Tiere

Filmcasino 17.11. 17

CH/A/PL 2017

Regie: Greg Zglinski

Formal erfreulich weit weg vom Mainstream ist dieses teils in Wien teils in der Schweiz spielende Ehebruchsdrama der oberen Mittelschicht. Wobei „Ehebruchsdrama“ hier nicht als Genrebezeichnung gemeint ist. In eine Schublade passt dieser Film nicht, was eine seiner Stärken ist. Man sieht zarte Anleihen an Lynch oder Hitchcock. Ein wirkliches Horrorgefühl kommt allerdings kaum auf, dafür gibt es einige sehr komische Szenen. Nick ist ein erfolgreicher Koch, der seine Frau Anna bereits seit längerem betrügt. Sie will ein Buch schreiben, wofür sich die beiden eine Auszeit in einem einsamen Berghaus in der Schweiz nehmen. Die Handlung entwickelt sich in unchronologischen Sprüngen und gleitet teilweise ins Surreale ab. Am Ende bleibt der Zuschauer mit sehr unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten zurück, was sich da vor seinen Augen eben wirklich abspielte. Selbst der Titel ist ambivalent, weil Tiere symbolisch eine große Rolle spielen, sich das Wort aber auch auf die Protagonisten beziehen lässt. Schon länger kein so intelligentes Spiel mit der Realität im Kino gesehen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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