Manchester by the Sea

Filmcasino 25.1. 2017

Regie: Kenneth Lonergan
USA 2016

Auf kaum einer seriösen Liste mit den besten Filmen des Jahres 2016 fehlte Manchester by the Sea. In der Tat handelt es sich um einen ausgezeichneten klassischen Autorenfilm: Kenneth Lonergan führte nicht nur die Regie, er schrieb auch das Drehbuch. Der Film beschäftigt sich mit den Auswirkungen von zwei Alltagstragödien und deren psychischen und sozialen Auswirkungen auf die Protagonisten. Der wortkarge Außenseiter Lee Chandler verlässt seine Heimatstadt Manchester by the Sea nach einem tragischen Erlebnis und fristet sein Leben als schlecht gelaunter Hausmeister. Als sein Bruder nicht überraschend an seiner Herzkrankheit stirbt, muss er zurückkehren und sich unerwartet um seinen 16-jährigen Neffen Patrick kümmern, was ihn angesichts seiner labilen Verfassung naturgemäß überfordert. Die sich entwickelnde Beziehung zwischen den beiden, steht im Mittelpunkt. Während in vielen Filmen der Teenager die problematische Figur ist, stellt Lonergan dieses Klischee auf den Kopf: Patrick ist das Gegenteil seines Onkels: Beliebt, begehrt, sozial bestens integriert und emotional deutlich stabiler als sein erwachsener Verwandter. Die Geschichte und die Dialoge sind literarisch auf hohem Niveau. Die Filmmusik ist ein Hauch zu pathetisch, funktioniert aber noch als tragendes Element. Die vielen Rückblenden sind strukturell intelligent eingesetzt. Ein Anti-Hollywood-Film im besten Sinne.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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