelchen des intelligenter Gegenwartsdramatik versteckt. Angesichts leerer Theaterkassen, ergreift man so eine Gelegenheit natürlich gerne…

Bereits Rezas oft gespieltes “Kunst” folgte diesem Schema und setzte schlau auf das Unverständnis gegenüber moderner Kunst. In “Der Gott des Gemetzels” stattet ein Ehepaar einem anderen einen Versöhnungsbesuch ab. Ihr Sohn hatte dem Sprössling der anderen mit einem Stock ein paar Zähne ausgeschlagen. Ziel ist eine kultivierte Aussprache. Statt dessen setzt Reza eine Spirale in Gang, die in der Auflösung aller kultivierten Umgangsformen und einem heftigen Streit endet. Man kennt das aus viel gelungeneren Werken (Who’s Afraid of Virginia Woolf?) zur Genüge.

Dies alles ist nun theatertechnisch kompetent umgesetzt, sowohl was den Text als auch was die Inszenierung angeht. So spult sich das Stück unterhaltsam vor einem ab. Man darf nur nicht den Fehler machen, darüber nachzudenken. Sonst bleibt einem das Lachen schnell im Halse stecken.

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Wilhelm Genazino: Abschaffel. Roman

Hanser Verlag (Amazon Partnerlink)

Wie ungerecht literarischer Ruhm verteilt sein kann, sieht man an Wilhelm Genazino. Seine Abschaffel-Trilogie erschien bereits Ende der siebziger Jahre, einem größeren literaturinteressierten Publikum wurde er aber erst 2004 bekannt als ihm, längst überfällig, der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde.

“Abschaffel” gehört zum Genre des Angestelltenromans und hat deshalb einige Gemeinsamkeiten mit Werners “Zündels Abgang”. Letzterer ist allerdings deutlich furioser als Genazinos literarische Verarbeitung des tristen Lebens eines kaufmännischen Angestellten. Der Romanbeginn verdient ein Zitat:

Weil seine Lage unabänderlich war, musste Abschaffel arbeiten.

Der Leser begleitet Abschaffel durch dessen deprimierenden bis grotesken Alltag. Genazinos größte literarische Stärke, die intelligente Beobachtung des Alltäglichen, ist bereits weit ausgeprägt. Nicht so brillant vielleicht wie in seinen letzten Büchern, aber doch ein großes Lesevergnügen.

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Markus Werner: Zündels Abgang. Roman [2.]

d t v (Amazon Partnerlink)

Schon die erste Lektüre vor einigen Jahren lies mich fasziniert zurück. “Zündels Abgang” ist eine fulminante Abrechnung mit dem Alltagswahnsinn. Lehrer Konrad Zündel, bisher geschätztes Mitglied der Schweizer Mittelklasse, kommt mit den Absurditäten und Zumutungen seines Lebens plötzlich nicht mehr zurecht und gleitet während der Ferien physisch und psychisch in die Zerrüttung ab. Während einer Reihe von grotesken Erlebnissen in Italien (nota bene!) nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Dieses kurze Buch enthält eine überwältigende Fülle von brillanten Bildern, Beobachtungen und Sentenzen, dass man am liebsten jeden Satz anstriche.

Übelwollend könnte man sagen, der Roman sei eine Art “Steppenwolf” für Intellektuelle in der Midlife Crisis. Frappant ist aber, dass der Text trotz klassisch-gehässiger Kulturkritik am modernen Leben nicht larmoyant wirkt (Negativbeispiel wäre hier Botho Strauss), sondern dass man den grotesken Zündel als glaubwürdige Figur empfindet, deren Leiden an der Welt man sehr gut nachempfinden kann. Eines der größten kleinen Bücher der zeitgenössischen Literatur.

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Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle. Roman

Suhrkamp Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

In Zeiten, in denen der anglikanische Primas, Erzbischof Williams, über eine Teileinführung der Scharia in Großbritannien nach”denkt”, ist ein Roman, in dem die spanische Inquisition eine zentrale Rolle spielt, nur im engeren Sinn des Wortes als “historisch” zu kategorisieren. Menasse lässt in “Vertreibung der Hölle” gut recherchiert und literarisch gekonnt das Portugal und die Niederlande des 17. Jahrhunderts auferstehen. Im Mittelpunkt steht der junge Samuel Manasseh, der spätere Lehrer des Baruch Spinoza, der mit seiner Familie von der Inquisition aus Portugal nach Amsterdam vertrieben wird. Samuel ist ein Vorfahre des Wiener Historikers Viktor Abravanel, dessen Familiengeschichte im Wien der Nachkriegszeit und in den siebziger Jahren den zweiten Handlungsstrang des Romans bestreitet. Beide Stränge sind inhaltlich und motivisch eng verknüpft, ab und an hätte man sich hier trotzdem mehr literarische Subtilität gewünscht.

