Bibliomanie

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Digital Public Library of America

Am 18. April startet die Digital Library of America, ein Gegenprojekt zu Google Books, das von zahlreichen bekannten Gelehrten und der Harvard University unterstützt wird. Darunter Robert Darnton, der das Projekt in der New York Review of Books ausführlich vorstellt:

The DPLA will be a distributed system of electronic content that will make the holdings of public and research libraries, archives, museums, and historical societies available, effortlessly and free of charge, to readers located at every connecting point of the Web. To make it work, we must think big and begin small. At first, the DPLA’s offering will be limited to a rich variety of collections—books, manuscripts, and works of art—that have already been digitized in cultural institutions throughout the country. Around this core it will grow, gradually accumulating material of all kinds until it will function as a national digital library.

Robert Darnton würde sich als Kenner des 18. Jahrhunderts und der Aufklärung natürlich selbst untreu, stellte er dieses Unterfangen nicht in den entsprechenden Kontext:

For all its futuristic technology, the DPLA harkens back to the eighteenth century. What could be more utopian than a project to make the cultural heritage of humanity available to all humans? What could be more pragmatic than the designing of a system to link up millions of megabytes and deliver them to readers in the form of easily accessible texts?
Above all, the DPLA expresses an Enlightenment faith in the power of communication. Jefferson and Franklin—the champion of the Library of Congress and the printer turned philosopher-statesman—shared a profound belief that the health of the Republic depended on the free flow of ideas. They knew that the diffusion of ideas depended on the printing press. Yet the technology of printing had hardly changed since the time of Gutenberg, and it was not powerful enough to spread the word throughout a society with a low rate of literacy and a high degree of poverty.

Ein weiterer Artikel zum Thema: The Library of Utopia

Karlheinz Rossbacher: Lesen und Leben

Erscheint in Literatur und Kritik.

Karlheinz Rossbacher prägte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 Generationen von Salzburger Germanistikstudenten. Ich zähle selbst dazu: Nicht nur besuchte ich in den neunziger Jahren eine Reihe von Rossbachers Seminaren, er betreute auch meine Diplomarbeit und meine Dissertation. So sind einige literarische Themen seines neuen Buches für mich alte Bekannte. Erwähnt sei seine Vorliebe für Goethe, aber auch jene für die Kriminalliteratur. Überrascht dagegen war ich von vielen biographischen Einsichten, die jetzt im Nachhinein einige Ecken erhellen, die während meines Studiums dunkel geblieben sind.

Rossbacher hat keine klassische Gelehrten-Autobiographie geschrieben. Lesen und Leben ist eine Essaysammlung. Angeordnet sind die Texte alphabetisch, wobei jeder Buchstabe durchaus mehrmals vorkommen darf. Ohne dies überprüft zu haben, bleibt am Ende der Eindruck zurück, dass die Literatur über das Leben dominiert. Die Frage, ob ein Professorenleben eine autobiographische Aufarbeitung verdient, spricht Rossbacher zu Beginn selbst an. Eine typisches zentraleuropäisches Problem, wenn man sich das umfangreiche akademische Memoirenwesen aus dem angelsächsischen Raum vor Augen hält. Das autobiographisch-literarische Doppelkonzept zeugt von Bescheidenheit, an vielen Stellen hätte man gerne noch mehr gewusst.

Dabei ist Rossbacher die angelsächsische Welt nicht fremd. Heute sind Fernreisen für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit. Als Rossbacher 1963 als dreiundzwanzigjähriger Fulbright-Stipendiat den Atlantik überquerte, war es noch eine Besonderheit. Dieses erste Zusammentreffen mit einer anderen Kultur gibt viele Denkanstöße. Wie sehr dieser amerikanische “Kulturschock” auch zwanzig Jahre später einen aus der Provinz stammenden jungen Menschen noch beeinflussen kann, zeigt als weiteres Beispiel Alle Toten fliegen hoch: Amerika des Schauspielers Joachim Meyerhoff.

Amerikanische Literatur spielt in Lesen und Leben eine prominente Rolle. Schon zu Beginn beim Buchstaben B stoßen wir auf Bulkington, ein Essay, der sich gut eignet, Rossbachers Vorgehensweise zu illustrieren. Ausgehend von der Jugendlektüre einer stark gekürzten Ausgabe des Moby Dick und nach dem Einstreuen vieler interessanter Lesefrüchte von Brecht bis Canetti, macht uns Rossbacher schließlich mit der Figur des Seemanns Bulkington bekannt, die mir vor vielen Jahren bei meiner Lektüre des Romans gar nicht aufgefallen war. Ich besuchte freilich auch kein Seminar über die amerikanische Literatur des 19. Jahrhunderts wie Rossbacher damals an der University of Kansas, über das ebenfalls ein kurzer Exkurs zu lesen ist. Nach diesen wohldosierten Abschweifungen landen wir wieder beim Seemann Bulkington, den der Ich-Erzähler des Romans, Ishmael, vor seiner Ausfahrt mit Kapitän Ahab in einem Gasthaus trifft. Das kurze Kapitel 23 des Moby Dick ist ihm gewidmet und Rossbacher arbeitet sowohl die Bedeutung Bulkingtons als Menschentyp als auch seine strukturelle Funktion in dem Riesenroman heraus. Dabei hat die Passage nur etwa 40 Zeilen – ein Beispiel, wie es Rossbacher immer wieder gelingt, aus hervorragend beobachteten und oft übersehenen Details größere Zusammenhänge herzustellen.

Sozialgeschichte und Soziologie sind zwei akademische Schwerpunkte Rossbachers. Die Wechselwirkung zwischen Sozialgeschichte und Literatur, untersuchte er etwa am Beispiel der kritischen Heimatliteratur in Österreich. Innerhofers Roman Schöne Tage ist ein prominenter Vertreter dieses Genres. Aus der Soziologie holt sich Rossbacher immer wieder methodische und analytische Werkzeuge für die Literaturwissenschaft. Norbert Elias große Studien dienen als Ideengeber.
Ich werde bei der Lektüre den Eindruck nicht los, dass in Lesen und Leben diese beiden Fächer ebenfalls eine Rolle spielen und zwar bei der Auswahl der autobiographischen Erlebnisse. So sind die am ausführlichsten geschilderten Lebensstationen meist auch sozialgeschichtlich von hoher Bedeutung. Rossbachers Kindheit in Kärnten hatte nämlich eine große Besonderheit: Er war Protestant.

Das Aufwachsen als religiöser Außenseiter in der Kärntner Provinz schildert Rossbacher so ausführlich und schonungslos wie man das von der österreichischen Antiheimatliteratur her kennt:

Den katholischen Religionsunterricht in der Hauptschule besorgte ein Kaplan, dessen lose Hand ihm den Namen “Watschenkaplan” eingetragen hatte. Von diesem Mann erhielt ich eines Tages, auf dem Gehsteig vor der Schule, ganz plötzlich, aus dem sprichwörtlich heiteren Himmel, einen Schlag ins Gesicht, ein Mittelding zwischen Ohrfeige und Faustschlag, ohne das dem irgendetwas vorangegangen war. Er schlug zu, ich schrie auf. So einfach war das bei diesem Vorgänger jener Prügelkleriker, die gegenwärtig serienweise auffliegen.

Von frühester Kindheit an als Teil einer Minderheit aufzuwachsen, schärft den Blick für Differenzen und regt von Anfang an zum Nachdenken an. Die Literaturgeschichte ist voll mit Beispielen, wie Außenseiter aller Art bei Büchern landen. Sei es als Autoren, sei es als (professionelle) Leser. So gesehen mag diese Erfahrung der Diaspora (wie dieser Abschnitt betitelt ist) einen Grundstein für Rossbachers spätere Karriere gelegt haben.

Einer Minderheit anzugehören, hieß aber nicht automatisch, im Alltag nicht akzeptiert zu werden. Der junge Protestant wurde beispielsweise zum Klassensprecher gewählt. Allerdings hießen Klassensprecher damals in Kärnten noch “Klassenführer”. Es sind diese aufschlussreichen Details, welche Lesen und Leben so interessant machen.

Das Buch gibt selbstverständlich auch Einblicke in das akademische Leben Österreichs. Obwohl es sicher eine Menge an Material gegeben hätte, bringt Rossbacher nur wenige Beispiele. Etwa über seine Schwierigkeiten als Vorstand des Salzburger Germanistikinstituts, eine Gefälligkeitsberufung zu verhindern. Der Fall zog sich über viele Jahre hin und landete schließlich beim Verwaltungsgerichtshof. Der besser qualifizierte Bewerber durfte die Stelle behalten, die Gefälligkeitskandidatin zog den Kürzeren.

Zurück zur Literatur! Quer durch das Persönliche Alphabet bekommt selbst der erfahrene Büchermensch jede Menge spannende Leseanregungen. Die Klassiker kommen zwar nicht zu kurz, aber man staunt über die Vielfalt der angesammelten Lesefrüchte. Ludwig Anzengruber, der französische Schriftsteller Alain oder die kroatische Essayistin Dubravka Ugrešic seien exemplarisch herausgegriffen. Als ich Lesen und Leben zuklappe, habe ich eine lange Liste mit Büchern neben mir liegen, die ich alle am liebsten sofort läse. Die vornehmste Aufgabe des Literaturwissenschaftlers ist es ja, die Menschen zum verständnisvollen Lesen zu motivieren.

Karlheinz Rossbacher: Lesen und Leben. Ein persönliches Alphabet (Otto Müller Verlag)

Ebooks und Bibliotheken

Die Angst geht um unter den Verlagen. Wer wird noch Bücher kaufen, wenn man sich Ebooks bequem und gratis aus seiner Stadtbibliothek holen kann? Man muss ja nicht einmal mehr die Wohnung verlassen! The Economist fasst in Folding shelves die aktuelle Situation zusammen:

No country has a settled policy on e-lending. Britain has ordered a review; the results are expected soon. Other governments are waiting for publishers to set their terms. In America, where around three-quarters of public libraries lend e-books, each of the “big six” publishers has a different policy. Simon & Schuster refuses to make e-books available to public libraries at all. HarperCollins’s e-books expire after they have been lent 26 times. At the 80 libraries where Penguin is offering a pilot e-lending programme, licences for its e-books expire after a year. Other publishers want to apply the limitations of printed books to digital ones. For example, some want public libraries to replace e-books periodically, just as they have to do with real books that get dirty and torn.

Der Manesse-Verleger im Interview

Der Manesse Verlag ist nach wie vor einer der wichtigsten Klassikerverlage im deutschsprachigen Raum. Verlagsleiter Horst Lauinger gab der Zeit ein Interview:

ZEIT ONLINE: Jetzt kann man einwenden: Manesse gehört zu Random House, ist ein Konzernverlag. Wenn Sie Verluste machen, fallen Sie weich.
Lauinger: Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Jedes große Unternehmen, egal in welcher Branche, wird mittlerweile nach dem Profitcenter-Prinzip geführt. Das heißt: Jede zum Konzern gehörende Einheit muss für sich selbst bestehen können. Es ist also durchaus nicht so, dass, wenn zum Beispiel der Blessing-Verlag mit dem neuen Schirrmacher-Buch Erfolg hat, ich davon in der Querfinanzierung etwas abbekomme. Querfinanzieren kann ich mich nur selbst, mit Manesse-Erfolgen. Man hat bei Random House selbstverständlich eine gewisse Renditeerwartung. Die muss ich nicht zu hundert Prozent erfüllen. Aber die schwarze Null am Ende des Jahres ist das Mindeste. Und das gelingt uns seit Jahren recht passabel.

Egon Friedell an Anton Kuh

Sehr geehrter Herr,

überrascht stelle ich fest, dass Sie meine bescheidene Erzählung “Kaiser Josef und die Prostituierte” unverändert, nur unter Hinzufügung der drei Worte “von Anton Kuh” im “Querschnitt” veröffentlicht haben.

Es ehrt mich selbstverständlich, dass Ihre Wahl auf meine kleine, launige Geschichte gefallen ist, da Ihnen doch die gesamte Weltliteratur seit Homer zur Verfügung gestanden hat.

Ich hätte mich deshalb gerne revanchiert, aber noch Durchsicht Ihres ganzen Oeuvres fand ich nichts, worunter ich meinen Namen hätte setzen mögen.

Egon Friedell

Stirbt die ISBN?

The Economist berichtet in Book-keeping über das mögliche Sterben der ISBN:

But publishing is changing. Self-published writers are booming; sales of their books increased by a third in America in 2011. Digital self-publishing was up by 129%. This ends the distinction between publisher, distributor and bookshop, making ISBNs less necessary.

Alternatives are appearing, too. Amazon has introduced the Amazon Standard Identification Number (ASIN). Digital Object Identifiers (DOI) tag articles in academic journals. Walmart, an American supermarket chain, has a Universal Product Code (UPC) for everything it stocks—including books. Humans are also getting labels: the Open Researcher and Contributor ID system (ORCID) identifies academics by codes, not their names. And ISBNs are not mandatory at Google Books.

Mein zweiter Kindle – Eine Reflexion

Meine erste Begegnung mit dem Kindle dokumentierte ich für The Gap und die Notiz zählt immer noch zu den am meisten gelesenen. Mehr als ein Jahr später und inzwischen mit einem Paperwhite ausgestattet, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Diskussion über Ebook-Reader ist eine rege, steht doch nicht zuletzt das Überleben der Buchhandlungen auf dem Spiel. Für mich wäre ein Leseleben ohne Kindle inzwischen schwer vorstellbar. Unterwegs habe ich das Gerät immer dabei und damit fast alle meine Lieblings-Klassiker nebst jeder Menge anderer Büchern. Die Beleuchtung beseitigte eines der ärgerlichsten Probleme meines Leselebens: Mangelndes Licht. Ob halbdunkle Kaffeehäuser oder halbdunkle Bars, ob durch funzelige Energiesparlampen dreivierteldunkle Hotelzimmer: Diese Ärgernisse sind kein Thema mehr. Ich kann lesen, wann & wo ich will. Sehr bewährt hat sich diese Tatsache auf meiner letzten Marokko-Reise.

Zusätzlich die Zeitschriften und Zeitungen. Mit meiner 3G-Version des Paperwhite bekomme ich weltweit in Echtzeit nicht nur die Neue Zürcher Zeitung oder den The Economist. Letzterer ist insofern ein gutes Beispiel, als meine Printausgabe in der Vergangenheit immer am Montag zugestellt wurde, während ich jetzt die neue Ausgabe bereits am Donnerstagabend bekomme und damit vier Tage früher. An diese Bequemlichkeiten gewöhnt man sich rasch und möchte sie nicht mehr missen.

Dieser Bequemlichkeit steht allerdings eine Fülle von kritischen Beobachtungen gegenüber, die sich jeder bewusst machen muss, wenn er sich dieser Technik bedient. Zu Beginn drängt sich die Frage auf, wie nachhaltig eine Kindle-Bibliothek sein kann. Technisch kann Amazon jederzeit jedes Buch von jedem Kindle löschen. Was passiert, wenn es Amazon in 10 Jahren nicht mehr gibt? Im Internetgeschäft verschwinden immer wieder innerhalb weniger Jahre Platzhirsche vom Markt. Mindestens ebenso kritisch ist das Thema Privatsphäre. Es ist bekannt, dass in den USA die Geheimdienste offiziell ohne Gerichtsbeschluss Zugriff auf alle Daten der großen Internet-Firmen besitzen. Als amerikanische Geheimniskrämer vor längerer Zeit Zugriff auf die Ausleihdaten amerikanischer Bibliotheken wollten, gab es einen Aufschrei der Empörung und der Verstoß scheiterte. Dabei wäre es doch so praktisch zu wissen, wer islamistische oder marxistische oder anarchistische Bücher liest, nicht wahr? Kindle-Leser erfüllen diesen Traum freiwillig. Amazon speichert natürlich nicht nur, welche Titel man gekauft hat. Die Datenbanken wissen auch, was man wirklich liest, wie schnell man dies tut, wo man ein Buch abgebrochen hat. Bei Lesern bekommt man hier schon nach kurzer Zeit ein aussagekräftiges Persönlichkeitsprofil. Die jüngsten Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen bei Amazon durch eine ARD-Reportage verschärfen das ethische Dilemma. Wobei Amazon für die Auslieferung von Ebooks im Gegensatz zu Büchern ja keine Lagerarbeiter benötigt.

So viel zum Elektronischen. Die geschilderten Vorteile heißen nun natürlich nicht, dass ich Bücher nicht mehr schätze. Ein gedrucktes Buch hat das Zeug zu einem Gesamtkunstwerk und in meiner Privatbibliothek finden sich auch bibliophile Ausgaben. Aber gerade diese schönen Ausgaben nimmt man nicht mit außer Haus. Ich plädiere deshalb für eine friedliche Koexistenz zwischen Gedrucktem und Elektronischem. Ein Kindle ist ideal für unterwegs. Man kann hunderte Bücher und Zeitschriften in die Jackentasche stecken und sie jederzeit und bei allen Lichtverhältnissen verwenden. Bücher dagegen sind für mich wertvolle Individuen, denen man sich zu Hause widmet. Auf dem Sofa ist es selbstverständlich schöner, in einer Leviathan-Ausgabe der Londoner Folio Society zu lesen als in einer mit Tippfehler angereicherten Gratis-Klassiker-Ausgabe auf dem Kindle. Letztere Ausgabe ist trotzdem hilfreich, wenn man auf Reisen einmal kurz einige Passagen nachlesen will.

Für mich ersetzen Ebooks billige Taschenbücher sowie Sach- und Fachbücher, die ich ohnehin nicht dauerhaft in meiner Bibliothek aufbewahren will. Die Bücher in den Regalen werden zukünftig fast nur noch gebunden sein und schöner als in der Vergangenheit. Die Freunde des Gedruckten sollten sich aber über den Vormarsch der Ebooks keinen Illusionen hingeben. Fast alle Büchermenschen in meinem Bekanntenkreis, von Literaturkritikern über Lektoren bis hin zu Literaturwissenschaftlern, nutzen inzwischen intensiv Kindle & Co. Mit anderen Worten: Gerade für die kleine Minderheit an großen Lesern – und damit die Hauptumsatzbringer der Buchbranche – sind Ebooks bereits Teil des Alltags.

Literaturnobelpreisträger Mo Yan

Schon lange war kein Literaturnobelpreisträger politisch so umstritten wie Mo Yan. Chinakenner Perry Link beschäftigt sich in der New York Review of Books No. 19/2012 ausführlich mit dem Autor: Does This Writer Deserve the Prize? Die politische Kritik scheint durchaus berechtigt zu sein:

Some criticized the Nobel committee, but their main criticism was of Mo Yan himself, primarily for some of his recent political choices. At the opening ceremonies of the Frankfurt Book Fair in October 2009, he read an officially vetted speech in which he claimed that literature should be above politics; but, when Chinese authorities ordered a boycott of a session where the freethinking writers Dai Qing and Bei Ling appeared, Mo Yan joined the walkout, later explaining that he “had no choice.”

In December 2009, after the announcement of Liu Xiaobo’s unexpectedly harsh prison sentence of eleven years, Cui Weiping, a film scholar, conducted a telephone survey of more than a hundred prominent Chinese intellectuals to get their responses. Many, at personal risk, expressed disgust and told Cui she could publish what they said. Mo Yan, who also gave permission to publish what he said, said, “I’m not clear on the details, and would rather not comment. I have guests at home right now and am busy.”

But most galling to Mo Yan’s critics was his agreement, in June 2012, to join in a state-sponsored project to get famous authors to hand-copy Mao Zedong’s 1942 “Talks at the Yan’an Forum on Literature and Art” in celebration of their seventieth anniversary. These “Talks”—which were the intellectual handcuffs of Chinese writers throughout the Mao era and were almost universally reviled by writers during the years between Mao’s death in 1976 and the Beijing massacre in 1989—were now again being held up for adulation. Some of the writers who were invited to participate declined to do so. Mo Yan not only agreed but has gone further than others to explain that the “Talks,” in their time, had “historical necessity” and “played a positive role.”

Economist: Best Books 2012

Inzwischen hat auch The Economist seine Buchempfehlungen 2012 vorgelegt und fast das Bücherjahr so zusammen:

The best books of 2012 were about Richard Burton, Titian, Rin Tin Tin, the revolution in Iran, the great famine in China, secret houses in London, good oil companies, bad pharma and management in ten words.

Suhrkamp vor Gericht

Der Rechtsstreit um Suhrkamp erreicht eine neue Eskalationsstufe: Die Suhrkamp Chefin Ulla Unseld-Berkewicz wurde vom Berliner Landgericht abgesetzt, wie man im Spiegel nachlesen kann. Noch nicht rechtskräftig.

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Ö1 über die Notizen

"Stets profund und pointiert." (Diagonal vom 9. März 2013)

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