Whiplash & La La Land

Der 2014 erschienene Autorenfilm Whiplash von Damien Chazelle zählt zu den beeindruckendsten Filmen der letzten Jahre, speziell wenn man sich für Jazz und Ästhetik interessiert. Zentral ist Frage, was ein Genie zum Genie macht bzw. wie man junge Künstler am besten fördert. Im Mittelpunkt steht der hochbegabte junge Jazzmusiker Andrew Neiman, der im New Yorker Shaffer Konservatorium mit Terence Fletcher auf einen angesehenen Dirigenten und Lehrer trifft, dessen pädagogischer Stil mit „schwarz“ noch sehr diplomatisch beschrieben wäre. Es entwickelt sich ein spannendes Lehrer-Schüler-Drama. Fletcher rechtfertigt seine brutalen Methoden damit, dass er durch höchste Anforderungen neue Jazz-Genies hervorbringen will. Deshalb treibt er so manchen seiner Schüler in den psychischen Ruin. Als Zuseher stellt man sich schnell die Frage, welchen Preis künstlerische Genialität eigentlich wert ist. Eingefangen ist das Ganze cineastisch makellos mit intelligenten Einstellungen und Bildern.

Deshalb nehme ich allen meinen Mut zusammen, um mir auch den neuen Film Chazelles anzusehen, La La Land, obwohl ich mit dem Genre des Musicals noch nie etwas anfangen konnte. Nun kann ich sagen: Das wird auch so bleiben. Zweifellos ist dieser Streifen handwerklich nicht nur perfekt gemacht, sondern glänzt auch mit zahlreichen Anspielungen auf das klassische Hollywood. Diese Alusionen sind nicht nur inhaltlicher, sondern auch formeller Natur (etwa raffinierte Kamerafahrten). Trotzdem fehlt dem Film die intellektuelle Dringlichkeit und Notwendigkeit, welche Whiplash auszeichnet.
Der Erfolg des Musicals lässt sich aber leicht erklären. Einerseits ist die Nachrichtenlage so düster, dass viele Menschen wohl gerne einmal einen einigermaßen anspruchsvollen Entspannungsfilm sehen wollen. Andererseits ist die Handlung über zwei arme, aber ambitionierte junge Künstler, die in Los Angeles bzw. Hollywood erfolgreich sein wollen, hinreichend nostalgisch für die Filmszene, um dort Begeisterung auszulösen. Welcher Hollywood-Star in einer der zahlreichen Jurys sieht nicht gerne die Aufstiegskämpfe der jungen Stargeneration und erinnert sich an seine ersten frühen Erfolge? Dieser Nostalgiefaktor dürfte für die Preisflut eine plausible Erklärung sein, die über La La Land bisher hereingebrochen ist. Ansonsten wäre es für mich nur schwer verständlich, warum er etwa bei den BAFTAs mehr Auszeichnungen bekam als der in fast jeder Hinsicht bessere Manchester by the Sea.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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