Trotzdem sind aber die knapp fünfhundert Seiten des Romans gut investierte Lesezeit. Viele Motive weisen ihn beinahe als “klassischen” österreichischen Roman aus: Von den Qualen des katholischen Internats bis hin zur (ironisch gebrochenen) Kritik an Österreichs Verdrängungsvirtuosität reicht das Spektrum.

Das Buch wurde an verschiedenen Stellen als eine Art Romanbiographie des jüdischen Gelehrten Manasseh angepriesen. Das ist leider nur bedingt der Fall. Beide Handlungsebenen beschränken sich überwiegend auf die Kindheit und die Jugend der zwei Protagonisten. Kaum tritt Spinoza als Junge auf, geht das Buch dem Ende zu, was für uns philosophisch Interessierte natürlich enttäuschend ist.

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Arno Geiger: Es geht uns gut. Roman.

Carl Hanser Verlag (Amazon Partnerlink)

Sieht man sich die österreichische Literatur der letzten Jahre an, scheint es einen neuen Trend zum konservativen Erzählen zu geben: Daniel Kehlmann ist wohl das prominenteste Beispiel, aber auch Michaels Köhlmeiers hier kürzlich rezensierter neuer Großroman fällt in diese Kategorie.

Arno Geigers “Es geht uns gut” passt gut in diese Reihe. Der 2005 mit dem ersten deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman erzählt episodisch die Geschichte einer Wiener Familie. Philipp Erlach erbt die alte Villa seiner Großeltern, was den Anlass zu einem Rückblick auf mehrere Generationen gibt. Formal wechselt die Gegenwartshandlung mit diversen historischen Kapiteln ab, welche exemplarische Ereignisse aus der Familiengeschichte beschreiben und jeweils mit einem konkreten Datum überschrieben sind.

Das Buch liest sich ganz unterhaltsam, hinterlässt aber mangels Doppelbödigkeiten jeglicher Art keine bleibenden Eindrücke.

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Michael Köhlmeier: Abendland. Roman

Carl Hanser Verlag (Amazon Partnerlink)

Eigentlich hatte ich Köhlmeier als interessanten Autor schon abgeschrieben, seitdem er sich die letzten Jahre vor allem auf die fließbandmäßige Nacherzählung von Mythen und Sagen verlegt hatte. Der Ich-Erzähler des neuen Romans Sebastian Lukasser ist Schriftsteller und wird an einer Stelle von einem amerikanischen Lektor darauf angesprochen, dass sich mit Shakespeare Nacherzählungen eine Menge Geld verdienen ließe. Köhlmeier hat mit Shakespeare neu erzählt ein ähnliches Buch vorgelegt und ist damit wenigstens erfrischend offen.

“Abendland” ist das bisher ambitionierteste Werk Köhlmeiers. Der Titel und Umfang (800 Seiten!) des Buches zeigen, in welche Gefilde er sich vorwagt: Ein großer Roman über das 20. Jahrhundert sollte es sein. Nimmt man hinzu, dass im Mittelpunkt mit Carl Jakob Candoris, der mit 95 Jahren seinem Patenkind Sebastian sein Leben erzählt, ein Mathematiker und Logiker steht, denkt man zwangsläufig an Ulrich, Hauptfigur von Musils “Mann ohne Eigenschaften”. So viel literarischer Wagemut ist sympathisch, deshalb las ich das Buch.

Nun ist es keine Überraschung, dass Köhlmeiers Roman dem Vergleich mit Musil oder Doderer nicht stand halten kann. Außergewöhnlich jedoch ist, dass dieses megalomane Projekt ein lesenswertes und sympathisches Ergebnis zeitigt. “Abendland” stellt dem Leser ein so weit ausgreifendes Handlungsgeflecht vor Augen, das ich hier im einzelnen nicht wiedergeben will. Es wird sowohl das Leben des Carl Candoris als auch das Sebastion Lukassers erzählt, mit einer großen Zahl an Nebenfiguren. Dieses Leben spielt sich zu wichtigen Teilen in Wien und Manhattan ab, nebenbei bekommt man also einen Wien- und New-York-Roman auf den Büchertisch. Es ist sehr viel von Musik (Jazz!) und einiges von Mathematik und Atomphysik die Rede. Kurz, was den semantischen Raum des Romans angeht, erfüllt Köhlmeier durchaus seinen Vorsatz, ein Panorama des letzten Jahrhunderts vorzulegen. Auf dieser Ebene bekommt man abwechslungsreiche und intelligente Lesekost vorgesetzt.

Es sind jedoch zwei Aspekte, warum “Abendland” zwar ein ausgezeichnetes Buch ist, es aber von anderen “Jahrhundertromanen” doch einen Respektabstand einhalten muss: das ästhetische Konzept und die Behandlung intellektueller Themen. Köhlmeier ist ein klassischer Erzähler und so ist der Roman auch angelegt. Aus verschiedenen Ich-Perspektiven bekommen wir Teile der Biographien des Romanpersonals traditionell erzählt. In dem Bezugsrahmen “realistische Erzählung” ist das handwerklich hervorragend gemacht. Speziell die geschickte Behandlung der verschiedenen Zeitebenen, die kunstvolle Verknüpfung von Vor- und Rückblenden und die narrative Gesamtkonzeption des Werks, die eine Menge von Handlungsebenen überblicken muss, sind vortrefflich gelungen. Im deutschsprachigen Raum dürfte es nur wenige Autoren geben, die Köhlmeier hier das Wasser reichen könnten. Man fühlt sich eher an große amerikanische Autoren erinnert.

Nun stellt sich aber die grundsätzliche Frage, ob diese klassische Erzählweise zu Beginn des 21. Jahrhunderts für ein Sprachkunstwerk wirklich angemessen ist – und das muss man verneinen. Etwas mehr Mut zu avancierten Erzähltechniken und gezielte Variation der Erzählmittel, und es wäre ein Meisterwerk geworden.

Mein zweiter Einwand betrifft die Behandlung der intellektuellen Themen im Roman. Auch hier sei vorweg eingeräumt, dass Köhlmeier das Prädikat eines gelehrten Autors durchaus verdient. Er kennt nicht nur die Klassiker der Weltliteratur (auf die implizit und explizit angespielt wird) und weiß viel Hörenswertes über Musik- und Wissenschaftsgeschichte zu schreiben. Aber auch hier gilt: Er bringt diese Themen vergleichsweise bieder in den Roman ein. Das wird deutlich, wenn man beispielsweise die Verarbeitung der mathematischen Themen mit denen im “Mann ohne Eigenschaften” vergleicht, oder die Literarisierung von Musik mit dem “Dr. Faustus”. Während Köhlmeier klug über Musik schreibt, übersetzt Thomas Mann Musik fulminant in Literatur. Außerdem scheint sich Köhlmeier vor der Tragfähigkeit dieser Themen zu fürchten. Anstatt ihnen den Raum zu geben, den sie intellektuell verdienen, werden sie zugunsten von traditionell spannenden Handlungselementen (inklusive Mord und Spionage) vernachlässigt. Mehr Mut zum Geist, möchte man ihm beim Lesen zurufen, speziell im letzten Viertel.

Obwohl diese Einwände durchaus schwerwiegend sind, las ich “Abendland” sehr gerne. Der Roman gehört sicher zu den interessantesten österreichischen Büchern seit Jahren und verdient es, dass man sich mit ihm beschäftigt.

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Cormac McCarthy: The Road

Man ist es heutzutage ja gewöhnt, dass drittklassige Bücher als Meisterwerke gepriesen werden. Trotzdem machten mich die Hymnen auf “The Road” ausreichend neugierig, um diesen Roman zu lesen. Eine gute Entscheidung! Es ist eine Weile her, dass mich Gegenwartsliteratur so nachdenklich zurück gelassen hat. Es beginnt bei der Thematik, welche für die amerikanische Gegenwartsliteratur sehr ungewöhnlich ist: die USA nach dem Untergang der menschlichen Zivilisation. McCarthy läßt die Ursachen dafür im Dunkeln, aber die Symptome deuten deutlich auf ein Szenario nach einem Atomkrieg hin. Ein Vater schlägt sich mit seinem kleinen Jungen durch diese postapokalyptische Welt in einem permanenten Überlebenskampf. Angesichts dieses pathetischen Settings ist man schon nach wenigen Seiten fasziniert, wie effektiv McCarthy seine Leser in diese Welt transferiert. Der Identifikationsfaktor ist hoch und man entwickelt ein starkes Interesse am (Über)leben der beiden Protagonisten.

Das Buch entfaltet ein großen Assoziationsraum. Angesichts des eigentlich sinnlosen Ziels der Reise, die Küste, denkt man an Beckett. Die nüchterne Schilderung grotesk-grausamer Situation führt gedanklich zu Kafka. An dem brutalen Überlebenskampf hätte Thomas Hobbes sein “homo homini lupus” adäquat illustriert gefunden. McCarthy schreibt eine klare, leicht archaisch wirkende Prosa mit Anklängen an die Sprache der Bibel.

Nach der bisherigen Beschreibung könnte man annehmen, es handelt sich bei “The Road” um ein abgrundtief schwarzes Buch. Der Autor setzt aber so effektiv die aufopferungsvolle Liebe von Vater und Sohn gegen diese Lebenshölle, dass sich ein strukturell ausgezeichnet funktionierender Kontrast ergibt. Diese Opposition liegt dem Funktionieren des Romans zugrunde und trägt ihn sowohl inhaltlich als formal.

Diese Konstellation lädt das Buch implizit mit einer religiösen Thematik auf. Deshalb läuft die Handlung auf eine Art “happy end” hinaus (soweit man in einem nuklearen Winter davon reden kann). Das halte ich für den größten Schwachpunkt dieses ungewöhnlichen Buches. Es wäre glaubwürdiger gewesen, das Buch ohne jegliche Hoffnung enden zu lassen. Aber dazu ist McCarthy wohl ein zu religiöser Mensch.

Cormac McCarthy: The Road (Vintage Paperback)

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