Thomas Köck: paradies fluten

Akademietheater 5.10. 17

Regie: Robert Borgmann
Großmutter: Elisabeth Orth
Vater: Peter Knaack
Mutter: Katharina Lorenz
Tochter: Aenne Schwarz
Der Entwicklungshelfer; Sylvie Rohrer
Der Architekt: Philipp Hauß
Die von der Prophezeiung Vergessene: Sabine Haupt
Die von der Vorhersehung Übersehene: Alina Fritsch

Thomas Köck wird als Nachwuchsstar unter den österreichischen Dramatikern gehandelt: Nicht ganz zu Unrecht, wenn man von diesem turbulenten Drei-Stunden-Abend ausgeht. Der Abend ist auf unterschiedlichen Ebenen apokalyptisch. Gleich zu Beginn wird das Ende der Erde durch das Ende der Sonne wissenschaftlich korrekt thematisiert: Die Erde verwandelt sich in einen Lavaball auf dem buchstäblich nichts übrigbleiben wird.

In diesem Setting lernen wir eine streitende Familie kennen. Der Vater will sich mit einer KFZ-Werkstatt selbständig machen, was Ängste und Konflikte in der Familie auslöst. Das wird grotesk verfremdet dargestellt, so wie man das aus einigen Stücken Ernst Jandls kennt: Die Personen reden in der dritten Person von sich. Besonders Peter Knack entwickelt eine grandiose Bühnenpräsenz und transzendiert seine Kleinunternehmerprobleme erstaunlich mühelos in universale Menschheitsprobleme.

Zwei weitere Handlungsstränge seien noch erwähnt: Ein kolonialer in Brasilien, wo wieder einmal eine Oper im Dschungel errichtet werden soll, sowie die deprimierende Karriere der Tochter als Tänzerin, die sich auf Honorarbasis an Bühnen vermietet, aber davon kaum leben kann.

Die Handlung ist freilich nur der Anlass für ein Bühnensprachkunstwerk. Das gelingt an vielen Stellen ästhetisch adäquat, kann aber die drei Stunden des Abends nicht immer tragen. Weniger wäre an einigen Stellen mehr gewesen. Das apokalyptische Spektakel auf der Bühne führt Schauspieler und Bühnentechnik gleichermaßen an ihre Grenzen. Schlamm, Wasser, Kunstblut, Projektionen, Orgiastisches wird vor der Pause in Mengen geboten. Danach setzt die Inszenierung auf einen Kontrapunkt mit historischen Kostümen. Aus der wilden Orgie wird eine strenge Choreographie.

Kein perfekter Theaterabend, aber ein im positiven Sinn riskanter und außergewöhnlicher. Ein sehr erfreuliches Lebenszeichen der österreichischen Gegenwartsdramatik.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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