Black Mirror

Genau zwei Serien haben es bisher in die Notizen geschafft: Breaking Bad und The Wire. Als dritte kommt nun Black Mirror hinzu, eine düstere und dystopische Serie, die ebenfalls weit mehr bietet als schlichte Fernsehunterhaltung. Die dritte Staffel produzierte Netflix und auch eine vierte ist bereits in Arbeit.

Anders als beim Genre üblich, sind die bisherigen dreizehn Folgen völlig voneinander unabhängig. Nicht nur gibt es keinen übergreifenden Handlungsbogen, es gibt auch keine Figuren oder andere Elemente, welche einen direkten Bezug zwischen den unterschiedlich langen Episoden herstellen. Indirekt verbindet alle Folgen freilich ein Thema: Das dystopische soziale Potenzial unserer aktuellen Technologien. Die meisten Folgen drehen die Schraube unserer Lieblingstechnologien einige Jahre bzw. Jahrzehnte weiter und zeigen deren gruselige gesellschaftliche Konsequenzen. Im Mittelpunkt stehen soziale Medien, künstliche Intelligenz und elektronische Körperimplantate, etwa ein Chip, der ein perfektes Gedächtnis garantiert, weil er jeden Sinneseindruck abspeichert und wieder abspielbar macht. Oder ein elektronisches Implantat im Auge, dass es einem erlaubt, unfreundliche Mitmenschen buchstäblich zu blocken, wie unerfreuliche Zeitgenossen auf Twitter. In einer Folge wird der eigene soziale Status ständig durch Live-Bewertungen mit Hilfe des Smartphones konstatiert, ganz so als sei man ein Amazonprodukt. Sehr gut sind auch jene Serienteile, die Schuld und Sühne reflektieren.

Die einzelnen Episoden sind hervorragend geschrieben: Nichts ist so, wie es am Anfang scheint. Ständig gibt es völlig überraschende Entwicklungen. Dieses kreative Ignorieren von Genreregeln, macht Black Mirror ebenso zu einem Kunstwerk wie der intellektuelle und emotionale Gehalt. Wer sich eine oder zwei Folgen ansieht – mehr auf einmal sind nicht zu empfehlen – bleibt ausgesprochen nachdenklich bis dunkel gestimmt zurück. Damit fängt sie die aktuelle Stimmung im Westen gut ein und ist damit schon jetzt ein gelungenes Zeitdokument.

Eine Antwort auf Black Mirror

  • Wabble sagt:

    Alle drei Serien zeichnet aus, dass sie ihre erzählte Welt mit größter Prägnanz und Sorgfalt aufbauen. Kein Motiv hängt in der Luft, kein Detail ist Klischee. Das kommt Science Fiction, die zu häufig an Klischees leidet, besonders zugute; man merkt jeder Folge an, dass Brooker die Technik, von der er schreibt, nicht nur aus kulturkritischen Think Pieces kennt, sondern ihre Mechanismen studiert hat und originell weiterdenken kann. Es gibt durchaus auch weniger gelungene, effekthascherische Folgen, aber insgesamt ein Höhepunkt moderner Science Fiction, der viele der Schwächen von Vorbildern wie Philp K. Dick vermeidet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets