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Wie kann man sich seriös informieren?

Letztes Update: 13.9. 2016

Ich bin in fast allen Belangen ein Qualitätsfanatiker. Das gilt auch für meine Informationsquellen: Meine Ansprüche an journalistische Standards und Analysen sind die höchsten. Seit Jahrzehnten war und bin auf der Suche nach den besten Medien. In Zeiten, in denen sich viele Menschen glücklich in ihrem Informationsmüll suhlen, hier ein Leitfaden, wie man sich seriös informieren kann.

Einschränkend sei hinzugefügt, dass ich bereits vor Jahrzehnten überwiegend bei englischsprachigen Medien gelandet bin, weil deutschsprachige (leider!) nur selten die Qualität der besten angelsächsischen Angebote erreichen. Fakt ist auch: Wer die beste Qualität will, muss dafür bezahlen. Meine dringende Empfehlung ist also: Wer auf exzellente Informationen wert legt, muss zumindest gut Englisch lesen können.

Vorab die Technik: Für Podcasts nutze ich die Android-App Pocket Casts, als RSS Reader verwende ich Feedly. Einfach die unten erwähnten Podcasts bzw. RSS-Feeds in diesen Apps suchen und abonnieren. Beide sind bei mir im Dauereinsatz. Oft benutze ich auch den Kindle (Paperwhite & Apps). Als Geräte im Einsatz sind derzeit ein Nexus 6P für unterwegs sowie ein Samsung Tab S2 für daheim.

Die Grundversorgung

Völlig unverzichtbar für mich als intellektuelle Grundversorgung ist die New York Review of Books. Seit ziemlich genau zwanzig Jahren lese ich jede Ausgabe. Geboten wird einerseits bester Journalismus zu (welt)politischen Themen, oft als Kombination von Reportage & Analyse, so dass es kein wichtiges Thema gibt, über das man nicht regelmäßig auf höchstem Niveau informiert wird. Gleichzeitig gibt es ein weites Spektrum an Artikeln über kulturelle und wissenschaftliche Themen: Von der Kunstgeschichte bis zur Physik. Herausragend auch die vielen historischen Aufsätze, von der Antike bis in die Gegenwart. Die Autoren zählen alle zu den besten ihres Faches. Die Artikel sind ausführlich und meist hervorragend geschrieben. Ich beziehe ein Printabonnement, lese die Artikel inzwischen aber auch oft online im Web, was im Abo inkludiert ist. In dem hypothetischen Szenario, dass ich mich auf ein Medium beschränken müsste, wäre das zweifellos die NYRB.

Der zweite Grundpfeiler ist The Economist, den ich ausschließlich digital rezipiere. Die Korrespondenten und Journalisten gehören weltweit zu den besten ihrer Zunft. Nicht wenige sind im klassischen Sinne gebildet und deshalb in der Lage, ihre Themen (kultur)historisch überzeugend einzuordnen. Einzigartig ist die umfangreiche Auslandsberichterstattung. Keine aktuelles Medium bietet mehr Informationen über mehr Länder dieser Erde, von Afrika bis Zentralasien. Sehr gut ist auch die Wissenschafts- und Technologieberichterstattung sowie die ausführlichen Hintergrundberichte (Briefings) in jeder Ausgabe zu einem breiten Themenspektrum. Die Blattlinie ist im besten Sinne (Menschenrechte, Fokus auf individuelle Freiheit) liberal. Weniger sympathisch ist mir die Verteidigung der Finanzindustrie und die teilweise neoliberalen Positionen. Aber der Dogmatismus hält sich auch hier in Grenzen, wie etwa das regelmäßige Eintreten für einen Mindestlohn oder für Globalisierungsverlierer zeigt.

Erwähnenswert ist, dass die App eine Audio-Ausgabe inkludiert: Alle Artikel werden von guten britischen Sprechern gelesen, so dass man sie auch unterwegs anhören kann. Abgerundet wird das Angebot von Economist Espresso (Android App). Hier bekommt man einen – angesichts der Kürze – sehr gut gemachten Tagesausblick sowie einen Rückblick auf den Vortag. Auch mit dem Podcast Economist Radio macht man als Ergänzung nichts falsch.

Der günstigste Weg den Economist zu lesen ist übrigens über das Kindle-Abo. Für 10 Euro im Monat bekommt man alle Ausgaben. Nachteil: Der unbegrenzte Zugang zur Webausgabe (und damit zum Archiv) ist nicht inkludiert. Ebensowenig die sehr praktische Audioversion und der Espresso.


Tagesaktuelles

Von Fernsehnachrichten bin ich seit längerem fast völlig abgekommen. Falls doch einmal, dann bevorzuge ich Euronews. Klassische Hauptnachrichtenquelle für mich ist der Deutschlandfunk, sowohl die Nachrichten als auch die Informationssendungen. Alles höre ich überwiegend zeitversetzt als Podcast, manchmal auch klassisch als Internetradio. Auf die tägliche Sendung Hintergrund sei ebenfalls hingewiesen.

Statt traditionelles Fernsehen empfehle ich die You Tube Channels von Reuters, Al Jazeera, Vice News sowie (mit einigen Vorbehalten bezüglich der Themenauswahl) die amerikanischen Young Turks. Letztere als Gegenpol zu den amerikanischen Mainstream-Medien.

Von Ö1 höre ich als Podcast überwiegend die Kulturnachrichten und ab und zu auch ein Journal.

Für aktuelle Technik-News bevorzuge ich den heise Newsticker als RSS.

Aus Zeitgründen nicht täglich, aber doch oft lese ich ausgewählt die New York Times, überwiegend via Tablet App. Nachdem ich ein Probeangebot kündigen wollte, zahle ich derzeit nur 6 Euro pro Monat statt des Listenpreises von 30 Euro pro Monat. Ein gutes Investment.

Für die Österreichberichterstattung bevorzuge ich Die Presse als RSS-Feed bzw. seltener auch die App.

Folgende RSS-Feeds nutze ich in Feedly:
Politik: Reuters Top News, DiePresse.com, FAZ Ausland, wien.orf.at
Kultur: Die ZEIT Kultur, Standard.at Kultur, DiePresse.com Kultur, FAZ Feuilleton

Zur Abrundung und als Gegenpol zu den traditionellen Medien schließlich verwende ich Reddit, eine unter Nerds legendäre Crowdsourcing-Newsseite. Jeder kann dort anonym Links posten, die von allen bewertet werden. Je höher die Wertung, desto besser das Ranking. Was Nachrichten angeht, empfehle ich hier die Wordnews. Man muss dabei allerdings seinen Verstand einschalten, weil darunter auch fragwürdige Quellen auftauchen können.

Wöchentliches

Über die Wochenzeitschrift The Economist ist bereits alles gesagt. Bleibt noch die Wiener Stadtzeitung Falter, den ich als Printabo beziehe. Einerseits wegen der Wienberichterstattung (Kultur!), aber auch um in Sachen österreichischer Politik auf dem Laufenden zu bleiben. Der Falter bietet in Österreich mit die beste journalistische Qualität, was Recherchehandwerk und Themenauswahl angeht.

Hintergründiges und Spezielles

Nach Themen, welche mich interessieren, durchforste ich etwa zwei Mal im Monat die New York Times, speziell die Sektionen Books, Science und Technology.

Im Kindle-Abo lese ich ferner die amerikanische Monatszeitschrift The Atlantic. Weltklasse-Journalismus bieten hier regelmäßig die monatlichen Features, an denen man ab und an mehrere Stunden liest.

Für Technik-Themen schließlich lese ich seit mindestens 25 Jahren im Printabo die c’t, ergänzt durch den Podcast c’t Uplink.

Viele der erwähnten Medien informieren auch über Buch-Neuerscheinungen. Zusätzlich verwende ich hier den Perlentaucher, hier wieder gerne den Newsletter Bücher des Monats. Eine gute Anlaufstelle dafür ist auch Literaturkritik.de, besonders auch der praktische Newsletter.
Als Podcast höre ich schließlich ausgewählte Rezensionen der täglichen Deutschlandfunk-Sendung Büchermarkt sowie fast immer zeitversetzt das Buch der Woche, wo jeden Sonntag im Büchermarkt eine einzige wichtige Neuerscheinung vorgestellt wird. Hörenswert ist auch der Inside The New York Times Book Review.

Abschließend möchte ich noch an einen alten Bekannten erinnern, den ich sehr intensiv nutze, nämlich die Google Alerts, von denen ich knapp hundert aktive habe. Die meisten sind auf wöchentlich eingestellt, es gibt aber auch eine Reihe von täglichen Alerts, etwa Österreich, Austria, Wien und Vienna. Die Alerts lese und manage ich über die Google Inbox App.

Allgemeinbildung auf You Tube

Zuletzt aktualisiert am 30.1. 2016

Mich interessierte, wie seriös man sich auf You Tube inzwischen weiterbilden kann. Das Ergebnis ist im positiven Sinne überraschend: Es gibt jede Menge hochwertiger Videos – gute Englischkenntnisse einmal vorausgesetzt.

Da sind einerseits die großen angelsächsischen Universitäten, welche zahlreiche Vorlesungen ins Netz stellen. Ein ausgezeichnetes Beispiel ist der Channel der Yale University: YaleCourses. Dort finden sich beispielsweise eine vierundzwanzigstündige Vorlesung über Don Quijote oder die Introduction to Ancient Greek History with Donald Kagan, nebst naturwissenschaftlichen und ökonomischen Angeboten.

Dann gibt es vorbildliche Initiativen, die sich die weltweite Allgemeinbildung auf die Fahnen schreiben. Am bekanntesten ist hier die Khan Academy. Hier wird Wissen auf einer Art elektronischer Tafel vermittelt. Neben Fotos, Grafiken und Karten wird hier „handschriftlich“ vorgegangen, was erstaunlich gut funktioniert. Die Spannweite reicht von Pre-Algebra bis hin zu Cosmology and Astronomy. Selbst für History funktioniert diese Didaktik erstaunlich gut.

Schließlich gibt es Angebote, die sich in erster Linie an junge Menschen richten, welche ja bekanntlich den Großteil der You-Tube-Zielgruppe ausmachen. Ein Beispiel dafür ist die von Alain de Botton mit gegründete School of Life. Ich finde zwar nicht alles dort überzeugend, weil mir bei den geistesgeschichtlichen Themen der Tenor oft zu unkritisch ist. Es gibt aber verblüffende Videos, die komplexe Zusammenhänge einfach verständlich machen. Etwa Capitalism aus der Reihe History of Ideas oder Why Some Countries Are Poor and Others Rich.
Sehr erfolgreich ist auch CrashCourse, die zwar immer wieder einmal auf zielgruppenspezifische Blödeleien setzen, aber in Sachen Wissensvermittlung eine hochwertige Arbeit leisten. Einen gutes Exemplar dafür ist Mansa Musa and Islam in Africa aus der Reihe World History.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, der kann mit den Intelligent You Tube Channels weitermachen.

Was internationale Nachrichtenberichterstattung angeht, empfehle ich zwei Channels: Reuters, Al Jazeera und die Vice News. Meist sehenswert sind auch die amerikanischen Innenpolitik-Beiträge der Young Turks.

Empfehlungen: Great Courses – die besten Kurse

Letztes Update am 20.11. 2016

Die Great Courses habe ich hier schon einmal im Allgemeinen empfohlen. An dieser Stelle will ich nun konkreter werden und einige der Kurse auflisten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich habe die meisten als Audioversionen gehört, mit Ausnahmen wie Kunstgeschichte und ein paar anderen.

Seit kurzem gibt es die Kurse auch als Video-Downloads. DVD-Bestellungen waren wegen Zollgebühren etc. bisher mühsam.

Vorab noch der Hinweis: Die Listenpreise erscheinen relativ hoch. Es geht aber jeder Kurs regelmäßig „On Sale“ und wird dann für einen Bruchteil des Listenpreises angeboten.

Notizen über einzelne Kurse finden sich hier.

Antike:

History of Ancient Egypt
Ancient Greek Civilization
The Persian Empire
Greek and Persian Wars
Peloponnesian War
History of Ancient Rome
Emperors of Rome
Rome and the Barbarians
History of the Ancient World: A Global Perspective

Geschichte:

Big History. The Big Bang, Life on Earth, and the Rise of Humanity
Foundations of Western Civilization I & II
Story of Medieval England: From King Arthur to the Tudor Conquest
History of England from the Tudors to the Stuarts
Italian Renaissance
War, Peace, and Power: Diplomatic History of Europe, 1500–2000
Origins and Ideologies of the American Revolution
Living the French Revolution and the Age of Napoleon
History of the United States, 2nd Edition
History’s Greatest Voyages of Exploration
Maya to Aztec: Ancient Mesoamerica Revealed

Kunst:

How to Look at and Understand Great Art.
A History of European Art
Great Artists of the Italian Renaissance

Literatur:

Masterpieces of Ancient Greek Literature
Dante’s Divine Comedy

Musik:

Bach and the High Baroque
Great Masters: All 10 Great Masters (Set)
How to Listen to and Understand Great Music
How to Listen to and Understand Opera
Operas of Mozart

Naturwissenschaften:


Your Deceptive Mind: A Scientific Guide to Critical Thinking Skills
Einstein’s Relativity and the Quantum Revolution: Modern Physics for Non-Scientists, 2nd Edition
Nature of Earth: An Introduction to Geology
Origins of Life
Understanding the Human Body: An Introduction to Anatomy and Physiology
Dark Matter, Dark Energy: The Dark Side of the Universe

Philosophie:

Great Minds of the Western Intellectual Tradition, 3rd Edition
Plato, Socrates, and the Dialogues
Plato’s Republic
Machiavelli in Context

Religionswissenschaft:

Old Testament
Historical Jesus
The New Testament
Lost Christianities: Christian Scriptures and the Battles over Authentication
Exploring the Roots of Religion

Exzellente Einführung in die Antike

Wer sich für die Antike interessiert und des Englischen passabel mächtig ist, der wird kaum eine bessere allgemeine Einführung in die Antike finden als diese History of the Ancient World: A Global Perspective. Prof. Aldrete spannt in 48 je dreißig Minuten langen „Lectures“ einen weiten Bogen von den ersten Zivilisationen in Mesopotamien bis zur Zeit Karls des Großen. Naturgemäß kann er dabei nicht sehr ins Detail gehen und, wer sich bereits ein grundlegendes Wissen erarbeitet hat, wird kaum neue Fakten erfahren. Allerdings bezieht Aldrete auch China, Indien, Südamerika und Afrika mit ein, deren alte Geschichte uns weit weniger vertraut ist als die der Griechen und Römer.

Besonders spannend wird es, wenn Adrete Querbezüge zwischen den einzelnen Kulturen herstellt. Beispielsweise vergleicht er die zeitgenössische Geschichtsschreibung der alten Griechen mit der indischen und chinesischen. Oder er arbeitet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Römischen Reich und dem chinesischen Han-Reich heraus, die gleichzeitig ihre jeweiligen Weltteile beherrschten.

Noch ein Hinweis zur Preispolitik der Great Courses: Einen Kurs nie zum Listenpreis kaufen, es gibt regelmäßig einen stark ermäßigten Preis.

Gregory S. Aldrete: History of the Ancient World: A Global Perspective (Teaching Company)

Was soll man lesen?

Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2013

Ab und an werde ich gefragt, welche aktuellen Printmedien ich lese bzw. wo ich mich online über aktuelle Geschehnisse auf dem Laufenden halte. Das grundlegende Dilemma dabei beginnt aber schon eine Stufe früher: Wie viel Lesezeit soll man überhaupt für Tagesaktualitäten investieren? Wäre die Lesezeit nicht optimaler verwendet, wenn man Bücher bzw. Klassiker läse? Dem entgegen entsteht der intellektuelle Anspruch, über das Weltgeschehen passabel informiert zu sein, weil mir ein Leben im Blindflug wenig erstrebenswert erscheint.

Während des Studiums war das kein Problem: Ich hatte genügend Zeit für Aktuelles und für Klassisches. Viele Jahre las ich jeden Tag ausführlich die Neue Zürcher Zeitung, phasenweise auch die FAZ, dessen Feuilleton- und Buchberichterstattung im deutschsprachigen Raum nach wie vor unerreicht ist. Auch Die Zeit vernachlässigte ich nicht, wobei ich sie bereits in den neunziger Jahren immer weniger las. Die New York Review of Books war bereits damals für mich am Wichtigsten. Auch das Times Literary Supplement (TLS) lag regelmäßig auf meinem Lesetisch.

Nach dem Studium las ich noch einige Jahre die NZZ weiter. Durch die zusätzlichen Angebote im Web war aber bald der Punkt erreicht, an dem ich für die klassische Zeitungslektüre keine Zeit mehr hatte bzw. für Buchlektüre kaum mehr etwas übrig geblieben wäre. Für das wöchentlich erschienene TLS war längst keine Zeit mehr.

Meine Printmediennutzung sieht nun so aus:

Als völlig unverzichtbar für die intellektuelle Grundversorgung erachte ich die seit 1996 abonnierte New York Review of Books. Was aktuelles Weltgeschehen angeht, fand ich bisher keine bessere Zeitschrift als den The Economist. Österreichische und Wiener Themen deckt der Falter hinreichend ab, ergänzt von der einen oder anderen Webseite.

Im Web nutze ich oft die Seiten meiner Lieblingsmedien, also die NYRB (und dessen Blog) sowie The Economist. Zusätzlich bin ich ein starker RSS-Nutzer. Diverse Newsquellen und Blogs lese ich vor allem auf diesem Weg. Was Technik-Neuigkeiten angeht, ist Tagesaktualität nur selten notwendig. Mein Abonnement der c’t versorgt mich zuverlässig mit allen Neuigkeiten.

Exzellente Einführung in die Kunstgeschichte

Im deutschsprachigen Raum wird Kunstgeschichte ja gerne, wie auch andere Geisteswissenschaften, als Geheimwissenschaft betrieben. Man hält sich das normale Volk durch einen kunsthistorischen Jargon vom Leib, den auch Studenten erst nach einigen Semestern verstehen. Dass es auch ganz anders geht, zeigt diese brillante Einführung in die Kunstbetrachtung: How to Look at and Understand Great Art. Die Teaching Company preise ich hier ja bereits seit vielen Jahren an. Professor Sharon Latchaw Hirsh Ziel ist es, Museumsbesuchern die notwendigen Werkzeuge in die Hand zu geben, um Kunst aller Epochen würdigen zu können. Es wird keinerlei Vorwissen vorausgesetzt. Die Video-Vorlesung ist in zwei große Teile gegliedert: Im ersten wird man mit dem formalen Handwerkszeug der Künstler bekannt gemacht (Linien, Farben, Perspektive, Komposition, Drucktechniken etc.), im zweiten wird dieses Wissen dann chronologisch auf kunstgeschichtliche Epochen angewandt. Ich garantiere allen, die sich noch nicht systematisch mit Kunst beschäftigt haben, dass sie anschließend jedes Museum mit anderen Augen und deutlich mehr Erkenntnisgewinn betreten. Selbst ich, der ich seit vielen Jahren weltweit alle Museen unsicher mache, habe noch sehr davon profitiert.

Von den hohen Listenpreisen sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen. Jeder Kurs wird mehrmals pro Jahr radikal ermäßigt angeboten.

Sharon Latchaw Hirsh: How to Look at and Understand Great Art. 36 Lectures, 18 Stunden (Great Courses)

Empfehlungen: WBG

Der im besten Sinne anspruchsvollste „Buchclub“ im deutschsprachigen Raum ist die Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Im Gegensatz zum Namen handelt es sich um keine rein akademische Angelegenheit. Es gibt dort auch immer Klassiker-Ausgabe mit einem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis sowie günstige Lizenzausgaben vieler spannender Fach- und Sachbücher. Man zahlt einen moderaten jährlichen Mitgliedsbeitrag und muss ein Buch pro Jahr kaufen. Viele Bücher meiner Bibliothek habe ich dort bestellt.

Empfehlungen: Daily Show

Jon Stewarts (fast) tägliche Daily Show nimmt sich satirisch den Auswüchsen der amerikanischen Politik an und bringt seinen Zusehern die aktuelle Nachrichtenlage originell nahe. Die Bandbreite der eingesetzten Formate ist groß: Groteske Zusammenschnitte aus den Nachrichtensendern (Zielscheibe des Spotts ist hier vor allem Fox News), Sketche, „Korrespondentenberichten“, „Expertenauftritten“ und Filmbeiträge benennen die wichtigsten Beitragsarten.

Die einzelnen Sendungen sind natürlich von unterschiedlichem Niveau. Es sind aber regelmäßig brillante Folgen dabei, die Stewart zu Recht zu einer Ikone des linksliberalen Amerika werden ließ. Speziell zur Amtszeit von Bush senior war Stewart auch international ein Sprachrohr des „anderen Amerika“.

Dass die Daily Show in diese Rolle hineinwachsen konnte, illustriert die trauige Medienlandschaft in den USA. Wenigen Qualitätsmedien stehen Hetzsender wie Fox News gegenüber. Das erinnert an die Lage in Österreich, wo eine Stadtzeitschrift wie der Falter in Sachen investigativem Journalismus einspringen muss, weil die meisten anderen Medien nicht mehr in der Lage sind, diese für eine Demokratie essenzielle Rolle einzunehmen.

Empfehlungen: Southpark

Üblicherweise erwartet man als Kulturmensch im Fernsehen keine im engeren Sinn aufklärerischen Inhalte. Den Ruf als Verblödungsmaschinerie haben sich ja nicht nur die privaten TV Stationen in den letzten Jahren mit großen Anstrengungen in puncto Dummheitsformate erarbeitet. Das man das Medium auch anders nutzen kann, zeigt die Serie Southpark, die seit mehr als zehn Jahren von Comedy Central ausgestrahlt wird.

Die inzwischen mehr als 200 Folgen nehmen die amerikanische Alltagskultur mit einer kritischen Boshaftigkeit aufs Korn, die seinesgleichen sucht. Mit brachialer Satire werden nicht nur alle Religionen bedacht, sondern auch amerikanische Celebrities, internationale Bösewichte und Konsumdummheiten aller Art. Diese Brachialität wird geschickt durch eine Vielzahl von subtilen Anspielungen ausbalanciert.

Der dramaturgische Trick, sich scheinbar „unschuldigen“ Kindern zur Entlarvung von Erwachsenendummheiten zu bedienen, funktioniert im Medium Fernsehen also ähnlich gut wie in manchen Romanen. Auch die Blechtrommel profitiert von diesem Effekt. So könnte massenmediale Aufklärung heute also funktionieren.

Tipps für eine Wien-Reise

Letztes Update: 12. November 2016

Kulturinteressierte fragen mich oft nach Empfehlungen für eine Wien-Reise. Deshalb fasse ich die wichtigsten an dieser Stelle einmal zusammen. Vollständigkeit ist nicht angestrebt. Meine aktuelle Kulturberichterstattung findet sich in der Kategorie Wien.

Museen

Kunsthistorisches Museum
Eine der großen europäischen Gemäldegalerien mit einer Vielzahl exzellenter Bilder. Das Gebäude versteht man am besten als Teil des Museums: Als großartiges Monument der Ringstraßenarchitektur. Der Schwerpunkt liegt auf der italienischen und niederländischen Malerei. Die vor einigen Jahren sehr geschmackvoll umgestaltete Antikensammlung ist ein weiterer Höhepunkt. Eine ägyptische Sammlung und ein Münzkabinett sind ebenfalls im Haus am Ring untergebracht. Aktuelle Ausstellungen runden das Programm ab.

Naturhistorisches Museum
Direkt gegenüber des Kunsthistorischen Museums gelegen. Wer die großen naturwissenschaftlichen Museen (von München bis New York) bereits kennt, könnte sich einen Besuch aus inhaltlichen Gründen sparen. Die einschlägigen Themengebiete findet man anderen Orts besser & frischer präsentiert. Das NHM ist aber trotzdem einen Besuch wert: Es ist das Museum eines Museums. Die Räume mit den gediegenen alten Holzschaukästen und das Gebäude haben eine Atmosphäre, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man einen Sinn für diese Dinge hat.
Einen enthusiastischen Besuch dokumentiert Florian Freistetter in diesem Blogbeitrag.

Museumsquartier
Das Museumsquartier spielt eine Doppelrolle in der Stadt. Einerseits sind dort mehrere Museen und eine Reihe von Kultureinrichtungen untergebracht. Andererseits ist es einer der beliebtesten urbanen Treffpunkte in der Innenstadt. Wenn das Wetter mitspielt, sind dort hunderte Bobos in freier Wildbahn zu beobachten.
Das Leopold Museum hat eine (nach meinem Geschmack) sehr divergente Sammlung mit sehr unterschiedlicher Qualität. Es gibt dort aber so viel Hochkarätiges zu sehen (Klimt!), das man einen Besuch auf jeden Fall in Erwägung ziehen sollte.
Im MUMOK findet man die größte Sammlung moderner Kunst in Wien. Die Auswahl ist eklektizistisch und entbehrt großer Höhepunkte. Ausnahme ist die sehr umfangreiche Sammlung rund um den Wiener Aktionismus. Die Ausstellungen konnten mich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bisher nicht begeistern.

Schatzhaus Mittelalter
Das Untere Belvedere wird für Sonderausstellungen genutzt. Man findet dort aber auch dieses kleine, aber feine Sammlung mittelalterlicher Kunst. An deren Ende finden sich ausgewählte Skulpturen der Epoche. Dieser kleine Raum ist meiner Lieblingsorte in Wien.

Bestattungsmuseum
Eine kurze Notiz darüber gibt es hier. Lässt sich ideal mit einem Besuch des Zentralfriedhofs verbinden: Ein Rundum-Sorglos-Paket in Sachen Wiener Morbidität also.

Globenmuseum
Einer meiner Lieblingsorte in der Stadt! Im Stockwerk eines Stadtpalais in der Herrengasse untergebracht, enthält das Museum eine der besten Globensammlungen. Es verirren sich meist nur wenige Besucher hin, was sehr zur Atmosphäre beiträgt. Wer sich für Kartographie interessiert, bekommt eine Fülle von Informationen zum Thema. Die alten Globen sind auch ästhetisch sehr ansprechend.

Prunksaal der Nationalbibliothek
Pflichtbesuch für Bücherfreunde. Punkt.

Literaturmuseum
Ein schöner Neuzugang in der Wiener Museumslandschaft. Der Österreichischen Nationalbibliothek angegliedert gibt das Haus in einer gut gemachten Dauerausstellung einen Überblick über die Geschichte der österreichischen Literatur. Bücherfreunde sollten unbedingt einen Rundgang einplanen.

Römermuseum
Das Römermuseum ist institutionell Teil des Wienmuseums . Im Wien Museum am Karlsplatz gibt es eine Dauerausstellung zur Wiener Geschichte und meist sehr ansprechend gemachte aktuelle Ausstellungen. Das Römermuseum bietet dem an der Antike Interessierten eine sehr gute Möglichkeit, exemplarische Ausgrabungen aus der Römerzeit anzusehen. Informationen zur Stadtgeschichte runden die Fundstücke ab.

Heeresgeschichtliches Museum
Ein Unikum in der Wiener Museumslandschaft. Man flaniert durch eine höchst skurrile Mischung aus Geschichts- und Militärverklärung mit kritischen Einsprengseln. Dem Kenner erschließen sich deshalb interessante Einsichten über das vergangene und gegenwärtige Österreich.

Wirtschafsmuseum
In dieses Museum verirren sich nur selten Touristen. Es ist in einem wunderschönen Altbau unter gebracht und beherbergt gleichzeitig das Kaffeemuseum. Eine der Gründer war Otto Neurath, weshalb für Freunde des Wiener Kreises ein Besuch ohnehin Pflichtprogramm ist. In einem Stock wurde das Wiener Leben der Jahrhundertwende nachgebaut, etwa eine Wohnung mit der damaligen Einrichtung. Eine charmante Idee.

Theater & Oper

Es gibt drei Opernhäuser (und eine freie Szene) in Wien sowie jede Menge Theater. Als Besucher sollte man die besten Häuser kennenlernen, also die Wiener Staatsoper (meist konservative Inszenierungen bei hohem musikalischen Niveau) und das Burgtheater. Hier ist speziell die kleinere Bühne, das Akademietheater, sehr empfehlenswert. Aber auch die experimentellen Bühnen des Hauses, das Kasino und das Vestibül bieten meist spannendes Theater.
Für das Burgtheater kann man online am 20. jedes Monats die Karten für das Folgemonat bestellen. Bei der Staatsoper beginnt der Vorverkauf immer genau einen Monat vor einer Vorstellung. In meinen Theater-Notizen stelle ich aktuelle Inszenierungen vor.

Stadt-Orte

Die Innenstadt (Erster Bezirk) ist ein furioses Freiluftmuseum. Ausführliche Erwanderung mit einem guten Reiseführer empfohlen! Die Ringstraße entlang zu spazieren, ist auch kein Fehler.

Auf keinem Fall entgehen lassen sollte man sich den Naschmarkt. Multikultureller Flair und sehr beliebte Bobo-Freiluftzone, obwohl natürlich immer auch jede Menge Touristen unterwegs sind. Authentisch multikultureller geht es auf dem Brunnenmarkt zu.

Der Zentralfriedhof liegt etwas außerhalb, ist aber ein für Wien sehr symbolischer Ort. Neben „Ehrengräbern“ der Kulturprominenz (Schubert!), ist vor allem der jüdische Teil des Friedhofs sehr sehenswert. Historische Denkanstöße sind dabei ebenso garantiert wie eine solide Portion Wiener Morbidität. Seit Herbst 2014 ist dort auch das Bestattungsmuseum untergebracht (siehe oben).

Für Freunde des Makabren sei noch auf den kleinen Friedhof der Namenlosen hingewiesen, wo über Jahrzehnte namenlose Donauleichen beerdigt wurden. Danach kann man dort auch noch einen Spaziergang direkt an der Donau machen und Wiener Kleinbürger in ihrer Schrebergartenidylle studieren.

Die Uno-City ist aus zwei Gründen besuchenswert. Erstens war die Errichtung dieses Stadteils eines der größeren Architektur-Projekte in den letzten Jahrzehnten und es ist der einzige Ort in Wien, der eine (bescheidene) Wiener Skyline bietet (z.B. vom Donaupark aus). Zweitens ist Wien ja eine Stadt mit vielen internationalen Organisationen und die UNO deren prominenteste. Wer sich dafür interessiert, sollte eine Führung durch die UNO machen. Man lernt dann nicht nur einen meist übermotivierten jungen UNO-Mitarbeiter kennen, sondern bekommt auch noch ein Design-Museum präsentiert. Die Inneneinrichtung ist im Stil der 1970er gehalten und wirkt heutzutage ziemlich schräg.

Interessant für Bücher- und Architekturfreunde ist die Hauptbücherei der Stadt Wien. Nicht in der renommiertesten Gegend errichtet, hat es das Bahnhofsviertel in mehrerer Hinsicht aufgewertet. Ein gelungener Bibliotheksbau!

Lohnend auch eine Beschäftigung mit dem Roten Wien. Wer sich dafür interessiert, erkundet es am besten mit Inge Podbreckys Stadtführer Rotes Wien.

Ein Ort mit sehr eigenem Flair ist auch der Narrenturm, Verzeihung, ich meine natürlich das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum. Die gruseligsten Ausstellungsgegenstände sind seit einigen Jahren aber nur noch mit Führung zugänglich. Bei heraufgesetzter Ekelschwelle einen Besuch wert.

Für Literaturfreunde ist natürlich ein Besuch der Strudlhofstiege im 9. Bezirk unverzichtbar. Der Neunte ist nicht nur „der“ Doderer-Bezirk in Wien. Auch der Wiener Kreis hat sich überwiegend in dieser Stadtgegend herumgetrieben.

Wien wurde nicht nur durch den Barock geprägt, sondern auch durch das „Rote Wien“ in den zwanziger Jahren. Darüber kann man sich in der Dauerausstellung Das Neue Wien im Waschsalon exzellent informieren. Das kleine Privatmuseum nutzt einen ehemaligen Waschsalon des Karl-Marx-Hof, einem der größten und berühmtesten Gemeindebauten Wiens, den man deshalb auch gleich kennenlernt.

Kaffeehäuser

An tollen Kaffeehäusern besteht in Wien kein Mangel. Ich selbst bin in der Innenstadt sehr gerne im Cafe Engländer oder im Cafe Museum. In der erweiterten Naschmarkt-Gegend wäre das Cafe Sperl ein weiterer Klassiker.
Ein Geheimtipp und völlig touristenfrei ist das Cafe Goldegg. Unbedingt einen Blick in den „Rauchsalong“ werfen.

Lokale

Wien ist auch ein kulinarisches Eldorado, wo man im Vergleich zu anderen Großstädten sehr gut essen kann, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen. Sehr gute Lokaltipps gibt es online beim Falter: Wien, wie es isst…. Meine Empfehlung wäre nach den Besten des Bezirks zu suchen, in dem man übernachtet.
Zwei meiner Stammlokale mit sehr guter Küche sind: Zum Alten Fassl. Klassisches Wiener Beisl mit Wiener Küche auf hohem Niveau. Wer asiatische Küche schätzt, wird an der authentischen Kochkunst im On Restaurant seine Freude haben.

Viele Lokale in Wien stellt mein Bekannter Helmut Hackl auf seinem Blog vor.

Unterkunft

Empfehlen kann ich die sehr zentral gelegene und geschmackvolle Pension Museum. Man ist in wenigen Minuten zu Fuß beim Kunsthistorischen Museum und an der Ringstraße.

Das besten Preis/Leistungsverhältnis in Wien haben vermutlich die „Billig-Design-Hotels“ von Motel One. Es gibt bereits mehrere Häuser und es sind weitere geplant.

Reise-Zeit

Die Museen und Kaffeehäuser, Opernhäuser und Theater sind natürlich ganzjährig ausgezeichnet besuchbar. Meine Lieblingsmonate für Wien sind Mai und September.

Wien-Literatur

Meine Lieblingsromane über Wien sind:

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege
Thomas Bernhard: Alte Meister

Reise-Literatur

Felix Czeike: DuMont Kunst Reiseführer Wien
Der ausführlichste Reiseführer zu allen kulturellen Themen. Kenntnisreich und anspruchsvoll.

Erich Klein: Denkwürdiges Wien
Geschichtlich orientierte Spaziergänge mit vielen spannenden Hinweisen, die man kaum in eineM anderen Reiseführer findet. Wer sich für das politische Wien interessiert, ist mit dem Buch bestens aufgehoben.

Peter Eickhoff: 111 Orte in Wien, die man gesehen haben muss
Informationen über dieses Buch finden sich in meiner Notiz.

Für aktuelle Veranstaltungstipps, Kulturberichte etc. besorgt man sich in Wien angekommen am besten den aktuellen Falter. Erscheint jeden Mittwoch neu und zählt „nebenbei“ auch zu den besten Printmedien in Österreich.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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